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Die Welt · 1900-10-19 · 42 (19.10.1900) · p. 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
42 (19.10.1900)
Article
Aus der öffentlichen Plenarversammlung des Wiener Cultusvorstandes
Date
1900-10-19
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 „Die x£ Welt" Nr. « gehend, lässt der Präsident zunächst aus einem Berichte des Secretärs Dr. Lieben constatieren, dass die Neuerungen principieller Natur folgende sind : 1. Die Vermehrung der Anzahl der Cultusvorstandsmitglieder von 24 auf 36. sohin um 12 Mitglieder: (§ 5 Statut: 24 Mitglieder sind von der Gesammtheit der Wahlberechtigten und 12 von den Höherbesteuerten,, das ist von jenen Wahlberechtigten zu wählen, welche eine Cultussteuer von 200 Kronen oder mehr entrichten.) 2. Die Schaffung von Bezirkscommissionen. (§ 36 Statut: Aus den Vertrauensmännern werden Bezirkscommissionen gebildet. Dieselben haben auf Grund einer vom Cultusvorstände zu erlassenden Geschäftsordnung Angelegenheiten ihres Wahlbezirkes zu berathen und diesfalls Anträge an den Cultusvorstand zu stellen. Auch haben sie über ihre Wahrnehmungen mindestens dreimal im Jahre an den Cultusvorstand Bericht zu erstatten.) Den Bezirkscommissionen können Angelegenheiten der im Wahlbezirke gelegenen Gemeindebethäuser, sowie das Armen-, Schul- und Leichenwesen des betreffenden Wahlbezirkes auf Grund und nach Massgabe der Beschlüsse des Cultusvorstandes zugewiesen werden. 3. Die Einführung der facultativen 10 Kronen-Steue1' und das Wahlrecht der Contribuenten dieser Kategorie. (§ 103 Statut: Angehörige der Cultusgemeinde, welche zur Zahlung einer Cultussteuer nach den im Cultussteuer- Regulative enthaltenen Ansätzen nicht herangezogen werden, sind berechtigt, zu den Gemeindebedürfnissen eine jährliche Cultussteuer von 10 Kronen zu leisten.) 4. Die Vertrauensmänner für die Bemessung der Cultussteuer, welche nach dem alten Statute vom Vorstande berufen sind, werden nunmehr zur Hälfte gewählt und zur Hälfte berufen, und zwar erstere nach Bezirken. In Betreff der vor Ablauf dieses Jahres statutengemäss vorzunehmenden Neu- und Ersatzwahlen in den Cultusvorstand gibt der Vorsitzende bekannt, dass von den bei den Neuwahlen des Jahres 1806 in den Cultusvorstand gewählten, im Jahre 1S9S nicht ausgelosten Vorstandsmitgliedern in diesem Jahre 8 Herren aus den nachbenannten 14 Herren auszulosen sein werden: Dr. Alfred Berger, Salo Cohn. Max Fleischer. Emanuel Hoffmnnn, kaiserlicher Rath Heinrich Klinger, Landesschulrath Dr. Gustav K o h u. kaiserlicher Rath Wilhelm Pollak, Salomon R o s n e r, Regierungsrath Dr, Heinrich S t e g e r, Dr. Adolf Stein. Dr. Maximilian Steiner, Dr. Alfred S t e r n, Gottlieb T a u s s i g, kaiserlicher Rath Vogel. Hiezu bemerkt der Präsident ergänzend, dass die Mandate der vor zwei Jahren auf vier Jahr gewählten Herren Ober-Finanzrath Dr. Rappaport und Director Simon noch zwei Jahre dauern; dieselben werden nach Ablauf des Bienniums mit den G Herren von jenen 14, die heute nicht ausgelost werden sollten, zum Austritt gelangen. Die diesjährigen, und zwar laut Wahlordnung mindestens vier Wochen vor Ablauf der Wahlperiode vorzunehmenden Wahlen, fährt der Präsident fort, werden also umfassen: S Neuwahlen für die heute auszulosenden Herren mit einer sechsjährigen Mandatsdauer: 1 Ersatzwahl an Stelle des Herrn Julius Reitlinger mit einer vierjährigen Mandatsdauer: ferner die Wahl der Vertrauensmänner aus den Bezirken; endlich 12 Neuwahlen durch die Gruppe der Höherbesteuerten mit dem Austritte je eines Drittels nach je zwei Jahren. Es sind also in diesem Jahre 21 Cultusvorsteher zu wählen. Was nun die Vorbereitung zu den Wahlen selbst und die Bestimmung des Zeitpunktes derselben anbelangt, so gibt der Präsident unter Hinweis auf § 9 der Wahlordnung, wonach mit der Leitung der gesammten Wahlhandlung der Präsident der Cultusgemeinde betraut ist, folgendes bekannt: Die Wählerlisten werden vom 14. October 1. J. an in der Gemeindekanzlei zur Einsichtnahme der Wahlberechtigten aufliegen. Hievon wird die Verlautbarung in der kaiserlichen „Wiener Zeitung" rechtzeitig erfolgen. Die Wahltermine werden, vorbehaltlich etwaiger durch Umstände bedingter Abänderungen, folgenüermassen festgesetzt: Die Wahlen durch die Gesammtheit der Wähler werden für Sonntag, den 25. November, eine eventuell engere Wahl wird für Sonntag, den 2. December 1. J. anberaumt. Die Wahlen durch die Gruppe der Höchstbesteuerten werden Dienstag, den 4. December, eine eventuelle engere Wahl wird Donnerstag, den 6. December 1. J. stattfinden. Diese Mittheilungen werden von der Versammlung zur Kenntnis genommen. In die Tagesordnung eingehend, betraut der Präsident die Herren Ober-Ingenieur v. Mises und Ober-Finanzrath Dr. Rappaport mit dem Amte der Auslosung. Es werden von denselben folgende 8 Herren von den angeführten 14 Herren in nachstehender Reihenfolge ausgelost: Kaiserlicher Rath Friedrich Vogel, Emanuel Hoffmann, Landesschulrath Dr. Gustav K o h n , kaiserlicher Rath Wilhelm Pollak, Dr. Alfred B e r g e r, I. Vicepräsident Dr. Alfred Stern, Präsident kaiserlicher Rath K1 i n g e r und Dr. Maximilian Steiner. Tribüne.** Verehr liehe Redaction der „ W e 11" '. Angeregt durch einen Artikel im diesjährigen „Jüdischen Volkskalender- (herausgegeben von der zionistischen Vereinigung für Deutschland), betitelt: „Alfred Nössige, bitte ich die sehr geehrte Redaction, den Traum des Künstlers, die Statue des „Ewigen Juden" vor der Nationalbibliothek in Jerusalem aufstellen zu können, dadurch verwirklichen helfen zu wollen, dass die sehr geehrte Redaction eine Spenden-Rubrik für diesen Zweck einführt. Ich erlaube mir, die Subscription mit 20 Mark zu eröffnen und weiss bestimmt, dass viele mir nachfolgen werden. Gustav Schwabe. Varel i. O. |\tis dci) \)eFeii>et). Berichte. Brünn. Mit einem Vortrage des Herrn Berthold Feiwel eröffnete am 13. d. M. der Einzel-Verein „Z i o n" den Cyclus von Vorträgen, die von jetzt ab alle 14 Tage stattfinden sollen. Braila. Am 16. October fand hier ein musikalischliterarischer Abend statt, der von der „Jüdischen Volkslesehalle" veranstaltet wurde. Bialystöck. (Russland.) Am 10 October veranstalteten die jungen Zionisten einen Festabend, der ungemein grossen Erfolg hatte. In der Adas-Jeschurün-Synagoge sprach Redacteur Leo Pap er in aus Paris, der in einer formvollendeten russischen Rede die Anwesenden (gegen 400) über die Fortschritte des Zionismus unterrichtete und mit dem warmen Appell schloss, die Colonialbank zu fördern, rückständige Zahlungen zu leisten und neue Shares anzukaufen. Abends fand ein Bankett statt, bei dem in russischer und hebräischer Sprache und im Jargon Reden gehalten wurden. F. S. Czernowitz. Die akad. Verbindung „H a s m o n a e a", die bereits in ihr XLX. Semester tritt, hat folgende Chargen gewählt: Erstchargierter : stud. jur. K offler, Zweitchargierter: stud. jur. Stroh. Drittchargierter: stud. jur. Sommer. Czernowitz. Der akademische Leseverein „Humanitas" theilt mit: In der am 1. October stattgefundenen Pleuar- Versammlung des akademischen Lesevereines „Humanitas" wurden in den Ausschuss gewählt die Herren: stud. jur. Abraham Fischer zum Präses; stud. jur. Abraham Sommer zum Vicepräses; stud. jur. Ph. Fleischer zum Schriftführer", ferner stud. jur. F. Sobel, stud. phil. J. Kohan und stud. phil. M. Singer. Der Verein, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, dem Bildungsbedürfnisse der jüdischen Hochschüler entgegenzukommen und zum geistigen Mittelpunkte der jüdischen Akademiker in Czernowitz zu werden, wendet sich bei dieser Gelegenheit an alle jüdischen Schriftsteller und Förderer jüdischnationaler Bestrebungen mit der Bitte, ihm durch Ueb.-rlassung ihrer Werke, resp. Zuweisung von B ü c h er s p e n d e n eine reichere Ausgestaltung der bereits 300 Bände zählenden Vereins-Bibliothek zu ermöglichen. Drohobycz. Zum Zwecke der Förderung des Zionismus fand auf Veranlassung des hiesigen Zion - Vereines am 10. d. M., unter Leitung der Herren A. H. Zupnik und Leon Spandorf im Stadtsaale eine Volksversammlung statt, bei der die Herren Dr. Adolf Stand aus Lemberg und Leon Reich, stud.jur. aus Drohobycz, referierten. Der geräumige Saal war dicht gefüllt, und die Redner fanden überaus grossen Beifall. Keiner der Socialdemokraten, die dort zu Hunderten vertreten waren und die es sonst lieben, zionistische Versammlungen zu sprengen, konnte diesmal ernstlich opponieren. Die Redner hatten es eben verstanden, alle Anwesenden von der Notwendigkeit des Zionismus zu überzeugen. Es versuchten wohl am Schlüsse zwei socialdemokratische Parteiführer von der Tagesordnung abzuweichen, sie wurden aber durch energische Antworten des *) Für Form und Inhalt der in dieser Rubrik veröffentlichten Einsendungen ist die Redaction nicht verantwortlich.

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