Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 47 (23.11.1900)
- Article
- Deborah
- Date
- 1900-11-23
- Page
- 16 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 16 ,Die & Welt" Nr. 47 Auf den Talmud. „Sei mir gnädig!" Fleht der Greis. „Deborah, edle Tochter, wenn Du wärst am Leben Wärst Du jetzt geworden Mutter!" Und in jeder Nacht vernimmt er Ihre liebe, süsse Stimme. Süsse Lieder, Wiegenlieder Singt bei Nacht die todte Mutter. VIII. Dreizehn Jahre sind vergangen .. . Einen Jüngling, schon Bar-Mizwah, Hört er reden vor dem Volke. „Wäre wohl ein grosser Lehrer," Denkt der Rabbi, „welche Freude Hätte jetzo seine Mutter!* Und er hört Trompeten blasen, Pauken dröhnen, Clarinetten, Rauschen, klingen von der Ferne. „Hochzeit feiert ihre Tochter," Denkt der Rabbi, „zu der Trauung Führt sie jetzt die todte Mutter!" IX. Und von dieser Stunde täglich Hört und sieht und fühlt der Greis Jeden Zustand ihres Lebens, Und er weinet heisse Thränen. Und er fleht zum VVeltenschöpfer : „Gib. o Gott, dass ich auch hören Mog' ihr Weinen, ihre Seufzer, Ihre Thränen. dass ich sehe.- „Dass der eine Trost nur werde Meiner Qual, dass sie im Leben Auch vom Kummer hätt' genossen, Unglück auch und manche Plage." „Dass ein einz'ger Augenblick Ihrem Dasein war beschieden, Da ihr Leben sie verwünschet Und herbeigesehnt den Tod!" Doch vergebens war sein Flehen. Süsse, heit're Liebeslieder Hört er singen nur beständig: „Glücklich wäre wohl ihr Leben!a „Jenes stille Frauenleben, Das nicht leuchtet wie die Sonne, Aber sanft und lieblich strahlet, Wie der helle Morgenstern!" Und es giessen sich und fliessen Seine Thränen durch die Jahre. Und er flehet: „Grosser Gott, Thu mir kund die grosse Gnade: Nimm zu Dir die Jammerseele, Meine trübe Seele nimm, Sterben, sterben lass mich bald, Heil'ger Vater, grosser Gott!*' XL Tag um Tag und Jahr um Jahr Schwinden leis'. Das kleine Städtchen Ist schon längst zur Stadt geworden, Eine grosse, reiche Stadt. Viele Männer, viele Frauen, Die er spielen sah als Kinder, Ruhen auf dem stillen Friedhof. Er allein nur war geblieben. Neue Menschen sind gekommen, Neues Leben, neue Sitten. Fremd ist alles, und als Fremder Wandelt er noch unter ihnen. Dunkel sind die Augen worden Und der Leib zur Erd' sich neiget. Und er klaget zu dem Schöpfer, Klagt und sehnt herbei den Tod. XII. Ein Gedank' und ein Empfinden Ist dem Greise noch geblieben: Sterben, sterben! Bis zuletzt Sich auch seiner Gott erbarmet! Finster war und trüb die Nacht, Bang und klagend rauscht der Sturm, Wie das Wimmern eines Kindes Tönt es durch die finst're Nacht. Abgewendet längst schon allen Lebensfreuden, Lebensschmerzen, Sitzt der Greis im Beth-Hamidrasch, Und auf einmal hört er Weinen, Und der Massen flüsternd Beten, Träger schreiten durch die Gassen, Und es tönt das Todtenlied — „Jetzo wäre sie gestorben," Ruft in stiller Freud' der Rabbi. „Aus! Das Ende meiner Leiden! Nimm mich, nimm mich, edle D'borah, Auf zu Dir in Deine Welt!* * Still und friedlich aus der Hülle Hat die Seele sich gelöset, Und am Morgen hat das Volk ihn Heiss und inniglich betrauert MMIMMVWVWWMWV*MVMWWMMMMVMMM^ Briefkasten. Infolge der Kothwendigkeit einer ausführlichen Berichterstattung über die Wiener Cultuswahi-Bewegung mussten zahlreiche Vereinsnachrichten und Correspondenzen fü/ die nächste Nummer zurückbleiben. M. Sch. in Prag und E. T. in Dresden. Herzlichen Dank. Erledigung folgt. E. 0. in Smichow und P. B. in Bielitz. Bitte Geduld. Erledigung folgt. J W. in Frankfurt a. M. und Josef Löwy in Aussig. Herzlichsten Dank. ^abril^aijtei), (gewerbetreibende, ^ecbirfH*1*! Um den 400 beschäftigungslosen jüdischen Arbeitern in Palästina Brot und Arbeit zu schaffen, ist die Begründung industrieller und gewerblicher Unternehmungen in Palästina (fabriksmässiger und Hausbetrieb) geplant. Es handelt sich vor allem um die Erzeugung solcher Artikel, die theils in Palästina selbst dringend benöthigt und daher dort placiert werden könnten, theils aus den im Lande vorhandenen Rohmaterialien gewonnen und zum Export gebracht werden können. In erster Linie kommen in Betracht: Gerbereien, Spinnereien, Kleider-, Waschseife-, Papier-, Zündhölzchen-, Cement-, Maschinen-, Textil- und chemische Fabriken, ferner Korbflechtereien (Hausindustrie). Jenen Unternehmern, die sich verpflichten, die Arbeitskräfte für die zu eröffnenden Betriebe den Reihen der palästinensischen Arbeiter zu entnehmen, und die für eine angemessene Entlohnung und gerechte Behandlung dieser Arbeiter sich verbürgen, wird ein entsprechender Credit und eine ausreichende Subvention in barem Gelde verschafft. Alle näheren Auskünfte ertheilti Das Secretariat des Congress-Bureaus, Wien, IX., Türkenstrasse 9. Spenden. Für zionistische Zwecke: Bannet, Rossland, Canada K 3. Für Boryslaw: J. J. H., Breslau K 11.76. Für die rumänischen Juden: Sammlung des Rabb. Fried in Sebastopol K 39.—, M. Linieclci, lrklejew K G6.—. Zusammen K 105.—. Für die National-B ibliothek in Jerusalem : Anlässlich des 70. Geburtstages des Dr. K. Lippe in Jassy, die jud. Gymnasial-Jugend durch E. Bacher K 12 — die jüd. Schülerinnen des Lehrer-Instituts durch Fräulein Andermann, sämmtlich in Stanislau K6.—. Zusammen K 18.— Herausgeber und verantwortlicher Redacteur: Dr. Isidor Wien, VIEL, Marmorek. — Buchdruckerei .Industrie* (S. Bergmann). -1—Tae 11. *