Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 49 (7.12.1900)
- Article
- [Kommentar]
- Date
- 1900-12-07
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 49 ,Die i$ Welt" Seite 11 dieser Wahlkampf keineswegs als eine locale Angelegenheit angesehen werden dürfe, sondern für die Taktik der Zionisten in allen Ländern bedeutungsvoll und vorbildlich sei. fjüdiscbc Wissenschaft <ii)d J^iteraftii3. Wir erhalten folgende Zuschrift: Unter dem Titel „Die Bibel im Lichte eines ägyptischen Archivs aus dem XIV. Jahrhundert v. Chr." brachte „Die Welt" (Nr. 41 und 42) einen Aufsatz aus der Feder des Herrn Dr. M. Schorr, in welchem der gelehrte Verfasser von den Tell-Amarna- Tafeln handelt undadie diesbezüglichen Ansichten der Forscher eingehend erörtert. Am Schlüsse seiner ebenso lehrreichen, wie interessanten Abhandlung führt er Hommel anT der die Möglichkeit einräumt, „dass schon um 1400 eine Abtheilung der Israeliten von Gosen her den Versuch gemacht haben mochte, Palästina zu erobern .. .", worauf Schorr dann fortfährt: „In der That führt Max Müller - . . den Nachweis, dass .der Stamm Asser sicher schon gegen 1350 ... in Westgaliiäa ansässig war". Hierzu ist folgendes zu bemerken. Das was Hommel als „Möglichkeit" hinstellt, wird in den älteren Traditionsquellen des jüdischen Schriftthums als geschichtliche Thatsache berichtet. Der älteste Zeuge ist die Mechiltha, ein halachischer Midrasch zu Exodus, welcher aus der Schule R. Ismaels, der noch dem I. Jahrhundert angehört, stammt, Die Stelle, in extenso raitgetheilt, lautet: „Eine andere Erklärung: „„Denn Gott sprach, dass nicht das Volk andern Sinnes würde, wenn sie Krieg sehen"" (Exod. 13. 17). das ist der Krieg der Söhne Efrajim's.. wie es heisst: „„Und die Söhne Efrajim's: Schutelach... Und es erschlugen sie die Männer von Gat.. (I. Chronik 7, 20—21). zweihunderttausend [Mann]') ferner: „„Die Söhne Efrajim, gerüstete Bogenschützen, die am Tage der Schlacht umwenden"". (Ps. 78, I»), „„dieweil sie nicht wahrten den Bund Gottes, und in seiner Lehre weigerten sie sich zu wandeln"" (ib. 10), d. h. sie drangen mitGewalt vor und warteten die Zeit der Erlösung nicht ab und brachen somit den2) Schwu v\ (Mechiltha Beschalach editio Friedmann S. 23b u. 21-«.) Vgl. noch hierzu Tractat Sanhedrin 92b. Hiernach ist es zumindest mehr als blosse Möglichkeit, dass ein Stamm noch vor dem Auszuge des Gesammtvolkes das Land der Väter zu erobern suchte. Sind nun die Ha-bi-ri in den Tell-Amarna-Tafeln identisch — und das ist doch höchst wahrscheinlich, wie auch schon Schorr mit Recht bemerkt — mit den Hebräern, so mag sich wohl der Bericht der Tell-Amarna-Tafeln auf den Stamm Efrajim beziehen. Die beiden Berichte decken sich dann vollkommen. Mit den Berichten der jüdischen Tradition befindet sich Müller in zweifachem Widerspruch: Erstens ist hier von einem vorzeitigen Eroberungs versuch die Rede, während Müller schon von einer Ansässigkeit spricht; zweitens bezeichnet er als Vorläufer seiner Brüder den Stamm Ascher, nach den jüdischen Quellen aber war es der Stamm Efrajim. Dagegen stimmt M ü 11 e r's chronologische Zeitangabe, wonach die Gesammteinwanderung erst nach 1350 stattgefunden hätte, mit den dies- ') Die Zahl fehlt iu unsern Ausgg.. ist aber erhalten im Jalkut Schimeoni zu Exodus § 227. Sie mag wohl übertrieben sein, ein Kern WTahrheit liegt ihr dennoch zu Grunde. *) Vgl. Fried mann ib. N. 19. Es ist demnach vor einem vorzeitigen Eroberungsversuch gleich dem der Söhne Efrajim's, mittelst der Waffen gewarnt, durchaus aber nicht vor einem womöglich friedlichen wie etwa auf Uebereinkommen beruhenden Versuch. bezüglichen jüdischen Quellen überein, blos dass dort von der Erbauung des "II. Tempels bis zur Geburt Christi ein Zeitraum von 352 Jahren angegeben wird. 4$0-j-ilO-j-70 +352—1312, also erfolgte hiernach der Auszug 38 Jahre nach den ersten Einfalle ins Land durch die Söhne Efrajim. Somit befindet sich auch dieser Bericht seinem ganzen Umfange nach wenigstens auf historischem Boden. Vgl. Seder olam rabba K. 15 ff., siehe auch Heilperin, Seder Hadoroth s. v. rrspnn irn ff. Jerusalem, 1. November 1900. Dr. L. G r ü n h u t. ftas dei) A^ereioei). Berichte. Bielitz. Sonntag den 18. November veranstaltete der Verein „Haschachar einen Vortragsabend, in welchem Heri" st. iur. Krieger über den Zionismus sprach. Obwol das Thema schon vielmals hier behandelt worden ist, verstand es der Vortragende, dieser so wichtigen Existenzfrage des jüd. Volkes neue interessante Seiten abzugewinnen und hiemit einen weiteren Erfolg für unsere Idee zu erzielen. Ueber 30 Mitglieder meldeten ihren Beitritt zu unserem Vereine an und man konnte es Allen anmerken, dass sie von der Wichtigkeit des Zionismus für das jüdische Volk überzeugt wurden. — Um den hiesigen Juden Gelegenheit zu bieten, nicht bei Fremden um unterhaltende Veranstaltungen zu betteln, feiert der hiesige jüdische Turnverein am Abend des 31. Deeember ein jüdisches Fest, verbunden mit Schauturnen und Tanzkränzchen. Es macht sich für dieses Fest schon jetzt grosses Interesse bemerkbar. Breslau. Am 27. November sprach in der „Breslauer Zionistischen Vereinigung" Dr. Theodor Z 1 o c i s t i aus Berlin über die „Judennoth in Rumänien". Der Saal war überfüllt. Das actuelle Thema wohl und mehr noch der Name des hier von einem früheren Vortrage her bekannten und beliebten Redners hatten dies veranlasst. Die Erwartungen der Erschienenen wurden mehr als erfüllt. Die ganz vorzüglichen Ausführungen des Redners lohnte auch reicher Beifall. Sehr interessant wurde auch die Discussion, in der mehrere Gegner sprachen, die unter anderen der zufällig hier anwesende Redacteur Levinsohn aus Hamburg und von einheimischen Gesinnungsgenossen besonders Rechtsanwalt Schwarz wiederlegten. 15 Neuanmeldungen zum Verein erfolgten noch während des Abends. Chrzanow. Unter reger Betheiligung unserer Gesinnungsgenossen erstattete vor kurzem Herrjur. Dr. Wa hrh af tig aus Krakau, unser Delegirter auf dem IV. Zionisten- Congresse in London, das Referat. Seine Ausführungen über den Verlauf des Congresses fanden ungetheilten Beifall und dem geehrten Herrn Referenten wurde von den Mitgliedern des „Bnei Zion"-Vereines der Dank votiert. Die am 10. November durchgeführten statutenmässigen Wahlen hatten das folgende Ergebnis: Obmann: Herr Med. Dr. Adolf Rieser, Obmann-Stellvertreter: Herr L. Schi m m e 1, Schriftführer : Herr Simon Biedermann. Cassier: Herr Leopold Opfer, Vorstandsmitglieder: die Herren Samuel L i n z e r, Moses Richter, Moses Schiffer. Prag. Bei der jüngst abgehaltenen General - Versammlung des „Jüdischen Volksvereines", Einzelverein des Verbandes „Zion". wurde über die Thätigkeit im vergangenen Jahre ein kurzer Bericht erstattet. In demselben wurde unter anderem betont, dass seit Jahresfrist zu den bereits früher bestehenden Vereinen einige weitere zionistische Vereine hinzugekommen sind und zwar der „Jüdische Musik- und Gesangverein" und der „Verein jüdischer Handelsangestellter". In Bildung begriffen ist ferner ein