Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 44 (2.11.1900)
- Article
- Wien / N. Gr.
- Date
- 1900-11-02
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 44 „Die Welt" Seite 11 und ihrem Gebaren nichts weniger als Socialdemokraten sind. Indess, die Zeit ist nicht mehr ferne, wo ihnen ihre „Bescheidenheit" auch dort mit dem wohlverdienten Hinauswurf gelohnt werden wird. N. Gr. Wien. (Der Wochenbericht) des Matrikelamtes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde für die Zeit vom lk bis 20. October weist 3i Geburten und 31 Sterbe fälle auf. %*\tsc\yv\fHi)= aryd %ächw= Rundschau. Ein! auf. Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des vierten Zionisten-Congresses. London. 13., II.. ir>. und IB. August 1000. Wien, 1900. Verlag des Vereines „Erez Israel". Zio nisten „„j Christen. V0ri Emil Kronherger. Leipzig, M. W. K a u f m a n n 1900. Bericht öber die Frage" der geistigen Hebung der Juden im Osten Europas. Von N. Sokolow (Warschau)? Redacteur der „Hazefirah". Das Stiefkind der Menschheit. Von Dr. M. Tschern i chof f. Leipzig. M. W. Kaufmann 1000. Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Culturgesehichte der Menschheit. Von Dr. Adolf K o h u t, Heft 1. i>, 3. 4. — 1900. A. H. Payn e in Leipzig-Reudnitz. h nste nsn nroam jrosn iv<zb nsix nsi»n .t-k mnn ."*iD*rn«,. *n nasin .S", "T ."istsshs .n n«ö .nwn nnrx .n:j p'a v a ."n,rin„ ,d""iD srian .rrp "nns? npwS:r::,. In der „Hazefirah" würdigt N. Sokolow in einem nach Form und Inhalt gleich vorzüglichen Aufsatz die symptomatische Bedeutung der von Professor Philinpsotin ausgehenden Anregung y.<\r Abhaltung eines Deutschen J u d e n t a g e s. „Nachdem wir Zionisten sreworden waren", so beginnt S o k o 1 o w. .,wuvden s i e „Zionsfreunde" und nachdem wir die Juden der verschiedensten Länder zu Congressen berufen haben, besinnen sie. aus den Juden eines Landes einen Congress einzuberufen. Unter den deutschen Juden steht gegenwärtig der Vorschlag eines „Judentags" zur Discnssion. Schau, schau! Die.Tuden sollen sich versammeln, die Juden sollen über ihre Angelegenheiten zurathe sitzen, die Juden sollen sich selbst das Zeugnis ausstellen, dass sie „Sonderbestrebunsen" und .Sonderinteressenhaben! Wo ist solches erhört worden? Wie hiess es doch einst? ..Die Juden haben wohl das Recht, im „Tempel" zu gemeinsamen Gottesdienst zusammenzukommn. aber ausserhalb der Synagoge müssen sie sich als ein .,Glied der Nation" fühlen, müssen ihre Eigenart abstreifen, müssen theilnehmen an allen Angelegenheiten des Vaterlandes". Kann es ihnen nun gestattet sein, interne Angelegenheiten zu haben, Separat-Conventikel abzuhalten? Würde man nicht sagen, dass sie einen „Staat im Staat" bilden? — *) Also sind die Einherufer des deutschen Judentags Fanatiker. Finsterlinge. Rückschrittler. Störenfriede, gefährliche Gesellen? Also treiben sie Wasser auf die Mühle der Antisemiten, die ja den Juden schon längst vorgeworfen haben, dass sie „Separatisten", dass sie keine Patrioten seien?! Allerdings wollen die Urheber des Judentages bloss die vaterländischen Juden zusammenberufen: aber von da bis zu einem Congress der Juden aus allen Ländern ist ja nur ein Schritt! Alle Sonderbestrebungen werden ja auf diese Weise grossgezogen: Heute schliessen sich die Juden ein es Landes zusammen, morgen werden dies die Juden zweier, dreier und mehrerer Länder thun. Dieser Weg führt ja direct zum leibhaftigen Zionismus! Ein freisinniger, fortschrittlicher Mann, ein Vaterlandsfreund, ein guter Bürget kann einen so gefährlichen Gedanken nicht ersinnen. Zufällig heisst der Urheber des Vorschlages mit Vor- und Zunamen Martin Philippsohn und ist seines Zeichens Universitätsprofessor. Er ist der gefährliche Separatist, der *) Wie treffend diese satirischen Anspielungen Sokolows auf die „deutschen Staatsbürger mosaischer Confession" sind, beweist die Thatsache, dass der Mainzer „Israelit" in seiner dieswöchentlichen Nummer sich wirklich dieser fast zu Tode gequälten assimilatorischen Phrasen bedient, um gegen den deutschen Judentag zu protestieren. Sonderbündler. der Deutschlands Juden zu einem Congress zusammenberufen will. Drei Jahre, nachdem Max Nordau sein Sprenggeschoss, die .westlich Judennoth", in die Welt geschleudert hat, steht in Deutschland ein Mann wie Professor Martin Philippsohn auf und kündet es laut, dass.das deutsche Judenthum in seiner Existenz bedroht sei, dass "es alle seine Kräfte anspannen müsse, um nicht vernichtet zu werden, um sich vor völligem Cntergang zu retten. Und Professor P h i 1 i p p s o h n r ist beileibe kein Zionist! Mit Genugthuung können wirs verzeichnen : gewisse Leute nähern sich uns au Hallend — unbewusst, unwillkürlich. Nicht die Reichen, die grossen Wechselhausinhaher. die Adelsanwärter und Bewerber um aristokratische Schwiegersöhne. Die werden wohl noch eine Weile auf sich warten iassen. Aber die Intellectuellen, die Ritter vom Geiste, sie kommen uns näher, schrittweise, aber doch merklich. Die Philippsohne, die Landaus und Baginskys in Berlin führen eine Sprache, die sich von derjenigen der Angliederungsmänner;ius der jüngstvergangenen Generation deutlich unterscheidet. Die intellectuellen können die alten, abgedroschenen Leierweisen nicht wiederholen : ist's; ja eben d a s. was sie zu Intellectuellen stempelt. Vom zionistischem Gesichtspunkte treuen wir uns eines jeden Anzeichens von Lebenstrieb und Thätigkeitsdrang gleich der Judentag-Anregung. Ob sich das Zionismus nennt oder nicht, ist uns gleichviel. Der Name ist uns nichts, das Wesen alles. Wir wissen nicht, inwieweit sich die deutschen Juden helfen können, wenn sie sich versammeln werden. A u c h \v e n n sie keinen Erfolg haben sollten, werden wir ihnen nicht mit gleichem Masse messen. Sie fragen uns: Ihr habt euch versammelt, habt Rath gepflogen, seid weit gereist, habt euch abgemüht — was habt ihr erreicht? Welches ist der praktische Nutzen? Wo ist die grosse Siedlung, die ihr schaffen wollt? — Wer weiss, ob wir nicht die gleichen Einwände und Vorwürfe denen vom .Deutschen judentage" werden entgegenhalten können. Wir zweifeln gar nicht daran, dass in den Augen der Ungeduldigen, der Hascher nach Augenblickserfolgen, auch der Deutsche Judentag sich als etwas äusserst „Unpraktisches" darstellen wird. Aber jene Leute haben keine Ahnung" von dem Wesen einer nationalen Thätigkeit. Der Congress der deutschen Juden dürfte eine hochwichtige Institution werden, selbst wenn er nicht gleich „Praktisches" leisten wird. Die Judenfeinde werden Zeter rufen : Die Juden schliessen sich zu einer vaterlandslosen Organisation zusammen. Aber sie rufen ja auch: Die Juden vermehren sich, die Juden leben, die Juden thun dies, die Juden thun jenes. Die es den Antisemiten recht machen wollen, das sind die wahren Utopisten und S c h w ä r m e r. Wir müssen unsere Pflicht erfüllen ohne andere Rücksichten, als die uns die Landesgesetze und unser eigenes Interesse auferlegen." In der „Ungarischen Wochenschrift'' vom 2<>. d. M. ist unter dem Titel : „W eiche Hoffnungen weckt der Zionismus?" ein interessanter Artikel von Herrn Sani. Partos. Rabbiner in Duna-Földvar erschienen, in dem er in sehr tactvoller, jedoch energischer Weise gegen die Gegner des Zionismus polemisiert. Den Ideengang des Artikels kennzeichnen wir am besten, wenn wir folgende Sätze in Auszug bringen. „Ihr (der Zionisten) aufrichtiges Streben kann keiner verkennen: ihre Liebe zum Judenthum darf keiner bezweifeln. Wenn sie bisher sonst nichts erreicht, als dass die Antisemiten den Keil schon verspüren, der ihr unsinniges Treiben hemmt, wenn die Bruderliebe, der Zusammenschluss der Stammesgenossen breitere Schichten iu unserer Mitte umfasst. weil ihnen die Quelle des Zionismus hierzu die ergiebige Nahrung zuströmen lässt: vor diesen Erfolgen allein müssen die Gegner die Segel streichen." „Es wird und muss der Tag heranbrechen, da die Einsicht in Israel an Breite gewinnt, dass der Zionismus unser Bestes bezweckt: dem verfolgten Judenthum den ersehnten Frieden zu erkämpfen." Von S. Gordo n. dem Verfasser der Erzählung „Die Schwestern", ist soeben eine Novelle: „Die Söhne des Bundes" (Sons of Covenant) erschienen. Sie bringt Bilder aus dem Leben der russischen Juden, die sich in London niedergelassen haben. Ueber die wahre Lage der Juden in Ungarn finden wir iu einem Artikel des antizionistischen „Egyenlöseg" lehrreiche Aufschlüsse. Es heisst da u. a.: „Unter dem BdnftYsehen Regime . . . ballten die Wallachen und Panslaven fluchend die Fäuste, aber den Juden fiel es nicht ein, zu wehklagen oder besorgt zu sein. Heute hängt der Himmel