Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 51 (21.12.1900)
- Article
- Makkabäergeist
- Date
- 1900-12-21
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 „Die 2$ Welt" Nr. 51 eines sterben muss, entweder das Volk oder die Sünde in i lim, dann bringen sie das grösste Opfer der Patrioten, >ie überwinden sieh selbst, indem sie die ungerathenen Volkssöhne besiegen wollen. Die freilich ahnen nichts von der Grösse und dem Seelenkampfe ihrer Gegner, weil sie selbst so jämmerlich klein sind. Sie hören nur die Kampfrufe und sehen die Feldzeichen. Und darauf antworten sie so schlecht, als sie es vermögen. Die Makkabäer aber leiden unendlich. Jeder Schlag, den sie gegen Volksgenossen führen müssen, schlägt ihrem eigenen Herzen Wunden. Doch sie kämpfen, weil sie ihr Volk lieben, mehr als alles, mehr als sich selbst. Das ist der wahre Makkabäergeist. Die solchen Geistes einen Theil in sich aufgenommen haben, werden die rechten Erben der Makkabäer sein. B. F. Neue Siege. Knapp nach der so erfolgreichen Wahlaction der Wiener Zionisten. die sicherlich die Gesinnungsgenossen allerorts zur Nachahmung und zu frischer That angeregt hat. werden zwei neue bedeutsame Siege gemeldet. In Cöln errangen die Zionisten und ihre Verbündeten einen vollständigen Sieg bei den Wahlen in die Cultus-Repräsentanz. in Sofia gelang es ihnen, in den ersten jüdischen Vertretungskörper., das Landes-Consistorium, eine Majorität von . Zionisten zu entsenden. Sowohl in Cöln. als in Sofia befinden sich unter den Gewählten alte, bewährte Parteimänner. In diesem Jahre erst, haben die Zionisten begonnen, die Congressparole, in den jüdischen Körperschaften dem 'Zionismus zum Siege zu verhelfen, in That umzusetzen. Und schon bewährt der Zionismus seine erstaunliche Kraft : Auf den ersten Ansturm wurden bedeutende Siege errungen. Nichts wird den weiteren Siegeslauf aufhalten. Schon ist der Zionismus ein Machttactor geworden. Das ist nicht genug. Er muss zu einer allgemeinen jüdischen Angelegenheit werden. Das muss und wird sich erfüllen. Es wird umso früher sein, je eifriger und entschlossener die Zionisten ans Werk gehen. Den Gesinnungsgenossen in Cöln und Sofia unseren Glückwunsch und Dank! Vivant sequentes! Zionistischer Sieg in Cöln. Wir erhalten folgendes Telegramm : Cöln a. Rh., 18. December 1900. Bei aussergewöhnlicher Wahlbetheiligung errang unsere Liste der vereinigten Zionisten und Conservativen einen entscheidenden Sieg bei den Wahlen für die Repräsentanz der Cultusgemeinde. Unter den vier Gewählten befinden sich unsere Gesinnungsgenossen Wolffsohn und Cleeff. — Zionsgruss, Zionistische Vereinigung Cöln: Dr. Bodenheimer. Zionisten im Landes-Consistorium von Bulgarien. Bei den am 1S. November vorgenommenen Wahlen der Mitglieder für das israelitische Landesconsistoriinu von Bulgarien wurden mit einer Majorität von 17 Ortschaften gewählt: Ch. Tagger, B. Baruc h, Dr. N a c h i m s o n und Dr. Kaleb aus Sofia; Rosanis aus V a r n a; P i n k a s aus Ii u s tciuk: J. Luric aus T. Pazardjik und Persiado Romano aus P h i 1 i p o p p e I. Somit besteht dieses höchste In s t i t u L i n dessen Händen alle Angelegenheiten der J u d e n h e i t Bulgariens liegen, aus einer zionistischen Majorität, von welcher der Rechtsanwalt P. R o m ano, P r äsident des zionistischenLandes-Comites, und unser bestbekannter Gesinnungsgenosse Dr. Nach ims o n besonders hervorzuheben sind. Der Zionismus hat doppelt gesiegt. Denn er hat. den unheilvollen Antagonismus zwischen S e p h a r d i m (spaniolischen Juden) und Aschkenasim (deutschenJuden) ganz beseitigt. Die asclikenäs^eiWn Gern rinden haben jetzt zum erstenmal an der Wahl des Consistoriums gleichberechtigt i teilgenommen und trotz ihrer verschwindenden Minderheit ein Consistorialmitglied, und sogar in das Permanenz- Comite des Consir-toriums, entsendet.Herr Dr. Nachimson wird nicht nur den Zionisten, sondern auch allen Aschkenasim durch seinen Fleiss und sein Können Ehre machen. Wenn wir noch hinzufügen, dass das Consistoriuni unter dem statutenmässigen Präsidium des Grossrabbiners, unseres Gesinnungsgenossen Herrn Dr. Ehrenpreis fungiert, ist wohl kaum noch ein Zweifel zulässig, dass das Landes-Consistorium ganz im zionistischen Sinne wirken wird. Hervorzuheben ist auch, dass sämmtliche Gewählten vom zionistischen Landes-Comite candidiert wurden und dass nur die Gemeindevorsteher und nicht die Gemeinden selbst gewählt haben, somit also der Wahlerfolg nicht den breiten Volksmassen, welche man inmu-r als die alleinige Anhängerschaft der Zionisten bezeichnen will, zu verdanken ist, sondern der Intelligenz, aus deren Mitte die Gemeindevorsteher hervorgehen. L. R. Die technische Erschliessung Palästinas.*) Die nachfolgenden Zuschriften sind uns in den jüngsten Tagen zugekommen : XXII. Jaffa, 4. December 1W0. Geehrte Redaction! Wir haben die Ehie, den Beitritt sämmtlicher Mitglieder unseres Vereines zur „Gesellschaft für die technische Erschliessung Palästinas" anzumelden. Mit jahrelanger Erfahrung und genauester Kenntnis der Landesverhältnisse ausgerüstet, sind die meisten von uns in der angenehmen Lage, der Gesellschaft mit fachmännischem Rath an die Hand gehen zu können. Insbesondere nennen wir die Herren: Gebrüder Markus. Seifenfabrikanten und Fettlieferanten der Eisenbahn Jaffa-Jerusalem: ferner J. Fein b er g, Inhaber einer Olivenöl fabrik in Gyda bei Jaffa; H. Rosenfeld, welcher, mit allen zur Cigarettenpapier- Fabrication nöthigen Maschinen versehen, jederzeit bereit ist, diese Fabrik in Betrieb zu setzen, wenn ihm etwas Cajtital zur Verfügung gestellt wird: Leon Stein, Mechaniker und Bauschlosser, Inhaber einer Gusseisenfäbrik: A. Neumann. Mechaniker und Bauschlosser: Samuel Dorf, Schneidermeister, Lieferanten der hiesigen Eisenbahn; Ephraim J o f'e, Sesamölfabrikanten; Hodorofsky. Lederfabrikanten. Wir sind, wie gesagt, jederzeit bereit, mit allen nöthigen Auskünften der Sache der technischen Erschliessung Palästinas zu dienen. Hochachtungsvoll und mit Zionsgruss Im Auftrage des Handwerker- und Gewerbetreibenden-Vereines „Peulah": M. S c h ö n b e r g. XXIII. N o w o - R a d o m s k (Russ.-Polen), 9. December 1000. Sehr geehrte Redaction! Als praktisch erfahrener Wachs- und Ledertuchfabrikant erkläre ich mich gerne bereit, der „Gesellschaft zur industriellen Erforschung Palästinas" beizutreten. Hochachtungsvoll und mit Zionsgruss LeonRuziewicz," Inhaber einer Wachs- und Ledertuchfabrik. *) Vergl. Nummer 43, 44, 45, 46, 47, 48 und 49.