Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 45 (9.11.1900)
- Article
- Die technische Erschliessung Palästinas
- Date
- 1900-11-09
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 4 ,Die s£ Welt" Nr. 45 dass es hoch an der Zeit ist, an die Erforschung des Bodens und au die industrielle Erschliessung Palästinas heranzutreten." Ich freue mich, dass mein Ideengang und der des Artikels in Nummer 43 der „Welt" vollständig zusammenfallen. Von Beruf bin ich technischer Chemiker, bis vor Kurzem Inhaber und Leiter einer chemischen Fabrik, momentan Procurist eines der grössten Droguenhäuser Rasslands. Ich melde hiedurch meinen Beitritt zur zionistischen Gesellschaft für technische Erforschung Palästinas. Mit zionistischem Gruss Hochachtungsvoll _ B. G o 1 d b e r g. Noch einmal die „Allianz". Fünfzig Mitglieder der israelitischen Allianz in Wien haben an deren Vorstand eine Eingabe gerichtet, in der sie auf Grund der Bestimmung der Statuten die Einberufung einer ausserordentlichen General-Versammlung verlangen. Die Tagesordnung für die General-Versammlung, welche die Unterzeichner dieser Eingabe gleich beifügen, lässt keinen Zweifel zu über die Motive dieses Schrittes. „Die Behandlung der rumänischen Emigranten durch einzelne Vorstandsmitglieder der Allianz", diese Fassung lässt deutlich erkennen, dass durchaus kein Schlag gegen die „Allianzals solche beabsichtigt ist, ja, dass nicht einmal der ganze Vorstand der „Allianz" für Vorgänge verantwortlich gemacht werden soll, die ihm wahrscheinlich nicht einmal bekannt sind. Wohl aber sollen von Augen- und Ohrenzeugen Dinge zur Sprache gebracht werden, die durchaus nicht gleichgiltig sind für die Ehre des jüdischen Volkes, für die Meinung, welche die civilisierten Nationen sich von uns bilden, und für den Wert, welcher den Hilfsorganisationen, die innerhalb der heutigen Judenheit bestehen, beizumessen ist. Die Leser unseres Blattes kennen eine ganze Reihe von Thatsachen, die der Oefi'entiichkeit zur Beurtheilung vorzulegen unsere publicistische Pflicht war. Wir standen mit unseren Mittheilungen gar nicht ailein, sondern andere unabhängige jüdische Blätter sahen sich zu dem gleichen Vorgehen veranlasst. In unseren Berichten haben wir uns gar nicht auf Details eingelassen, die zu unserer Kenntnis gelangten, sondern nur die crassesten Thatsachen vorgebracht, die uns verbürgt wurden. Trotzdem mehi-ere Wochen verstrichen sind, hat der Vorstand der „Allianz" auch nicht einmal den Versuch gemacht, unsere Mittheilungen zu entkräften, noch viel weniger hat er uns beim Worte genommen, als wir uns erbötig machten, die Wahrheit unserer Angaben vor Gericht zu erweisen. Der Vorstand der „Allianz" hat es vorgezogen, zu schweigen, vielleicht in der Meinung, dass die Aufregung sich wieder legen werde, dass das Interesse an der rumänischen Frage wieder in den Hintergrund treten und das Geschehene schliesslich in das Meer der Vergessenheit sinken werde. Eine solche Hoffnung aber dürfte sich, wenigstens in nächster Zeit, nicht erfüllen. Wohin immer die Kunde von den von uns berichteten Thatsachen gedrungen ist,überallhatsieErregung hervorgerufen, undzwar nicht blos in jüdischen,sondern auch in uns freundlich gesinnten christlichen Kreisen. Dass auch Antisemittenblätter von unseren Mittheilungen Notiz nahmen, ja sie sogar zum Theile wörtlich abdruckten, um auf ihre Weise aus dem Vorgefallenen Capital zu schlagen und Anklagen gegen die Gesammtjudenheit zu schmieden, das konnten wir nicht verhindern. Ja selbst wenn wir dies vorausgesehen hätten, so hätte uns dies nicht beirren dürfen. Ein beliebtes Schlagwort der Antizionisten ist es, dass wir Zionisten den Antisemiten in die Hände arbeiten, dass wir Bundesgenossen der Antisemiten seien; man nannte uns sogar „jüdische Antisemiten". Das wird uns niemals hindern, U ebelstände, die wir innerhalb des heutigen Judenthums entdecken, offen zur Sprache zu bringen und sie, wenn es noththut, durch Wachrüttelung des öffentlichen jüdischen Gewissens zu beseitigen. Es wird uns auch niemals davon abhalten, mangelhafte oder schlechte Charaktere, die in jüdischen Organisationen eine einflussreiche Rolle spielen und damit die jüdische Volksgesammtheit schädigen, öffentlich zu entlarven und an den Pranger zu stellen. Wenn -also einige Herren aus dem Vorstande der israelitischen „ Allianz - glauben sollten, in dem Hinweise auf die von den antisemitischen Blättern betriebene Ausbeutung unserer Berichte eine Waffe gegen uns zu besitzen, dann irren sie gewaltig. Das Bewusstsein, dass uns die Liebe zu unserem Volke leitet, dass wir unsere ganze Kraft an die Hebung und Befreiung unseres Volkes setzen, ist der sicherste Führer für unser Handeln, der uns über jede ängstliche Rücksichtnahme auf Verdächtigungen und Verleumdungen erhebt, Auch unsere Beurtheilung der Hilfsactio'ir-der „Allianz" war nur von der Liebe zu unserem Volke, von der Sorge um dessen Wohlfahrt und Ehre bestimmt. . .; Man erinnert sich noch, welche Entrüstung es hervorgerufen hat, als die Cultusgewaltigen von.^Stanislau die Behörden gegen die durchreisenden rumänischen Emigranten aufboten. Und doch hatte man es in diesem" Falle nur mit engherzigen, beschränkten Menschen zu thunjdie in d»n engen Verhältnissen der Kleinstadt und des -Erwerbslebei'S an Geist und Gemüth verkümmert sind. Wenn man aber von der grössten jüdischen Hilfsorganisation unseres Reichen, die im § % II. ihrer Statuten ausdrücklich erklärt, da«s sie den Zweck habe, „d o r t, wo I s r a e'fi ten als solche noch zu leiden haben, Hi-ri'en eine wirksame Stütze zu biete n", ein durchaus nicht besseres Vorgehen wahrnimmt, so darf dies im: Interesse der Würde des jüdischen Volkes nicht ruhig hingenommen werden. Wir glauben es den Herren von der „Allianz" gerne, dass die Anforderungen, die die Hilfsleistung für die rumänischen Emigranten an sie gestellt hat, . -sehr gross waren und dass manche Opfer der Ruhe und Bequemlichkeit von ihnen gefordert wurden. Wir glauben ilitren auch, dass die rumänische Emigration sie überrascht hat. Ab«>r wenn man eine Stelle im Vorstande eines so grossen Hilfsvereines, wie der „Allianz" annimmt, dann übernimmt man auch gewisse Pflichten. Das Ueberraschtwer-len durch die rumänische Auswanderung hätte vermieden werden können, wenn die Herren .sich um das Schicksal ihrer bedrückten Volksgenossen im Osten Europas mehr bekümmert hätten und wenn sie auf die aus Rumänien seit langer Zeit dringenden Klagerufe aufmerksamer hingehorcht hätten. Wenn die Herren, die der Verstand der „Allianz" mit der Durchführung des Hilfswerkes betraut hat, der überno mm e n e n Aufgabe nicht gewachsen waren, d:nin hätten sie dies offen erklären sollen und es wären andere Männer an ihre Stelle getreten, die die Hilfsactionin würdiger und erspriesslicherWeisedurchgeführthätten. Ein so grosser Verein wie die „Allianz", den die ganze österreichischungarische Judenschaft pewissermassen zu ihrem Centraiorgan für die den unglücklichen rumänischen Volksgenossen gewidmete Hilfeleistung gemacht hat, ein Verein, dem aus den fernsten Gemeinden des Reiches die Beiträge zu diesem Hilfswerke zugeflossen sind, muss auch das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird, dadurch rechtfertigen, dass er die ihm zur Verfügung gestellten Mittel derart verwendet, dass nicht nur den Hilfsbedürtigen wirklich geholfen worden wäre, sondern dass das Hilfswerk selbst zu einer imposanten Kundgebung des in der Noth treu und fest zusammenhaltenden jüdischen Volkes sich gestaltet hätte. Wie mancher in bescheidenen Verhältnissen lebende Jude hat gerne sich über seine Kräfte angestrengt, in dem guten Glauben, auch seinerseits zur Bethätigung der jüdischen Solidarität und des so gepriesenen jüdischen „Rachmonus" beizutragen. Wie bitter enttäuscht wäre er aber gewesen, wenn er Zeuge dessen gewesen wäre, wie die armen rumänischen Auswanderer hier in Wien behandelt wurden. Freilich werden die Vertheidiger der schuldigen Vorstandsmitglieder darauf hinweisen, dass unter den Emigranten auch zweifelhafce Elemente waren, denen gegenüber ein energisches Auftreten geboten war. Aber man vergesse nicht, dass Volksbewegungen gegenüber das Urtheil der Salonfähigkeit nicht am Platz« ist, viel weniger noch dort, wo es sich um ein Entrinnen aus materiellem und moralischem Verderben handelt. „O b er heilig, ob er böse, jammert sie der Unglücksmann", diese Worte Goethes hätten auch den Herren von der Allianz zur Richtschnur dienen können. Aber ganz abgesehen von allen Klagen über vorgefallene Brutalisierungen, über Mangel an Fürsorge für Unterkunft und Verpflegung, bleiben die Thatsachen der versuchten und schliesslich erreichten Grenzsperre schlimm genug, und sie allein würden die gegen die Urheber herrschende Erregung in vollstem Masse rechtfertigen. Wenn sich die Schuldigen heute etwa darauf berufen sollten, dass sie von der Pariser „Alliance" Weisungen hatten, und dass die Aufnahme der Emigranten seitens der Schiffs- Gesellschafcen oder der amerikanischen Behörden fraglich war, so muss ihnen entgegengehalten werden, dass sie es ja waren, die die Pariser „Alliance" informierten und damit deren Weisungen provocierten und dass der weitere Verlauf der Emigration ja gelehrt hat, wie alle Schwierigkeiten, die sich der Einwanderung in Amerika entgegenstellten, thatsächlich überwunden weiden konnten. „Schwierigkeiten sind da, um überwunden zu werden", ist das Losungswort aller