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Die Welt · 1900-11-02 · 44 (2.11.1900) · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
44 (2.11.1900)
Article
Englische Chronik
Date
1900-11-02
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 44 „Die # Welt?« Seite 7 Zions-Freunden gefunden zu haben. Seinen Ausführungen schloss sich Mr. M Jacobs aus Birmingham an, worauf nach einem Schlussworte des Dr. G a s t e r die Versammjung, die einen imposanten und erhebenden Eindruck gemacht hatte, geschlossen wurde. Juden oder Angelsachsen? Im^^ewkilx-jQhronicle" wird jetzt zwischen Nationaljuden und „jüdischeiTEngländern" ein Kampf ausgefochten, der sich immer interessanter gestaltet. Veranlasst hat ihn Prof. Sehe cht er, (von den Universitäten London und Cambridge) der für ein jüdisches Hospital Stimmung machen wollte und sich dabei auf den national-jüdischen Standpunkt stellte. Der bekannte Zionistengegner Rev. S. S i n g e r trat ihm sofort im „Jewish Chronicle* entgegen, gewappnet mit dem ganzen Rüstzeug, das im Arsenal unserer Grossassimüatoren aufzutreiben ist Wieder muss das abgebrauchte Taschenspiel erkün stehen herhalten : Staatsangehörigkeit und Nationalität werden — nach der Sachlage in England ist's ja noch leichter als bei uns — als Begriffe von gleicher Bedeutung behandelt. Und nun noch etwas „Patriotismus", «jüdische Mission" und „Völkerverbrüderung" in die Retorte, und Homunkulus — pardon, der unverfälschte Angelsachse ist fertig. Aber man hat dem Rev. Singer ein wenig auf die Finger gesehen, und so beeilen sich die aufmerksamen Beobachter. Herrn Singer zu versichern, dass das neue Geschöpf durchaus kein Angelsachse sei, sondern ein heimlicher, aber waschechter englischer Jude. Vor allem sind es zwei Kämpfer gegen Rev. Singer, die besondere Beachtung verdienen, der eine, weil er ein rein-arischer Engländer ist. der andere, weil es Israel Zangwill ist. jedenfalls kein schlechter englischer Patriot und gewiss auch kein schlechter Jude. Das Schreiben des „Englishman" lautet:] ,Sir! Mr. Singer sagt im letzten „Jewish Chronicle": „Deutsche. Franzosen, Engländer können sowohl Christen als auch Juden sein . . . Wenn ich von mir als einem englischen Juden spreche, so verstehe ich darunter, dass ich ein Engländer bin. der ich mich zur jüdischen Religion bekenne." Ich wage es hier nachzuweisen, dass diese Lehre unhaltbar ist 1. Es ist selbstverständlich, dass das religiöse Bekenntnis keine Rassenfrage in sich einschliesst; allein darum handelt es sich nicht. Es ist eine Thatsache, dass das Judenthum, so weit es bekannt ist, eine Rasseneigenthümlichkeit in sich einschliesst. Natürlich können auch Leute, die der jüdischen Rasse nicht angeboren, sich zur jüdischen Religion bekennen und in die Reihen des Judenthums eintreten : allein der äussere Unterschied lässt sich nicht verkennen zwischen den Proselyten und den Mitgliedern aus dem rein jüdischen Stamme. * Ich gehöre zu denen, welche glauben, dass die jüdische Rasse ihre Daseinsberechtigung hat. und dass sienoch bestimmt ist, in der künftigen Weltgeschichte eine Rclle zu spielen. Wenn man aber behauptet, dass es den Deutschen, Franzosen und Engländern freisteht, zwischen dem Christenthum und dem Judenthum zu wählen, so ist das ein Irrthum. Das Judenthum ist keineswegs der Gegenstand der Wahl, sondern Sache der Geburt. Ein Jude wird man durch Geburt und nicht durch irgendeine menschliche That. Anders ist es mit dem Christenthum. Es wäre absurd, von einer christlichen Rasse zu sprechen, nachdem wir sehen, dass alle Rassen ohne Ausnahme Christen werden können. Der Ausdruck Christ hat gar keine Rassenbedeutung, während der Ausdruck Jude sie bestimmt hat. 2. Was ist ein Engländer? Streng genommen bedeutet dieser Ausdruck: Mitglied der englischen (anglo-sachsischen) Rasse. Man kann den Ausdruck Engländer allerdings auch in einem anderen Sinne nehmen, nämlich in dem eines „englischen Bürgers". In diesem Sinne ist ein Indien welcher sich in England niedergelassen hat, die englische Sprache und Gewohnheiten u. s. w. und die Rechte der englischen Bürgerschaft geniesst, ein Engländer indischer Rasse. Aehnliches könnte man von der Negerrasse sagen u. s. w. Es scheint, dass Herr Singer den Ausdruck Engländer im Sinne von „englischer Bürger" oder „englischer Unterthan" gebraucht. Ich leugne keinesw?gs, dass ein Jude ein guter englischer Bürger sein kann und bleibt, er ist aber dann ein englischer Bürger jüdischer Rasse". Das Schreiben Israel Z a n g w i 11 s. voll feiner Ironie, lautet im Auszuge : ,Sirl Mit Vergnügen habe ich die offenherzige Erwiderung des Herrn Singer an Herrn Schlechter gelesen. Da ich selbst Engländer, ja geborener Londoner bin. begreife ich die jüngst© Aufregung zur Genüge. Ja, man will all die Arbeiten so vieler Generationen von Juden, welche dahin giengen. zu beweisen, dass die englischen Juden wahre Engländer werden könnten, zerstören. In derselben Nummer des „Jewish Chronicle" fand ich einen Bericht über die Circulation von 30.000 Exemplaren und die weitere Herausgabe von anderen 20.000 Exemplaren des von Herrn Singer redigierten ausgezeichneten Gebetbuches. Als ich dieses Gebetbuch durchblätterte — es hat eben die Approbation der United Hebrew Congregations des britischen Reiches erhalten — stiess ich auf Stellen solcher Art, die mich veranlassen, Herrn Singer zu ersuchen, es mit den Gebetbüchern anderer Secten zu vergleichen. Ich kann nur hoffen, dass S i n g e r s elegantes Englisch nicht dazu führen werde, dass diese Gebetbücher in die Hände unserer Feinde gelangen, die damit Missbrauch treiben könnten. „Die Handhabe für die Gegner" ist ja etwas Sprichwörtliches: Und da meine ich gar nicht das Gebet für die königliche Familie mit der demüthigenden. mittelalterlichen Annahme der ganz bevorzugten Stellung und der sclavischen Unterwerfung; ich meine andere Stellen, v.. B. die Folgende: ,,0 möge noch in ihren und in unseren Tagen Juda errettet und Israel erlöst werden: o, dass der Erlöser nach Zion komme!" Oder werfen wir einen Blick auf das Schemone-essrei-Gebet, welches man ja dreimal täglich betet: „O lass' erschallen die grosse Posaune zu unserer Befreiung: erhebe das Panier, unsere Vertriebenen zu sammeln, und bringe uns zusammen von den vier Enden der Erde. Gelobt seist Du, Ewiger, der sammelt die Verstossenen seines Volkes Israel." „Setze wieder ein, die über uns walten, wie in früherer Zeit, und die für uns sorgen, wie ehedem" u. s. w. Oder werfen wir einen Blick auf das Tischgebet! Dort heisst *s: ,.Israel. Dein Volk, bittet Dich, Du mögest den heiligen Tempel wieder in Ruhm errichten." Oder. Herr Singer, das Folgende : Auf Seite Solln res Gebetbuches ist vorgeschrieben, dass der Jude bei allen festlichen Gelegenheiten bete: .,Ja. unserer Sünden wegen sind wir verbannt aus unserer Heimat, vertrieben aus unserem Vaterlande. Führe uns mit Frohlocken nach Zion zurück, nach Jerusalem, der Stadt der Heiligkeit: daselbst wollen wir in Treue dir Opfer darbringen, wie in früheren Zeiten" u. s. w. Ich erschrecke, wenn ich an die 5S.0UO unverständigen Poseurs denke, welche die Ausgabe von Singer gebrauchen. Dennoch sympathisiere ich mit Herrn Singer. Es ist ein so armseliger Knoten, den das Judenthum aus Mangel an ehrenhaften Lehrern sich selbst gebunden hat durch eineReihe von vielen Jahrhunderten'. Es ist gatizrichtig, dass die Theorie des Judenthums, die Singer verficht, eine entnationalisierte ist, und es wäre hohe Zeit, dass man ein ehrliches Gebetbuch herausgebe, wie -das, welches bereits in Amerika für diejenigen existiert, welche mit jüdischnationaler Gesinnung gänzlich gebrochen und die Hoffnungen aufgegeben haben, dass die Niederlage wieder gut gemacht werden kann, welche stattgefunden hat im Jahre 70 ehr. Ztr. Ich kann wohl die Boeren respectieren. welche von 1900 an immer beten würden für die Wiederherstellung der Dutch - Republik in Süd-Afrika und das Wiederkommen eines himmlischen K r ü ge r. Aber ich müsste einen Boerengeistlichen nur bedauern, der ein Gebetbuch veröffentlichen würde, das voll von boer-republikanischem Geiste wäre, und dann über diejenigen lachen würde, die diese Gebete ernst nehmen ... Wir dürfen also den Verstand unserer Jugend nicht trüben und schwächen durch zwei sich widersprechende Lehren . . . ." Daran schliessen sich noch einige ironische Schlussworte. Dr. K. Lippe. Am 4. November feiert einer der eitrigsten Vorkämpfer des Zionismus, Herr Dr. K. Lippe in Jassy (Rumänien), seinen 70. Geburtstag. Zu einer Zeit, in welcher die Assimtlationsidee in ihren schlimmsten Auswüchsen unter den rumänischen Juden den grössten Anhang hatte, war Dr. Lippe der einzige Mann, der entschieden gegen die unglückselige Strömung Stellung

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