Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 44 (2.11.1900)
- Article
- Preisausschreibung
- Date
- 1900-11-02
- Page
- 9 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3315850-3315896-3373712--22681-3373813- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 44 „Die 2$ Welt" Seite 9 Preisausschreibung.*) Der Zionismus hat seit dem ersten Baseler Congresse einen wahren Eroberungslauf über die ganze Welt genommen. Allein, immer noch gibt es Juden, zu denen die Botschaft von der Regenerationsbewegung im Judenthum doch nicht gedrungen ist, während andere entstellte und unklare Begriffe von unseren Bestrebungen haben. Wo die Apostel des Zionismus dessen Ziele und Wege darlegen können, haben sie bei allen, die sich überzeugen lassen wollen, stets den gewünschten Erfolg. Aber nicht überall ist die Möglichkeit der Propaganda durch das gesprochene Wort gegeben. Dann muss das gedruckte eintreten. Um einem fühlbaren Mangel abzuhelfen, eröffnet die Redaction der „Welt" hiermit einen Wettbewerb zur Erlangung eines gemeinverständlichen and leicht fasslichen Flugblattes über den Zionismus. Dasselbe soll nicht grösser als ein Druckbogen (16 Octavseiten) sein und in möglichster Klarheit und Präcision den Begriffund die Ziele der zionistischen Bewegung darlegen. Drei Preise sollen zur Vertheilung gelangen : ein 1. Preis im Betrage von 200 Frcs. in Gold » 2- » „ „ 100 . , „ „ 3. „ „ „ , r,o „ Dem Preisgerichte steht es frei, bei Vorhandensein gleichwertiger Arbeiten eine andere Vertheilung der Preise vorzunehmen, aber auch — im Falle noch andere gelungene Arbeiten einlangen — deren Ankauf und Publicierung in der „Welt" zu beantragen. An der Bewerbung kann sich jedermann betheiligen. Die Preisschriften sind in der für die Drucklegung nothwendigen Form (einseitiges Beschreiben des Papieres und deutliche Schrift) mit einem Motto versehen, frankiert bei der Redaction der „Welt" einzureichen. Ein beigeschlossenes, versiegeltes, mit dem gleichen Motto versehenes Couvert soll den Namen des Autors und seine Adresse enthalten. Die Couverts werden nur im Falle der Preiszuerkennung geöffnet. Nicht preisgekrönte Arbeiten werden dem Absender franco retourniert. Die preisgekrönten Arbeiten werden Eigenthum der „Welt", der die Publicierung in jeder ihr geeignet scheinenden Form, ebenso wie das Hecht der Uebersetzung in fremde Sprachen ausschliesslich zusteht. Das Preisgericht besteht aus den Herren: Gustav G. Cohen (Hamburg), Dr. Theodor H e r z 1 (Wien), Oscar Marmorek, Architekt (Wien), Dr. Max Nordau (Paris), Dr. J. Rülf (Bonn) und für die Redaction der „Welt": Dr. J. W. Marmorek und Berthoid F e i w e 1. i¥ls Endtermin der Einlieferung der Arbeiten für den Wettbewerb ist der 31. D e c e m b e r 1900, 12 ühr mittags, festgesetzt. Arbeiten, die später einlangen, weiden nicht berücksichtigt werden. Alle weiteren gewünschten Auskünfte ertheilt bereitwilligst für die Redaction der „Welt" Dr. J. W. Marmorek. Wien, 15. October 1900. *) Auf mehrere Anfragen theilen wir mit, dass die Broschüren auch in Form von Frage und Antwort und ausser in deutscher Sprache auch im Jargon abgefasst werden können. f\(is den \)efeiiKf). Berichte. Breslau. („E in deutscher Judenta g''.) Heber dieses Thema referierte in der am 17. October abgehaltenen Sitzung des „Jüdischen Rede- und Discutierclubs Graetz" Herr Dr. jur. Ismar Freund. Er setzte im Anschlüsse an den Prof. Philippsoh n'schen Vorschlag dessen Motive und Ziele auseinander. Trotzdem in der Discussion einige Stimmen gegen einen derartigen Judentag laut wurden, schien jedoch die Majorität demselben sympathisch gegenüberzustehen. Eine officielle Stellungnahme zu dieser Frage behält sich der Vorstand für eine spätere Sitzung vor. Düren (Rheinland). Sonntag den 21. d. M. hielt Herr cand. med. üllman n einen Vortrag über Zionismus, dem fast die ganze jüdische Gemeinde beiwohnte. Es war dies der eiste zionistische Vortrag in hiesiger Stadt. Derselbe fand vielen Beifall und in der Discussion trat als einziger Gegner des Zionismus der Herr Rabbiner hervor. Als praktischer Erfolg der Versammlung ist der Beitritt einiger Anwesender zur zionistischen Vereinigung für Deutschland zu verzeichnen. Dr. L. Krakau. Samstag den 13. v. M. fand die vierte ordentliche General-Versammlung des akademischen Vereines „Hasehachar" (Przedswit) statt. Die Neuwahl ergab folgendes Resultat: Präses: Dr. L. Gold w asser; Vicepräses: stud. med. Ch. Hilf st ein; Cassier : stud. jur. Fruchth ändler; Schriftführer: stud. jur. L. Landau; Ausschussmitglieder : stud. jur. D. B u 1 w a, stud. jur. S. F e 1 db 1 u m, stud. med. B. Grünzweig, M. Haubenstock, Dr. Laue r, stud. jur. O. M o 1 e t, stud. phil. M. Mar gu Ii es, stud. jur. A. S c h ä c h t e r. Prag. Der „Jüdische Volksverein" in Prag hielt am 1. November seine General-Versammlung ab. Wien, 2S. October. („Zion'-Verein Mariahilf- Neubau.) Die gestrige Versammlung des Einzelvereines Mariahilf-Neubau des „Zion"-Verbandes gestaltete sich zu einer lebhaften Agitations - Versammlung in Sachen der Wahlen zur Cultusgemeinde. Vom Vicepräses Herrn Isidor Kolisch begrüsst, erstattete Herr Max Bernhardt das Referat über die Vereinsthätigkeit im abgelaufenen Geschäftsjahre. Dank eifriger Agitation hat sich die Mitgliederzahl von VM> im October IS'M auf 2S3 gehoben. Der Bericht gedachte der grossen Agitations-Versammlung im „Englischen Hof" in Sachen der Polnaer Blutbeschuldigung und der Purimfeier, deren glänzender Verlauf die enge Fühlung mit den jüdischen Familien der beiden Bezirke aufs Erfreulichste documentierte. Er erwähnt ferner der ansehnlichen aus Vereinskreisen geleisteten Hilfe für die rumänischen Emigranten und der von den Organen der „Israelitischen Allianz zu Wien" gegen die armen Auswanderer verübten Grausamkeiten, die demnächst vor einem anderen Forum zur Sprache gebracht werden sollen, und fordert schliesslich zum Eintritt in den von Herrn König gegründeten Jüdischen Turnverein auf. — Daran schliesst sich der Cassabericht des Herrn Barkan und die Vornahme der Neuwahlen, die auf Antrag des Herrn Dr. Leop. Kahn per Acclamation geschehen. In solenner Weise überreichte sodann Herr Bernhardt Herrn Dr. Kahn ein prächtiges Diplom, worin der um die Agitation in Mariahilf-Neubau so sehr verdiente Gesinnungsgenosse zum Ehrenpräsidenten des Vereins ernannt wurde. In warmen Worten stattete Dr. Kohn seinen innigen Dank für die Ehrung ab. Nunmehr nahm, warm begrüsst, Herr Dr. jur. Jacob S t ö s s 1 e r das Wort zum Referate des Abends über die C u 11 u s w a h 1 e n. Es war eine ebenso scharfe wie gerechte Kritik, die der Referent an den Zuständen in der Wiener Cultusgemeinde übte, und allgemein wurde der Wunsch laut, Herr Dr. Stössler möchte seine ebenso trefflichen Auseinandersetzungen vor einer grossen Versammlung zu wiederholen Gelegenheit finden. Nur wenige Sätze wiederzugeben sei uns gestattet: Das jüdische Volk verlangt nach nationaler Regenerierung und unserer, der Zionisten Sache ist es, sie herbeizuführen. Aber das kann nur eintreten, wenn die jüdischen Gemeinden, der Punkt, um den sich das ganze jüdische Leben dreht, wirklich national und w i r k l i c h jüdisch geworden sind. Wien, das Herz Oesterreichs, mit einer der grössten jüdischen Gemeinden in Europa und einer der grössten der Welt, könnte auch das Herz der europäischen Judenheit sein, wenn es so wäre, wie es leider nicht ist. Es genügt nicht, dass die Verwaltungsmaschine gut arbeitet, sondern dass auch Juden im besten Sinne des Wortes es sind, die an der Spitze stehen. Die Fragen, welche zu erörtern seien, wären: 1. Solche, die Cultus und Schule betreffen; es sei die Schaffung von Frei-