Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 43 (26.10.1900)
- Article
- Braila [Nachricht]
- Date
- 1900-10-26
- Page
- 8 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 ,Die $s Welt" Nr. 43 |\üs dei) ^e^eif)ei>. Berichte. Braila, 14. October 1900. Heute fand in der Jüdischen Volkslesehalle eine General-Versammlung des Vereines „Bnei Zion" statt. Es sprachen: Herr Alfred Sigally über „Pflichten der jüdischen Jugend" und Herr Adolf Bernhardt über: .Zionistische Begebenheiten". Hierauf folgte eine anregende Discussion. Braila, 17. October 1900. Die „Jüdische Volkslesehalle" veranstaltete einen musikalisch-literarischen Abend, dessen glänzendes Ergebnis in agitatorischer und materieller Hinsicht die Zionisten Brailas mit grosser Befriedigung erfüllt. Die geistige Elite unserer Stadt, Männer und Frauen, darunter viele „Anti" und Indifferente hatten sich, vom reichhaltigen Programm angelockt, eingefunden. Unser Congress-Delegierter, Herr Dr. Moscowitz, hielt die Eröffnungsrede, in welcher er auf die grosse culturelle Bedeutung jüdischer Volkslesehallen hinwies. Hierauf ertönte, zum erstenmale in unserer Stadt, die weihevolle Weise des Psalmes: „Ein Hauch weht durch die Lande", von einem zionistischen Quintett, das unter der Leitung unseres Gesinnungsgenossen J. Zimbler stand, gespielt. Sodann las Herr Leopold Fischl eine selbstverfasste, launige Novelle: „Wie mich der Zionismus in das Lager der Schwiegermütter führte", die das Publicum in eine angeregte Stimmung versetzte. Ein Violinsolo des Herrn J. Chitzes fand lebhaften Beifall. Stimmungsvoll und vortrefflich gespielt war das Violinsolo des Herrn A. Löbl: „Kol-nidrei" von Max Bruch. In einer Skizze aus dem Jugendleben: „Die praktische Schule", überschüttete Herr Isaac Agent unsere Gegner mit einem Sprühregen geistreicher Apercus und treffender, satirischer Bemerkungen. Herr Simon Weintraub recitierte ein rumänisches Dramolet: „Eterna Lupta", (Der ewige Kampf), das den seelischen Schmerz des leidenden Judenthums schildert. Herr A. Bernhardt las die „Lieder eines Bekehrten*' von Heinrich Grünau, „Talmud Kessuba 110 b" von York- Steiner, die Novelle „Der Kieselstein" und einige kleinere humoristische Gedichte. In ausgezeichneter Weise brachte Herr B. Scharrer Skizzen von Mark Twain zum Vortrag und erntete hiefür reichen Beifall. Um 1 Uhr nachts schloss das Fest mit einem Violinsolo des Herrn J. Zimbler: „Balletscene" von Beriot. — Da sich dieser Abend so ausgezeichnet als Propagandamittel bewährt hat, beabsichtigen die Leiter der Lesehalle im Laufe des Winters mehrere solcher Abende zu veranstalten. Köln. In der vorigen Woche eröffnete die hiesige zionistische Ortsgruppe ihre Winterthätigkeit mit einem Referat Dr. Bodenheimers über den Londoner Congress, an das sich eine lebhafte Debatte, die namentlich auch Fragen der localen Propaganda behandelte, anschloss. Die Herren Wolffsohn und Gustav W o 1 f f ergänzten die Ausführungen des Referenten, die Herren Felix Linz und Frank nahmen zur Frage der Gründung eines zionistischen Geselligkeitsvereines und zu dem herrschenden System der Sehekeleinsammlung Stellung, Herr Dr. Klee präcisierte auf Grund der Anfrage eines New-Yorker Herrn die Stellung der zionistischen Bewegung zur jüdischen Religion. Nachdem noch die Herren Kaufmann und van Cleef ihre Wünsche dem Vorstande ausgesprochen hatten, schloss Bcdenheimer die äusserst interessante Versammlung. Olmütz. Samstag, den 20. October, veranstaltete der Verein „Zion" in Olmütz im Englisch-Saale eine Simchas- Thora-Feier. Dem ausführlichen Referate des Herrn Doctor Egon Zweig über den IV. Congress folgte ein abwechslungsreiches Unterhaltungs-Programm, um dessen gelungene Durchführung besonders die Frl. E. Steiner und M. Schwarz, sowie die Herren S. Herz, Ing. Steiner, Mor. Zweig, Fr. J e 11 i n e k und Bruno Winter sich Verdienste erwarben. Den Abschluss bildete ein animiertes Tanzkränzchen. Pressburg. 21. October. Gestern wurde hier ein Verein namens „B'ne Zion" gegründet, welcher die Förderung der Colonisation Palästinas zum Zwecke hat und ausschliesslich aus Strenggläubigen zusammengesetzt ist. Ins Actions- Comitä wurden gewählt die Herren: Rabbiner AbaHerzl, Präses : Eduard Schienger, Vicepräses; Bernat Spitzer, Schriftführer; Samuel Grünwald, Cassier; J. S. S c h 1 es ing er, Controlor. Pressburg. 22. October. Der „Ahavat Zion"-Verein hielt gestern, am 21. d. M., seine zweite ordentliche General- Versammlung ab. Der Bericht des Vorstandes lieferte ein Bild der gedeihlichen Entwicklung des Vereines. Sodann stattete der Delegierte Herr Samuel Bettelheim seinen Bericht über den Congress ab. Gewählt wurden die Herren: Prof. Max Oesterreicher, Präses; Sam. Bettelheim, I. Vicepräses; Moses Weiss, IL Vicepräses; N. D o n n eb a u m, Cassier; Samuel K r a u s z, ungarischer Schriftführer; Max H a u s e r, deutscher Schriftführer; Leopold Rausnitz, Bibliothekar. In den Ausschuss die Herren: Josef Klein, J. S. Schlesinger, Lazar Fischer, A. Sneirsohn, Th. D. Schlesinger. Sambor. Der Ausschuss des Vereines „Ahawath-Zion" veranstaltet während der Wintermonate einen Cyklus von Vorträgen über jüdische Geschichte, Zionismus und über allgemein-jüdische Themen. Eingeleitet wurde der Cyklus mit einem Vortrage unseres Gesinnungsgenossen Dr. Hermann Syrop, Delegierten am IV. Zionisten-Congresse in London, der unter grossem Beifalle über das Thema: „Dar Zionismus und der IV. 'Congress" sprach. Sonntag, den 21. October sprach cand. jur. Isidor Schwarz im Vereinssaale vor einem zahlreich erschienenen Publicum, darunter zahlreichen Damen, über: „Jüdische Grössen". An den Vortrag schloss sich eine interessante Discussion. Für nächste Zeit sind folgende Vorlesungen und Vorträge in Aussicht genommen: Cand. jur. Abraham Zeiler: „ Politischer und praktischer Zionismus", Herr Nehemias Langingen: „Das Erwachen des nationalen Bewusstseins bei den Juden", Religionslehrer Herr Josef Stockei: „Strömungen im Judenthum", cand. jur. Herr Isidor Trichter: „Die Juden im Mittelalter und heute". N. L. Wien. In die Leitung der Vereinigung jüdischer Hochschüler aus Galizien „B ar - K o c h Sa" in Wien wurden folgende Herren gewählt: Präses: jur. Fischel Waschitz, Vicepräses: techn. Heinr. Spinngarn, L Schriftführer: jur. Ch. O. Nacht, IL Schriftführer: med. Joachim G r ü b e 1, Cassier: techn. A bramowicz, Ersatzmann : Lebensart. Wien. Das Ergebnis der Chargenwahl der Verbindung österreichisch-schlesischer Hochschüler „Ivria" ist: stud. phil. Isidor KitzX, stud. ing. Arnold Re d 1 ich XX» stud. med. Siegfried F r a n k 1 XXX- Wien. Die Chargenwahlen in der akademischen Verbindung „K a d i m a h" ergaben für das XXXVI. Semester folgendes Resultat: med. Oscar Löwenstamm X, jur. Israel L i 11 m a n n XX, techn. Isak Roth XXX- Wien. Die Chargenwahlen der Verbindung „Libanon i a" für das Wintersemester ergaben folgendes Resultat: techn. Richard Silberberger X» cand. jur. Julius Beer XX, techn. Wilhelm Feiertag XXX- Wien. Die am 17. d. M. stattgefundene Chargenwahl in der jüd.-akad. Verbindung „Makkabäa' ergab folgendes Resultalt: cand. ing. Moses Liquornik X, cand. ing. Alfred Hochstimm XX, stud. mech. Isidor Fischgrund XXX- Wien. Die jüd.-akad. Verbindung „Unitas" zeigt allen ihren Freunden und Commilitonen an, dass sie ihr Vereinslocal vom 1. October 1900 im VM. Bezirke, Josefstädterstrasse i4, bezogen hat und ladet sie zum Besuche desselben herzlichst ein. Gleichzeitig theilt sie das Ergebnis der Neuwahlen für das Wintersemester 1900—1901 mit: techn. Julius Fürst X, jur. Carl Auerbach XX, jur. Arthur Winter XXX- Wien. Am 18. October fand ein Vereins abend des Einzelvereines Fünfhaus des „Zion" in Herlingers Restauration, XIV., Schwendergasse Nr. 1 statt. Der Einzelverein hatte ihn in Gemeinschaft mit dem Verein zionistischer Mädchen und Frauen von Fünf haus arrangiert. Darum begrüsste sowohl der Vorsitzende des Männervereines als Frau Dr. Rosenstadt für die Damen das sehr zahlreich erschienene Publicum, Als erster berichtete Herr Dr. Kahn ausführlichst über den vierten Londoner Congress. Sehr richtig legte er das Hauptgewicht auf die Erklärung, warum London als Ort des diesjährigen Congresses gewählt wurde. Man schuf dadurch die Tribüne, von der aus der Ruf der Zionisten in die ganze Welt dringt. Dies beweist schon die Stellungnahme der jetzigen Parlamentscandidaten zum Zionismus. Von der Arbeit beim Congresse hob der Vortragende besonders die Debatten bezüglich der Culturfrage und der Colonialbank hervor. Er bedauerte die Ergebnislosigkeit der Debatte über die Cultur, sah aber in Mandelstamms ausgezeichnetem Referat über die physische Hebung unseres Volkes den Ausgleich dafür. Für die Bank trat Dr. Kahn in beredten Worten ein und warb für sie. Wie immer lohnte reicher Beifall den Redner. Primarius Dr. Kornfeld gab ein mit grossem Fleiss und grösster Sachkenntnis zusammengestelltes Expose über die rumänische Judennoth. Er charak-