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Die Welt · 1900-12-21 · 51 (21.12.1900) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
51 (21.12.1900)
Article
Der Rechenschaftsbericht der Wiener "Israelitischen Allianz"
Date
1900-12-21
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 51 ,Die j& Welt" Seite 5 „Allianz" in crassem. Widerspruch und unterscheiden sich sehr auffallend von Aussagen, die zum Theil dieselben Herren unmittelbar nach dem Vorfall ebenfalls vo r Zeugen gemacht haben. Wir müssen daher die Einsender der Berichtigung auf das Dringenste bitten, uns Gelegenheit zu geben, vor Gericht, — das ist doch das unparteiischeste Forum — unsere Darstellung zu vertreten; dabei wird sich auch Gelegenheit finden, die Glaubwürdigkeit der beiderseitigen Gewährsmänner ins richtige Licht zu rücken. Ad 3 erinnern wir die Herren daran, dass sie gerade von dem äusserst wichtigen ärztlichen Dienst auf den Schiffen, sowie von dem bei den in der Malzgasse untergebrachten Emigranten kein Wort sprechen. Wahr ist, dass die Herren Doctoren Dubsky und Tänzer einzelnen Emigranten aus dem Massenquartier in Favoriten, die ihre ärztliche Hilfe in Anspruch nahmen, ordinierten und dass die „Allianz" die Medicamente nachträglich bezahlte. Doch thateu das die beiden Herren, wie viele andere, aus Menschenfreundlichkeit und nicht im Auftrage der „Allianz". Der regelmässige ärztliche Dienst, für dessen Wichtigkeit die Herren von der „Allianz" gar kein Verständnis zeigten, wurde von Anfang an von den Aerzten des zionistisc hen Hilfs-Comites besorgt. Erst als der Magistrat die Nachweisung eines solchen verlangte, nannte der Vorstand der „Allianz" einige Namen, die aber keineswegs mit den in der Berichtigung angeführten identisch sind. Auch hier wird es wohl am besten sein, die Vorlage jener an den Magistrat gerichteten Zuschrift von gerichtswegen zu erwirken. Nach diesem Intermezzo, für dessen Ermöglichung wir den Einsendern der Berichtigung nicht genug danken können, wollen wir in der Besprechung des Rechenschaftsberichtes fortfahren. S. (Fortsetzung folgt.) Die Zionisten an der Czernowitzer Universität. Man hört immer und immer wieder von jüdisehassimilatoricher Seite den Vorwurf gegen uns erheben, dass wir durch die offene Betonung und Bethätigung unseres jüdischen Nationalismus den „Antisemitismus noch mehr reizen". So albern diese Behauptung ist, so ist es doch gut, von Zeit zu Zeit an greifbaren Beispielen zu beweisen, wie gerade das Gegentheil wahr ist, wie wir uns durch das ehrliche, muthige Einstehen für unser Volk die Sympathien gerade der besten Christen erwerben. Der Bericht über einen Festabend der jüdisch-akademischen Verbindung „Hasmonaea" in Czernowitz, den wir den „Bukowinaer Nachrichten" entnehmen, beweist uns, welches sympathische Verständnis die staatlichen und akademischen Behörden der national-jüdischen Bewegung entgegenbringen. Dass man Nationaljude sein kann, ohne in den Verdacht zu kommen, etwas von seinen Staatsbürgerrechten aufgeben zu wollen, dass man Zionist sein kann, und doch auch die kleinsten Pflichten der Staatsangehörigkeit zu erfüllen imstande ist, das sehen merkwürdigerweise Christen oft viel rascher ein, als Juden. Wir lassen nun den Bericht über diese Feier folgen, von der das Czernowitzer Amtsblatt in einem leitenden Artikel sagt, sie sei „e i n e Huldigung jüdischer Studenten gewesen, diean Grossartigkeit alle übertraf." Festabend der jüdisch-akademischen Verbindung „Hasmonaea" in Czernowitz. Die akademische Verbindung „Hasmonaea" veranstaltete Samstag den S. d. M. in der grossen Turnhalle einen Festabend anlässlich der 25jährigen Gründungsfeier unserer Alma mater. Die Feier nahm einen glänzenden, ja herrlichen Verlauf und bekundete die aufrichtigsten Sympathien der gesammten Bevölkerung ihren wackeren Hasmonaeern gegenüber. Aus allen Kreisen waren Vertreter erschienen, um der Hasmonaea zu ihrem schönen Feste ihre Glückwünsche zu überbringen. An der Honoratiorentafel sahen wir als Vertreter der Universität: den Rector Prof. Dr. Hauke, den Decan der theol. Facultät Professor Dr. Tarnawski, den Decan der juridischen Facultät Prof. Dr. Hörmann v. H ö r b a c h, den Decan der philosophischen Facultät Prof. Dr. Herzberg-Fränkel, Hofrath Prof. Dr. K 1 e i n w ä c h t e r, Prof. Dr. H a n d 1 und den Obmann des Festausschusses Prof. Dr. v. Halban. Als Vertreter der Stadt waren erschienen: Vicebürgermeister Regierungsrath Dr. R e i s s, Landtags-Abgeordneter Doctor Straucher und die Gemeinderäthe Prof. Dr. Wender und Kammerath P i c k e r. Ferner hatten sich zahlreiche Advocaten, Aerzte. Beamte, sämmtliche Mitglieder der jüd.- akad. Lesehalle „Humanitas", Vertreter des Vereines „Zion" und viele „Wilde" eingefunden. Ihr Fernbleiben entschuldigten Se. Excellenz der Herr Landespräsident Freiherr von Bourguignon, Bürgermeister Frhr. v. Kochanowski, Oberrabiner Dr. Rosenfeld, Rabbiner Weiss, Prof. Dr. Wahle und Prof. Dr. E h r 1 i c h. Nach Absingung des „Gaudeamus" begrüsste der derzeitige Senior stud. jur. Kovler in herzlicher Weise die erschienenen Festgäste, worauf der von der „Hasmonaea" gegründete „Chor jüdischer Studenten" das Farbenlied der Verbindung vortrug. Unter den Rednern ergriff stud. jur. Kassner als erster das Wort zum Kaisertoast. Stramm commandierte darauf der Senior das „exercitium Salamandri" auf den Landesfürsten. Die Festrede (Rede auf die Alma mater; hielt stud. jur. Klüger. In ausgezeichneter Weise betonte Redner in der Einleitung die Bedeutung des Festes, pries die Alma mater als wahre Stätte des Segens für das Buchenland, dem sie in einer kleinen Spanne Zeit einen so bedeutenden culturellen Aufschwung verliehen hat, und beleuchtete insbesondere das innige Verhältnis des Judenthums zur Wissenschaft. Nach längeren Ausführungen sagt der begeisterte Redner: „Mit dem Verluste der materiellen Güter wurden die geistigen Schätze die theuersten Kleinodien des Juden. Sie förderten seine nationale Entwicklung und bildeten den Hauptbestandteil seines Lebens. Alles liess sich daher der Jude nehmen, opferte seine besten Söhne dem Frieden, liess alle seine Güter auf der Wanderung zurück, und rettete aus allen Gefahren nur seine Lehre mit sich. Wenn Tod und Verderben von aussen wütheten, wenn die Ghettomauern mit Gewalt hinter ihm sich schlössen, sass der Jude darbend und frierend mit der Forschermiene auf den verdüsterten Gesichtszügen über den Folianten gebückt. Er wusste, was sein Lebenselement sei, er wusste, dass Forschen und Wandern, Denken und Dulden, Lernen und Leiden die Diaspora ausfüllen müssen, dass das Wissen der Hauch seiner Volksseele sei. Immer sah der Jude lechzend na;rh den Schätzen der Weltweisheit hinüber, die ihm verschlossen waren, und als die Tantalusqualen endeten, als die Posaune der Freiheit erscholl und er sich mit Heisshunger auf die süssen Früchte der Civilisation stürzte, da lernte er erst den wahren Wert der Aufklärung kennen. Denn in der hassgetränkten Aera des Nationalitätenhasses bekämpfte das kleine jüdische Häuflein seinen überlegenen Feind siegreich mit deu Waffen des Geistes. Die Universität ist ein Hort, eine Zufluchtsstätte für die Gedrückten. Denn vor ihrem Lichte der Aufklärung zerstieben und zerstreuen sich die finsteren Nebel des Fanatismus, der allein den Rassenhass entfacht; die Universität ist es, die das wnhre Ideal der Freiheit und des ewigen Völkerfriedens schafft. Unter stürmischem Beifälle schloss der Redner mit dem Wunsche : Vivat, floreat, cresceat alma mater Francisco-Josephina! Auf diese Worte erwiederte Se. Magn. Rector Dr. Hauke: „Meine verehrten Herren! Ich biauche nicht zu versichern, dass ich als akademischer Lehrer jederzeit mich freue, wenn unserer Alma mater in so herzlicher Weise das Wort gesprochen wird. Nachdem ich infolge des gütigen Vertrauens meiner verehrten Collegen in diesem Jahre die besondere Ehre habe, als Rector zu erscheinen, bin ich in der Lage, im Namen unserer Alma mater Ihnen den wärmsten und tiefempfundenen Dank zum Ausdrucke zu bringen. Der Zweck, die Grundlage Ihrer Verbindung ist die Wahrung der Stammeseigenthümlichkeiten, und ich muss sagen, dass ich Sie beglückwünsche zur muthigen Mannesüberzeugung, welche Sie auf diese Weise zum Ausdrucke bringen, und dass ich sie doppelt anerkenne in einer Zeit, in welcher die Verschiedenheiten der Gesinnung so gross sind. Es kommt darauf an, mit welchen Mitteln ein iichtiger, guter Zweck verfolgt wird, und ich kann Sie auch zur Wahl der Mittel wärmstens beglückwünschen. Denn das ist durchaus richtig, dass Sie die Pflege der Literatur als Mittel zur Erreichung Ihrer Zwecke ins Auge fassten, weil gerade

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