Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 49 (7.12.1900)
- Article
- Englische Chronik
- Date
- 1900-12-07
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 49 ,Die s£ Welt" feite 9 sind für die Juden sehr günstig. Die Türken hüben die Juden nie unterdrückt, und die Juden haben in der Türkei immer Schutz und Hilfe gefunden. Auch die geographische Lage Palästinas ist überaus günstig. Wir müssen, schloss Redner, den Zionismus vor allem stark und thatkräftig machen, indem wir ihm immer neue Recruten zuführen. An die Rede schloss sich noch eine lebhafte Debatte, an der viele Redner sich betheiligten. Die Versammlung schloss mit einer einstimmig angenommenen Resolution, in der die Anwesenden sich mit den Lehren des Zionismus einverstanden erklären und dem Referenten für seine ausgezeichnete Rede ihren herzlichsten Dank aussprachen. Bradford. Unter den Auspicien der „Montefiore Zionist Society" fand kürzlich in den Simes Street-Schools ein Massenmeeting statt, in dem Mr. Halpern, der bekannte ausgezeichnete Jargon-Redner der „English Zionist Federation", einen Vortrag hielt. Vorsitzender war Rev. Dr. St ra u ss. Die Rede des Referenten wurde mit reichem Beifalle aufgenommen. Mr. A. Mai z eis beantragte eine Resolution, in der dem ausgezeichneten Volksredner und den zionistischen Wanderrednern im allgemeinen das Vertrauen ausgesprochen wurde. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Aberdare. Jüngsthin hielt Rev. Mr. Hamburg aus Cardiff in der Synagoge 19 A. Seymour Street eine Vorlesung über den Zionismus. Den Vorsitz führte Mr. M.Jacobs, Präsident der Cultusgemeinde. Der Redner erntete grossen Beifall und den Dank der ganzen Versammlung, in der ein sehr distinguiertes Publicum anwesend war. Nach Schluss der Rede traten viele Anwesende der vor einigen Wochen gegründeten „Zionist Association" als Mitglieder bei. Cardiff. In den Localitäten der „Dorschei Zionhielt letzten Sonntag abends der Ehrensecretär Mr. A. Leon Wolfscn eine Vorlesung über das Thema: „Sollen die Juden Zionisten werden?" Nach der Vorlesung fand eine lebhafte Discussion statt. Portsmouth. Letzten Sonntag fand unter dem Vorsitze des Mr. A. Levy eine zahlreich besuchte Versammlung statt, in der einstimmig beschlossen wurde. Mr. Halpern zu einem Vortrage über den Zionismus einzuladen. Sheffield. Die General - Versammlung der ..Zionist Association" fand letzten Sonntag statt. Referent war Rev. A. Chaikim. welcher eine Vorlesung hielt über „Rabbi Jochanan ben Sakai". Nach ihm ßprach Mr. Ritter aus K o w n o. Beide Redner ernteten grossen Beifall, der sich dadurch praktisch äusserte, dass nach Schluss der Versammlung 20 Pfund für Shares eingesammelt wurden. London. Eine Vorlesung über „Palästina in seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft", fachmännisch illustriert mit Hilfe des K i n e m a t o g r a p h e n, fand in der „West Hampstead Town Hall" unter grossem Beifalle statt. Vortragender war Mi-. J. Neil M. A.: ihm assistierte Mr. J. H. V i 1 k i n s o n. Die technische Erschliessung Palästinas.") Neuerdings sind uns folgende Zuschriften zugekommen : XX. Jekaterin oslaw. 1'.). November 19U0. Löbliche Re d actio n! Auch wir erklären uns bereit, Antheil zu nehmen an den Arbeiten der „Gesellschaft für technische Studien in Palästina". Hochachtungsvoll J. Pale y, Ingenieur. M. Ussischkin. Ingenieur. XXL Chicago, -10. November ükm.). Löbliche Redaction! Bezugnehmend auf Ihre Artikel in Angelegenheit der technischen Erschliessung Palästinas, möchteich darauf aufmerksam machen, dass sich vielleicht eine Cigarrenfabrik in Palästina rentieren würde, und zwar eine Fabrik, in der die feinsten Sorten hergestellt würden. Meine Söhne, die in der Fabrication von Havanna-Cigarren grosse Routine besitzen, würde ich im Interesse der heiligen Sache gerne veranlassen, nach Palästina zu reisen, um bei der Unterweisung und Ausbildung der Arbeiter behilflich zu sein. Mit Zionsgruss ">\i> Jonjuer Street A. Richinan. Die Fragen der körperlichen, geistigen und wirtschaftlichen Hebung der Juden. Jüdische Frauenerwerbvereine. (Eine Zuschri f t.) Ich will mir heute erlauben, dem Artikel des Herrn Dr. Komm er „Jüdische Frauenerwerbvereine"*) einige Worte hinzuzufügen : Zum Bewusstsein der zwingenden Notwendigkeit der Aufhilfe der Frau in der Wahl und Erwerbung eines Berufes, der Gründung einer selbständigen Existenz, sind h»ute schon viele Frauen erwacht. Bei uns in Stanislau sind es zwei Zionistinnen. die dasselbe vertreten wie Herr Doc-tor Kommer. Vor vier Jahren entstand auf Initiative der Frau W i e n e r - G o 1 d f e 1 d und Frl H o r o w i t z ein Frauen verein, welchem man der grossen Philanthropin zu Ehren den Namen der Baronin Clara Hirsch beilegte. Nur wird hier nicht nur philanthropisch, sondern auch praktisch zu Werke gegangen, indem den bedürftigen Mädchen und Frauen ermöglicht wird, jedweden Beruf an der richtigen Stelle zu erlernen, zum Beispiel ein Handwerk hei einem qualifici^rten Handwerker: Aspirantinnen für das Lehrfach besuchen ein Seminar. Kindergärtnerinnen den Kindergarten, Buchhalterinnen die Handelsschule etc. etc. Der Vorschlag des Herrn Dr. Komme r. dass wohlthätige Damen sich zusammpnthun und in einem Fache Unterricht ertheilen sollen, würde meiner Meinung: nach ganz gewiss keine Resultate ergeben und zu keinem Zwecke führen, da diese die Sache dilettantisch betreiben würden. Denn die Damen besitzen neben ihrer allgemeinen Bildung keine einzige Fertigkeit, die Brot geben könnte: wenn sie auch ein bisschen schneidern können, so ist es höchstens soviel, um kleine häusliche Bedürfnisse. Reparaturen und mindere Garderobe ausführen zu können. Vor mir liegt der Rechenschaftsbericht für das -Jahr lS9!t, also für das erste Bestandjahr des Vereines. Vierzehn Mädchen, die bereits nähen, aber ohne Maschine sich nicht selbständig etablieren konnten, wurden Nähmaschinen angekauft. Ferner wurde eine Strumpfstrickmaschine angeschafft. Acht Mädchen wurden in verschiedenen Handweiksstätten untergebracht, zwölf Stipendien an Schülerinnen des Lehrerinnen-Institutes und zwei an Schülerinnen der Handelsschule gewährt. Eine Frau schickte man nach Czernowitz. wo sie den Gynaekologen-Cursus besucht hat. Sie ist jetzt in Stanislau thätig. Zwei Mädchen wurden dieses Jahr zu Photographen in die Lehre gegeben. Ein anderes Mädchen wieder erhielt eine Maschine zur Einrichtung einer Wäscheputzerei u. s. w. Ich will hotten, dass diese kleine Statistik das beste Argument für die Errichtung jüdischer Frauenerwerbvereine *) Vgl. Nummer 43, 44-, 45, 46, 47 und 4S. *) Siehe Nr. 47.