Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 49 (7.12.1900)
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1900-12-07
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Redaction und Administration: WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon 14199. Erscheint jeden Freitag. Zuschritten sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien. IX., Türkenstrasse Nr. 9. zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet Sprechstunden der Redaction: Montag, Mittwoch und Freitag von 3—4 Uhr. Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitznile 20 Heller. Der Inseratentheil wird Dienstag abends geschlossen. Enzeine Nummern : Oesterreich-Ungarn: ganzjährig 12 Kronen, halbjährig 6 Kronen. Für das Ausland: Deutschland _ _ ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig" 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doli. 40 CL Nr. 49. Wien, 7. December 1900. 4. Jahrgang Anlässlich der Jahreswende werden unsere verehrten Abonnenten zur rechtzeitigen Erneuerung des Abonnements aufgefordert und damit keine Verzögerung in der Zustellung erfolge, wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass der Verlag Tuschijah in Warschau unsere Vertretung für Russland hat. Die nächste Nummer der Makkabäer-Festnummer. „Welt" erscheint als Der Schekeltag. Unsere Gesinnungsgenossen in England gehören heute zweifellos zu den fleissigsten und praktischesten Agitatoren des Zionismus. Sie kämpfen allerdings nicht auf so heissem Boden wie die Zionisten anderer Länder, und die Arbeit ist ihnen darum in vieler Hinsicht erleichtert. Aber viele ihrer Erfolge sind doch ihr persönlichstes Verdienst und der Lohn ihres Fleisses, ihrer Thatkraft, ihres scharfen politischen Verstandes. Und mehr als eines können wir von ihnen lernen. Auch der „Schekeltag", von dem wir sprechen wollen, trägt die gute Marke: „Made in England-. Nach dem glänzenden Erfolge, den die „English Zionist Federation* durch ihre Intervention anlässlich der Parlamentswahlen errungen hatte, machten sich die englischen Gesinnungsgenossen mit einem bewunderungswürdigen Eifer an die Arbeit der Agitation und Organisation, Drei Dinge zeichnen diese umfangreiche Thätigkeit vor allem aus : Systematische Arbeitstheilung. stricte Ordres von Seite der Leitung, Subordination und exacte Ausführung seitens der einzelnen Vereine. Und doch geht bei dieser, wir möchten fast sagen, soldatischen Art der Arbeitsführung, trotz der Kürze und strengen Sachlichkeit der Befehlgebung. die an die sparsame Stilistik der militärischen Tagesbefehle erinnert, nichts von jener Begeisterung verloren, die mit eine Vorbedingung des Erfolges ist. Die englischen Zionisten haben mit gutem Grund der Sammlung der Schekelgelder eine erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet. Sie erkennen mit Recht in dem Schekel mehr als eine jährliche Steuer. Darum haben sie die Emführung des „Shekel day" getroffen. Die Gentrate gibt die Losung aus, dass an einem bestimmten Tage im ganzen Lande der Schekel eingehoben werden soll. Kaum ist diese Parole draussen. so entwickelt sich der schönste Wettkampf. Manchester wird 1000 Schekel aufbringen, meldet man nach Leeds. Dann werden wir über 1000 aufbringen, antworten die Leedser. Bis in die kleinsten Gemeinden pflanzt sich dieser neue Ehrgeiz mit erstaunlicher Schnelligkeit fort. Ueberall, im ganzen Lande werden Versammlungen abgehalten, die auf den Schekeltag vorbereiten. Der Schekel ist längst keine Münze mehr, er wird zum Symbol der Gesinnungstreue, zum Gradmesser der Werbekraft der Zionisten in Stadt und Städtchen. Der Schekeltag wird mit Spannnng erwartet. Man vergisst ganz, dass er aus der praktischen Erwägung heraus eingeführt wurde, die Sammlung der Schekelgelder in ein zeitliches System zu bringen. Es ist ein Tag von besonderer Weihe aus dem r Shekel day" geworden. Und in edlem Wettbewerb regen sich alle Kräfte, diesen Tag zu einer glänzenden Manifestation zionistischer Gesinnungsstärke zu gestalten. Auch die Zionisten im Deutschen Reiche haben den Schekeltag eingeführt. Aber die Einrichtung ist zu gut, als dass sie auf England und Deutschland beschränkt bleiben dürfte Wir glauben, die Zionisten der anderen Länder werden dem schönen Beispiele freudig folgen. Vielleicht wird dann der nächste Congress. wenn die Versuche sich überall bewährt haben sollten, noch einen Schritt weiter gehen und einen Tag des Jahies als Schekeltag für die Zionisten in aller Welt festsetzen. „Wer über 20 Jahre alt ist", heisst es im Buche Exodus, „soll den Schekel leisten, der Reiche soll nicht mehr geben, als der Arme." Das haben wir so gehalten. Und es heisst ferner in der Schrift: »Wenn sie gezählt werden, sollen sie ihren Schekel geben." Das wollen wir umkehren: Wenn sie ihren Schekel leisten, wollen wir sie zählen. Die organisierten Proletarier aller Länder halten am 1. Mai ihre Heerschau. Die Zionisten aller Länder werden am Tage des Schekels diese Heerschau halten. Ueberall wird der Tag wie ein Festtag gefeiert werden, an dem man die Getreuen des Zionismus zählen wird, die den neuen Exodus der Bedrückten 'vorbereiten. B. F.