Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 46 (16.11.1900)
- Article
- Lemberg [Nachricht]
- Date
- 1900-11-16
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 »Die $l Welt" Seite 13 wurden für das Wintersemester gewählt: stud, med. J. Mayer als Präses, jur. M. A p p e r m a n n als Stellvertreter und jur. I. Thon als Schriftführer. Wien. Bei der am 6. d. M. stattgehabten 13. ordentlichen Plenar-Versammlung der „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschule r" war das Ergebnis der Wahl in den Ausschuss für das laufende Winter-Semester Folgendes : jur. Siegfried Dankowitz, Präses; med. Max H ö n i g e r, I. Vicepräses; jur. Ernst L ö w, II. Vicepräses; med. Siegmund P i s t o 1, L Schriftführer; med. Wilhelm Landau, II. Schriftführer; med. Heinrich L ö w y, I. Cassier; med. Arthur Bader, II. Cassier; phil. Ernst Müller, Bibliothekar; jur. Michael H e r e r, Hausverweser; jur. Albert Grabscheid, Zeitungsverweser. Wien. Am 10. d. M. fand im „Hotel Central" der Eröffnungscommers des XIII. Semesters der jüdisch-akademischen Verbindung „Unitas* statt. Ein zahlreiches Publicum hatte dem Rufe der „Unitas" Folge geleistet. Nach einer kurzen Begrüssung der Anwesenden legte der Präsident techn. Julius Fürst den Zweck und die Bedeutung der Commerse dar. Der Tendenzredner cand. jur. Walter Nagelstock präcisierte die Aufgabe und Thätigkeit der jüdisch-nationalen Verbindungen mit besonderer Hervorkehrung des idealen Momentes. Der a. H. Dr. Martin Engländer toastierte" auf die Verbindungen und forderte dieselben auf, einträchtig ihrem Ziele zuzustreben. Nachdem der Präses der „Kadiniah* med. Loewenstämm namens der Bruderverbindungen der „Unitas" ihre Glückwünsche übermittelt, brachte jur. Jakob Loewenstein hebräische Melodien auf der Geige mit Virtuosität zum Vortrage. Ein flottes Tanzkränzchen hielt die Gesellschaft noch lange nach Mitternacht zusammen. Wien. (Einzelverein Wien des „Z i o n".) Die Statuten massige General-Versammlung unseres Vereines fand am 6. d. statt. Herr Norbert Rappapo rt eröffnete dieselbe als Vorsitzender und berichtete über die Thätigkeit und Chronik des Vereines im abgelaufenen Jahre. Wir gedachten auch der Todten dieses Jahres, der Herren Paul Naschauer, Hermann Knöpfelmacher und B. L a ndau. Die Versammlung ehrte ihr Andenken durch Erheben von den Sitzen. In die Vereinsleitung wurden folgende Herren gewählt: Präsident: E. Torczyner; I. Vicepräsident: Prof. Dr. S. Liebreich; II. Vicepräsident: Redacteur Mor. Cohen; I. Schriftführer: Wilhelm Krumholz; II. Schriftführer: JUDr. Oskar Glaser; Cassier: N. Pineles; Ausschussmitglieder: J. Goldschmidt, Norbert Rap'paport, Herrn. Schimmer, Kahane, Wittheime r, J. Fischgrund, H. Holt, A. Lanz. Wien. (Literarischer Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Mori a".) Sonntag hielt Herr Dr. Jakob K o m m e r einen Vortrag über : „Jüdische Frauenerwerbvereine". Wir bringen den ausgezeichneten Vortrag, der mit grösstem Beifall aufgenommen wurde, und der die Beachtung weiterer Kreise verdient, in der nächsten Nummer zum Abdruck. Voranzeigen. Wien. (Erster Wiener Jüdischer Turnverein.) Dieser Verein veranstaltet am Samstag in seinem Locale (Mölkerbastei) seinen ersten Turnabend. Beginn 7,8 Uhr. Wien. (Verein jüdischer Mädchen „Hadassa".) Sonntag, den 18. d. M. hält Herr Egon L e d e r e r einen Vortrag über: „Agnes Jordan von Georg Hirschfeld*. Ort: Congress-Bureau IX., Türkenstrasse 9: Beginn halb 4 Uhr nahmittags; Gäste herzlich willkommen. Wien. (Turnverein ,Zion* in Fünf haus.) Die Statuten dieses Vereines sind bereits genehmigt. Die Vereinstbätigkeit wird demnächst eröffnet werden. Beitrittserklärungen sind zu richten an Hugo Rechnitzer, XV-, Mariahilferstrasse 162. Wien. Dienstag den 20. November 1900 wird Herr Dr. Leopold Kahn im Vereinsiocale des Einzel Vereines Wien des „Zion", IL, Schwarzingerstrasse 2, über den IV. Congress in London einen Vortrag halten, wozu auch Gäste herzlichst willkommen sind. Spenden. Für die rumänischen Juden: Durch Ingenieur Ussischkin, Jekatarinoslaw: F. Selzmann R 1.—, R. Hekker R. 1.—, G. Singer R. 1.—, S.Singer R 1.—, Polunow R1.—, Brodskaja R.—.50, Solotarcwa R —.50, B. Wolodarsky R. —.25, B. Wiskin R. —.25, J. Lipawsky R. —.50, B. Wiskin R. —.20, M. Hokker R. —.20, J. Hekker R. —.20, E. Hekker R. —.20, G. Lipawskaja R. —.15, R. Orlowa R. —.10, Ch. Gutewitz R. —.10. Saraiz R. —.10. Zusammen R. S.25 K 20.8S. Bachrach. Gnissin und Welikowski, Mohilew K 25.30. Summe K 46.18. Für die Boryslawer Erdarbeiter: Sammlung D. ü., Breslau K 5.88. Der Rest. Und wohnte in meiner Seele Nur Heiterkeit, Im letzten Winkel hockte Doch noch ein Stäubchen Leid. Und würde meine Seele versinken In graues Leid, Im letzten Winkel lachte Ein Fünkchen Heiterkeit. Denn meine Zionssehnsucht Ist Lust und Leid vereint. Sie hat eben zwei Gesichter, Je — wie die Sonne scheint! — Berlin. Theodor Zlocisti. Zwei Touristen. Von N. Sokolow*) (Aus dem Hebräischen übersetzt von Moriz Zobel.) (Schluss.) Seither war ein Jahr verstrichen und ich befand mich auf dem Verdecke eines von Ostende nach Dover abgehenden Dampfers. Noch einmal ein Congress, noch einmal „Touristen", die „sich ein wenig in der Welt umschauen" wollten. Eine Seereise von Ostende nach Dover ist nicht gerade etwas Schreckliches, aber immerhin ist's ja eine Seereise. Freilich, solange das Schiff ruhig dahingleitet, solange der Hafen sichtbar bleibt, ist die Reise nichts als eine Lustfahrt. Befindet sich das Schiff aber erst auf hoher See, da verstummen urplötzlich alle Scherze und durch die Gebeine der Reisenden rieseln leise Schauer — auch durch die abgehärteten Knochen langjähriger Seefahrer. Das Meer ist nicht stürmisch, das Wetter klar, durch rosiges Gewölk schimmert eben dämmernd der Morgen hervor. Die belgische Küste verflüchtigt sich bis zu farbloser Verschwommenheit; noch sieht man sie wie durch einen schweren Traumflor, dann entschwindet sie völlig unseren Blicken. Jedoch der östliche Himmel erglänzt in heller Farbenpracht. Kein rauher Windhauch ist fühlbar, die Wellen raunen einander murmelnd ihre Geheimnisse zu. Allein wer weiss, ob diese trauliche Flüsterrede nicht alsbald zu lärmendem Gebrause anschwellen wird, uns allen Verderben drohend? Wer kennt diese geheimnisvolle Welt, von der wir bloss die Oberflächesehen können? Nur wenige Stunden dauert unsere Reise, aber was kann sich nicht alles in wenigen Stunden, in wenigen Augenblicke n ereignen? Sieh da, wie sich alle Furchtsamen um irgendwelchen Reisenden scharen, der vorgibt, furchtlos zu sein. Unter den Blinden ist der Einäugige König. Die vorbeugenden „Mittel" sind bekannt: Man setzt sich auf das Verdeck, in die Mitte des Schiffes. Wir eilen, uns diese vortheilhaften Plätze zu erobern. Ich gelte als Ritter ohne Furcht, als einer, der bei den Meergeistern gut angeschrieben ist. Auf der Nordsee bin ich ja gewissermassen zuhause, bade da seit langem, reise da seit Jahren herum. Ich beruhige die ängstlichen Gemüther. Ich betheure ihnen feierlich, dass es wirklich nichts zu fürchten gebe, und sie klammern sich an meine Rockschösse. Ein Arzt, auch so ein „Tourist", aus dem südlichen Russland, lässt sich zu meiner Rechten nieder und drückt mich ans Herz. Es is.t erstaunlich, wie sehr mich dieser Mann plötzlich liebgewonnen hat. Zu meiner Linken sitzt ein Kaufmann oder Rechtsanwalt, wenn ich nicht irre, aus Riga. Immer höher thürmen sich die Wellen. Die Schiffsleute nennen das eine kleine Bewegung. Von einer kleinen Bewegung ist's noch weit zu einer grossen, von einer grossen Bewegung noch weit zu einem ordentlichen Hohlgang; aber schon eine kleine Bewegung genügte, *) ,Hazefirah", Nr. 232 und 233.