Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 47 (23.11.1900)
- Article
- Die Zionisten und die Wahlen in der Wiener Cultusgemeinde
- Date
- 1900-11-23
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Redaction und Administration: IX., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon 14199. Erscheint jeden Freitag. Zuschritten sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9. zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscrfpte nicht zurückgesendet Sprechstunden der Redaction: Montag, Mittwoch und Freitag von 3—4 Uhr. Preise der Anzeigen: Di» viermal gespalten^ Petitzeil« 20 Heller. Der tnseratentheil wird Dienstag abends sr*»«<-hln9sen. Einzelne-Nummern 30 Heller. Oesterreich-Ungarn: ganzjährig 12 Kronen, halbjährig 6 Kronen. Für das Auslan.l: Deutschland _ _ ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. So Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Sh^., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien. »Jrip.-henlamf, Aegypten" ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts.. Amerika ganzjährig 3 DolL 40 Ct. Nr. 47. Wien, 23. November 1900. 4. Jahrgang ©ie 5$ioi)isfei) <it)d die ^tfablei) ii) der ^tfietjei3 @ultus^ett>eii)de. An die jüdischen Wähler! Zum erstenmale treten die Wiener Zionisten in den Wahlkampf, mit dem entschiedenen Willen, ihre Männer in die jüdische Gemeindestube zu entsenden. Ueber uns Zionisten sind durch allerhand thörichte oder böswillige Ausstreuungen unserer Feinde die merkwürdigsten Urtheile im Umlauf. Was wollen wir Zionisten? Wir wollen für die notiileidenden Brüder aller Länder eine Heimstätte in Palästina schaffen, wir wollen den Millionen Juden, die jetzt hungern und schnorren, die entrechtet und geknechtet, an Leib und Seele dahinsiechen, Arbeit und Brot geben. Es ist eine wunderbar grosse Sache, ein gewaltiges Unternehmen, vielleicht das gewaltigste, das die Geschichte kennt, schon weil es sich um das älteste Gulturvolk der Welt handelt. Ist es ein unnützes Unternehmen? Die furchtbare rumänische Katastrophe dieses Jahres allein reicht hin, um die Nothwendigkeit der planmässigen Regelung der jüdischen Auswanderung zu beweisen. Und doch ist die Zahl der Nothleidendan tausendmal grösser, und doch gibt es jüdische Katastrophen überall und zu allen Zeiten. Eine Heimstätte für unsere Bedrückten in Palästina zu schaffen, das ist der Haupttlu-il unseres Programmes. Diesem Programme dient eine Organisation, die über die ganze Welt ihre Netze spannt und viele, viele hunderttausende von Anhängern umfasst. Wo es Juden gibt, dort wohnt auch der Zionismus. Er ist in Amerika zuhause wie in Australien. In die Wüsten Afrikas, in die Steppen Bessarabiens, in die Bergwelt des Kaukasus — wo immer Sprösslinge des heimatlosen Volkes wohnen, überall.iin ist unser Gedanke gedrungen, die Herzen der Gebeugten mit neuer Hoffnung erfüllend und die weltversprengten Glieder Judas neu vereinend. Was uns durch 2000 Jahre verloren gewesen ist, die Einheit und die Vereinigung der hilfsbereiten jüdischen Kräfte, der Zionismus hat es im Laufe weniger Jahre erreicht. Es muss ein grosser, ein wunderbarer Gedanke sein, der imstande ist, das Zerstörungswerk zweier Jalirtausende wieder aufzuheben. Selbst der ursprüngliche Gegner steht betroffen vor dem gewaltigen Schauspiele der Zionisten-Gongresse. Viele hunderte von Delegierten aller Länder und Erdtheile manifestieren in allen Zungen, doch in einmüthiger Begeisterung, ihre Zusammengehörigkeit mit dem jüdischen Volke, ihre Zusammengehörigkeit mit. dem Zionismus. Es sind darunter Schriftsteller, Künstler, Gelehrte, deren Namen einen Weltruf hat, es sind Freigeister darunter und strenggläubige Kabbiner, Begüterte und Arme, Jünglinge und Greise, Männer und Frauen. Der Zionismus hat sie zueinander gebracht und sie innig miteinander verbunden. Das zionistische Belieiungswerk ist eine Notwendigkeit Denn die Judennoth ist ungeheuer und die Colonisation der Nothleidenden der einzige Ausweg. Die zionistische Bewegung ist eine höchst e t h i s c h e, nicht nur weil sie eine Renaissance der jüdischen Gultur erstrebt, nicht nur weil sie ein eminent socialpolitisches Unternehmen darstellt, sie ist es schon darum, weil es ihr bereits heute gelungen ist, die sittlichen -Kräfte des Judenihums, vor allem aber die bereits abseitsstehende Jugend u n d die jüdische Intelligenz zu segensreicher Arbeit zu vereinigen. Der Zionismus ist aber auch eine durchaus praktische Bewegung. Der Zionismus will die socialen und culturellen Bedürfnisse der Juden in der idealsten Form erfüllen, indem er der tausendjährigen Sehnsucht des Volkes: Freiheit im eigenen Lande, Erfüllung schafft Unser Plan aber steht auf sicherem Grunde. Dass das jüdische Volk Willens ist seine materiellen Kräfte anzuspannen, das hat es bewiesen, indem es die „Jüdische Coloniaibank" geschaffen hat Daäs wir die Sympathien des politischen Europa haben, beweist neben den Kundgebungen von Fürsten, Staatsmännern, Politikern und den bedeutendsten Gelehrten und Künstlern die Thatsache der jüngsten. Zeit, dass etwa- 40 englische Parlamentarier und 60 ausserhalb des