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Die Welt · 1900-12-07 · 49 (7.12.1900) · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
49 (7.12.1900)
Article
Prag [Nachricht] / M. Sch.
Date
1900-12-07
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 ,Die & Welt« Nr. 49 zionistischer Frauen verein. Es wurde weiters darauf hingewiesen, dass dank den Bemühungen einiger Ausschussmitglieder des Volksvereines, insbesondere der Herren Philipp Lebenhajt und Prof. Werth eimer. in Böhmen zwei weitere zionistische Volksvereine gegründet wurden, einer in K o 1 i n, der andere in Kuttenberg. Man kann ohne Uebertreibung sagen, dass in dem „Jüdischen Volksvereine'' in Prag die gesammte zionistische Propaganda in Böhmen concentriert ist. Die verhältnismässig bedeutenden Erfolge des Vereines sind in erster Linie wohl den Bemühungen der Vereinsleitung zu verdanken: es haben aber auch äussere Momente mitgewirkt, darunter solche, von denen man wünschen möchte, dass sie nicht wieder eintreten sollen. Wir meinen die durch den Polnaer Process hervorgerufene antisemitische Propaganda in Böhmen, welche vielen Juden in sehr unliebsamer Weise ihre Zugehörigkeit zum jüdischen Volke in Erinnerung brachte. Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass gemeinsame Noth der beste Kitt ist; zu wünschen wäre aber, dass mit dem Aufhören der antisemitischen Gefahr das Gefühl der Zusammengehörigkeit nicht schwinden möge! — Was die Thätigkeit des Volksvereines und des neuen Districtvorstandes im nächsten Jahre betrifft, so bleibt ihnen noch ein weites Feld für Agitation und Organisation. Soll es gelingen, in möglichst kurzer Zeit Erfolge zu erringen, dann tnuss es die Hauptaufgabe aller zionistischen Corporationen sein, fortwährend neue Kräfte für Organisationsarbeiten zu gewinnen und heranzuziehen. Die jüdische Bevölkerung, in Prag speciell. ist meines Wissens weit mehr jüdisch gesinnt als etwa jene in Wien, andererseits sind aber die breiteren Schichten bi'pr viel schwerer für eine Vereinsthätigkeit zu gewinnen, wie sie in Wien üblich ist. Ferner ist zu beachten, dass der Zionismus in Prag dank verschiedenen günstigen Umständen wohl schon ziemlich bekannt ist. dass aber nur Wenige mit seinem geistigen Inhalte vertraut sind. Es gilt daher, durch die Verbreitung populär geschriebener zionistischer Schriften in dieser Richtung zu wirken. Nur auf diesem Wege können neue Kräfte für die zionistische Arbeit gewonnen werden. M. Sch. Radautz. In der am 11. November abgehaltenen General-Versammlung des Vereines -Dorsche Zioni: wurde der Congress-Delegirte dieses Vereines. Herr Dr. K. L i p p e in Jassy, und der Obmann Herr Dr. .1. Rierer. in Anerkennung ihrer langjährigen eifrigen Thätigkeit für die zionistische Idee zu Ehrenmitgliedern ernannt. Die hierauf vorgenommene Wahl ergab folgendes Resultat: Dr. J. Bi er er. Obmann: J. Menschel, Obmann-Stellvertreter : M. Reisch. I. Schriftführer: L. Lan dm ann, II. Schriftführer: S. Schä rf. Cassier: B. Lehrer. Haus- und Zeitungsverweser: S. H ar th. Bibliothekar: M. Hörer. E. R a m e r. Ch. Her er, F. Frankel, H. Lüttiger, Ausschussmitglieder. Voranzeigen. Wien. (Literarischer Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Mori a".) Ueber das im literarischen Geselligkeitsvereine jüdischer Mädchen „Moria" von Herrn Dr. Jacob Komm er in ganz vortrefflicher Weise gehaltene Referat .JüdischeFrauen-Er werbvereine" fand am 25. November im genannten Vereine eine rege Discussion statt, welche die Abhaltung eines zweiten Discussions-Nachmittages bedingt. Es findet auch ein solcher am 23. d. M. statt, und ist dies ein genügender Beweis des grossen Interesses, das Gäste und Mitglieder dieser neuen Idee entgegenbringen. Am 9. d. M. spricht im Vereine Herr cand. jur. et phil. Marcel Weismanii über „Zionismus und Socialismus". Gäste (Damen) herzlichst willkommen. Beginn präcise 3 Uhr, IX., Berggasse 20. Wien. (Lese- und Redehalle jüdi scherHochs c hj,ü 1er Wien s.) Herr Dr. Kaminka hat sich bereit erklärt, in de»- „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler" fortlaufende Vorträge über hebräische Literatur, sowie jüdische Geschichte und Religions-Philosophie zu halten. Erstere. in denen Leetüre des Pentateuch betrieben wird, rinden allwöchentlich, Mittwoch und Samstag, von 7—S Uhr abends, letztere Sonntag von 3—3 Uhr nachmittags statt. Erster Vortrag Samstag den 8. d. M. in der Halle (TX., Währingerstrasse 24). Wien. (Einzelverein „Wien" d e s Z i o n.) Am 11. d. M. wird im Vereinslocale IL, Schwarzingerstrasse 2, HeiT Docent Dr. S. Kornfeld einen Vortrag über „Assimilation und Nationalgefühl" halten. Gäste, auch Damen, willkommen. — Der für Sonntag, den S. d. M. angekündigte Vortrag des Herrn Friedrich Winter ist bis auf weiteres verschoben worden. Wien. (Turnverein „Z i o n" in F ü n f h a u s.) Der Turnverein „Zion" in Fünfhaus, der sich nächstens constituiren wird, erhielt auf* Einschreiten des Herrn Hugo Rechnitzer und Empfehlung des Herrn Director Alex. Hecht von Baron Gustav Springer die Erlaubnis, im Baron Rpr i ngefsch»n Weisenhäuse. XII. Goldschlagstrasse 8L im dortigen Turnsaale zu üben. Die Eröffnung der ersten jüdischen „Toynbee-Halle" in Wien. Der Winter ist plötzlich ins Land gezogen."gerade als wollte er hei der Eröffnung unserer Toynbee-Halle mit dabei sein, als müsste es draussen erst einen rechten Frost geben, damit es sich umso gemüthlicher in der warmen Volksstube sitze. Ein frischer Nordwind pfeift uns um die Ohren, da wir die Brigittabrücke passieren, dass wir schnell den Rockkragen aufstülpen und die Hände in den Taschen verschwinden lassen. Die Leute, die an uns vorübersehiessen. machen es ebenso. Mit dem Abendspaziergang wird's nicht mehr viel werden heute. Die Menschen sind froh, wenn sie möglichst schnell in ihre Stube kommen . . . Jenseits der Brigitta brücke liegt die Webergasse, in der die ., Jüdische Toynbee-Halle" eingerichtet wurde. Eine schmale, stille Gasse, in die noch nichts vom Glanz und Reichthnm der City gedrungen ist. Nur das Glockensignal der elektrischen Strassenbahn klingt manchmal schrill herüber. Die Walleinsteinstrasse ist schon von der Grossstadt erobert. Aber die Gassen ringsherum, die Webergasse und die anderen, athmen noch die dumpfe Luft des Armenviertels. Es wird wohl noch eine kleine Weile dauern, trotz der elektrischen Bahn, bis es dort heller und luftiger wird. Wir finden das Haus, in dem die -Jüdische Toynbee-Halle" untergebracht ist. ohne dass wir erst fragen oder suchen müssten. Vor drei hellschimmernden Fenstern ist eine Menge von Leuten angesammelt. Sie möchten gerne in die Toynbee-Halle. aber es geht nicht. Sie müssten sich bescheiden, sagt, man ihnen, die Halle sei überfüllt. Die Menge fügt sich ins Unvermeidliche, wenn es sie auch ein wenig schmerzt, beim - Anfang" nicht dabei sein zu können, und wartet geduldig Vor den Fenstern. Uns selbst gelingt es. dank der Freundlichkeit der Draussenstehenden und der Ordner, Einlass zu erhalten. Das erste, was wir zu sehen bekommen, ist ein kleines Vorzimmerchen. Geschäftige Hausmüttereben haben da alle Hände voll zu thun. Die Mädchen der .Moria* und „Hadassabereiten hier den Thee, den sie später mit echter Hausfrauengrazie credenzen. Wir treten in den Saal. Ein einfacher Saal, hübsch durchwärmt und helf

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