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Die Welt · 1900-11-23 · 47 (23.11.1900) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
47 (23.11.1900)
Article
Die technische Erschliessung Palästinas
Date
1900-11-23
Page
10 (sequence 1)
Language
German
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Seite 10 „Die s£ Welt" Ni. 47 Die technische Erschliessung Palästinas. Das vorbereitende Coiuite des „Vereines für technische Studien in Palästina" hat in dieser Woche zwei Sitzungen abgehalten, in denen die Berathung über die Vereinsstatuten zu Ende geführt wurde. Ihren Beitritt zum Vereine haben ferner bei uns angemeldet die Herren Primarius Dr. Kornfeld. Dr. Martin Engländer und Dr. Sigmund Werner in Wien. Ueberdies sind uns nachstehende Zuschriften zugegekommen: XV. Aussig, iL November UKMJ. Sehr geehrte Redaction der „ W e 11"! Ich bitte Sie, die Anmeldung meines Beitrittes zu dem zu gründenden Verein zur technischen Erforschung Palästinas hiermit gefl. entgegenzunehmen. Gleich vielen anderen kann ich leider persönlich an der zu unternehmenden Expedition nicht theilnehmen. doch glaube ich, dass auch wir Zurückbleibenden uns an dieser wichtigen Arbeit betheiligen könnten, indem wir das von der Expedition gesammelte Material vom Standpunkt unseres speciellen Faches prüfen. Ich bin Fachmann in der Erzeugung von Min er a 1schmieröl und sonstigen Schmiermitteln, sowie in der Herstellung von Gelatine aus Hautabfällen und Knochen. Ausserdem habe ich Einblick in die Verwertung von Baumwoll- und Kameelhaargarn zu Treibriemen. Mit dem innigen Wunsche für das Gedeihen dieses Vereines und dem Versprechen, nach besten Kräften dazu beitragen zu wollen, zeichne ich mit Zionsgruss und Hochachtung R u d o l f W e i s s. XVI. Berditschew, 15. November ÜHio. Sehr geehrte Redaction'. Mit Begeisterung und grosser Freude habe ich den Artikel „Die technische Erschliessung Palästinas" gelesen und freue mich, dass mein lange gehegter Wunsch, Palästina als Industriegebiet erschlossen zu sehen, sich endlich zu realisieren beginnt. Ich melde mich gerne als Mitglied der „Gesellschaft zur industriellen Erforschung Palästinas" an und soll es mir zur hohen Ehre gereichen, wenn ich als praktischer Zionist und erfahrener Kaufmann dem löblichen Unternehmen nützliche Dienste in commercieller Richtung leisten werde können. Genehmigen Sie die Versicherung meiner ausserordentlichen Hochachtung. Mit ergebenstem Ziousgruss Alex. D. Dessler. Kiew und Berditschew. Die Geschworenen. Von D. Salo. Zwei Leute derselben gesellschaftlichen Schichte, Arbeiter, von denen man nicht weiss, ob ihre Beschäftigungslosigkeit beabsichtigt oder zufällig war, standen ein paar Wochen lang vor den Geschworenen. Der eine war ein Jude, und als er wegen Ritualmordes verurtheilt wurde, brummten die Geschworenen unmuthig seinen Vertheidiger an. Der andere hatte unter wissentlichem Meineide einen Juden des Ritualmordes beschuldigt. Und als er verurtheilt wurde, baten die Geschworenen einstimmig um die Umwandlung seiner Zuchthausstrafe in Gefängnis. Hier ist weder die Frage der Schuld Hülsners noch die des Motivs zu erörtern. Wenn er ein Mörder ist, so werden das alle Juden gewiss bedauern. Ist er unschuldig, so dürfen wir annehmen, dass sich andere über einen Justizmord nicht weniger empören würden als wir. Aber *) Vergleiche Nr. 43, 44. 45 und 4<:>. die Geschworenen haben seiner That auch einen Beweggrund unterschoben. Und wir haben keinen rechten Grund anzunehmen, dass die Geschworenen nicht „nach ihrem besten Wissen und Gewissen" urtheilten. Und diese Leute waren „zwölf Männer, die zufällig Geschworene waren*. Das besagt: Zwölf Leute, die ohne Absicht, durch blinden Zufall, durchs Los aus dem Volke gewählt wurden, haben dieses Urtheil gesprochen; und hätte man zwölf andere gewählt, sie hätten's ebenso gethan. Sie sprachen die Meinung des Volkes aus, das durch Zufall gerade sie vertraten. Nun ist allerdings in Böhmen wie in Preussen diese Meinung auf die gleiche Weise ins Volk getragen worden: durch Leute, die mit dem Ritualmordglauben Geschäfte machen. Aber das ändert nichts an der Thatsache, dass jene Kreise sich für diesen Glauben sehr empfänglich zeigten. Und uns. die wir wissen, wie Unrecht sie haben, bleibt so lediglich die Frage übrig : Wie kam es und was trägt die Schuld daran, dass just von uns Juden ein grosser Theil unserer Umgebung eine so unheilvolle Meinung gewinnen konnte? Von einem Unbekannten wird man leicht alles Schlechte glauben. Und sie kennen uns nicht Wir leben unter ihnen. Und je mehr wir mit ihnen in Berührung kommen, destomehr erkennen beide, dass sie anders geartet sind. Zu der Verschiedenheit der Art kommt aber noch die Verschiedenheit der Lebensführung. In dem österreichischen Falle war es [vor allem die Sprache, die den deutschen Juden vom czechischen Christen schied. Die Sprachenverschiedenheit erzeugte seit jeher eine gewaltige Kluft, die derzeit nur noch gewachsen ist. Der Hauptunterschied ist aber wohl die Religion und deren Uebung. Beide Theile sind fromm und beide auf verschiedene Weise. Beide Theile sehen diese Frömmigkeit als einen nothwendigen und unabänderlichen Factor ihrer Lebensführung an. Und keiner will die Ueberzeugung des anderen begreifen. Auf dem Laude werden die Juden infolge ihres Ritus den Nachbarn ewig ein Räthsel bleiben. Die Mehrzahl der Juden hat infolge der Einhaltung ihrer religiösen Uebungen eine Lebensführung, welche den gesammten Körper der Judenschaft inmitten ihrer christlichen Umgebung als etwas Fremdes erscheinen lässt. Man denke doch: es gibt in einem Dorfe eine Minderheit, die arbeitet, wenn die anderen ruhen und ruht, wenn die anderen arbeiten; eine Minderheit, die einen eigenen Sammelpunkt in ihrem Gotteshause hat, in dem sie ihre Gebete zu ungewohnter Zeit in einer fremden Sprache laut verrichtet: man hört sie, aber man versteht sie nicht; die sogar eigenthümliche Gewänder und absonderliche Geräthe bei diesen Gebeten verwendet: eine Minderheit, die mit den anderen nicht isst und trinkt, die ihre Nahrungsmittel vor dem Gebrauche auf besondere religiöse Art bereiten und vorbereiten muss: eine Minderheit, die mehrmals im Jahre Feste feiert, deren Aeusserlichkeiten dem Fremden zu schauen und zu rathen geben: man denke an Pessach, an Sukoth, an Chanuka und Purim, an Simchath Thora, an Rosch Haschono und Jörn Kipur: man denke an die Mazzoth, an die „vier Pflanzenarten" des Laubhüttenfestes, an Chanukalichter, Purim-Maskeraden, an die Schofarklänge und das Sterbehemd, ja man denke bloss an Talis, Tefilin und Mesusah. Und nun wissen wir ja aus unserer eigenen Mitte, dass alle diese Uebungen und Bräuche als vertraut nur demjenigen erscheinen, der ihre Bedeutung, ihre Entstehung, ihre Geschichte kennt. Wer ihren Zusammenhang mit früheren Zeiten und Ereignissen nicht weiss, wer sie nicht mindestens als etwas Historisches betrachten kann, dem sind sie unverständlich, und nicht immer wird er so wohlwollend sein, sie deshalb bloss für überflüssig und harmlos zu halten. Es entspricht vollständig dem, was wir sonst von d«sr phantasievollcn Thätigkeit der

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