Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 44 (2.11.1900)
- Article
- Russische Chronik
- Date
- 1900-11-02
- Page
- 6 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 6 „Die Weife- Nr. 44 Eggen. 33W \\ agen. 3<; Mühlen. 324G Ochsen, »»'■»«.-, Pferde.!»0.{i- Kühe. 14// Schafe. Es gibt Wald-Anpflanzungen, in denen 2o40 Maulbeerbäume und 25.046 Waldbäume stehen. ,^n,£?Aonien«,?Vld 10,0 steinerne Häuser, (531 Lehmhütten, K ,u U tn' ,10^- HSus«r werden jetzt neu gebaut. Mit Ackerbau beschäftigen sich 5132 Männer. 493« Frauen, mit dem Handwerk ööl Männer und 50(> Frauen, Tageslohnarbeiter gibt es : »ir, Männer. r,ir> Frauen. Den Industrie- Erwerb ausserhalb der Heimat treiben 33Ü Männer, -231 trauen. Die Ernte war sehr ungünstig. Es wurde für 5162 Dessjatin über 26C>o Tschetwert (Mass) bei der Wintersaat und über t.0.601 Tschetwert Sommergetreide gesät und man erzielte: 3(113 Tschetwert Winterkorn. 30 648 Tschetwert Sommergetreide. Kartoffel wurden gesäet 2105 Tschetwert. Ertrag: 5->o0 Tschetwert. Heu wurde gesammelt: 216.605 Pud. Durch die Missernte ist das geringe Eingehen der Steuerzahlungen zu erklären. So sollten z. B. die Colonisten Personensteuer. Pachtzins etc. im Betrage von Rub. 15.582-75. Staatssteuer im Betrage von Rub. 161-5-6 etc. bezahlen — haben aber nur ersfere Steuer im Betrage von Rub. 7533-1-2 — Staatssteuei- Rub. 4.44-5-2 abgezahlt. Bemerkenswert ist es, dass die Naturalleistungen vollständig beendigt wurden. Zur Assentierung wurden 208 junge Leute einberufen, von diesen erschienen 203. assentiert wurden 75. 110 zur Landwehr bestimmt, lr, wurden als unfähig erkannt. Aehnliche Verhältnisse wie im Gouvernement Charkow herrschen im Gouvernement Ekaterinoslaw, wo es 17 Colonien mit einer Bevölkerung von 570 Familien (15-21 Männer und 2027 Frauen) gibt, die sich im Besitze von circa 26.364 Dessjatin befinden. J. Schon Englische Chronik. Meetings d e r ,.E n g 1 i s h Z i o n i s t Fede ratio n" in Ca r d i f f. Sonntag den 14. October fand im Central-Hötel in Cardiff ein sehr zahlreich besuchtes Meeting statt, das vom Central-Comite der .English Zionist Federation* veranstaltet worden war. Den Vorsitz führte Herr J. C o w e n, der diese vierteljährige Conferenz der Federation mit einer ausgezeichneten Rede einleitete. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit der grossen Action der Federation anlässlich der englischen Parlamentswahlen. „Wir sind Engländer genug," sagte er unter anderem. ..um in politischen Angelegenheiten die Methode der Engländer zu praktieierer. Was alle anderen Gesellschaften, socialen Kreise, Kirchen und religiösen Genossenschaften bei Wahlen in England thun. dass sie ihre Interessen vor allem vertreten, das haben wir Zionisten auch gethan. Und wir sehen im Zionismus doch mehr, als eine Iocale Angelegenheit. Wie recht wir hatten, beweist die Thatsaehe, dass so viele Parlamentarier. Juden und Nichtjuden. sich bereit erklärten. Hüter unserer Interessen zu sein. Und in diesen Händen, ich wage es ruhig zu sagen, ruhen die Interessen des jüdischen Volkes so sicher, wie in den Händen irgendeines von uns. Diese Männer, die uns ihre Unterstützung angeboten haben, das sind die wahren Engländer, zum Unterschiede von den Quasi¬ Engländern: sie sind die wahren Hüter von Freiheit, Menschlichkeit und Rechtshewusstsein . . . Eines ist sicher: Wir haben durch unser Auftreten bei den Wahlen zehnmal mehr für die Juden erreicht, als die anderen durch ihre so beliebten kleinlichen Wahl-Kunststücke. Wir haben auf ehrenvolle Weise erneuert Kunde gegeben von der Existenz der Juden und davon, dass sie Juden sein wollen, Kunde gegeben in einer Weise, die in ganz Europa vereinzelt dasteht . . . Mein letztes Wort sei ein Wort des Dankes an jene Herren, welche unsere Frage, ob sie den Zionismus unterstützen wollen, mit »Ja" beantworteten." Am selben Abend fand ein grosses öffentliches Meeting in der Cardiff-Synagog*- statt. Es ist das erste Meeting, das in einer englischen Synagoge abgehalten wurde, eine Thatsaehe, die von" den englischen Zionisten mit grösster Genugthuung begrüsst wird. Schon vormittags hatte Rev. P. Wolfers in der Synagoge eine feierliche Rede gehalten. Das grosse Meeting, das abends von der „Dorshet Zion Association" und der „English Zionist Federation" gemeinschaftlich veranstaltet wurde, leitete Mr. Jacobs. Als Hauptredner traten auf: Grossrabbiner der sephardischen Gemeinden. Rev. Dr. Gaster: Mr. L. J. Greenlierg. Obmann der Federation: Mr. de Haas. Ehrensecretär der Federation : die Herren J. Co wen (London): M. Jacobs (Birmingham): T. Massel (Manchester): F e v n e (Newport): die Herren \V o 1 fe r s und Katz (Cardiß). Mr. J. de Haas, der eine Resolution vorbrachte, in der die Sympathie für die zionistische Bewegung kundgegeben wird, führte aus, dass es sich jn erster Reihe darum handle, den verfolgten Juden eine rechtliche Heimstätte zu verschaffen, in der sie, als Nation und als Individuen frei, die Mittel erhalten werden, den Traditionen der jüdischen Rasse treu zu bleiben. Nicht alle Juden brauchen diese Hilfe; aber es gibt auf dem Continent Millionen von Juden, die. im grössten Elende ohne Freiheit und ohne Recht ihr Leben fristen. Für sie ist der Zionismus der Rettungsanker. Rev. Dr. Gaster, stürmisch begrüsst, sprach über die zionistische Bewegung vom Standpunkte der jüdischreligiösen Weltanschauung. „Der Zionismus, sagt Redner, ist nichts anderes als das, was die Bibel von der Neuerweckung der Juden vorhergesagt hat. . Ich war, sagt Doctor Gast er unter anderem, besorgt, dass der Londoner Zionisten-Congress, der von so vielen intelligenten Juden beschickt war. nicht genug beachtet werden wird : aber die englischen Blätter haben sich bewundernswert gezeigt und haben sogar in ihren Commentaren den jüdischen Blättern Unterricht ertheilt. (Cheers.) Ja, England ist heute das, was Israel sein sollte, das Land des Buches der Bücher. Das englische Volk kennt die Bibel, welche die Juden leider nicht kennen. Das Resultat ist, dass England im Punkte der Aufklärung der Führer der Nationen ist. . . Diezionistische Bewegung zeigt der Welt, dass die Juden noch heute die Söhne des alten Bundes sind, und kein Engländer würde behaupten, dass ein guterZionist nicht zugleich auch ein guter Engländer 'sein kann. Für die wahren Engländer ist Judenthum und Zionismus dasselbe. Und sie verstehen es, dass ein guter Zionist auch ein guter Staatsbürger sein kann. Oder sind die Zionisten, von denen so mancher in Süd-Afrika kämpft, etwa keine guten Engländer? Oder Colonel Goldsmith? Ist er nicht ein ebenso guter Soldat, als er ein guterZionist ist? (Laute Cheers.) Ja, wir können behaupten : Gerade der Zionismus ist es, der allein es uns ermöglicht, die Ideale derZukunftmit den P fliehten der Gegenwart in Einklang zu bringen. (Stürmischer, anhaltender Beifall.) 7 Nach Dr. Gaster erhält Mr. Greenberg das Wort. / Er dankt zunächst den Vorstehern der Synagoge für dil Gastfreundschaft, die sie dem Zionismus" gewährten. Die Thatsaehe, dass die Zionisten sich heute schon in einer englischen Synagoge aussprechen dürfen, beweise, wie weit die Bewegung gediehen sei. Er spricht sodann über den Congress. Die zionistische Organisation hat die Fähigkeit gezeigt, einen jährlich zusammentretenden Weltcongress zu begründen. Wäre die ,Anglo Jewish Association" oder der . Deputierten-Board fähig, Aehnliches zu leisten? Der Unferschied sei aber der, dass der Zionismus eine jüdische Volksbewegung sei, dass er seine Pflicht mit vollem Ernste erfülle unddie wahren Bedürfnisse des jüdischen Volkes befriedige. Redner kommt sodann auf die Taktik der „Zionist Federation* zu sprechen, die er voll und ganz billigt. Man habe gefragt: was hat der Zionismus mit der englischen Politik zu schaffen? Aber wer so fragt, der 1 vergisst, dass der Zionismus früher oder später den Gegen- J stand der Politik Englands bilden wird. (Cheers.) Welche Macht hat gleiche Interessen in Palästina, wie England? England ist durch Aegypten der nächste Nachbar von Palästina, und der kürzeste Weg nach Indien führt durch das Heilige Land. Nicht zum wenigsten darum haben sich die. politischen Factoren so lobend über unsere Bewegung ausgesprochen, weil sie erkennen, dass sie den europäischen, vor allem den englischen Interessen dient. Ist es nicht von grossem Werte, wenn „M a b o n" (R h o n d a) sich öffentlich so äusserst: ..Ich bin mit Leib und Seele für die zionistische Bewegung und werde sie im Parlamente auf das thatkräftigste unterstützen"? (Cheers.) Oder wenn Sir Ellis Ashmead-Bartlett mit uns ist, der Palästina kennt, wie kaum einer, und in die Wünsche des Sultans eingeweiht ist? Wie diese beiden haben sich viele Redner ausgesprochen, die auf den politischen Gang Englands grossen Einfluss üben. Ausserdem hat der Zionismus noch seine Wichtigkeit, weil er die Lösung derEinwanderungsfrage bedeutet... Die englischen Juden aber müssten nicht nur den jüdischen Traditionen, sondern auch denen Englands untreu werden, wenn sie gegen die Gründung einer öffentlichrechtlichen Heimstätte wären, in der die verfolgten Juden aus Russland, Rumänien und Galizien -ein Heim der Arbeit, der Freiheit und des Friedens finden könnten. (Stürmischer Beifall) Mr. Co wen dankte in einer oft von Beifall unterbrochenen Rede dem Vorsitzenden und den Delegierten. Er gab seiner Freude Ausdruck, eine so grosse Zahl von