Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1900-11-23 · 47 (23.11.1900) · p. 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
47 (23.11.1900)
Article
Rzeszów [Nachricht]
Date
1900-11-23
Page
15 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3315850-3315899--23085-3374333
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 47 PDie & Welt" Seite 15 Präses; Ch. Wald, Vicepräsos; B. Furths, Cassier; S.Kohn. Secretär für Polnisch und Deutsch; N. Glücksmann, Secretär für Hebräisch; F. Hopfon. Bibliothekar: M. Schipper, Wirth: K. Kurz mann und M. Horow i 12, Revidenten; ferner ohne Function : Horn. S. G re i sm a n n, Ö. Laune r. Wien. (E inze1verein „Wien" des „Z i o n';.) Dienstag den 20. d. M. hielt Herr Dr. Leopold Kahn im neuen Vereinslocale, II., Schwarzingergasse Nr. % einen Vortrag über „Wesen und Bedeutung des IV. Zionisten- Congresses". Redner erntete für sein überaus interessantes Referat stürmischen Beifall. Voranzeigen. Wien. (E i n 7. e 1 v e r e i n ,.W ion" des ,.Z i o n".) Unser Verein veranstaltet in nächster Zeit im neuen Vereinslocale, II.. Schwar/.ingergasse Nr. ± einen Vortragscyklus. Die Reihe eröffnet am Hl. d. M. Herr Dr. Martin E n g 1 ü n der mit einem Vortrage über Zionismus. — Dienstag den 4. Deeember spricht Herr B. Feiwel über: ..Die Fragen der geistigen, körperlichen und wirtschaftlichen Hebung der Juden". — Dienstag den U. Deeember spricht Herr Prot*. Dr. S. L i e b r e i c h über: ,,Die Ralliierung des Judenthums'\ Wien. (Erster Wiener Jüdischer Turnverein.) Die Turnübungen werden in unserer neuen Turnhalle, I., Mölkerbastei Nr. r>. Samstag den 24. November, 7,8 Uhr abends, wieder aufgenommen. Deboral). Eine jüdische Legende von S. Frag Deutsch von Moriz Hermann. I. Still und finster lag das alte, Kleine, enge Ghettö-Stühchen, Allwo fest im tiefen Schlafe Ruht* der alte, graue Schames. Still und friedlich schlief der Schames, Und im Schlafe plötzlich hört er Dumpfe Schritte ... Wie ein Lahmer, Welcher humpelt schwer auf Krücken. Und erschrocken und verwundert Fährt empor der alte Schames, Zündet an das alte Lämpchen, Doch was sieht er? Welches Wunder! Selber wandeln sieht er seinen Stecken durch die Kammer! „Ach. das Deutet böse Botschaft! Jemand In dem Städtchen liegt im Sterben!" Und dazwischen hört er rufen Seine Tochter: »Eile, Vater! Weck5 die Leute! Unser Rabbi, Unser gute Rabbi stirbt!" — Noch in selber Nacht der Schames Klopfend geht von Thür zu Thüre. Aber was bedrückt Deborah? Warum weint des Schames Tochter? D'borah sitzt voll Weh, und heisse Thränen rinnen von den Augen. Bitter weint sie, weint und jammert: „Unser gute Rabbi stirbt!" „Hilf ihm, heü" ihn, Gott Du Guter!« Innigheiss, wie eine Tochter, Hat von Kindheit an geliebt den Alten Raw die kleine D'borah. Weil der fromme Sohn der Thora Auch das Kind geliebt beständig Wie sein Eigen und es rufen Pflegt' am Sabbath mit dem Vater, Um zu lehren sie die Thora, Die Gebote und die Sprüche. Lesen auch und beten lehrt" er, Freundlich sie ermunternd also: „Lerne, D'borchen, lerne, Tochter, Und Du wirst, so Gott will, einstens Viel genannt im Volke werden, Gleich Deborah, der Prophetin." Und sie sitzt voll Web, und heisse Thränen rinnen von den Augen, Bitter weint sie, weint und jammert: „Hilf ihm, heil' ihn, lieber Gott!" III. Im Beth-Midrasch drängt das Volk sich. Gross und Klein, sind alle kommen. Weinen, beten zu dem Schöpfer, Doch vergebens all* ihr Flehen! Schon aus Wachs ein Licht, ein grosses. (Srade nach dem Mass des Kranken, Ward gegossen und gehüllt in Sterbekleider, nach des Volkes Frommer Sitte, und begraben Wie die Hülle eines Todten. Doch vergebens all' ihr Thun, Und erschöpft sind alle Mittel! Eines nur noch war geblieben. Nur das eine: Dass ein jeder Spenden sollte einen Theil Seines Lebens für den Kranken. Männer, Weiber, Kinder, Greise, Einen Tag der eine, einen Monat jener, und getreulich Wird's verschrieben und verschlossen. Als dann zu des Schames Hause Mit der Schrift die Männer kamen, Stand Deborah vor der Thüre. Hoheitsvoll und still und heiter Sprachsie also: „Schreibt, ihr Männer"— „Wie viel. D'borchen. wie viel schenkst Du?" „Schreibt mein ganzes, junges Leben, Ja, verschreibt es, denn ich schenk'ihm. Was ich habe, all' mein Leben!" „D'borchen!" d'rauf die Männer sprachen, „Närrisch" Kindchen, musst bedenken. Was Du redest!" Aber all' ihr Warnend Reden war vergebens, Und vergebens auch des alten Kranken Vaters langes Bitten. Seine Reden, seine Thränen. Und verschrieben ward es also Und am selben Tag besiegelt, Alles, wie es ward gefordert: „D'borah schenkt ihr ganzes Leben!" IV. In der Zeit d'rauf, als der Bote Trug die Schrift ins Beth-Hami drasch Und verschloss sie in die Lade, In demselben Augenblicke Stand der Rabbi auf vom Lager, Wieder heiL gesund "und frisch. Und die arme, kleine D'borah, Rein und fleckenlos und heiter. Musst' am selben Tag beschliesseu Ihre Bahn! . . . Der arme Vater Hat beweint sie heiss und innig Und gesagt das erste Kadisch. Zum Begräbnis sind gekommen Männer. Weiber, Kinder, Greise. Wünschten ihr aus vollem Herzen Alle Paradiesesfreuden. V. Still und friedlich fliesst die Zeit In dem kleinen, stillen Städtchen. Menschen leben, zeugen Kindel", Kinder freuen sich der Jugend, Wachsen, werden alt und sterben. Auf dem stillen, alten Friedhof Reihen dichter sich die Gräber. — Doch was macht der alte. Rabbi? Gott sei Lob, er lebt in Frieden, Lehrt das Volk und liebt die Thora, Und gedenkt des stillen Kindes! Er gedenkt der todten D'borah! Er vergisst am Sterbetag nicht Licht und Kadisch ihr zu weihen. Und so fliesset still und ruhig Tag um Tag und Jahr um Jahr. VI. Tag um Tag und Jahr um Jahr Schwinden leise, unberührt lässt Ihn das Alter, nur sein Auge Manchmal blickt so traurig . .. Keiner Hat errathen seinen Kummer, Und so weiss es auch wohl keiner. Dass zuweilen, da er einsam Grübelt, er ganz leise hörte Singen eine Frauenstimme, Süsse Lieder, Liebeslieder Klingen, rauschen in der Ferne, Und vor seinen grauen Augen, Schwebt ein Bild ... Ach, er erkennt es. Er erkennt das süsse Antlitz Seiner Schülerin Deborah, Und. er stammelt: „Sei mir gnädig!" „Sei mir gnädig, edle Tochter, Dass durch mich so früh von hinnen Musstest wandern . . . Wenn Du lebtest, Wärest jetzo Du schon Braut!" VII. Tag um Tag und Jahr um Jahr Schwinden leis. Und einmal hört er Wildes Aufschrei'n eines Weibes! Und er weint, die Thränen rinnen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.