Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 44 (2.11.1900)
- Article
- Wien [Nachricht] / B.
- Date
- 1900-11-02
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 »Die # Welt" Nr. 44 tempeln gegenüber den jetzigen Luxustempeln herbeizuführen: ferner müsse der Erziehung der Jugend mehr Zeit gewidmet werden und sie müsse jüdischer sein als heute, wo ein Barmizwa kaum imstande sei, ausser dem Se^ensspruch [über die Thora in unserer Sprache zu lesen° Geschweige sie zu verstehen. ± Fragen der Verwaltung und Verfassung. Beide verlangten bessere Klarheit und grössere Publicitat. Namentlich das Armenwesen fordere eine Aenderung vom Grunde axis (Elberfelder Svstem^ 3 Sei es die:Behandlung budgetärer Fragen, die mit ^nen enge zusammenhangend «einer Verbesserung bedürften. Endlich 'Vi t\/i i f? H^SdeS Vorstandes gegenüber den die Judenhert Oesterreichs beschäftigenden innerpolitischen Fragen und deren Wirkung auf die allgemeinen Zustände, mit denen niemand zufrieden sei. - Alles das verlange muthige Manner und mannhaftes Auftreten und diesem müsse in der bevorstehenden Wahlcampagne Ausdruck gegeben werden. - Wie gesagt: Die meisterhafte Kritik verdiente in den weitesten Kreisen bekannt zu werden. peT lebhafte Beifall war ein wohlverdienter. An der Debatte betheihgten sich die Herren Bernhardt, Kolisch. ts° u ' Hf,."dlMdLangfelde r. Namentlich Herrn Dr. Kahns \\orte erweckten tosenden Beifall und den Wunsch, dem Redner möchte bald Gelegenheit gegeben sein, sein Regenerationswerk am Gemeindetische beginnen zu können. Gegen* 12 Uhr schloss der Vorsitzende die Versammlung, nachdem noch eine entsprechende Resolution, welche das Eintreten in den Wahlkampf gutheisst, einstimmig zur Annahme gelangte. In den Vorstaad wurden gewählt: Dr. Leo Sofer, Tsidor K o 1 i s c h und Doctor w - ri?*ni rr Präsidium: Max Bernhardt, Siegfried }A f ch \} ■ Herma»n Sonnenschein, Schriftführer: Ludwig Spira. Ludwig Mahler. Cassiere : Jos. Denker, Monz F e 1 s e n b u r g, Revisoren. Ferner das Schiedsgericht und die Beirathe. g Voranzeigen. Wien. Der Verein der Hörer an der israelitisch-theologischen Lehranstalt bringt hiermit zur Kenntnis, dass allwöchentlich in seinem Betlocale (Beth-Hamidrasch. II. Bez., Tempelgasse S) um S Uhr Gottesdienst mit Predigt stattfindet. Die Reihe der Predigten eröffnet cand. phil. B. Margulies Samstag den :?. November um 83/. Uhr vormittags. Wien. (Verein jüdischer Mädchen „H ad a s s a£\) Sonntag den -{. November a. c. 4 Uhr nachmittags, hält Herr Alfred Weissb erger im Vereine, IX.. Türkenstrasse <> (Congress-Bureau), einen Vortrag über „P e t e r Altenberg". Gäste herzlichst willkommen. Wien. Der Einzelverein „Wiendes „Zion" beehrt sich seine Mitglieder und Freunde zu der am (>. November im Cafe „Adria", II.. Gr. Pfarrgasse 1, stattfindenden ordentlichen General -Versammlung einzuladen. Tagesordnung: 1. Jahres- und Cassabericht. -2. Neuwahlen. 3. Eventuaüa. Beginn präcise -/2S Uhr abends. Correspondenzen. Berlin. (Die Bi 1 dersprache des Grafen Pückler.) Graf Pückler, der Schneidige, in dessen Manier, auf die „Judenbande" loszudreschen, wir unsere Leser bereits eingeweiht haben,stand dieserTage wegen seiner Dreschflegeleien vor Gericht. Mitangeklagt waren der Redactei.r Böttieher der „Staatsb.-Ztg.-1, der die Kraftstellen der Pückler sehen Rede gebracht hatte, und der Schriftsteller Böckler. der sein Bedauern darüber ausgesprochen hatte, dass die Bütower Aufrührer sich bloss an die Fensterscheiben der Juden gehalten haben. Der Gerichtshof sprach die drei Angeklagten frei. Die Aeusserungen des Angeklagten Böckler seien nur eine Kritik vergangener (!) Dinge und daher nicht unter den § 130 zu bringen. Die dem Grafen Pückler zur Last gelegten Aeusserungen seien nach der Ansicht des Gerichtes nur „bildlich' zu nehmen. Es seien Uebertreibungen, die nicht geeignet sein könnten, zu Gewalttätigkeiten aufzureizen. Die „Frankfurter Zeitungbemerkt zu diesem Urtheil: Wir möchten doch keinem anderen rathen, sich in ähnlicher Weise „bildlichauszudrücken. Denn sonst pflegen die Gerichte nicht geneigt zu sein, Uebertreibungen als Entschuldigungsgrund anzusehen. Berlin. (Der Verein zur Förderung der Bodencultur unter den Juden) hat sich von neuem constituiert. Die Gesellschaft hat den Zweck, die Ackerbauschule, welche vom Consul Simon in Ahlem gegründet wurde, zu unterstützen. Diese Ackerbauschule hat die Aufgabe, die Zöglinge für die landwirtschaftlichen Arbeiten heranzubilden und Ackerbaucolonien zu gründen. Krakau. (Personalnachricht.) Dr. Lazar Goldwasser, Gründer und dz. Präses des Vereines „PrzedSwit- Huschachar", hat sich mit Fräulein Hermine Weinhebe r aus Alvernia verlobt. New-York. (Die hebräischeBibliothek) erfreut sich eines immer grösseren Zuspruches von Seiten zahlreicher junger Hebräisten. Diese Bibliothek wurde 189« gegründet und zählt jetzt bereits über 7000 Werke, welche fast, durchgehends in der hebräischen Sprache geschrieben sind. Leiter der Bibliothek ist Mr. A. S. F r e i b u s. Der Verein steht unter dem Protectorate des Mr. Jakob H. Schiff, welcher kürzlich zugunsten der Bibliothek 10.000 Dollars gespendet hat. Wien, 31. October. Wie wir vernehmen, ist dieserTage bei der „Israelitischen Allianz zu Wien* seitens fünfzig ihrer Mitglieder der Antrag auf Einberufung einer ausserordentlichen General -V ersammlung innerhalb drei Wochen gestellt worden mit folgender Tagesordnung: 1. Die Behandlung der rumänischen Emigranten durch einzelne Vorstandsmitglieder der „Israelitischen Allianz" und 2. Einsetzung eines Untersuchungs-Ausschusses. Wien. (R a b b i n e r w a h 1.) Bei dem Synagogen- Vereine „Beth Israel" nach polnisch-jüdischem Ritus in Wien wurde der bis nun provisorisch aeeeptierte Rabbiner Hen* M. Mayersohn in der Plenarsitzung vom 24. d. M. einstimmig definitiv angestellt. Wien. („Glück im Winkel".) Nach dem grossen Krach des Liberalismus wurden bekanntlich unsere Deutschen mosaischer Confession von den Ariern aus den politischen Vereinen sachte hinausgeworfen oder „unter sich" gelassen. Unsere lieben Assimilanten, die nun einmal ohne „christlichen Verkehrt-" und Speichelleckerei nicht leben können, giengen flugs daran, „neutrale-- Vereine zu gründen. Seither fanden wir sie in Stenographen-, Turn-, Gesang- und Literaturvereinen in immer grösser werdenden Majoritäten. Doch in demselben Masse, als die Zahl der Juden zunahm, nahm die Zahl der Christen ab, bis die Juden schliesslich mit Ausnahme einiger Renommirgojim — denen man in verdächtiger Bescheidenheit gewöhnlich die Ehrenstellen überliess — ganz unter sich blieben. Nun droht den Assimilanten die Gefahr, auch der letzten Paradechristen beraubt zu werden. Unter dem Protectorate der antisemitischen Partei gründete sich vor Kurzem ein „christlicher" Stenographenverein, der in Placaten, Flugschriften und Zeitungen die „Arier" davor warnt, jenen „Judenvereinen" beizutreten, wo sie als Aufputz missbraucht und ausgebeutet werden. Besonders schmerzlich für unsere Assimilanten ist der Umstand, dass die Leiter des antisemitischen Vereines fast alle ehemalige Schüler jüdischer Stenographielehrer sind. Wer jedoch glaubt, dass unsere Assimilanten endlich zur Einsicht gelangen, der verkennt eben die Assimilantennatur. Das hat Schlangengeschmeidigkeit. Kaum hat man sie aus einem Schlupfwinkel hinausgejagt, kriechen sie flugs in einen anderen. Ist es ihnen nicht gegönnt, mit Angehörigen des christlichen Mittelstandes zu verkehren, so begnügen sie sich eben mit der ArbeitercJasse. So sehen wir diese Juden in ganzen Scharen den socialdemokratischen Stenographen-, Turn-. Gesaug- und anderen Vereinen beitreten, trotzdem sie mich ihrer Erziehung, socialen Stellung