Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 49 (7.12.1900)
- Article
- Der Eucalyptus
- Date
- 1900-12-07
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 14 »Die & Welt'« Nr. 49 hinraffte, •wo es an diesen Bäumen mangelte. Aus diesem Grunde war der Eucalyptus, den die Engländer „the tree of life" (Lebensbaum) nennen, in allen den Gegenden berühmt, welche von der Sumpfepidemie heimgesucht wurden. Man versuchte ihn auf der Küste des mittelländischen Meeres zu acclimatisieren; man pflanzte ihn in Italien, " in Corsica und in Sardinien, in Spanien und Portugal, in Algerien und in Tunis. Viele Arten des Eucalyptus entwickelten sich sehr gut in den verschiedenen Ländern und lieferten die besten Resultate. Als besonders segensreich erwies sich der Eucalyptus in Palästina. Man kann nicht mehr an dem ausgezeichneten Einfluss zweifeln, den der Eucalyptus auf das öffentliche Gesundheitswesen in Palästina ausgeübt hat. Dieser Baum, welcher sich üppig entwickelt, hat Dank seiner eigenthümlichen Einsaugungskraft alle Strecken ausgetrocknet, wo er sich nur befand. Der Eucalyptus lässt alle schädlichen Insecten verschwinden, weil sie sich dort, wo er Wurzeln schlägt, nicht mehr entwickeln können. Allein aus der Thatsache, dass der Eucalyptus ein ganz feuchtes Gebiet trocken und gesünder machen kann, ist noch immer nicht zu schliessen, dass man nur durch ihn allein, ohne weiteres Hinzuthun, alle Sümpfe und Seuchen einer ganzen Genend verschwinden machen kann, wie man es in Chedera zu ihun versucht hat Das hiesse, sich in Illusionen wiegen. Der Eucalyptus allein genügt nicht; ebenso wenig die Austrocknung allein ohne den Eucalyptus. Beides vielmehr ist nothwendig, das Anpflanzen der Eucalypten und die Trockenlegung. Aber auch abgesehen von der sanitären Bedeutung des Eucalyptus in unseren Colonien, verdient er aus einem ganz anderen Gesichtspunkte unsere besondere Aufmerksamkeit. Viele haben in Palästina Gelegenheit gehabt, zu beobachten, mit welcher Schnelligkeit der Eucalyptus sich entwickelt, und man hat sich gefragt, was man wohl mit all dem Gehölz anfangen und wozu es dienen könnte. Die Antwort darauf geben all diejenigen Länder, in denen der Eucalyptus von altersher cultiviert ward. In seiner Urheimat, in Australien, schreibt man diesem Gehölze eine ausserordentlche Solidität zu. So ist der Eucalyptus marginata eine Gattung, welche in der Regel 33 m Höhe und 1 m <>0 cm im Durchmesser erreicht. Wird der Baum zur Zeit, in der er Harz ausscheidet, gefällt, dann bewahrt das Gehölz einen bitteren Geschmack, der es gegen alle möglichen Insecten immun macht. Aus diesem Grunde wird dieses Holz besonders für den Bau von Schiffen und Flussdämmen bevorzugt. Seit ungefähr zwanzig Jahren verwendet man es auch für den Unterbau der Eisenbahnen. Ausserdem liefert der Eucalyptus marginata ein ausgezeichnetes Möbelholz und wird sehr vortheilhaft anstatt des Mahagoniholzes verwendet. Nach dem Eucalyptus marginata kommt der Eucalyptus diversicolor. Derselbe ist ein Riesenbaum, dessen eisenhartes Gehölz zum Brückenbau verwendet wird. In die dritte Reihe gehört Eucalyptus gomphocephala, dessen Gehölz von ausserordentlicher Dauerhaftigkeit ist; man verwendet es hauptsächlich für den Wagen-, Treppen- und Räderbau. Den Eucalyptus gomphocephala findet man in den kalkhaltigen Gegenden. Wir haben uns ein wenig bei den verschiedenen Arten der Eucalyptusbäume Australiens und bei der Erörterung ihres ökonomischen Wertes aufgehalten, weil es überaus merkwürdig ist, dass keine einzige dieser Arten in Ptüästina vertreten ist. Warum hat man sie nicht angepflanzt? Wir haben nur eine Antwort: Aus purer Unwissenheit. Der Anbau der Eucalypten geschah vom Anfang an, wie der Anbau anderer Pflanzen und alle anderen landwirtschaftlichen Unternehmungen unvernünftiger Weise ohne Plan, ohne Programm und ohne Fachwissen. Ungefähr 160 Arten zählt der Eucalyptus, darunter gibt es 50 erstclassige — gewiss genug, um zahlreiche Acclimatisierungsversuche zu veranlassen — und zwei Arten, die in erster Reihe in Betracht kommeD, nämlich den Eucalyptus globula und den Eucalyptus resinifera, welche schon die ersten Agronomen zu Beginn der Colonisation hatten kommen lassen. Ein Agronom hatte nun die sehr schlecht begründete Meinung geäussert, dass der Eucalyptus globula bei uns nicht gedeihen würde. Man beeilte sich, diese Art ganz ausser Acht zu lassen, um dem Eucalyptus resinifera. eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Indessen sehen wir den Eucalyptus globula in Algerien vorzüglich gedeihen, und er hat dort bereits eine sehr grosse Verbreitung erlangt. In Tunis rühmt man den Eucalyptus resinifera wegen seines Gedeihens auf dem trockenen Boden. Man staunt darüber, dass, während dieser ausgezeichnete Baum wohl im Stande ist, der Trockenheit zu widerstehen, er hingegen im Sumpfe vermodert, statt ihn auszutrocknen. Werfen wir nun einen Blick auf die verschiedenen Arten der Verwendung dieses Baumes, so erfahren wir, dass die Rinde der Eucalypten einen Stoff zur Carton-Erzeugung liefert; man verfertigt daraus auch ein sehr gutes Filtrierpapier. Die Rinde wird ausserdem für die Lohgärberei und für die Fabrication von Gummi und feinem Harze verwendet. Wenn man die Blätter destilliert, erhält man das Eucalyptol, welches als antiseptisches Mittel anempfohlen wird. Endlich wird die Rinde des Eucalyptus zur Fabrication von Watte und Webstoffen benutzt. Aus dem Bast dieser Pflanzen werden vorzügliche Matten erzeugt. Sollte Paliistina in der Landwirtschaft, im Handel und Verkehr und in der Industrie fortschreiten, was wir ja sehnlich wünschen und hoffen, so wird der Eucalyptus der einzige Baum sein, der in verhältnismässig kurzer Zeit alles nothwendige Gehölz zum Bau von Quais und Brücken, zu Eisenbahnen, Telegraphenstangen u. s. w. liefern wird. Da der Olivenbaum in Palästina theuer ist, so wird ihn der Eucalyptus durch seine bessere Qualität und durch seine Wohlfeilheit ersetzen. Ja, der Eucalyptus ist die einzige Pflanze, die den Zimmermann, den Tischler, den Brücken- und den Eisenbahn-Bauunternehmer mit dem nöthigen Gehölz versehen wird, welches sie heute aus Triest oder anderswoher beziehen müssen. Es ist daher Pflicht der Landwirte, überall und immer soviel Eucalypten wie nur möglich zu pflanzen. Vor allem aber ist es empfehlenswert, dass die Landwirte neben dem Eucalyptus resinifera auch den anderen Arten Aufmerksamkeit schenken sollen. „ L'E cho Sioniste". Pabpil^aoter), Qe^CFbetreibeijde, ^fecbi)ilie19* Um den 400 beschäftigungslosen jüdischen Arbeitern in Palästina Brot und Arbeit zu schaffen, ist die Begründung industrieller und gewerblicher Unternehmungen in Palästina (fabriksmässiger und Hausbetrieb) geplant. Es handelt sich vor allem um die Erzeugung solcher Artikel, die theils in Palästina selbst