Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 46 (16.11.1900)
- Article
- Die technische Erschliessung Palästinas
- Date
- 1900-11-16
- Page
- 7 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 46 „Die z> Welt*« Seite 7 bei jeder Sitzung fehlt). Der Bericht des Herrn kais. Rathes konnte nicht trauriger sein. „Die Brünner Gemeinde ist dem Gemeindebund beigetreten. Sie ist Mitglied der „Oesterreichisch-israelitischen Union" geworden. Drei Mitglieder des Vorstandes haben private Sammlungen für die Opfer der Holleschauer Verfolgungen eingeleitet. . . Die Gemeinde hat sich dem bekannten Polna-Protest angeschlossen. Der Studentengottesdienst wurde durch die Trennung der oberen und unteren Classen reformiert . . . Ueber die Wohlthätigkeitsacte gibt der Bericht der Chewrah-Kadischah Aufschluss. Eine Frtedhofshalle wurde errichtet und Stiftungen wurden realisiert. . Das ist in kurzen Umrissen der Jahresbericht der Gemeinde Brünn. Er spricht Bände. Unser Gesinnungsgenosse H i c k 1 verlangte nun die Eröffnung der Debatte. Sein Antrag erregte ungeheuren Unwillen bei den Brünner Fabrikanten. Nur den besonnenen Elementen war es zu danken, dass die Versammlung kein allzu frühes Ende nahm. Ein Herr Löw-Beer nannte die Erstattung des Rechenschaftsberichtes „eine seit Jahren gepflogene Liebenswürdigkeit des Herrn Vorsitzenden". Man müsse ihm dankbar sein, dass er die Gemeindeniitglieder davon verständige, was im letzten Jahre geschehen sei. Ja, das Vorstandsmitglied Subak erklärte kategorisch, dass der Vorstand nur aus Gründen der Courtoisie den Wählern Bericht zu erstatten geneigt sei. Auf dem Niveau des Vorstandsberichtes standen auch die von den abtreten den Vorstandsmitgliedern gehaltenen „Candidatenreden" für die Neuwahlen. In preussischem, nonchalantem Junkertone hielt Herr Rosenthal folgende inhaltsreiche, wir möchten sagen cl assische Candidatenrede: „Mein Mandat geht zu Ende und ich erlaube mir, mich Ihnen neuerdings als Candidat vorzustellen. Ich habe die mir übertragene Mission treu erfüllt. Wenn die Herren mich wieder wählen, werde ich mich bemühen, Ihr Vertrauen voll und ganz zu rechtfertigen.'' Der zweite Candidat sagte : „Ich sc h Hesse mich im allgemeinen den. Ausführungen des Herrn Vorredners a n." Nicht wahr, zwei Prachtcandidalen?! Die nachfolgende Candidatenrede des Herz-n Prof. Brecher stach vortheilhafi von den zwei ersten ab. Sie war vor allem aufrichtig. Er erklärte kurz und bündig, mit einer deutlichen „Frozzelei", die die anderen Cultusvorstands-Mitglieder angieng, er könne auf keine grosse Thätigkeit im vergangenen Jahre zurückblicken. Hierauf stellte sich unser Gesinnungsgenosse Herr Sonderling als zionistischer Candidat vor. Er entwickelte die Noth wendigkeit einer Reihe von Reformen in der Gemeindeverwaltung und erklärte, insbesondere für die Regelung des Jugendunterrichtes und Errichtung einer jüdischen Volksschule eintreten zu wollen. Sodann verlangte unser bewährter Gesinnungsgenosse Max Hickl, der bekanntlich die weitverzweigte Organisation der jüdischen Handelsangestellten Oesterreichs durchgeführt hat, das Wort. Erst nach Lärmscenen und Krawallen wurde ihm das Wort ertheiit. Er entwickelte das zionistische Cultusgemeinde-Programm und wurde dabei von den aufgeregten Herren in oft ungehöriger Weise unterbrochen und am Weiterreden gehindert. In der Hitze des Kampfes entfuhr dabei einem der sattesten Bauchjuden der Ausruf: „Wir fühlen den Antisemitismus nicht." Der zionistische Redner fieng dieses Bekenntnis rasch auf und erläuterte der Versammlung die ihr scheinbar gänzlich unbekannten schrecklichen wirtschaftlishen Folgen der judenfeindlichen Strömung. Unter grosser Aufregung wurde die Versammlung geschlossen. „Die Zionisten haben das Judenthum nicht gepachtet," war ein Ruf, der in dieser Versammlung oft gehört wurde. — Gewiss nicht! Aber die Herren Fabrikanten und Cliquegenossen aus der Tuchbranche werden aufhören müssen, die Cultusgemeinde als ihre Domäne anzusehen. Ob sie wollen oder nicht, sie werden dem Volke geben müssen, was des Volkes ist. Die technische Erschliessung Palästinas.*) Sonntag, den 11. d. M. fand bereits die erste Sitzung des vorbereitenden Comites des »Vereines für technische Studien in Palästina" statt. Als Einberufer fungierten die Herren Ing. Seiden er, Ing. Kremenetzky und Dr. Schieber. Von Mitgliedern des Actions-Comites wohnten der Sitzung bei die Herren Dr. Theodor H e r z 1, Dr. O. Kokesch und Berthold F e i w e 1. Ausserdem hatte sich eine beträchtliche Zahl zionistischer Techniker und technischer Hochschüler aus den zionistischen Verbindungen *) Vgl. Nummer 4-3, 44, 45. „Kadimah", „Libanonia", „Maccabäa" und „Unitas" eingefunden. Zum Obmann des vorbereitenden Comites wurde Ing. Seidener gewählt. Er entwickelte Zweck und Aufgabe des Vereines. Die nächste Aufgabe des Vereines sei die Durcharbeitung und Vorbereitung der theoretischen Grundlagen für industrielle Unternehmungen in Palästina. Als Organ für die Publicationen des Vereines wurde die „Welt" bestimmt. Sodann wurde ein Comit§ zur Ausarbeitung der Statuten gewählt, in das die Herren Ing. Seidener, Kremenetzky und Doctor Schieber, ferner die Herren Dr. O. Kokesch und Berthold Feiwel entsendet wurden. Gestern fand die zweite Sitzung des vorbereitenden Comites statt, über die wir in nächster Nummer ausführlich berichten werden. Interessant ist, dass zur selben Zeit, wo wir der technischen Erschliessung Palästinas unsere erhöhte Aufmerksamkeit widmen, die Wiener Wochenschrift, die „Zeit", folgende Stelle aus einem Artikel eines deutschen Fachblattes wiedergibt: „Die culturgeschichtliche Bedeutung, welche es durch Jahrhunderte besass, hat Palästina verloren; vertrustet und verödet, hat es allen Glanz früherer Zelten eingebüsst, und dennoch scheint es berufen zu sein, in nicht allzuferner Zeit wieder eine hervorragende Rolle zu spielen. Diesmal freilich nicht auf eine Weise, welche die Dichter besingen, wohl aber durch die viel nützlichere Förderung der Schätze, welche das Land selbst birgt. Welche Fülle von kostbaren Rohproducten für die chemische Industrie hier verborgen liegen, lässt sich noch kaum ermessen. Da ist das Wasser des Todten Meeres, welches eine nahezu gesättigte salinische Lauge darstellt und eine leichte Gewinnung von Kochsalz, Chlorcalium, Chlormagnesium, Brom und Badesalzen gestatten würde. Besonders wertvoll ist der überaus hohe Gehalt an Brom (des theuersten Productes), der auch nicht annähernd von anderen Quellen erreicht wird, und eine sehr lucrative Aufarbeitung des Wassers verspricht. Dann bieten die bituminösen Kalke, welche Thränen von feinem Asphalt ausschwitzen, ein Ausgangsmaterial für die Darstellung sehr guten Asphaltes. Verschiedene Anzeichen scheinen auf das Vorkommen von Petroleum in grösseren Tiefen zu deuten, auch Schwefel ist gefunden worden, doch lassen sich noch keine genauen Daten über die Mengen angeben. Von grosser Bedeutung ist die Auffindung von Phosphaten, welche in ausgedehnten Lagern vorzuliegen scheinen, ihre Förderung wäre verhältnismässig ,sehr leicht und würde tiefgreifend auf die Kunstdüngerindustrie wirken. Somit liegt eine reiche Menge wertvoller Mineralstoffe vor, und ihre Verwertung durch die moderne Technik wird wohl nicht allzulange auf sich warten lassen und dem verarmte Lande vielleicht neuen Wohlstand bringen." Unter Bezug auf den Aufruf des Secretariates des Congress-Bureaus an die Fabrikanten, Gewerbetreibenden und Techniker sind bereits mehrere beachtenswerte Anerbietungen eingelangt. Folgende Zuschriften sind uns ferner zugekommen: X. Iserlohn, 10. Novemoer HJOO. Sehr geehrte Redaction! Da ich mich in Palästina als Fabrikant seing«rne etablieren möchte und ohnehin eine Orientierung-reise dahin unternehmen will, begrüsse ich mit Freude den in Ihrer w. Zeitschrift gemachten Vorschlag, eine „Gesellschaft zion. Techniker" zu gründen, und werde einer solchen Gesellschaft ebenfalls beitreten. Mit Zionsgruss J. Qrünfeld- Dresden, Elektro-Ingenieur. XI. Lemberg, 10. November 1900. Geehrte Redaction! In der letzten Nummer der „Welt" erwähnt das Secretariat des Congress-Bureaus unter anderen für Palästina erwünschten Fabriksgründungen auch „Spinnerei". — In deren Bereich gehört eigentlich auch die „Tales-