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Die Welt · 1900-10-26 · 43 (26.10.1900) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
43 (26.10.1900)
Article
Wien [Nachricht]
Date
1900-10-26
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 43 „Die # Welt«« Seite 9 terisierte die herrschende Classe der Rumänen und schilderte das Verhältnis der Bauern und Juden zu ihr und gegen einander. Wie der Anatom die Gefässe des Menschen mit Meisterhand blosslegt, so analysierte der Vortragende die Motive der Bojaren bei der Verfolgung unserer Brüder. Mit Nothwendigkeit muss geschlossen werden, dass nur der Zionismus den Bedrängten Hilfe bringen kann. (Stürmischer Beifall.) Wegen vorgerückter Stunde schloss der Vorsitzende den Abend, nachdem die zur Discussion gemeldeten Herren B ernhard und Dr. Benedict die Zusage gegeben, am nächsten Abend über die Hilfsaction der Wiener zu berichten. Wien. Der Vortrags-Nachmittag, mit dem der Verein jüdischer Mädchen „H a da ssa" sein neues V ereinsjahr eröffnete, galt dem N o r d a u'schen „Doctor Kohn". Der Verein hatte die Freude, ein ungemein zahlreiches Publicum begrüssen zu können, welches der Besprechung mit grösster Aufmerksamkeit folgte und die Kraft und Schönheit des N o r d a u'schen Dramas voll auf sich wirken liess. Die Präsidentin der „Hadassa", Fräulein Gelbtuch, benützte die Eröffnung der Vereinsthätigkeit, um an die Mitglieder und Freunde einen warmen Appell zu richten, sie mögen die national-jüdischen Bestrebungen der „Hadassa" fördern und sich insbesondere an den Veianstaltungen des Vereines eifrig betheiligen. Wien. (Einzelverein „Leopoldstadt-Praterstrasse" des „Zion".) Mittwoch den 17. October fand der erste Vortrags- und Discussion sab end dieses Vereines in seinem Vereinslocale, Caf6 Orient, II., Praterstrasse 66, unter sehr zahlreicher Betheiligung statt. Schon vor Beginn der Discussionen und Vorträge war der Saal dicht gefüllt. Man gewahrte viele Gäste, die sich bisher von unserer Bewegung ferngehalten hatten. Den Abend eröffnete Herr Low, der die erschienenen Gäste auf das Herzlichste wülkommen hiess. Sodann ergriff Herr Isidor Gewitsch das Wort zu seinem Referate: „Bericht über den vierten Zionisten-Congress in London*. Redner schilderte zunächst die Begeisterung der Delegierten und der englischen Judenheit. Sodann gieng Herr Gewitsch zur Besprechung der Thätigkeit und der Wirkungen des Congresses speciell auf die englische jüdische und christliche Welt über. Auf den culturell-wirtschaftlichenProgrammpunkt des heurigen Congresses übergehend, bemerkte der Redner, der Londoner Congress habe den wichtigen Beschluss gefasst, modern-wirtschaftliche Hilfsactionen zur materiellen Hebung des jüdischen Volkes, wie Hilfs- und Vorschusscassen, Alters- und Invaliditäts-Versicherungen u. a. m. in den verschiedenen Ländern der Diaspora in Angriff zu nehmen. Zum Schlüsse seiner interessanten Ausführungen schilderte uns Herr Gewitsch u. a. noch das Leben im Judenviertel in London und das Verhältnis des vernünftigen englischen Volkes zu den dortigen- Juden. (Stürmischer Beifall.) Hierauf erstattete Herr Dr. jur. Hugo Benedikt sein Referat: „Warum sollen die Juden Westeuropas Zionisten sein?" In sachlicher Weise begründete er unter lebhafter Zustimmung der Anwesenden die Nothwendigkeit und den eminenten moralischen Weil des Zionismus für die westeuropäischen Juden. Es sprachen noch die Herren Albachary, welcher den Wiener Zionismus charakterisierte, Herr cand. jur. Lauer, welcher in einer temperamentvollen und gediegenen kurzen Rede den Zionismus als eine Emanation der jüdischen Volksseele erklärte. Nachdem noch die Herren Kohn und Cohen gesprochen, welch letzterer fruchtbare Vorschläge behufs einer erfolgreichen Agitation gab, konnte der Vorsitzende mit einem warmen Appell an die Zuhörerschaft zu später Nachtstunde den gelungenen und interessanten Discussionsabend beschliessen. ,■ E. Voranzeigen. Braila, 19. October 1900. Die zionistische Centraileitung in Galatz hat für den 28. d. M. eine Delegierten-Versammlung einberufen. Zur Tagesordnung stehen: 1. Bericht über den derzeitigen Stand des Zionismus in Rumänien. 2. Rechnungsablegung. 3. Wahl des Central-Comites. 4. Diverse Anträge. Man hofft auf eine zahlreiche Delegiertenanzahl aus allen Theilen des Landes. Hamburg. Diese Woche findet eine Veranstaltung der zionistischen Ortsgruppe statt, bei der York-Steiners „Grossvaters Erbe" zum Vortrage gelangt. 0lmtitz. Die diesjährige Makkabäer-Feier des Vereines „Zion" soll in grossem Stile arrangiert werden. Die Vorbereitungen dazu sind schon im Zuge. Wien. Die Ortsgruppe „Mariahilf-Neub au* des Verbandes „Zion" beehrt sich, ihre Mitglieder und Freunde zu der Samstag, den 27. October 1900, in Löbls Terrassensaal stattfindenden ordentlichen (III.) General -Versammlung einzuladen. Tagesordnung: 1. „Der IV. Londoner Zionisten-Congress." Referent: Herr Dr. Jac. Stössler. 2. a) Jahres- und Cassebericht. b) Neuwahlen. 3. „Was fordert die Wiener jüdische Bevölkerung vom neuen Cultusvorstand?" Beginn präcise 8 Uhr. Correspondenzen. London. (Original-Telegram m.) Bis heute 1735 Passbooks (Ratenzahlungsbüchel) ausgegeben, 31 Share-Clubs gebildet, Aussichten vorzüglich, täglich Gesuche von Provinz, Continent, Amerika, Palästina. Lennox Löwe, Secretär Share-Club. London. Samstag abends fand die Feier des 60. Geburtstages Abraham Goldfadens, des Vaters des Jargon- Theaters, in der Shoreditch Town-Hall vor einem sehr zahlreichen Publicum statt. Rev. Dr. G a s t e r würdigte die Verdienste Goldfadens, der für die erwiesenen Ehren in einer längeren Rede dankte. Giessen. Es bestehen jetzt an deutschen höheren Lehranstalten, wie z. B. Universität Giessen, technische Hochschule Darmstadt, Technika zu Mit tweida und Kothen, Bergakademie zu F r e i b u r g i. S. bereits eine Reihe studentischer Organisationen mit rein zionistischen Tendenzen. Aeusserst wünschenswert erscheint es, dass diese Einzelcorporationen sich zu einem Verbände zusammenschlössen, und dass auf diese Weise eine grössere Uniformität der Organisation und des Wirkens erzielt würde. Ein Verband würde auch eine zielbewusste weitere Propaganda weit leichter und erfolgreicher in die Hand nehmen können, dann auch wäre auf diesem Wege vielleicht die Schaffung eines Freundschaftsverhältnisses zu den zionistischen Studenten-Vereinigungen in Oesterreich möglich. Kattowitz. (Ein Nachspiel zum Konitzer Mord in Oberschlesien.) Der Privatschreiber Paul O rda aus Zawodzie, einer Vorstadt von Kattowitz. hatte vor einiger Zeit an das Landgericht in Könitz ein Schreiben gerichtet, in welchem er mittheilte, dass er zur Zeit des Mordes an dem Gymnasiasten Winter auf seiner Wanderschaft auch Könitz berührt habe. Eines Nachts habe er in einem Schuppen geschlafen, da habe er die Wahrnehmung gemacht, wie der vielgenannte Israelski mit einem Wagen vor dem Schuppen vorübergefahren sei. Auf dem Wagen habe ein Sack gelegen, den Israelski in einen benachbarten Teich hineingeworfen habe. Vom Konitzer Landgericht ergieng hierauf an das Kattowitzer Amtsgericht die Weisung, den Orda eidlich zu vernehmen, was auch erfolgte. Bei der Vernehmung behauptete er nochmals, in Könitz gewesen und an das dortige Landgericht geschrieben zu haben. Später hat es sich herausgestellt, dass Orda noch nie in seinem Leben Könitz besucht hat. Der Untersuchungsrichter in Beuthen ist nunmehr, da Orda bei seiner Behauptung stehen bleibt, ersucht worden, mit Orda nach Könitz zu reisen, damit dieser den Schuppen, in welchem er genächtigt haben will und den Teich, in den Israelski den Sack hineingeworfen hat, näher bezeichne. Zu dem Termine sollen Israelski, Kuchler und andere Zeugen hinzugezogen werden. Der Process wird voraussichtlich in der am 26. November stattfindenden Schwurgerichtsperiode in Beuthen zur Verhandlung gelangen. Die Anklage lautet auf wissentlichen Meineid. Orda befindet sich seit einiger Zeit in Untersuchungshaft. M. M. Könitz. (Die Judenexcesse in Czersk.) Vor der Strafkammer des Landgerichts in Könitz standen 11 Personen aus Czersk, angeklagt, am 22. April

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