Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 51 (21.12.1900)
- Article
- Zur zionistischen Frauenbewegung
- Date
- 1900-12-21
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 8 ,Die & Welt45 Nr. 51 umsomehr die Pflicht, den jüdischen Gedanken hochzuhalten und fortzupflanzen. In diesem Sinne appelliere er an die Frauen. Lebhafter, wohlverdienter Beifall ertönte, als der Vortragende geendet hatte. Herr Prof. Kellner hat in seinem Vortrage die jüdische Frau unserer Zeit nicht geschont; er hat ihre Fehler scharf gegeisselt, und wenn die eine oder die andere der zahlreich Erschienenen zu dem Vortrag über „Unsere Frauen" in der Meinung gekommen war, ihr Lob singen zu hören; so ist sie ziemlich enttäuscht weggegangen. Aber desto beherzigenswerter waren seine Worte. Möge der Same fruchtbar aufgehen, der in der Fülle nützlicher Anregungen und Winke des Vortragenden lag. Mit dem herzlichen Danke der Präsidentin Frau Dr. Kahn an den Herrn Referenten schloss der wohlgelungene Abend. Z. F. Jüdisches Turnwesen. Wien. Der „Erste Wiener Jüdische Turnverein'' hat sein neues Turnlocal, I. Mölkerbastei 5, das auf das Modernste eingerichtet wurde, vor 2 Wochen bezogen und hält nun unter reger Betheiligung und f'achgemässer Leitung seine Turnabende daselbst ab. Der neugewählte Turnrath besteht aus den Herren : Hermann König, Obmann, jur. Friedrich Emil, Stellvertreter. H. Spitzer, erster Cassierer. jur. B. Felsenburg, zweiter Cassierer. Dr. R. Kaufmann, erster Schriftwart. Alfred F e s s 1 e r, zweiter Schriftwart. Dr. W. Jerusalem, R. Poilak, E. Diamant. Turnwarte. Berlin. Am Mittwoch dem 7. November begieng der „Jüdische Turnverein Bar Kochba" feierlich sein zweites Stiftungsfest. Mehr als 250 Damen und Herren hatten sich eingefunden, als Herr Friedlaneder mit einer fein durchdachten Tendenzrede die Kneipe eröffnete. Ausser den Vertretern der befreundeten Vereine sprachen noch mehrere Herren, besonders Ehrengäste. Es waren vertreten : die „Berliner Zionistische Vereinigung", „Jüdischer Bildungsverein „Montefiore% „Jüdisch-musikalische Vereinigung", „Literarisch-Gesellige Vereinigung"4, „National-jüdische Frauen-Vereinigung". .Verein ehemaliger Schüler der jüdischen Knabenschule", „Verein jüdischer Studenten". Besonderen Dank schulden wir der -Jüdisch-musikalischen Vereinigung", welche sich in liebenswürdigster Weise bereit erklärt hatte, als Hauskapelle zu füngieren. Unsere Frauenabtheilung übermittelte durch die Turnlehrerin Frl. Frankel ihre Glückwünsche an die Männerabtheilung, und selbst die junge Lehrlingsabtheilung liess es sich nicht nehmen, ein kräftiges Hoch auf den jüdischen Turnverein „Bar Kochba" auszubringen. Wir wollen noch anerkennend hervorheben, dass Herr - Arthur Bau mann sich freiwillig zur Commissionsübernahme der Ansichtskarten, die der Turnverein „Bar Kochba" hatte anfertigen lassen, erboten hat. In der Fi de Utas erregten besonders die humoristischen Leistungen der Herren Gebrüder Kaplan, Kikoler und des Ingenieurs Katzky stürmische Heiterkeit und Beifall. Es war schon sehr spät, oder vielmehr sehr früh, als die letzten Theilnehmer die durchaus gelungene, feuchtfröhliche Kneipe verliessen. * ßielitz. Der „Jüdische Turnverein" in Bielitz besteht aus einer Männer- und Damen-Riege, die beide unter der fachkundigen Leitung des Directors der jüdischen Schule in Bielitz, Herrn Goldberg, ihre Uebungen mehrmals in der Woche im Turnsaale dieser Schule abhalten. Dem sonntägigen Makkabäerfeste wohnten die Turner bereits in ihrer neuen, schmucken Tracht corporativ bei. Am 31. December findet das Stiftungsfest des Vereines statt, zu welchem grosse Vorbereitungen getroffen werden. Wien. (Turnverein „Z i o n".) Am 10. d. M. fand im reservierten Saale des „Cafe Rudolfsheim" die constituierende Versammlung des Turnvereines „Zion" in Fünfhaus statt. Nachdem der Proponent des Vereines den Zweck und die Aufgaben desselben besprochen hatte, gab er seiner Freude darüber Ausdruck, dass infolge der Fürsprache des Directors des Baron Springer'sehen Waisenhauses. Herrn Alexander Hecht, Heri Baron Gustav Springer dem Vereine gestattete, seine Turnübungen in einem im Waisenhause befindlichen Saale abzuhalten. Per acclamationem wurde der Beschluss gefasst, ein Dankschreiben an den Herrn Baron zu richten. Hierauf begrüsste Herr Director Hecht in warmen Worten das Entstehen dieses Vereines und beton te dessen Bedeutung für die Juden unserer Bezirke. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: Hugo Rechnitzer, Präsident: Gustav W i n k 1 e r, Vice-Präsident: Dr. Gottlieb Ster n, Turnleiter: Albrecht Hahn, Cassier: Emil Oesterreicher, Cassier-Stellvertreter: Hugo Saar, Schriftführer. Zu Revisoren wurden gewählt die Herren : Oswald Weiss, Rudolf Elkan und Adolf Hecht. Die Turnübungen finden Montag und Donnerstag von V2S—9 Uhr XIV., Goldschlagstrasse 84, statt. Beitrittserklärungen sowie Spenden — in Barem oder in Turngeräthen — mögen an Herrn Hugo Rechnitzer, XV., Mariahilterstrasse 162, gerichtet werden. Die Fragen der körperlichen, geistigen und wirtschaftlichen Hebung der Juden. Jüdische Frauenerwerb-Vereine. Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrte Red action! Mit grosser Freude habe ich in Nr. 47 der „Welt" die Anregung des Herrn Dr. Jacob K o m m e r zur Gründung jüdischer Frauenerwerb-Vereine gelesen. Ich halte das für einen sehr glücklichen Gedanken, der übrigens auch mir schon seit längerer Zeit vorschwebte, und ich erlaube mir, an die gebildeten jüdischen Frauen, namentlich in Galizien, zu appellieren, sie möchten doch dieser Frage, sowie der gleichfalls in der „Welt" angeregten Frage jüdischer Dienstboten ihre Aufmerksamkeit widmen und ihre Ansichten darüber äussern. Die sehr geehrte Redaction wird uns jüdischen Frauen zu diesem Meinungsaustausch gewiss ein wenig Raum in der „Welt" zur Verfügung stellen.*) Hochachtend und mit zionistischem Grusse Lemberg. Ernestine L i t w a k. Vor den Cultusvorstands-Wahlen in Olmütz. Olmütz. Die guten Zeiten sind für die assimilationslüsternen Machthaber unserer Cultusgemeinden endgiltig vorbei. Kaum haben sie einen Bock geschossen, posaunen es die bösen Zionisten mit grimmer Schadenfreude aus. So ein Capitalbock war's, als unser Cultusvorstand zu der willkürlichen Beschenkung des ausgesprochen schönererianischen „Bundes der Deutschen Nordmährens" mit 10 Kr. durch Herrn Khille-Säckelwart Josef L o e w Ja und Amen sagte. Der Verein „Zion", der früher schon zweimal voru gleichen Vorstande wegen „der schlechten Finanzlage" abgewiesen worden war, freute sich der Besserung der Zeiten und bat stracks für seine allgemein zugängliche jüdische Volksbibliothek um eine bescheidene Subvention. Aber da der „Zion* den antisemitischen Befähigungsnachweis nicht erbrachte, wurde er über Drängen der liberalen Säule, des Herrn Dr. Jakob Eben, abermals abgewiesen mit dem Rathe, sich in Hinkunft zu bessern und die wabernde Begeisterung für Wotanscult und Eichenkraut schleuniglich nachzuholen. Der „Zion" hat durch dies Schiidastück der Mehrheit des Cultusvorstandes seine Bibliothek nicht verloren, wohl aber ein neues Agitationsmittel für die kommenden Cultuswahlen gewonnen. Dr. E. Z. Wir erhalten ferner folgende Zuschrift: „Der Verein „Zion" beantwortete, wie bereits mitgetheilt, die Abweisung seines Subventions-Gesuches durch deD Cultusvorstand damit, dass er den Reinertrag des *) Mit grösstem Vergnügen. — Die Redaction.