Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 45 (9.11.1900)
- Article
- Drei Gedichte
- Date
- 1900-11-09
- Page
- 15 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 45 „Die 2$ Welt" Seite 15 Mir ist so bitterweh zu Muth, So weh, — mein Herz wird schwer: „Mein theures Kind, einst wachst Du auf Und findest Pa nicht mehr! . . .« * * II. Die Noth und der Dichter. „Hoho! Wer will es dort probiren, Gewaltsam zu öffnen meine Thüren? Wer kommt dort, meine Ruh' zu stören? Sicher die Noth, ich könnt's beschwören. Wahrhaftig, da ist sie, das Zauberweib! Trag' gleich von hinnen Deinen Schauderleib! Was willst Du? Gotfs Zorn soll in Dich fahren! Troll' Dich zu all den dunklen Jahren! Du hast mich lang genug geprellt, Meinen Leib gequält, mir das Leben vergällt, Hast den Muth mir geraubt, meinen Stolz zertreten, Zwangst mich, zu bitten, zu betteln- und beten! Geh jetzt, wo tausend Teutel brennen! Nur fort! Ich will Dich nicht mehr kennen. Verschwinde, Du alte, schmutzige Vettel, Und pack' Dich mit Deinem nichtsnutzigen Bettel!u „-Thu auf, Geliebter, Dein Thor für mich, Ich hab' keinen Freund sonst, wenn nicht Dich! Die Nacht ist kalt, ich friere hier, O, lass mich wieder ein zu Dir. Bin ja Deine Noth, die alte, die treue, Bei Dir zu sein, wie ich mich drauf freue! Ach, hätt' ich Dich nie verlassen! Seither Fand ich keinen Freund unter Juden mehr . . „Hinweg von mir, Du Lügnerin, Leichenmutter und Todtengräberin! Hinweg! Ich bin nicht Dein Einzig-Einer, Dich kennen tausend bleiche Weiner. Verzieh Dich auf Nimm er Wiederkehr Und mach' der Welt keine Visiten mehr! Man kennt Dich. Du weisst es mit vielen zu treiben, Nicht zu reden von denen, die Jüdisch schreiben!" „„Mich kennen viele, ich will ja nicht lügen, Doch Du allein bist mir Lust und Vergnügen. Ich lieb' Deinen Lockenkopf, lieb' Deine Schmerzen, Ich liebe die Wunden in Deinem Herzen, Mit Wollust trinke ich Deine Thränen, Ich lieb' Deine Seufzer, ich lieb' Deine schönen Gedichte, Deine Visionen, die Schreckgesichter, — Ich liebe Dich, Du bleicher Dichter!*" „Du Aergste unter Mephistos Weibern, Ich zähle nicht mehr zu den Verseschreibern, Ich mach' keine Reime mehr. Hör' was ich sag* Ich handle mit Candis jetzt und Tabak. Das ist halb süss und ist halb bitter; Bin grad' kein gewiegter Handelsritter, Doch bin ich ein accurater Zahler, Leb' schlecht und recht und spar' meine Thaler." „„Und schreibst Du nicht, so wirst Du schreiben, .Wirst, Freundchen, nicht ewig Handelsmann bleiben. Ich kenn' sie ja gut, die alten Geschichten: Du wirst noch hungern und wirst noch dichten. Nicht lang', und ich hör's, wie mein Freund sich ver- Dafür, dass er heut' mich so schwer beleidigt, [theidigt, Drum sei kein Narr und lass mich ein! Ob heut', ob morgen — es muss ja sein."" „Hinweg, Du hässliche Megäre! Ich hab' zu Freunden Millionäre. Die werden ständig für mich sorgen, Nicht werd' ich betteln müssen, noch borgen, Nicht mehr mich erniedrigen, nicht mehr leiden, Dass meine Feinde sich dran weiden, Die mich am liebsten trügen zu Grabe, Weil ich so schön gesungen habe." „„Ach, sprich mir nicht von den Millionären! Pass' auf, die Freimdschaft wird schnell sich verzehren. Die werden Dich gar bald vergessen, Haben ganz andere Interessen! Jetzt bist Du ihr Spielzeug, Kamerad. Doch bald dreht sich anders das Mühlenrad, Zerrieben wird Deine ganze Freude — Dann bleiben wir endlich beisammen, wir beide III. Weckruf. (Aus den Nationalgedichten.) Steht auf vom Schlaf, steht auf, erwacht! Im fernen Osten, seht, Bricht an der Tag in voller Pracht, Die Schrecken flieh'n, es weicht die Nacht, Und Gottes Ruf ergeht: Steht auf. steht auf! Ein neuer Glanz Auf den Ruinen steht, Die stummen Trümmer werden ganz, Zion llicht sich ins Haar den Kranz, Und Gottes Ruf ergeht : Steht auf, steht auf! Ein linder Wind Um den Moriah weht. Ihr wart so lange taub und blind, Jetzt fängt das Leben an, geschwind! Denn Gottes Ruf ergeht Was wfilzt Ihr weinend Euch umher Im fluchbelad'nen Bett? Auf, auf! Der Mutter bangt so sehr. „Ich denk' der alten Schuld nicht mehr,- Des Vaters Ruf ergeht. Briefkasten. Z. Besten Dank. Leider nicht geeignet. Apotheker J. Hochwaid in A. Im Verlag Brüder P a e t e 1 in Berlin. Dr. Schorr, Lemberg. Erbitten Adresse. Iwri. Dank. Nicht geeignet. S. B. in Bialystok. Dasselbe. — r. Unser Gewährsmann berichtet: „Es ist allerdings richtig, dass das betreffende Vorstandsmitglied der , Allianz" die Unterschrift verweigert und die Mitgliedskarten daher um zwei Wochen verspätet verschiedenen Herren — so auch Ihnen — zugestellt worden sind. Erst auf eindringliche Ermahnung soll jener Herr „saure" Miene zum bösen Spiele gemacht haben." Spenden. Für die Centrai-Bibliothek in Jerusalem : J. Hirsehwald, Alexandrowskoje K 2.16, W. Hirschwald, Alexandrowskoje K 1.20. Zusammen K 3.36. Für die palästinensischen Arbeiter: Gesammelt bei der Vermählung des H. Adolf Perlmutter mit Frl. Regina Urstein in Bendzin K 3.72.