Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 52 (28.12.1900)
- Article
- Berlin
- Date
- 1900-12-28
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 52 „Die 2$ Welt" Seite 11 in einer russischen Rede in glänzender Weise den Vergleich durch zwischen den Hellenisten zur Makkabäerzeit und den heutigen Assimilanten. Er schloss mit der Hoffnung, dass es uns Zionisten. so wie «»inst den Makkabäern. gelingen werde, das Judenthum zur Unabhängigkeit zu führen. Aus dem ungemein reichhaltigen Programm sei hervorgehoben : Das Clavierspiel des Frl. stud. phil. Nathansohn, die russische Declamation ("aus Frug) des Frl. stud. phil. Ruhinstein. die deutsche Declamation (aus dem Werke „Juda" von Frhrn. v. M ü n c h h a n s e n - L-i 1 i e n) des cand. med. Rosenkranz, die hehräische Ansprache des cand. theol. Meyerowitz, jüdische Jargon-Lieder des Herrn Schriftstellers Estermann, endlich jüdische, hebräische, deutsche und russische Chorgesänge. Im Namen der Gäste sprach deutsch Herr Martin Bube r, der als Delegierter der .,Zicr.:^t:r.chen Vereinigung" zur Feier erschienen war. Unsere Feier ehrten durch ihre Anwesenheit die beiden Autoren des „Juda", unser Gesinnungsgenosse E. M. Lilien (Illustrator des Werkes) und Frhr. Börries v. Münchhausen (Dichter des Werkes), sowie auch mehrere polnische Zions-Freunde. Dieser Umstand gab dem cand. theol. Meyerowitz Anlass zu einem Toast auf die christlichen Zionisten und Herrn stud. cam. Neu fei d zu einer polnischen Ansprache, in weicherer die Hoffnung ausdrückte, dass zu den zionistischen Feiern auch die ..Polen der mosaischen Oonfession" erscheinen werden. Diese sollten sich ihres Indifferentismus, ja ihrer Feindlichkeit gegenüber der Zions-Idee schämen, umsomehr als zu gleicher Zeit ihre polnisch-christlichen Collegen so lebhafte Sympathien und solches Interesse dem Zionismus entgegenbringen. Mit dieser Ansprache fand der officielle Theil seinen Abschlnss. — Die äusserst, gelungene Feier wird wohl dem Vereine und dem Zionismus neue Freunde zuführen und die Hilfsaction für Palästinas Arbeiter materiell stärken. Wien. Die zionistischen Corporationen Wiens veranstalten Diestag den 15. Jänner 1901 in den Sofien-Sälen eine Makkabäer-Feier mit anschliessendem Tanzkränzchen. Ihre Mitwirkung haben freundlichst zugesagt : Ignaz Brüll. Eduard Gärtner, Fritz Blum. Die Musik besorgt die k. u.k. Militär-Capelle des bosn.-herz. Infanterie- Regimentes Nr. 4. Tanz-Arrangement: Herr Prof. Sin ger. Saal-Eröffnung S Uhr. Beginn des Concertes präcise Uhr. Eintrittskarten im Vorverkauf: Familienkarten K 6.—. Einzelkarten K 2.—. Abendcasse : Familienkarten K. 7.—. Einzelkarten K 2.40. Zuschlag lür eine Loge K 10.— Centrale der Kartenausgabe : Isidor Kolisch. VIT.. Zieglergasse 38. Englische Chronik. London. In einer zahlreich besuchten Versammlung, die von den „Knights ofZion Association" einberufen wurde, hielt Sir Francis Montefiore an einem der letzten Sonntage in der Anthony Hall. Anthony Street. Commercial Road. einen formal wie inhaltlich gleich ausgezeichneten Vortrag über den „antizionistischen Kriricismus", der grossen Beifall erntete. Unter anderem sagte der Redner: ,.Tch will zunächst die kritischen Einwände prüfen, welche letzthin in Bezug auf die Parlamentswahlen sowohl in der jüdischen Presse, als von Seiten des Sir Samuel M o n t a g u erhoben wurden. Von welchem Gesichtspunkte man auch diese Kritik ansehe, muss man sich gestehen, dass gerade die Zionisten einen Tadel in dieser Angelegenheit nicht verdienen. Die Verfechter aller grossen Ideen haben in unserem Lande stets bei den Parlamentswahlen ihre Unterstützung den Candidaten angeboten, die sich bereit erklärten, ihre Ideen in die Oeffentlichkeit zu bringen. Warum sollen wir Zionisten nicht das Nämliche thun? Die Zionisten vertreten eine sehr grosse und heilige Sache, von deren Gestaltung das Wohl und Wehe ihres Volkes abhängt. Sie würden mit Recht jeden Tadel verdienen, wenn sie auch nur einen Augenblick ihre Pflicht vernachlässigten, auch nur eine günstige Gelegenheit ungenützt Ii essen. Darum haben sie ihre Hilfe Parlamentariern angeboten, um die Oeffentlichkeit für den Zionismus zu interessieren. Die Zionisten werden und können auch fürderhin nicht anders handeln. Sieht man die Sache vom Gesichtspunkte des Erfolges an, nun, so haben wir wahrlich einen respectablen Erfolg errungen. Auf das versendete Circular erhielt die „English Zionist Federation" 130 Antworten, darunter 31 von gewählten Candidaten. Seitdem hat sie, und zwar nach den Wahlen, weitere 13 Antwortschreiben bekommen, in denen der „Federation" die Förderung ihrer Bestrebungen zugesagt wird. Ich erinnere Sie daran noch einmal, dass diese 13 Parlamentarier nach inJ^.r ,a geschrieben haben, so dass sie nicht mehr nöthig hatten, nach Stimmen zu haschen. Sir Samuel M o n t a g u hat auch von Gefahren gesprochen, denen man das Judenthum durch derlei Rundfragen aussetze. Was aber Sir M o n t a g u unter Gefahren versteht — diese Definition ist er uns schuldig geblieben. Ist es eine Gefahr, wenn man die nationale Ehre des Judenthums vertheidigt? Eine Gefahr wäre es, wenn die Zionisten bei irgendeiner wichtigen Gelegenheit den Zionismus ausseracht Hessen. Sir Samuel M o n t a g u war einen Monat in Palästina, und dieser kurze Aufenthalt genügte ihm zur Abgabe eines Urtheiles, wonach das Land "sich nicht für die Ansiedlung der Juden eigne. Anerkannte Autoritäten aber haben über dieses Land ein ganz entgegengesetztes Urtheil gefällt. Der Grund, weswegen Palästina sich nicht für die Besiedelung mit Juden eignen soll, ist. dass das Land angeblich ungesund und unfruchtbar sei. Das wäre ein sehr gewichtiger Einwand, wenn er irgendwie begründet wäre. Das vollständige Gegen theil dieser Behauptung aber ist die Wahrheit. Wohl ist der Boden gegenwärtig noch in schlechtem Zustande, das aber ist nicht das Resultat der Unfruchtbarkeit, sondern der unverantwortlichen Vernachlässigung. Der Redner beruft sich in dieser Beziehung auf zwei der massgehendsten Autoritäten, nämlich Sir Richard Burton und Mr. Lucien Wolf, die sich sehr günstig über Palästina ausgesprochen haben. Redner weist ferner auf die jüdischen Colonien hin, deren fruchtbare Aecker und Weingärten sinnfällige Argumente dafür sind, dass der Zionismus eine reale Basis hat. Zum Schlüsse appellierte Sir Francis Montefiore an alle Juden, ihre inneren Streitigkeiten aufzugeben, die Interessen der Colonialbank zu fördern und den Zionismus zum Heile des Judenthums und aller Völker dem Triumphe zuzuführen. (Minutenlanger Beifall.) Es sprachen noch einige Redner, darunter Mr. J. de Haas und Mr. J. L. B r i 11. Dieselben agitierten mit bestem Erfolge für die Schekelzahlung und für die Zeichnung der Colonialbank-Shares. Amerikanische Chronik. New-York. In den Vereinslocalitäten der „Benei-Zion Association", Henry street 201, werden die freien Samstag- Abend - Vorlesungen wieder aufgenommen. Den nächsten Vortrag wird Herr Blausteiri über „Das Judenthum in Europa und in Amerika" halten. Zahlreiche und gediegene Redner sind als Referenten für die weiteren Abende vorgemerkt. New-York. 11. Deeember. (Orig.-Corr.) Der Verein ^Benoth-Zion", Section „Hadassa". hat seine Thätigkeit in dem neuen Locale wieder aufgenommen. Dieses ist eine der schönsten Vereinslocalitäten New-Yorks. Frau Prof Gottheil, welche gegenwärtig die Präsidentin des Vereines ist. hatte infolge "ihrer Ueberbürdung den Wunsch geäussert, zu demissionieren. Auf dringendes Ersuchen der Mitglieder wird sie jedoch noch einige Zeit an der Spitze des Vereines verbleiben. In ihrem jüngst erstatteten Referate über den Congress in London drückte Frau Prof. G o 11 h e i 1 ihre Genugthuung darüber aus. dass die drei weiblichen Delegierten des jüngsten Congresses Mitglieder dieses Fruuenvereines waren. Die Rednerin kennt die Schwierigkeiten, die sich der zionistischen Propaganda in diesem Stadttheil entgegenstellen, welchen die Reichen in Israel bewohnen: sie bittet jedoch die Mitglieder, sich durch keinerlei Hindernis entmuthigen zu lassen und die so wacker begonnene Agitation fortzusetzen. Ein weites Thätigkeitsfeld eröffne sich dem Vereine auf dem Gebiete der Volkserziehung. Das jüdische Volk müsse seine ruhmreiche Vergangenheit kennen lernen, um seine gegenwärtige Lage zu begreifen und auf eine schönere Zukunft hinzuarbeiten. Diese Erwägung war für die Rednerin massgebend, als sie sich mit einer Anzahl jüdischer Gelehrten von New-York in Verbindung setzte, um deren Mitwirkung an einer vom Verein „Benoth Zion Cercle Hadassa" zu veranstaltenden Vortragsserie aus der jüdischen Geschichte zu erbitten. Folgende Herren verpflichteten sich zur Abhaltung dieser Vorträge: Dr. M. Harri s, Dr. M e n d e s, Dr. K o 11 e r, Dr. Schulmann, Dr. Grossmann und Prof Gottneil. Der Verein veranstaltet am 15. Deeember ein Chanuka- Kränzchen, dessen Reinerträgnis dem rumänischen Hilfsfonds zufallen wird. Vorher geht eine zionistische Conference