Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1900-11-02 · 44 (2.11.1900) · p. 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
44 (2.11.1900)
Article
In der Heimat
Date
1900-11-02
Page
3 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3315850-3315896-3373703--22658-3373807
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 44 ,Die 3& Welt" Seite 3 dass auch die letzte Hoffnung der rumänischen Juden sich schliesslich als eitler Wahn erweisen wird. —w. IV. Jassy; i>ö. October 1900. Löbliche Redaction! Der anbrechende Winter erfüllt uns mit Sorgen. Alle Wohlthätigküitsvereine leiden an einer erschreckenden Finanzebbe. Fast in all seinen Festreden hat unser Rabbiner Dr. Niemiro wer zur Unterstützung der Volksküche, des Krankenhauses, des Asyls, der Schulen und Talmud Thora angeeifert. Der Kranke selbst, der rumänische Jude, kann sich doch wenig helfen. Die Bnei Brithgesellschaft und an ihrer Spitze der Präsident A. S. Goldenthal, geben sich alle Mühe, die vom Auslande kommenden Spenden den Aermsten der Armen zukommen zu lassen. Wahrhaft heilvoll wirkt die jüdische Volksküche, die von den Juden der ganzen Welt unterstützt werden sollte, damit die Judenheit — nach dem Ausspruche des Doctor Niemirower in seiner Eröffnungsrede — nicht verantwortlich werde für die Katastrophen, die hier infolge der furchtbaren Armut eintreten könnten. C. Die technische Erschliessung Palästinas. Mit Bezug auf den in der letzten Nummer veröffentlichten Vorschlag, betreffend die Bildung einer Gesellschaft zionistischer Techniker und die Vorbereitung einer Expedition zur fachmännischen Erforschung Palästinas, erhalten wir folgende Zuschriften : I. Sehr geehrte Redaction'. Ich habe mit Interesse in der letzten Nummer der „Welt" die Anregung betreffs der technischen Erschliessung Palästinas gelesen und würde mich gerne daran betheiligen. trotzdem ich keinem der erwähnten technischen Berufskreise angehöre. Ich bin bloss Geschäftsmann, habe aber Verbindungen mit dem Orient und glaube, durch den Handel auch Einfluss auf die dortige Industrie nehmen zu können. Einer Reise nach Palästina würde ich mich auch als türkischer Staatsbürger gerne anschliessen und dabei als commercieller Berather und als Dolmetsch (Dragoman) der Expedition dienlich sein. Mit Zionsgruss Wien. Dan S. Albacharv. IL Geehrte Redaction! Bezugnehmend auf den Artikel der letzten Nummer Ihres gesch. Blattes, betreffend die technische Erschliessung Palästinas gestatte ich mir, Ihnen mitzutheilen, dass ich gerne einer solchen Vereinigung beitreten werde. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst Dr. Walter Friede mann. Berlin. Potsdamerstr. IIS. in. Berlin, den 28. October 1000. Sehr geehrter Herr Redacteur! Mit grossem Vergnügen las ich in Ihrem geschätztem Blatte den Aufsatz „Die technische Erschliessung Palästinas". Ganz besonders hat mich interessiert, was der Artikelschreiber über eine in Palästina zu begründende Seifenindustrie vorbrachte, und da dieses mein Fach berührt, möchte ich hiezu einiges bemerken. Schon vor einem halben Jahre, als die Generalversammlung der „Chowewei-Zion" in Frankfurt a. M. stattfand, stellte einer von den Führern den Antrag, man sollte eine Seifenfabrik in Palästina gründen. Leider Gottes ist dieser, sowie manche andere Anträge nur auf dem Papier geblieben, obgleich doch kaum zu zweifeln ist, dass, wenn eine Seifenfabrik im modernen Stile in Palästina errichtet werden würde, diese Unternehmung sehr rentabel werden müsste. Denn die sämmtlichen Rohproducte. die diese Industrie braucht, haben wir in Palästina in Hülle und Fülle; ich will hier nur die verschiedenen Pflanzenfette, Cocos-, Palmkern-. Oliven- und Maisöl nennen, ferner die thierischen Fette, aus denen sich die feinsten Marken herstellen Hessen. Als' ich vor acht Jahren Palästina besuchte, da staunte ich, als ich die fetten Schafe sah, die in Europa gar nicht zu finden sind. Von solchen feisten Thieren kann man den feinsten Talg gewinnen und die besten Sorten Seifen fabricieren. Ein rentables Geschäft wäre es auch, die vegetabilischen und animalischen Fettstoffe nach Europa zu exportieren, denn was Cocbin und Ceylon an Pflanzenfetten und Australien an thierischen Fetten ausführt, das kann auch Palästina, und es ist sehr leicht, mit den genannten Producten zu concurrien. Der Consum von Fettstoffen steigt von Tag zu Tag und ebenso die Preise. Jetzt komme ich zu der Seifenindustrie zurück und glaube, dass eine solche Unternehmung sehr leicht den Export nach Asien und Afrika monopolisieren und sogar mit Marseille wetteifern könnte, denn die Arbeitskräfte sind doch in Palästina entschieden billiger, als in Frankreich, und dazu kommt, dass die Rohmaterialien im Lande zu finden sind. Ich will noch erwähnen, dass man die Alkalien ebenfalls in Palästina finden könnte. Ich möchte ferner auf einen anderen Industriezweig aufmerksam machen, nämlich auf die Fabrication von ätherischen Oelen, die zu Parfüm verwendet werden. Die Flora von Palästina ist bekanntlich sehr reich, und es kann sich in dieser Beziehung mit allen tropischen Ländern messen. Aetherische Oele haben aber einen sehr guten Preis. Es gibt Sorten, deren kg mir mehr als H00 Markbezahlt wird. Hochachtungsvoll J. H u r w i t v.. Siedemeister (Koppen-Platz :$.) IV. Sarajevo, 27. October 1000. Löbliche Redaction! Unter Bezugnahme auf den Aufruf in der letzten Nummer der „Welt" erkläre ich mich bereit, der zu gründenden Vereinigung chemisch-technischer Fachleute beizutreten. Ich bin Lebens mittel -Techniker. Landesbeamter, und besorge nun schon das siebente Jahr alle amtlichen sanitätspolizeilichen Untersuchungen. Ich.würde, nach Massgabe der Zeit, speciell W'asseruntsrsuchungen für Neuanlagen, aber auch für unsere Colonien unentgeltlich ausführen. Achtungsvoll M a x Teich. Provisor im Landesspitale. Zum zweiten Hülsner-Processe. Der Mord von Polna, welcher vor Jahresfrist die ganze österreichische Judenschaft in Erregung hielt und nach dem Kuttenberger Processe als furchtbarstes Agitationsmittel von den Antisemiten der verschiedensten Richtungen ausgebeutet wurde, mit dessen Hilfe über einzelne österreichische Judengemeinden eine Katastrophe heraufbeschworen wurde, bildet seit dem 2-~>. d. M. wieder den Gegenstand einer öffentlichen Schwurgerichts-Verhandlung. Das öffentliche Interesse, das sich dem Falle zuwendet, ist nach wie vor ein reges: die Antisemiten lassen es auch diesmal an Anstrengungen nicht fehlen, die Gelegenheit zur Agitation gegen die Juden nach Kräften auszunützen. Wieder werden, wie im Vorjahre, den Berichten der Tagesblätter zufolge, antisemitische Flugblätter und Broschüren, die selbstredend noch immer das Ritualmord-Märchen fructificieren. massenhaft, besonders unter der Landbevölkerung, verbreitet. Aber die Situation ist dennoch eine ganz andere als im Vorjahre. Der Schauplatz der Verhandlung ist ein anderer geworden, die Personen des Dramas sind theilweise andere, nämlich Ankläger und Gerichtshof, vor allem aber, und das ist das Wesentlichste, der ganze Tenor der Anklage ist ein anderer. Lag gerade die Bedeutung des sensationellen Processes von Kuttenberg für uns Juden in der ungeheuerlichen Thatsache, dass der Mord von Polna als Rituahnord hingestellt wurde und zwar sowohl in verhüllter Form von dem öffentlichen Ankläger, als auch in ganz unzweideutiger Form direct vonseiten des Vertreters der Privatbetheiligten — ohne dass seitens des damaligen Präsidenten auch nur der Versuch gemacht wurde, diesen Ausschreitungen entgegenzutreten — so hat die jetzige Anklageschrift von vornherein die Motive des Mordes in anderer Richtung gesucht. Schon der Umstand, dass gleichzeitig gegen Hülsner wegen Verdachtes der Urheberschaft eines zweiten an einem Mädchen verübten Mordes die Anklage erhoben wurde, deutet darauf hin, dass seitens der Anklagebehörde an eine Art von Lustmord gedacht wird, und thatsäehlich bewegt sich diesmal

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.