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Die Welt · 1900-10-19 · 42 (19.10.1900) · p. 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
42 (19.10.1900)
Article
Bauer und Jude
Date
1900-10-19
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 „Die & Welt0 Nr. 42 Galizien. „Drei Männer und zwei Juden sprechen draussen." „Hie Mensch — hie Jude." Deutlicher kann die Minderwertigkeit des Juden nicht markiert werden. Die moralische Degeneration des jüdischen Dorfbewohners hält mit der physischen des städtischen -Juden gleichen Schritt. Dort geistiger Verfall, aber für kurze Zeit wenigstens noch geringeres materielles Elend, hier das umgekehrte Verhältnis. Nur die nach einer jeden Katastrophe ausgesprochen Worte: „Wir sind ja im Goluth," deuten darauf hin, dass diese Juden vom Lande doch eine Ahnung ihrer Menschenwürde haben. Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Limited. Bekanntmachung. Im Auftrage des Directoriums werden hiermit alle Actionäre, welche ihre Raten laut der Zutheilungsbriefe, respective provisorischen Certificate am 28. August d. J. hätten bezahlen müssen, aufgefordert, Ihre Ratenzahlungen zuzüglich Zinsen bis längstens I. November a. c. bei den bekannten Zahlstellen der Gesellschaft zu leisten, widrigenfalls das Directorium sich vorbehält, seine statutenmässigen Rechte bezüglich der bereits gezahlten Raten, sowie der noch ausstehenden Beträge sofort geltend zu machen. Das Directorium ergreift die Gelegenheit, alle anderen Actionäre, deren Zahlungstermine aus diversen Gründen nicht mit dem obigen Datum zusammenfallen, ernstlich aufzufordern, auch ihre Zahlungstermine aufs Pünktlichste einhalten zu wollen, damit die bekannten Zwecke der Bank mit möglichster Beschleunigung zur Ausführung gelangen können. Die Herren Agenten und Vertrauensmänner der Bank werden hiermit im Interesse der prompten Ausfertigung und Absendung der Certificate für die Actionäre ihres Rayons auf das Nachdrücklichste ersucht, mit peinlichster Genauigkeit die von London ausgesandten Analysen-Listen auszufüllen und möglichst wöchentlich nach London zu retournieren, und weder mehr, noch weniger Information als die gewünschte auf demselben Blatte zu geben. Informationen, welche nicht auf der Analysen-Liste verlangt werden und welche man dennoch mitzutheilen wünscht, müssen auf ein besonderes Blatt geschrieben werden. 49, Leadenhall Street, London E. C, den 20. September 19U0. James H. L o e w e, General-Secretär. Weltchronik. Das Project zur Gründung eines Judenstaates aus dem Jahre 1825. Im neunten Hefte der Moskauer Monatsschrift „Moskowskij Telegraph" für das Jahr 1825 befindet sich ein Project zur Gründung eines Judenstaates, das einen amerikanischen Juden, namens Morduchai Noy, zum Verfasser hatte. Morduchai Noy hatte auf der Insel Grand-Island im Staate New-York am Niagaraflusse grosse Landstriche angekauft, und den Plan entworfen, hier einen Judenstaat zu gründen. Zu diesem Zwecke richtete N o y an die Juden in Russland einen Aufruf, in welchem die Juden aufgefordert werden, zu ihm zu kommen, um im Staate New-York einen jüdischen Staat zu gründen, wo sie die Demüthigungen des „Golus" vergessen und ein öffentlich-sicheres Leben führen könnten. Leider hatte der Aufruf des Morduchai Noy bei den russischen Juden von dazumal kein Gehör gefunden. Mangel an Organisation einerseits und Misstrauen zu dem Projecte des Morduchai Noy andererseits, haben die Juden in Russland abgehalten, dem Aufrufe N o y s Folge zu geben, und so blieb das Unternehmen dieses merkwürdigen Juden unausgeführt. Jüdische Officiere in der französischen Armee. Die Pariser Zeitung „Le Radical" theilt in ihrer Nummer vom 15. d. M. folgende Geschichte mit: „Capitän Coblentz. ein Offizier, der die Kriegsschule von Saumur mit Auszeichnung absolviert hat und zuletzt Instructions-Officier an der Equitation in La fere war, wurde an die Militärschule von Fontainebleau versetzt. Seit seiner Ankunft auf dem neuen Posten ist der Officier von seinen Cameraden, wie der Fachausdruck lautet, „in Quarantaine gesetzt worden", d. h. gesellschaftlich boycottiert und zwar nur deshalb, weil er Jude ist Aber die Herren Officiere von Fontainebleau begnügten sich nicht damit, sondern hatten die Kühnheit, den Major D u v a 1 de Graville ins Kriegsministerium zu entsenden, damit er dort ihren „heiligen Gefühlen der Entrüstung gegenüber der ihnen zutheil gewordenen Schmach der Zutheilung eines Juden" Ausdruck verleihe. Der Major hatte wahrscheinlich vergessen, dass inzwischen der General Andre im Kriegsministerium eingezogen ist, der mit sich nicht spassen lässt. Major Duval bekam 14 Tage Arrest und wurde zu seinem Regimente in die Provinz verschickt. Allein diese Strenge scheint die antisemitischen Officiere von Fontainebleau noch nicht abgeschreckt zu haben, denn sie setzen ihr Verhalten gegenüber ihrem jüdischen Cameraden fort, so dass Kriegsminister General Andre weitere sechs Officiere des Lehrkörpers der Schule von Fontainebleau ihrer Stellung enthob. Die letzte Phase der kleinen Rebellion in Fontainebleau bildet die Enthebung des General-Commandanten dieser Schule und seine Versetzung in Disponibilität." So weit der „Radical". Man kann aus diesem Beispiel ersehen, welch angenehme Position die jüdischen Officiere in der französischen Armee einnehmen. Die Juden im türkischen Staatsdienste. Der Constantinopeler Correspondent des „Woschod" theilt über die Juden in der Türkei folgendes mit: Die Juden werden jetzt in der Türkei in den Staatsdienst sehr gerne aufgenommen, und viele von ihnen bekleiden hohe Posten. Sultan Abdul Hamid sprach sich sogar neulich in einem Gespräch, mit dem Chacham B a s c h i über diesen Punkt sehr wohlwollend aus. „Sagen Sie Ihren Glaubensgenossen," so äusserte sich der Sultan, „dass ich mit ihnen sehr zufrieden bin, und dass es mich sehr freuen wird, wenn sie sich mehr als früher dem türkischen Staatsdienste widmen werden." Ein neues Buch von Theodor Herzl. Im Verlage der G ebrüderPaetel in Berlin ist soeben ein neues Buch von Theodor Herzl, betitelt „Philosophische Erzähl u n g e n", erschienen. Ein unschuldig Verurtheilter. In Wilna erregt gegenwärtig, wie die „Russkoje Slowo" meldet, eine Thatsache Sensation, welche vor zwei Jahren den Gegenstand einer ebenfalls sensationellen Gerichtsverhandlung bildete. Der Wilnaer Hausbesitzer Berl Barg wurde 1S9S unter der Beschuldigung, sein Haus ins Brand gesteckt zu haben, um die Versicherungssumme zu erhalten, zur Deportation in die Bergwerke von Sachalin verurtheilt. Die Verurtheilung erfolgte auf die Anzeige eines christlichen Nachbars des Juden Barg hin. Beweise aber wurden keine erbracht. „Der Jude hat es gewiss gethan", — damit begründeten die Geschwornen ihren Schuldspruch, und Berl Barg musste unter fortwährenden Betheuerungen seiner Unschuld nach Sachalin wandern. Der älteste Sohn des Verurtheilten, von der Unschuld seines Vaters überzeugt, Hess die Sache nicht auf sich beruhen und sammelte Indicien für die Unschuld B a r g s. Zwei volle Jahre währten seine Bemühungen, endlich gelang es ihm, untrügliche Beweise dafür zu erhalten, dass der christliche Anzeiger seines Vaters selbst der Brandstifter war... Der junge Barg sendete diese Beweise an den russischen JustizministerMurawiew, der nach Einsichtnahme in die Acten die Unschuld B a r g s erkannte und dessen sofortige Rückbeförderung nach Wilna anordnete. Dieser Tage ist Bar g, an Leib und Seele gebrochen, aus Sachalin heimgekehrt, der christliche Denunciant 'aber hat inzwischen die Flucht ergriffen und wird gegenwärtig von den russischen Behörden recherchiert. Lassalle über die Judenfrage. Wir erhalten von Herrn Hugo Schachtel folgende Zuschiift: „Gestatten Sie mir, Ihre Notiz in der letzten Nummer der „Welt", betreffend Lassalle, zu ergänzen. Ich sehe dabei ab von den Stellen, die Bernstein angibt, die Sie aber fortlassen, und citiere Weiteres nach dem von Lindau herausgegebenen Jugend-Tagebuche Las salles (Verlag Schottlaender, Breslau). Auf die Worte : „Du verdienst kein besseres Los" folgt noch: _ „21. Mai 1840. Der getretene Wurm krümmt sich, Du aber bückst Dich nur tiefer! Du weisst nicht zu sterben, zu vernichten, Du weisst nicht, was gerechte Rache heisst, Du weisst

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