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Die Welt · 1900-12-14 · 50 (14.12.1900) · p. 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
50 (14.12.1900)
Article
Reisetage / Y...
Date
1900-12-14
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 50 „Die jCx Welt* Seito 13 heiligste stand, dem Laien verboten bei Todesstrafe, die sich von selbst erfüllt. Hier ist das grosse Wunder geschehen. Sie fanden das Oelkrüglein und sie nährten die heilige Flamme volle acht Tage. Dann brannte sie immer weiter — immer weiter hell und leuchtend — acht Monate, acht Jahrhunderte und länger--- Das Oel will zur Neige gehen, die Flamme schwält, dunkle Russflecken entstellen den glühenden Faden--- Wir kommen hierher nach Zion und Moriah, wir küssen in Demuth den geweihten Boden, wir suchen nach dem wunderbaren Kruge mit reinem Safte aus den Früchten Deiner Muttererde, o Vaterland unserer Ahnen,. Hier ist das Wunder geschehen. Dein Boden nährt die heilige Flamme unseres Volkes, lass uns finden das uralte, das wunderbare Gefäss. Auch wir kommen aus Babylon-- Die Völker -haben uns ihre Spuren aufgedrückt, wir habeD viel Gutes gelernt und Böses erfahren. Wir üben an ihnen keinen Verrath, wenn wir auch Dein nicht vergessen, o Zion und Moriah — Wir üben an ihnen keinen Verrath, weil wir Dein nicht vergessen, o Zion und Moriah. In Deinem Erdreich ruht die Wurzel unserer Kraft — in Babylon dorren viele Aeste, und sie fallen ab, Zweig um Zweig--- Furchtlos schreiten wir einher im heiligen Bezirk — und wenn ein Blitzstrahl uns auch treffen sollte: besser, von Deinem Gluthauche verzehrt, in Begeisterung vergehen, als langsam hinsterben in dürrer Einsamkeit. Hier ist dasWnnder geschehen, heute jährt sich der Tag. Leuchte Deinem Volke mit dem heiligen Feuer, o Muttererde, denn es will finster werden in — Babylon. iL Sabbath in Jerusalem. Wir sind in der Synagoge des Waisenhauses. Doctor Grünhut, der vortreffliche Leiter dieses Hauses, nickt uns zu, dann streift sein Blick voll Stolz die 24 Zöglinge, alle in sauberen Tuchkleidern, von denen die blanken Hemdbrüste sich hell abheben. Die Knaben ordnen sich, sie schreiten zur heiligen Lade, die Thorarolle zu holen. Sie singen in hellklingendem Chore: „Denn von Zion zog die Lehre aus, das Wort Gottes von Jeruscholajim." Wie oft habe ich diesen Satz gehört. Gehört? Nein er ist an meinem Ohr vorbeigerauscht. Was war mir Zion, Jeruscholajim? Ein unfassbarer Begriff, ein Fabelland voll nebelhafter Sagen. Nun stehe ich hier auf dem Boden von Juda. Zur selben Stunde singen sie den Chor in tausend und aber tausend Synagogen, Schulen und Minjanim, alle mit dem Blicke nach Osten, hiehor, hieher. Ich stehe im Brennpunkt der grossen Sehnsucht, ich fühle all diese Blicke, wie etwas Körperhaftes. Sie hängen fragend, an meiner Seele, forschend, bittend, fordernd!--- Man ruft mich — mit meinem hebräischen Namen natürlich, in der Laudessprache — ein Waisenknabe liest aus der Pergamentrolle eine sehr interessante Geschichte, in der Landessprache. Sie ist alt, uralt diese Erzählung, aber sie könnte sich gestern zugetragen haben. Sitte und Gewohnheit des Landesvolkes sind dieselben geblieben. Ein Jüngling aus Gerar da unten in Kanaan zog hinauf nach Mesopotamien. Dort verliebte er sich in seine Base, ein reiches Mädchen. Da er kei«e Mitgift geben konnte, musste er sieben Jahre um die Liebste dienen. Das könnte sich heute zutragen. Die Juden aus dem Yemen und. die Araber zahlen noch immor dem Brautvater eine Mitgift. Der Mesopotamier hatte ausser der schönen Tochter auch eine, die augenkrank war —-- Ach, es gibt im Lande der augenkranken Töchter nur zu viele, bis auf den heutigen Tag. Die Kranke schob er dem Bräutigam unter. Die Liebe macht blind, so wurde auch er augenleidend. Er merkte es, als es zu spät war. Dann diente er weitere sieben Jahre um sein wahres Herzenslieb. Von dieser exemplarischen Treue erzählen die Mütter seit Jahrtausenden und die Mädchen glauben daran--— Der Roman schliesst gar traurig. Als der Mann, er hies Jaacov, endlich der Sehnsucht nach seiner Heimat nicht widerstehen konnte und mit Frauen und Kindern, Sclaven und Dienerinnen, Pferden und Kameelen, Horn- und Kleinvieh heimzog, starb ihm die Frau Liebste an der Geburt eines Knaben. Das geschah da drüben auf dem Wege nach Bethlechem. Wenn wir hinausgehen und dann hinauf über jene Höhe, dann können wir die Stelle sehen, wo unser Liebesheld das Schiksal sich erfüllen sah, wo ihm der Preis seines langen Minnedienstes von einer höheren Macht entrissen wurde. Der Knabe an der Pergamentrolle liest ahnungslos im gleichen Tonfalle, im wohleinstudierten Trop das letzte Capitel dieser traurig süssen Geschichte. „Er begrub sie auf dem Wege, der da führet nach Bethlechem. Und das Grab heisst das Grab Raheis bis auf den heutigen Tag." Ja. dieser uralte, zauberhaft süsse Roman, der mich schon als Knabe entzückte und Jahrtausende vor mir ineine Ahnen und sonst viele Millionen Menschen, er muss wahr sein, wortwörtlich wahr. Das Grab heisst das Grab Raheis bis zum heutigen Tag. Gestern pflückten wir Blumen der Erinnerung an jener Stelle, auf dem Wege nach Bethlechem, auf dem Grabe der ersten tragischen Romanheldin der Welt. Ihre Kinder haben Carriere gemacht, der eine wurde ein Liebling Pharaos, die anderen zog der alte Jehova in die Nähe seines Thrones. Ach. sie fielen bald in Ungnade. Als die letzten der Kinder Israels in Ketten hinausgezerrt wurden aus ihren eigenem Lande, als Bar Kochbas Scharen die Erde düngten — da erstand ihr Schatten aus dem Grabe, da wallte ein seltsam schönes Frauenbild in tiefer Trauer einher hinter den Gefangenen der Röttier. Aus dem schmerzdurchfurchteu Angesicht blickten todestraurige Augen, denen heisse Zähren entströmten.-- Wann wirst Du lachen, süsse Schmerzensmutter? — (Fortsetzung folgt.) |\us dei) \)ei*eit)ei). Makk ab äer-Feste. Wien. (Einzel verein „W i e n" des „Z i o n".) Dieser Verein veranstaltet Donnerstag den 20. December 19UU in seinem Vereinsiocale, IL, Schwarzingergasse 2, einen! Chanuka-Abend mit nachstehendem Programm : 1. Festrede, gehalten von Herrn Redacteur R. A. ßraude s. 2. „Juda Hamachbi" von Goldfaden. Vorgetragen vom Präsidenten E. Torczyner. 3. Prolog von Goldfadens „Bar Kochba". Vorgetragen von "den Herren stud. jur. Goldw a s s e n und stud. S u c h e s t o w. 4. „Holow jeschke" und „Jüdele Semit'-. Vorgetragen von Herrn E. Torczyner. Gäste sind herzlichst willkommen. Wien. (Theologischer Verein an der isr. theol. Lehranstalt in Wien.) Die diesjährige Makkabäer-Feier findet Dienstag den IS. d. M. präcise acht Uhr abends im Restaurant „Kutinei™, I., Adlergasse 6, statt. Gäste willkommen. Olmütz. (Verein „Zion".) Dieser Verein veranstaltet aus Anlass des Chanuka-Festes Sonntag den 16. December

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