Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1900-11-09 · 45 (9.11.1900) · p. 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
45 (9.11.1900)
Article
Hamburg [Nachricht]
Date
1900-11-09
Page
12 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3315709-3315850-3315897--22850-3374020
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 12 ,Die & Welt" Nr. 45 zeitig liegen daselbst die neuesten Nummern der verbreitetsten jüdischen Zeitungen auf. Eine Auswahl von Gegenständen ist im Museum Hamburgischer Alterthümer ausgestellt, welches, aussei* am Dienstag, täglich geöffnet ist. Den neugewählten Vorstand bilden die Herren Dr. M. Grunwald, G. Tuch, E. Lewinso n, J. T a rlau, W. Keller. D. Benezra, J. Heinemann, M. Frieiländer, L. Friedenheim, S. Mündheim. Die Vorführung einer grösseren Anzahl von Originalaufnahmen der bedeutendsten Alterthümer des Heiligen Landes und Synagogenbauten aus den verschiedensten Zeiten und Ländern, sowie ein Referat des Vorsitzenden über „Ikonographie von Kirche und Synagoge in der bildenden Kunst des Mittelalters" fand bei der Versammlung lebhaftes Interesse. Zuschriften und Sendungen nehmen entgegen die Herren Rabbiner Dr. M. Grunwal d, Bornstrasse 2, und W. Keller, Brandstwiete 21. Der Jahresbeitrag ist auf Mk. 3, für Auswärtige auf Mk. 3-30 festgesetzt. Bsitscbpiftei)* ßucbei3* Rundschau. Büchereinlauf. Muthmassungen über das Wesen der Gravitation, der Elektricität und des Magnetismus. Eine Skizze von Dr. med. Carl Hermann Fischer. (189!)). Ueber mögliche Bewegungen möglicher Atome. Von Dr. med. Carl Hermann Fischer. (1900). Friedrich Hebbel und die Juden, unter besonderer Berücksichtigung der Briefe und Tagebücher Hebbels. Von Dr. Adolf Bi ach, Rabbiner in Brüx. Preis 20 kr. Verlag von Julius Ach und Comp., Brüx. (1897). Maimonides. Ein Beitrag zum jüdischen Geschichtsunterrichte an Mittelschulen. Von Dr. Adolf B i a c h, Rabbiner und Religionslehrer in Brüx. (Selbstverlag.) Preis 40 Heller. Wien 1900. G. A. Lubarsky: Palästina. Seine Gegenwart und Zukunft. (Russisch.) Herausgegeben vom Verlage „Achiasaf". Warschau 1900. msD ,n*,rr pa-r as .m -i p n -i 2 3? n ö : pbi; s-ns? ♦cnn »Sw-isn /'rrrin,, nxxin rcp "rrnzp npTir^a, 'n nsxm .j-was / nan .n^zyz rrnss? ♦"spjrna,, s?TO2 icsnjtf nnö«a pp .n 1 01sbm nnn Hierin .["psssiffi"! T2sn pi^rsan 2p?* bantzü n«ö .onn aranim ,xmsp ^rs „Jüdische Silhouetten." Erzählungen russischer und polnischer Autoren. Petersburg, 1900. Zugunsten der hungernden Juden in Bessarabien haben elf nichtjüdische Schriftsteller Russlands und des ehemaligen Congresspolens eine Sammlung von Erzählungen aus dem Leben der Juden herausgegeben. In künstlerisch vollendeter und plastischer Form, mit einer wohlthuenden Unparteilichkeit entwerfen die niehtjüdischen Autoren Bilder aus dem jüdischen Leben, welche rühren, erschüttern und zu tiefem Nachdenken anregen. Unter der Feder dieser Künstler und unbestechlichen Beobachter, welche sich nur von der Wirklichkeit leiten lassen, denen die Höhen und Niederungen dos Lebens zugänglicher sind als jedem anderen, erscheint das Leben der im „Niederlassungsgebiete" zusammengepferchten jüdischen Völksmasse in düsteren und ergreifenden Farben. Und wer nach den Machwerken dw Judenfeinde sich gewöhnt hat, in dem Juden einen selbstsüchtigen und engherzigen Geschäftstreiber zu sehen, wird aus den „Jüdischen Silhouetten" erfahren, welche Helden, welch erhabene Perlen diese jüdische Welt in sich birgt. Man lese nur die geistreiche Erzählung Melschins über sein Abenteuer im fernen Sibirien, und man wird sich gleich dem Autor zu dem armen Juden hingezogen fühlen, der das Gebot der Nächstenliebe auch seinen Peinigern gegenüber ausübt. In den Erzählungen von Koroleuko, P o t a p e n k o, G a u n und Stanjekowitsch werden nur Typen und Figuren aus der Mitte des jüdischen Volkes vorgeführt, welche unter der Last der Armut und der Bedrückung zusammenbrechen, dennoch für alles Erhabene und Ideale sich begeistern und dem Bedrückten aus ihren winzigen Mitteln Hilfe bieten. Diese herrliche Nächstenliebe der Aermsten schildert auch ein anderer russischer Schriftsteller in seiner erschütternden Erzählung: „Reb David". In dem kleinen Städtchen, wo Reb David wohnt, tritt ein für die Juden tragisches Ereignis ein. Die Juden der benachbarten Dörfer werden ausgewiesen; die armen, hungernden und moralisch niedergeschlagenen ausgewiesenen Juden mit ihren kranken Frauen, nackten Kindern und gebrechlichen Greisen kommen in das naheliegende Städtchen, um sich dort niederzulassen. Der Winter fiel damals besonders strenge aus, die Kälte war grimmig. Die Juden aus dem Städtchen beherbergten ihre unglücklichen Brüder, gaben ihnen Brot, doch ihre Mittel reichten nicht aus, um die Bedürfnisse so vieler decken zu können. Reb David, ein Greis, welcher sein ganzes Leben dem Gebete und dem Studium des Talmud gewidmet, lebt von den milden Gaben, welche ihm die Judengemeinde gewährt. Und dieser Greis entschliesst sich, das ihm angewiesene Heizmaterial und die für ihn bestimmten Brotrationen einer der ausgewiesenen Familien zu geben, welche in der Nähe des Reb David Unterkunft gefunden hat. In seiner ungeheizten Kammer, ohne Nahrung und Trank, verbringt Reb David Tage und Nächte, um endlich an den Folgen der Källe und des Hungers zu sterben... Und niemand im Städtchen ahnt die Ursache des Todes, nur die hungernde Familie erhielt von diesem Tage an kein Brot und Holz mehr .. Derartige Bilder enthalten die „Jüdischen Silhouetten" noch viele: sie alle wecken in dem Leser das höchste Mitgefühl für jene, welche in den schrecklichsten und schaudererregendsten Situationen nicht aufhören, Menschen zu sein. In der letzten Nummer der „Ungarischen Wochenschrift" nimmt Rabbiner Dr. P artos nochmals das Wort, um für den Zionismus in entschiedener Weise einzutreten. In kräftigen Worten wendet er sich gegen das „laisser faire, laisser aller", mit dem man sich bisher in Ungarn begnügte, obwohl sich die Lage der Juden immer drohender gestaltet. Die .Jüdische Turnzeitung" in Berlin bringt in der November-Nummer folgende lesenswerte Artikel: „D i e A uf g abe der jüdischen Turner" von Dr. Emauuel Edelstein (Bonn a. Rh.) und den Schluss des Mandelstamm'schen Referates: ..Ueber die Frage der körperlichen Hebung der osteuropäischen Juden". In der Nummer 19 der „Jüdischen Volksstimme", die uns vorliegt, verdient der Leitartikel :„Die österreichischen Parlamentswahlen" besondere Erwähnung. In zutreffender Weise wird darin das Verhalten, das die österreichischen politischen Parteien anlässlich von Reichsrathswahlen den Juden gegenüber beobachten, gekennzeichnet. Beachtenswert ist auch ein Artikel, der sich mit den jüdischen Eierpack ein in Wien beschäftigt und die schwere Situation schildert, in welche diese jüdischen Arbeiter durch das Eindringen christlicher Concurrenz gerathen sind: Ueber Robert Jaffas Roman „Ahasver" schreibt S. Lublinski im Berliner „Literarischen Echo" : Ein gutes und bedeutendes Werk. Es ist der jüdische Roman für die deutschen Juden, die im neuen Reiche im Confliete zwichen Antisemitismus und heissem Nationalgefühl unter Seelenkämpfen emporwuchsen. Emil Zlotnicki, der junge Jude und Gelehrte, ist eigentlich von Natur aus auf das ganz unmittelbare, reale Leben angelegt. Es sträubt sich in ihm etwas, abstracten Theorien sein Herzblut aufzuopfern. So weich, santt und innig er auch ist, sein Sinn steht vor allem auf schlicht praktisches Wirken im sicheren Kreise, und er besitzt etwas von der Fähigkeit des liebevollen Dichterherzens, auch noch die Widrigkeiten des Lebens zu vergolden und zu versüssen. Aber er ist zugleich Jude und Deutscher, und die Verhältnisse haben dt'für gesorgt, seine ursprüngliche Unbefangenheit zu trüben und seinen Blick übermässig zu schärfen. So sieht er mit unbarmherziger Klarheit die Fehler seiner Stanimesgenossen und fühlt jede kleinste Kränkung auf deutscher Seite mit fast wehleidiger Empfindlichkeit sofort heraus. Er will von diesem Fluche erlöst sein und wirft sich dem Socialismus in die Arme, dessen starre Constructionen dieser weichen Realnatur jedoch nicht lange genügen können. So gibt er sich denn schliesslich der deutschen Romantik gefangen. Er will als Nationalökonom ein Werk schaffen, das aus dem Volksleben und dem Nationalgeiste heraus aufbaut, statt Utopien zu construieren. Im Grunde ist aber auch das noch viel Theorie, ein bisschen fremder Tropfen in seinem Blute. Eigentlich ist er dazu geschaffen, als stille Gelehrtennatur schlicht im engen Kreise und Heim sein Glück zu finden. Einmal sieht es aus, als ob eine anmuthige Mädchengestalt und ein traulicher Kreis in einer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.