Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 51 (21.12.1900)
- Article
- [Ohne Titel] / Binder, E.
- Date
- 1900-12-21
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 51 „Die 2^ Welt-* Seite 11 reichte, aber durch ein Wunder war das Oel für acht Tage hinreichend. Wir feiern nicht die Siege der Hasmonäer, sagte er, denn diese Siege führten den Untergang des jüdischen Staates herbei, da die Hasmonüerfürsten lasterhafte und ehrgeizige Personen waren. — Woher, fragte ich mich, kann es kommen, dass der Rabbi der Geschichte so ins Gesicht schlägt, die heldenmüthigen Kämpfe der Makkabäer, welche die Bewunderung der Welt erregten und den Stolz des Judenthums bilden, als ein nationales Unglück zu bezeichnen die Kühnheit hat? Nun, dies kommt von seinem fanatischen Hasse gegen dieZionisten und die National -Juden, die selbst die Makkabäer unserer Zeit sind und die das Chanuka-Fest benützen, um das Nationalgefühl der Juden neu zu beleben und zu erwecken. Aus diesem Grunde ist er ein zweiter Herostratos. Er begeifert die siegreichen Kämpfe der alten Makkabäer und lässt lieber eine alte Legende als einzigen Grund der Chanuka-Feier gelten. Die Verfasser unserer Gebete waren doch echte, fromme Juden, mit denen der lebensfrohe Rabbi sich doch nicht vergleichen kann, und diese haben in dem Chanuka-Gebete ^0271 die siegreichen Kämpfe der Hasmonäer hervorgehoben und des sagenhaften Oelkrügleins keine Erwähnung gethan. Bei dieser Art jüdischen Pfaflenthums . . .*) bewährt sich das Sprichwort: „Blinder Eifer schadet nur." Wenn aber der Rabbi den Kampf um jeden Preis will, werden wirZionisten ihn aufnehmen, an unserer Seite stehen Wahrheit und Gerechtigkeit, an der Seite dieses . . .*) Unrecht und Unwahrheit, und wir müssen alles Mögliche thun, um diesem . . .*) das Handwerk zu legen. Hochachtungsvoll E. Binder, V1IL, Florian igasse 5. (Korrespondenzen. Wien. Wir erhalten folgende Zuschrifo: Im „Jüdischen Volksblatt" vom 7. December versucht ein Versammlungsreporter nach alter lieber Gewohnheit bestimmte Personen in dreister Weise — doch selbstverständlich ohne Nennung von Namen — anzurempeln. Da diese persönlichen Angriffe ohne jeden Zweifel nur mir und meinem Collegen Herrn Nathan Gross — den zionistischen Rednern der besprochenen Versammlung — gelten, sehe ich mich veranlagst, den parteijournalistisch entstellten Sachverhalt ein wenig klarzulegen. Nach dem Referate Dr. So fers, das zum grösstenTheile p olem isch-kritisierender Natur war, ergriffen einige Zionisten das Wort, um in der sachlichsten Weise das Referat, beziehungsweise die sich damit deckenden Principien des „Jüdischen Volks verein es" zu bekämpfen und den angegriffenen politischen Zionismus zu vertheid*gen. Auf ihre Ausführungen, in denen jede persönliche Argumentation vermieden war, erfolgten nur eine ironische — daher verletzende — Erwiderung vom Präsidialtische und ein unerhört persönlicher Angriff seitens des Referenten, der selbst durch Zwischenrufe nicht zu einer sachlichen Behandlung der gegnerischen Anschauung gebracht werden konnte. Wenn nun der Reporter des „Jüdischen Volksblatt" von „jugendlichen Krakehlern" spricht, die man im Interesse der jüdischnationalen Eintracht nur „unter Beaufsichtigung sprechen lassen soll", so ist dieser anmassende, provocierende Ton nur mit dem grossen Unverständnis und dem Mangel an Takt zu entschuldigen, die aus jeder Zeile des kurzen Berichtes sprechen. Ist es aber dem „Jüdischen Volksblatt" wirklich ernst *) Hier folgt eine Charakteristik des Oberrabbiners, die wir trotz der persönlichen Verantwortung des Einsenders mit Rücksicht auf das Amt des Dr. Güdemann nicht wiedergeben wollen. Anm. d. Red. mit der jüdisch-nationalen Eintracht, dann möge es künftighin gewisse Reporter nur „unter Beaufsichtigung" schreiben lassen. Für die Veröffentlichung dieser kurzen Erwiderung auf einen brutalen — anonymen — Angriff bestens dankend, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruss Egon Lederer. Mitglied des Zionistischen Districtsvorstandes für Niederösterreich. ■ Triest. Vorige Woche hielt unser hervorragender Gesinnungsgenosse Rabbiner Dante A. Lattes im grossen Sitzungssaale der Gemeinde einen Vortrag über N o r d a u s Drama ..Dr. Kohn". Redner bewies die sociale und nationale Bedeutung des Stückes für die jüdische Frage. Der in glänzender Weise ausgearbeitete Vortrag wurde mit lebhaftem Beifalle belohnt. Sefrou (Marokko). Die Juden sind hier in grosser Gefahr. Unzufriedene Stämme im Norden rebellieren gegen die Regierung, und die ersten Prügel bekommen die Juden. Die Läden sind gegenwärtig aus Furcht vor den revoltierenden Stämmen gesperrt, und man befürchtet, dass es den aufständischen Horden gelingen wird, in die Judenviertel einzudringen. Der Kampf gegen die Rebellen wird von jüdischer Seite mit Verzweiflung geführt. Sefrou ist ungefähr 4Vj Stunden von Fez entfernt. Nadworna. (Personalnachricht.) Unser Gesinnungsgenosse Herr M. Hübner, Ehrenmitglied des Vereines ' ion" in Nadworna, feiert am -2b. d. M. in Pasi e c zn a seine Vermälung mit Frl. Pepi W u n d e r m a n n. Der Verband „Zion" und die österreichische jüdische Studentenschaft. Für Sonntag den £3. December sind alle diejenigen zionistischen Vereine, die sich bisher dem Verbände „Zion" nicht angeschlossen haben, zu einer Besprechung nach Wien geladen. Diese Einladung ist — so glaube ich — auch an die jüdischen Studenten vereine gerichtet, von denen bisher keiner dem Verbände beigetreten ist, obwohl gerade die jüdische Studentenschaft eine Einigung sehr nöthig hätte. Der Verband „Zion" würde nun geeignet scheinen, eine Einigung aller jüdischen Studenten vereine Oesterreichs herbeizuführen. ' Gewiss sind aber wichtige Gründe vorhanden, welche die Studentenvereine abhalten, sich als Einzelvereine des „Zion" zu erklären. Diese Gründe liegen aber beiweitem nicht im Verbände, sondern in den einzelnen akademischen Corporationen selbst. Wir Studenten passen schwerer mit unserer Theorie und Praxis in den Rath alter Männer. Wir verfechten unsere heilige Idee anders als der Verband, wir Hochschüler, wir, die Jugend, können den Zionismus nicht materiell, nur moralisch unterstützen, und schliesslich: Wer sich mit anderen vereinigen will, inuss zuerst mit sich selbst einig sein. Nicht als ob ich behaupten wollte, dass die Studentenvereine Oesterreichs uneins wären, aber mit Ausnahme der Delegationen bei grösseren Veranstaltungen und des einen Falles im Semester, da sie einander das Wahlergebnis anzeigen, stehen sie in fast gar keiner Verbindung. Hier muss der HLehel angesetzt werden. Meines Wissens wurde in der letzten Zeit dreimal der Versuch gemacht, eine Einigung der Studenten zu erzielen (Hessiana in Zürich 1SÖ7, Akademischer Zionistenverein Bern IS'.»'-» und Verein jüdischer Hochschüler Prag 189!)): es blieb aber stets nur beim Versuche. Der „Verein jüdischer Hochschüler Bar Kochba in Prag" hat seinen Vertreter bei der eingangs erwähnten Besprechung des Verbandes „Zion" aufgefordert, die Gründung eines Verbandes der österreichischen jüdischen Studenten anzuregen und hiermit zum zweitenmale die Initiative in dieser Angelegenheit ergriffen. Ein solcher Bund könnte in einem ungeahnten Masse den Zionismus und die judische Volksidee propagieren. Auf welcher Basis ein solcher Verband errichtet werden könnte, in welcher Richtung, in welcher Art und Weise und schliesslich mit welchen Mitteln dieser Bund arbeiten könnte, das möchte ich erst dann ausführen, wenn es sich zeigt, dass die massgebenden Factoren, das sind die jüdischen Studenten vereine Oesterreichs, die Gründung eines Verbandes wünschen und auch thatkräftig fördern wollen. Prag. E. Gütig.