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Die Welt · 1913-02-07 · 6 (7.2.1913) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
6 (7.2.1913)
Date
1913-02-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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180 Nr. 6 DIE2&ELT nehmen und sie in Palästina vier Monate lang selbständig zu besolden, falls der Verein gewillt sei, die weiteren Kosten zu übernehmen. Der Vorschlag des Herrn Straus ist natürlich mit Dank angenommen worden, und man hofft hier, daß der Verein — dank der Patronage einer so prominenten Persönlichkeit — nun an Ansehen und Mitgliederzahl rasch zunehmen wird. Wie verlautet, beabsichtigt Herr Straus, in Jerusalem zahlreiche Volksküchen zu gründen und sich nach den verschiedensten Richtungen um die Besserung des sanitären Verhältnisse Palästinas zu bemühen. o o o o o o o o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG o o o o o o o o o o o o o o Sitzung des Großen Actions-Comitds Montag, den 24. und Dienstag, den 25. Februar finden in Berlin in den Räumen des zionistischen Zentralbureaus, Sächsische Straße 8, Sitzungen des Großen Actions- Comites der Zionistischen Organisation statt. Das dreißigjährige Jubiläum der Kadimah (Von unserem Berichterstatter.) Wien. Eine schöne, erhebende Woche ist verrauscht. Die jubilierende „Kadimah“ hatte aus nah und fern ihre Söhne und Freunde um sich versammelt. Manch angegrauter Jahrgang mengte sich unter die neue Jugend und vergaß den Alltag. Die Festlichkeiten fanden unter dem Protektorate des Universitätsprofessors Hofrat Weichselbaum, zahlreicher Professoren und bekannter Persönlichkeiten des Zionismus statt. Die Feier begann Montag, den 27. Januar, mit einem Begrüßungsabend, der einen schlichten intimen Charakter trug. Die alten Kadimahner, die sich vielfach jahrelang nicht gesehen hatten, tauschten kostbare Erinnerungen aus. Einen glänzenden Verlauf nahm der B a 11 in den herrlich geschmückten Beethovensälen. In Vertretung des Rektors war Professor Dr. Salomon Ehrmann erschienen und wurde mit den Klängen des „Gaudeamus“ empfangen. Am Mittwoch versammelte sich die Kadimah zu einem Festkonvente in ihrem Vereins- Ueberaus eindrucksvoll war der Besuch am Grabe H e r z l s. Ungefähr 300 Studenten hatten sich am Eingänge des Döblinger Friedhofes versammelt und bewegten sich in stummer Ehrerbietung, unter Vorantragung eines mächtigen Kranzes in den Farben der Kadimah, zu Herzls Gruft. Kadimahner Felix Mandl trat vor und sagte unter anderem: „Abseits vom festlichen Lärm haben wir uns an der Grabstätte des großen Führers versammelt, um zu zeigen, daß die Kadimah noch da ist und daß wir ihn lieben mit der anzen Glut, mit der junge Juden den lieben müssen, der ihnen en Lebensnerv und die Freiheit wiedergegeben hat. Mit Stolz gedenken Wir der unvergeßlichen Worte, die Herzl sagte, als wir das rot-viol-goldene Band anlegten: ,durch euch habe ich all den Mut gefunden, der nötig ist, des jüdischen Volkes Führer zu sein.' Wir erneuern den Schwur, den du jedem jungen Kadimahner abnahmst, wenn er das Band anlegte. Wir wollen vorwärts und ostwärts ins Ahnenland, und voran tragen wir den herrlichsten aller Kadimahner, unseren toten Fürsten Theodor Herzl . . .“ Den Höhepunkt der Feierlichkeiten bildete ein glänzender Festkommers. Der Beethovensaal, von alten und jungen Akademikern dicht gefüllt und von einer Galerie zionistischer Frauen und Mädchen umkränzt, bot einen wunderschönen Anblick. Ueber dem Präsidium hing, von frischen Blumen umrankt, das überlebensgroße Oelgemälde Herzls. Nach der Begrüßungsansprache des gegenwärtigen Präses der Kadimah, abs. Ing. J. Baltinester, folgte eine Anzahl bedeutsamer Reden, aus denen wir einige in gedrängter Kürze wiedergeben: Schriftsteller Felix Salten hielt die Festrede: Es gab eine Zeit, da sahen wir um uns nur Menschen auf der Flucht vor den eigenen Wurzeln und vor dem eigenen Blute, und noch immer erkennen viele nicht, daß es im Leben nicht darauf ankommt, etwas zu spielen, sondern den Weg zu sich selbst zu finden. Heute fragen wir nicht mehr danach, ob der Jude, der sich von sich selbst lossagt, eine tragische oder eine lächerliche Figur ist, denn wir haben unter all dies einen dicken Strich gezogen, seitdem Theodor Herzl uns eine Heimat des Geistes gab und eine Heimat des Blutes. Es ist wenig Liebe um uns herum und daß wir dabei nicht wehleidig sind, das ist das Verdienst der Jugend. Man haßt uns inniglich. Aber wenn wir die Leistungen und Erfolge des Judenvolkes überblicken, müssen wir uns füglich fragen: Und dabei wollen wir noch geliebt werden? Mögen einst, wenn Sie Väter geworden sind, Ihre Söhne diese Farben tragen, und möge Ihnen dann aus den Augen Ihrer Söhne so reine Freude entgegenleuchten, wie mir aus den Ihrigen! Ehrenbursch der Kadimah Dr. Isidor Schalit: Die Kadimahwoche rauscht vorüber. Alte Kadimahner sehen sich wieder, blicken einander in die Augen und lesen in den Seelen. Wo sind die Jahre jungen Mutes und junger Leidenschaft? Der Werktag hat uns in seinen grauen Mantel gehüllt, aber eins sind wir geblieben: „Kadimahner“! Dieses Fest feiert das ganze Volk mit, denn es gilt dem Tage, da — wie im Traume des Propheten — die Gebeine aus den Gräbern stiegen, da sich Knochen an Knochen fügte und ein Herz wieder schlug. Ke Gründung der Kadimah war eine historische Tat. Diese Ersten haben die uralte jüdische Fahne entrollt und haben sie rein und makellos jenem Manne übergeben, den sich ein Volk zum Führer erkor. Welche Veränderung nach 60 Semestern! Heute braust wie ein Orkan durch die Judenwelt der Ruf nach Zion. Der Zionismus ist heute keine Studentenbewegung mehr. Wir mußten als junge Studenten Führer sein, ihr dürft es werden. Euch isFs gegönnt, die Studentenzeit zur Vorbereitung für den Führerberuf auszunützen. Nicht alles was wir geschaffen haben, war vollkommen, aber alles, was wir schaffen wollten, ist gut! Wir wollen eine große Gemeinde der Arbeit und Pflichterfüllung. Was das Volk an Intelligenz, Kraft, Entschlossenheit. .Opfermut, Schaffensfreude und Begeisterung besitzt, soll dem einen unabänderlichen Ziele dienen: der Befreiung des Judenvolkes. Vergesset dieses Ziel nicht, Kadimahner! Wir haben euch wehrhaft gemacht; denn ein versklavtes Volk braucht eine wehrhafte Jugend — nicht Buben, die sich vor dem Geldbeutel bücken, hinter Weiberröcken verstecken, vor jeder „Autorität“ zusammenknicken. Die Freiheit, die wir meinen, will erkämpft nicht erbettelt werden. Aber das Schlagen darf nicht Selbstzweck sein!! Eine „Selbstwehr“ im besten Sinne des Wortes sollt ihr bilden, wehrhaft auf allen Gebieten des Wissens und Könnens, im Berufe ein ganzer Mann, außerhalb des . Berufes ein starker und freier Mann! Kampf gegen Krankheit, Seuche. Finsternis, Unwissenheit, Kampf vor allem gegen die Feinde in der eigenen Brust, gegen Trägheit und Indolenz, Stumpfsinn und Unduldsamkeit! Denkt immer an die herrliche „Selb st wehr“ in den Pogroms, die auch auf dem Baume der Kadimah gediehen ist und Zeugnis größten Heldentums gab — ohne daß sie von der „Wiener Bierehrlichkeit“, von „Außenterzen“ und „Durchziehern“ wußte. Lernet den Willen meistern, mehret euer Wissen, stählet den Körper, treibt vor allem Sport! Wir sind stolz, daß ein Kadimahner, Ing. Bernhard, der beste Oesterreicher bei den Olympischen Spielen zu Stockholm war. Bleibt treue Hüter des Zionismus, ehrenvolle Träger des Namens „Kadimah“ in seiner doppelten Bedeutung: Vorwärts und ostwärts! Vertreter des E. A. C., Generalsekretär Kurt Blumenf eld: Wir beglückwünschen Sie, aber wir wollen auch gemeinsam prüfen, wie stark Sie geworden sind, denn eine Korporation, die 60 Semester zählt, hat große Pflichten. Verbindungen sind Erziehungsorganisationen. Aus ihnen müssen wir den kleinen Kreis der Besten holen, Männer, deren Aktivität im Leben beginnt. Die Verbindung muß ihre Mitglieder im Bewußtsein primitiver machen und ihnen den Mut zur Parteinahme geben, zur letzten absoluten Hingebung. Die „alten Herren“ dürfen nicht kenntlich sein durch Bänder, — sondern durch das Band der Gesinnungsgenossenschaft. Fragt man einen absolvierten Akademiker: „Wie lebst du dein Leben als Zionist?“, und er antwortet: „Mein Beruf

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