Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 52 (28.12.1900)
- Article
- Der Sieg der Kölner Zionisten
- Date
- 1900-12-28
- Page
- 6 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 6- „Die 2> Welt- Nr. 52 solches Denunciantenthum au f s T iefste v erachtet. D f v Vorstand der Zionistischen Vereinigung Köln. * Wenn der Mainzer „Israelitnach dem jüngsten Artikel in der »Welt*, worin ihm handgreiflich seine Widersprüche in Hinsicht auf den Zionismus nachgewiesen worden sind, nun folgendermassen in Nummer 10 seines Blattes schreibt: „Auch der Zionismus und Nationalismus hat die Devise -Religion ist Nebensache" auf seine Fahne geschrieben, und deshalb können auch ihm wirkliche Juden nicht angehören. Mögen dessen Ziele noch so erstrebenswert sein, ohne den Glauben an Gott und sein Gesetz wird auch die neue Bewegung, wie ihre Vorgängerinnen im Sande verlaufen *• — so können wir diesen recht schwachen Angriff nicht besser parieren, als durch den Hinweis auf unseren Wahlerfolg in Köln. Hier hat der Zionismus bewiesen, dass er sich nur dann in religiösen Dingen neutral verhält, wenn man nicht seine Ideale, die auch diejenigen des orthodoxen Judenthums sind, zu bekämpfen sucht. Als aber hier die Gegenpartei, die Assimilanten, durch Einführung der „zionslosen- Gebetbücher und sonstiger assimilatorischen Reformen mit der national-jüdischen Tradition, die der beste Dolmetsch der jüdischen Volksseele ist, brechen wollten, da reichten wir Zionisten unseren orthodoxen und conservaüven Brüdern die Bruderhand zum vereinten Kampfe um die Forterhaltung der volkstümlichen jüdischen Institutionen. S. D. Die technische Erschliessung Palästinas. *) In den jüngsten Tagen sind uns folgende Zuschriften zugekommen : XXVII. Odessa, den 19. December 1900. 28, Koblewskaya. L ö b 1 i c h e R e d a c t i o n! Obschon ich weder Ingenieur noch überhaupt mit der Technik in Beziehung bin, erkläre ich mich bereit, an den Arbeiten der „Gesellschaft für technische Studien in Palästina" Antheil zu nehmen und glaube, derselben als Repräsentant der Bankfirma S a m u e 1 B a r b a s c h dienlich sein zu können. In der Hoffnung, dass Ihr Unternehmen von Erfolg gekrönt sein wird, empfehle ich mich hochachtungsvoll Boris Barbasch. XXVIII. Ekaterinoslaw, 10. (-23.) December 1900. Löbliche Redaction! Hiermit stimme ich dem Bestreben bei, eine Gesellschaft von zionisiisch gesinnten Fachleuten zu bilden, die sich die Aufgabe stellt, nach Palästina Expeditionen abzuordnen behufs allseitiger Erforschung des Landes. Ich erkläre hierdurch meinen Beitritt und hege die Hoffnung, dass sich recht viele tüchtige Leute finden werden, ilie zum Nutzen und Frommen der zionistischen Idee ihre Kenntnisse und Erfahrungen anwenden werden. Hochachtungsvoll A. Miren sky, dipl. Maschinenbau-Ingenieur. Ekaterinoslaw (Russland), Staro-dworjanskaja Nr. 15 1. Eine Conference Max Nordaus. In der „Zionistischen Vereinigung jüdischer Arbeiter" (Societe sioniste des ouvriers juifs) in Paris hielt jüngst Dr. Max N o r d a u einen Vortrag, dessen Gegenstand das Chanukafest bildete. Wir entnehmen darüber dem „Echo Sioniste" Folgendes: *) Vgl- Nummer 43, 44, 45, 4G, 47, 4S, 49 u. 51. „Ein kleines Volk von Hirten und Ackerbauern," so begann Max N o r d a u seinen Vortrag, „wurde durch eine mächtige fremde Nation bedrängt und beirückt. Doch das Volk'brachte es nicht über sich, die Schmach der Unterjochung zu ertragen, es erhob sich gegen seinen Bedränger und unter der Führung heldenhafter Männer kämpfte es an gegen seinen Feind und brachte ihm blutige Niederlagen bei." „Welches ist dieses Volk? Vielleicht könnten Sie glauben, es seien die Boeren, die tapferen Bauern, die heldenmüthig ihre Unabhängigkeit gegen England vertheidigen. Nein, ich spreche jetzt nicht von ihnen, ich spreche jetzt von einem anderen, vom j ü d i s c h e n Volke, von unseren Vätern, die vor mehr als 2000 Jahren unter ähnlichen Umständen das syrische Joch abschüttelten." „Viele von Ihnen haben vor einigen Wochen den Präsidenten K r ü g e r jubelnd acclamiert. Viele von Ihnen standen auch sicherlich vor dem Hotel, .in dem der greise Held sich aufhielt, und grüssten ehrfürchtig sein weisses Haupt, als es sich auf dem Balcone zeigte. Auch ich befand mich unter der begeisterten Menge. Und da, als man in überschäumendem Enthusiasmus dem Präsidenten Krüger zujubelte, musste ich an meine Väter denken, die in einer unvergleichlich gefährlicheren Situation treu bei ihrer grossen Aufgab*1 ausharrten, obwohl ihnen von keiner Seite etwas von jener Sympathie und Bewunderung entgegengebracht wurde, die die Boeren förmlich umschwärmt und ihnen die Kräfte verleiht, ihren Kampf fortzuführen ..." Der Redner zog im Folgenden nun einen glänzenden Vergleich zwischen dem Fall der Boeren und dem unserer heldenmüthieen Ahnen, zwischen dem Krieg in Transvaal und der Erhebung der Makkabäer. Die Juden waren ein Volk von Ackerbauern, wie es die Boeren sind. Das syrische Reich, der Haupttheil des von Alexander dem Grossen eroberten Landes, stand im Zeichen der höchsten Blüte. Es besass ein starkes, geschultes Heer. Es repräsentierte im Oriente die griechische Civilisation, so wie jetzt England die europäische in Südafrika repräsentiert. Durch die syrische Auflösungsarbeit hat diese raffinierte und verführerische Civilisation eine Assimilationsbewegung gezeitigt, wie wir sie in stärkerem Grade nirgends in unserer Geschichte finden. Es schien, als sollte Israel zugrunde gehen. Die Hellenisten sagten (wie jetzt viele den Boeren sagen): „Was soll der Widerstand? Wozu dieser blutige Ansturm gegen eine Civilisation, die der unseren überlegen ist? Ihr habt Euch nur in die griechische Hegemonie zu finden, Eure alten Gewohnheiten und unmodernen Gebräuche abzulegen, und Ihr werdet dann die Vollbürger des grossen Syrerreiches sein." „Man weiss," fuhr der Redner fort, „welche Antwort unsere Väter auf diesen Rath gaben. Die Aaroniden, die ihr Leben lang den Gottesdienst gepflegt hatten, griffen zum Schwert, sie rissen das Volk mit sich hin und, einer gegen zehn, so zogen sie in die Schlacht, und so haben sie gesiegt. Und ihr Sieg war nicht etwa nur ein Sieg des jüdischen Volkes, es war auch ein Sieg des Rechtes und der Gerechtigkeit über die rohe Gewalt. Das war's, was den Makkabäern die Bewunderung aller Völker errang, und darum haben die grössten Dichter Russlands, Englands und Deutschlands das Heldenthum unserer Ahnen verherrlicht." Dann sprach der Redner von der besonderen Bedeutung, die dieses grosse Fest für uns, die Zionisten, hat. „Chanuka," so schloss er, „das ist dasFest unserer Selbstbefreiung, das ist das Fest unserer Hoffnung, unserer Zukun f t." Ein Beifallssturm, der nicht enden wollte, folgte dem wahrhaft glänzenden Vortrage.