Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 51 (21.12.1900)
- Article
- Die technische Erschliessung Palästinas
- Date
- 1900-12-21
- Page
- 3 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 51 ,Die j& Welt" Seite 3 XXIV. Feodosia (Südrussland), 12. December 1900. Sehr geehrte Redaction! Ich erkläre mich mit Vergnügen bereit, dem „Verein zur technischen Erschliessung Palästinas" beizutreten. Ich wäre sogar geneigt, meineMaschinenfabrik mit Eisengiesserei und Hufnagelfabrik nach Palästina zu verlegen — selbstverständlich nachdem es sich herausstellt, dass diese Branchen in Palästina gedeihen und sich entwickeln können. Ich ersuche Sie höflichst, obige Erklärung auch dem geehrten Secretariat des Congress-Bureaus mittheilen zu wollen. Mit vorzüglicher Hochachtung Ingenieur S. Nadel, Inhaber einer Eisengiesserei und Maschinenbau-Anstalt. XXV. P i t e s c i (Rumänien), 16. December 1900. Löbliche Redaction der „W e 1t", Wien. Ich habe mit besonderer Freude von der Begründung eines Vereines für die technische Erschliessung Palästinas gelesen und erkläre, als begeisterter Zionist in That, Wort und Schrift, meine ßetheiligung auch an diesem praktischen Zweige unserer Bestrebungen. Mit den besten Wünschen für das Gedeihen dieses Unternehmens zeichnet Mit Zionsgruss und Hochachtung Adolf Netzler, Agentur-Commission. XXVI. Piatra N. (Rumänien), 23. November 1900. Löbliche Redaction! - Ich ersuche Sie höflichst, meinen Beiti-itt zur Gesellschaft für die technische Erschliessung Palästinas hiermit zur gefälligen Kenntnis zu nehmen. Ich bin Absolvent der k. k. Färberei-Schule in Bielitz und seit Jahren in einer bedeutenden Lohnfärberei thätig gewesen, daher gerne bereit, meine Kenntnisse auf dem Gebiete textiler Betriebe d«m Vereine zur Verfügung zu stellen. Mit Zionsgruss Josef Robinsohn, Färbermeister, in Firma Abr. Lipa Juster Piatra N., Rumänien. Aus Rumänien. Wir theilen im Folgenden ein Bruchstück aus einem uns zur Verfügung gestellten Briefe aus Rumänien mit, das ein grelles Schlaglicht auf die jetzt dort herrschende Situation wirft. Bukarest, 1. December 1900. Geehrter Herr! Entschuldigen Sie, geehrter Herr, wenn ich Sie so lange Zeit ohne Nachricht liess. Die Assistenz occupierte mich seit meiner Rückkehr dermassen, dass ich täglich mehr Zeit dort als in der Bank verbrachte. Welcher Jammer, welches Elend herrscht bei unseren Glaubensgenossen, und namentlich bei denjenigen, die aus Wien zurückgesendet werden. Die Leute kamen und kommen noch, fast nackt. Man musste zuerst sie mit Nahrung versorgen, sie schliefen entweder draussen wie die Zigeuner oder in Scheunen, leergebliebenen und unvollendeten Häusern; bei eintretender schlechter Witterung mussten wir für Wohnungen sorgen, und ist dies erst geschehen, hatten die meisten keinen Tißch, kein Bett, keinen Sessel, keinen Ofen. Meine Frau und die anderen Damen vom Comite mussten ihre Aufzeichnungen am Fensterbrett machen und durch die zerbrochenen Scheiben rieselte der Regen und wehte der Wind. Die meisten Zimmer haben Lehmboden und auf diesem kauern sehr oft sechs bis sieben Kinder, die Mutter, deren Ernährer entweder jetzt erwerbslos oder ausgewandert ist, eine Grossmutter, zuweilen auch ein Grossvater. Kein Polster, keine Decke. Die Kleider, die sie tragen, sind auch zerlumpt, die Schuhe zerrissen, denn man kommt aus denselben nicht heraus. Es blutet einem das Herz, dies nur anzusehen, ohne helfen zu können. Und ist denn das, was wir thun, Unterstützung? Ist mit so kleinen Mitteln denn etwas zu erreichen? Die Aufregungen aller Art, die verpestete Luft, die ich einathmete. . . es herrschen in dieser Bevölkerung jetzt die heftigsten Epidemien (Anghina diphtherica, Scarlatina. Typhus), wir stehen ohne Spitäler da, die christlichen nehmen absolut keine Juden auf... . . . Herr Dr. Th. aus Wien, der hier in Geschäften war und mich besuchte, konnte dies mitansehen.. Er hat auch mit einer Comitedame eine Tournee gemacht und wird Ihnen einen unendlich kleinen, von ihm gesehenen Bruchtheil erzählen können. Impressioniert muss ihn die Sache haben, denn auf" seine Veranlassung sind uns von Wiener Wohlthätern 2300 Lei schon zugekommen. Unsere confessionellen Schulen sind fast leer: Knaben und Mädchen haben keine Schuhe, keine Kleider. Es ergeht ebenso den Erwachsenen, und wie soll es denn anders, wenn kein Erwerb. Es heisst, man soll arbeiten, aber wo? Das Land hat keine Industrie oder fast keine. In die wenigen Fabriken werden principiell keine Juden aufgenommen;„principieU",überallstösst man auf dieses Losungswort. In Gast- und Kaffeehäusern werden jüdische Hausierer nicht geduldet. Wie kann ich überhaupt das Golus beschreiben? Dabei gibt es wenige Juden in Rumänien, die was haben : während die Christen ihre Corporationen, ihre Banken haben, vom Staate überall geschützt werden, findet der Jude thatsächlich nirgends eine Stütze, sondern nur Unterdrückung; derjenige, der noch etwas hat, muss auch in Kürze zugrunde gehen: wir gehen dem grössten Elende entgegeu, wenn nicht schleunigst Abhilfe geschaffen wird. Ist denn jemandem geholfen, wenn ihm 10—20 Lei gegeben werden. Nein, denn er kommt nach zwei bis drei Wochen wieder. Den Leuten muss ein Erwerb geschaffen werden, er muss indirect gestützt werden, damit er von seiner Hände Arbeit lebe. Das Betteln ist jetzt in Rumänien keine Schande mehr, denn vor wem sollte man sich schämen? . . . Der Rechenschaftsbericht der Wiener „Israelitischen Allianz". (II.) Die .Allianz" beginnt zu berichtigen. Wir haben in unserer vorletzten Nummer aus dem Rechenschaftsberichte der „Allianz" über ihre Hilf'sthätigkeit anlässlich des rumänischen Exodus einige Stichproben ausgewählt, um an denselben die ganze Methode und damit auch den ganzen Wert dieser Kundgebung zu beleuchten. Hierauf sandte uns der „Vorstand" der „Allianz* folgende Berichtigung : Wien, am 11. December 1900. Geehrte Redaction! Bezugnehmend auf den in Nr. 49 Ihres Blattes unter der Ueberschrift „Der Rechenschaftsbericht der Wiener israelitischen Allianz" veröffentlichten Artikel ersuchen wir um Aufnahme folgender Berichtigung: Es ist unrichtig, dass die „Allianz" die Gruppe Grünberg drei Tage und drei Nächte unter der Reichsbrücke campieren liess. Richtig ist vielmehr, dass die Weiterbeförderung dieser Gruppe nach Frankfurt a M. bereits füi den ersten Tag nach ihrem Eintreffen in Wien verfügt war, dass diese Verfügung durch die ganz unmotivierte Weigerung der Gruppe, die Reise an diesem Tage fortzusetzen, vereitelt wurde und dass einzig und allein aus diesem Grunde die Weiterbeförderung erst am nächstfolgenden Tage — also am zweiten nach Ankunft der Gruppe — bewerkstelligt werden konnte. Es ist unrichtig, dass die „Allianz" die am 2<>. Juli mit der Staatsbahn angekommenen 642 Emigranten hungern