Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 52 (28.12.1900)
- Article
- Der Delegiertentag des Verbandes "Zion" in Wien
- Date
- 1900-12-28
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3315850-3315904-3375160--23667-3375303- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 8 „Die & Welt36 Nr. 52 „Leopoldstadt-Praterstrasse", „Jüdischer Volksverein" in Prag, Jüdischer Volksverein „Zion" in Kolin-Kuttenberg, „Aisergrund", „Zionistischer Frauenverein in Wien" und Frauenverein „Fünfhaus", Verein „Zion" in Brünn und „Chowewe Zion" in Rozniatow. Der erste Theil der Verhandlungen war dem Ausbau der Verbands-Organisation gewidmet. Wir werden nächstens den Bericht in ausführlicherer Form bringen und registrieren für heute im nachstehenden die wichtigsten Beschlüsse, die auf dem Verbandstage gefasst wurden. Ueber Antrag des Vereines „Fünfhaus" wurde beschlossen : 1. Die Verbandsleitung wird beauftragt, analog der Organisation der Einzelvereine eine solche der Frauen durchzuführen. 2. Die Verbandsleitung wird beauftragt, überall dort, wo die Möglichkeit vorhanden ist, Sportvereine zu gründen. Insbesondere ist die Gründung von Turn- und Gesangvereinen zu empfehlen. 3. Die Verbandsleitung wird beauftragt, die Ausgabe einer geographischen Karte von Palästina (und dem Hinterland) zu bewerkstelligen, auf welcher die Colonien besonders berücksichtigt sind. Die Karte soll sehr wohlfeil (10—20 Heller) sein und auf der Rückseite statistische Daten über die Colonien und deren Aufzählung enthalten. Weiters gelangten zur Annahme die Anträge: a) Der Verbandsleitung 1. Zum Ausbau der Organisation und zur Förderung der Agitation hat der Verband ein Bureau zu unterhalten, welches folgende Aufgaben hat: a) Herausgabe geeigneter Flugblätter und Broschüren; b) Bedienung der Presse; c) Entsendung von Wanderrednern; d) Unterstützung aller Institutionen, die geeignet sind, den Zionismus zu fördern; e) Herausgabe periodischer Mittheilungen über den Stand der Bewegung. Dieses Bureau untersteht der Verbandsleitung. 2. Die Einzelvereine sollen trachten, zionistische Los- und Sparvereine zu gründen, wobei den Vereinen nahegelegt wird, die Ersparnisse izum Ankaufe von Actien der „Jüdischen Colonialbank" zu verwenden, überdies soll statutarisch festgesetzt werden, dass bei einem Gewinne der Theilnehmer '/so des Gewinnes als Spende an den Verband abgeführt wird. 3. Herausgabe einer Flugschrift mit dem L e i tartikel der »Welt« Nr. 47 von 1900: „Was wollen wirZionisten* als Inhalt. b) des Vereines „Chowewe Zion" in Rozniatow. Wahl eines Special-Comites in der heutigen Dele- * gierten-Versammlung behufs Durchführung und Entwicklung <ies in den Vereinsstatuten § 2 Absatz d enthaltenen Passus: „Erziehung derjugend im jüdischen Geiste". Insbesondere wird eine Förderung der Kinderzeitschrift „Jüdisches Gefühl" beschlossen. c) des Einzelvereines „Fünfhaus": 1. Creierung einer jüdischen Stellenvermittlung. 2. Reorganisation des Armenwesens. Endlich wird eine Resolution gefasst, dass die Verbandsmitglieder für die Verbreitung der „Welt" sorgen mögen. Behufs Anbahnung einer gesammt-österreichischen Organisation wurde in üebereinstimmung mit den beim Verbandstage anwesenden Delegierten der im Verbände nicht vertretenen Vereine beschlossen, eine Conferenz aller österreichischen Zionsvereine für Ende Jänner oder anfangs Februar einzuberufen. ^FibiiiK. (Für Form und Inhalt dieser Rubrik übernimmt die Redaction keine Verantwortung.) Wir erhalten folgende Zuschrift: Wien, den 24. December 1900. Lö bliche Redaction!* Nicht wenig erstaunt war ich über die Auslassungen, welche der Herr Oberrabbiner von Wien sich über unsere ruhmreichen Nationalhelden, die Makkabäer. geleistet. Was die Behauptung betrifft, die Makkabäerkönige wären lasterhafte und ehrgeizige Personen gewesen, so soll dies später in die gebürende Beleuchtung gerückt werden. Zunächst nur ein Wort über die — sagen wir kühne Behauptung des Herrn Dr. Güdem ann: „Wir feiern nicht die Siege der Hasmonäer, sondern das wunderbare Oelkrüglein."i Der Herr Oberrabbiner von Wien kennt sicherlich einen gewissen Chananjah ben Chiskijah ben G ur j o n, dem wir das älteste Schriftwerk der traditionellen Literatur die JVJpfi nbjft verdanken. Es ist dies bekanntlich ein Verzeichnis der rothangestrichenen Tage des jüdischen Kalenders, welches auch gleichzeitig die erste Urkunde für das Chanukafest bildet. Des wundervollen Oelkrügleins wird dort überhaupt nicht gedacht, dafür aber werden etwa zehn Tage der Erinnerung genannt, den Siegen der Makabbäer gewidmet. So sei hier beispielsweise der 13. Adar als Siegestag über Nikanor; der 23. Ijar als Eroberungstag der Akra; der 17. Siwan als Tag der Einnahme von Bethsur: der 12. Ellul als Vertilgungstag der Hellenisten, d. h. der damaligen Assimilanten; der 25. Cheschwan als Tag der Einnahme und Zerstörung Samarias; der 15. und 16. Siwan als Tag der Einnahme von Bethsan und der Ebene Jesreel erwähnt War der Autor der nbüfi etwa kein guter Jude? Was den angeblich lasterhaften Charakter unserer Makkabäer betrifft, so sei hier nur ein Wort des berühmten Nachmanides erwähnt: an sSö^KI ]vbv ^TEH VPl "'S (i. b. m. s. 49, io) burts^ü mxöm minn irDinw „Sie waren gottgeweihte Fromme und hätten sie nicht existiert, so wären die göttlichen Satzungen in Israel vergessen." Für den Herrn Oberrabbiner mag das kein Lob sein, dass durch die Makkabäer die von ihm so befürwortete Assimilation sehr verzögert worden ist. Der p3Q*1 wird auch sonst wenig nach dem Geschmack des Dr. Güdemann sein. Lehrt er doch, dass es eine HUp mSö, ein biblisches Gebot ist, das heilige Land zu allen Zeiten mit Juden zu besiedeln. 2"12T) Er war demnach der erste, der gegen die Protestrabbiner protestiert hat. Möglich aber, dass die Herren vom Proteste auch ihm absprechen, dass er ein guter Jude war und ihn gleichzeitig mit uns in den Cherem legen. Mit der Bitte um gef. Veröffentlichung dieser Zeilen zeichnet mit Zionsgruss Hochachtungsvoll Osias Löwit, Gumpendorferstrasse 23. Ein Mahnruf an die galizischen zionistischen Vereinsvorstände! Dank der rastlosen Thätikeit der englischen Zionisten, kann man heute den Wert des Schekeltages ermessen. Man sieht bereits, dass dieser Modus in den meisten zionistischen Kreisen Eingang gefunden hat. So z. B. lesen wir („Die Welt" 51), dass auch in Mähren und Schlesien ein Tag zur Einbringung des Schekels festgestellt wurde. Ich appelliere "nun an die Vereinsvorstände Galiziens, sie mögen diesem Beispiele folgen und den „Schekeltag" für Galizien für "HUS? HvTCn Februar festsetzen, da ja dieser Tag ohnehin ein Freudentag ist Jeder wahrhafte Jude wird sich gewiss freuen, an diesem Tage das kleine Opfer für den Zionismus zu bringen. Hochachtend mit Zionsgruss J. L. Litwak (Lemberg). * Geehrte Redaction! In den letzten Nummern der „Welt" wird die Bestimmung eines allgemeinen Schekeltages angeregt und es werden hiefür von verschiedenen Seiten mehrere willkürlich aus dem Kalender herausgegriffene Tage vorgeschlagen. Nun wäre darauf aufmerksam zu machen, dass die Einrichtung eines Schekeltages bereits während des zweiten Tempels bestanden hat „Am 1. Adar wird wegen der Schekolim ausgerufen" (Talmud. Tract. Schek. L, 1). Da sich unsere Schekelsammlung an dieses Vorbild anlehnt, wäre es nur stylgerecht, wenn wir den historischen Schekeltag wieder aufleben Hessen. Ich empfehle daher als Schekeltag- Candidaten aufs Beste den 1. Adar! Ein Abonnent. Makkabäer-Feste.*) Wien. Am 20. December 1900 veranstaltete der „Verein zionistischer Mädchen und Frauen in Fünfhaus" unter Betheiligung einer überaus grossen Zahl von Gästen und Vertretern gesinnungsgenössischer Vereine in *) Ein Theil der Mittheilungen über stattgehabte Makkabäer-Feste, musste wegen Raummangels zurückbleiben.