Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 41 (12.10.1900)
- Article
- Liverpool [Nachricht]
- Date
- 1900-10-12
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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Seite 10 „Die & Welt" Nr. 41 gegenwärtig bereits 240 Mitglieder zählt Seine Hauptthätigkeit wendet der Verein an die Sammlung von Schekelgeldern, die Verbreitung von Shares der Colonialbank und die Errichtung jüdischer Bibliotheken. Präsidentin ist Mrs. Z acharias. Jaffa. (InAngelegenheitdes„BethHasepher") liegt uns eine hebiäische Zuschrift von einem Jaffaer Schulmanne vor, die beachtenswerte Vorschläge enthält. Im Nachfolgenden reproducieren wir das Wesentlichste von diesen Vorschlägen. Unser Correspondent warnt davor, die Schule wieder zu eröffnen, wenn die alten Uebelstände nicht vorerst gründlich beseitigt werden. Zunächst müsse mit dem System der „Alliance" gebrochen werden, welches darin besteht, dass in eine und dieselbe Classe Schüler von den verschiedensten Altersstufen und von ganz ungleicher Vorbildung aufgenommen werden. Sodann müssten die Kinder, namentlich die spaniolischen, von denen die meisten keinerlei häusliche Erziehung geniessen und schon in frühester Jugend in sittlicher Beziehung bedenklich depraviert sind, auch ausserhalb der Schule sehr strenge überwacht und die absolut Unverbesserlichen bedingungslos relegiert werden. Was die Lehrer betrifft, so müssten sie gehörig besoldet werden, damit sie sich ganz den Interessen der Schule widmen können, während sie bei der gegenwärtigen, ganz unzureichenden Dotierung nothwendig zeitraubende Nebenbeschäftigungen suchen müssen. — Ferner führt unser Correspondent Klage über die von der „Alliance" angestellte Leiterin der Mädchenschule, die ihre Pflichten vernachlässigt und die Mädchen in unjüdischem Geiste ei-zogen haben soll. — Ueberhaupt erblickt unser Gewährsmann das Grundübel darin, dass zwei Körperschaften von ganz divergierenden Tendenzen, die assimilatorische „Alliance" und die russischen Zionsfreunde. sich bisher in die Leitung und Beaufsichtigung der Schule getheilt haben. Aus einer so unnatürlichen Gemeinschaft könne nichts Erspriessliches erwachsen. Die Schule müsse unter eine zielbewusste, nationale Leitung kommen. Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Limited. Bekanntmachung. Im Auftrage des Directoriums werden" hiermit alle Actionäre, welche ihre Raten laut der Zuthcilungsbriefe, respective provisorischen Certificate am 28. August d. J. hätten bezahlen müssen, aufgefordert, Ihre Ratenzahlungen zuzüglich Zinsen bis längstens I. November a. c. bei den bekannten Zahlstellen der Gesellschaft zu leisten, widrigenfalls das Directorium sich vorbehält, seine statutenmässigen Rechte bezüglich der bereits gezahlten Raten, sowie der noch ausstehenden Beträge sofort geltend zu machen. Das Directorium ergreift die Gelegenheit, alle anderen Actionäre, deren Zahlungstermine aus diversen Gründen nicht mit dem obigen Datum zusammenfallen, ernstlich aufzufordern, auch ihre Zahlungstermine aufs Pünktlichste einhalten zu wollen, damit die bekannten Zwecke der Bank mit möglichster Beschleunigung zur Ausführung gelangen können. Die Herren Agenten und Vertrauensmänner der Bank werden hiermit im Interesse der prompten Ausfertigung und Absendung der Certificate für die Actionäre ihres Rayons auf das Nachdrücklichste ersucht, mit peinlichster Genauigkeit die von London ausgesandten Analysen-Listen auszufüllen und möglichst wöchentlich nach London zu retournieren, und weder mehr, noch weniger Information als die gewünschte auf demselben Blatte zu geben. Informationen, welche nicht auf der Analysen-Liste verlangt werden und welche man dennoch mitzutheiien wünscht, müssen auf ein besonderes Blatt geschrieben werden. 49, Leadonhall Street, London E. C, den 20. September 19U0. James H. Loewe, General-Socrelär. Uüdiscbe W^ssei>scbaW JfiteFahjF. Die Bibel im Lichte eines ägyptischen Archivs aus dem XIV. Jahrhundert v. Chr. Von Dr. M. Schon*. Die Entzifferung der Inschriften, die auf dem weiten Räume Vorderasiens: Assyriens, Babyloniens, Arabiens, Palästinas, und namentlich auf dem Boden Aegyptens entdeckt wurden, bildet eine der schönsten Errungenschaften des menschlichen Intellects. Die Namen: Champollion, Grote fend, Burnonf, Lassen. Rawlinson, Lepsius, Smith, Oppert, die der Entzifferung der Hieroglyphen, der assyrischen und persischen Keilschrift ihre Lebenskraft gewidmet haben, weiden unter den Grössten des XIX. Jahrhunderts genannt werden. Die Entdeckungen dauern immer fort. Von Zeit zu Zeit werden wir durch neue Funde überrascht, die unseren geschichtlichen Horizont immer mehr erweitern, oft uns einen ganz ungeahnten Blick in die Verhältnisse des alten Orients gewähren, und die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass diese üeberraschungen noch lange nicht zu Ende sind. Im Nachfolgenden soll über einen dieser Funde, der jüngsten und zugleich der wichtigsten einen berichtet werden, der besonders die biblische Geschichte und Archäologie in eine ganz unerwartete Beleuchtung gerückt, namentlich für die Kenntnis der damaligen Culturverhältnisse Palästinas sich von ausserordentlicher Tragweite erwiesen hat. Der allgemeine Inhalt dieser Inschriften soll daher nur in knappen Umrissen skizziert wei den, umso ausführlicher aber wollen wir sie in ihrer Beziehung zur Bibel In den Ruinen von Tell-el-Amarna, einer Stadt im südlichen Aegypten, stiessen im Jahre 1SS7 einige Bauern, die nach Mergel gruben, auf mehrere alte Holzkisten, die mit Hunderten von Thontafeln verschiedener Grösse — fast alle mit assyrisch-babylonischer Keilschrift beschrieben — angefüllt waren. Durch das rechtzeitige Eingreifen der dortigen Behörde gelang es, den Fund in Sicherheit zu bringen. Ein grosser Theil der Tafeln wurde ins British Museum überführt, gegen 200 wurden vom königlichen Museum in Berlin erworben, und nur ein geringer Theil blieb im privaten Besitz. Kaum drei Jahre nach der Entdeckung erschien bereits eine Ausgabe der Berliner und Londoner Originaltexte, und im Jahre 1896 veröffentlichte Herr Winckler im V. Bande der „Keilin schriftlichen Bibliothek* die genaue Transcription und wortgetreue Uebersetzung derselben, wodurch erst die Verwertung dieses kostbaren Materials auch denjenigen ermöglicht wurde, welche mit der Keilschrift nicht vertraut sind. Kaum vier Jahre sind seit dieser Ausgabe verstrichen, und schon hat die wissenschaftliche Bearbeitung der Tell- Amarna-Inschriften nach verschiedenen Seiten hin eine ganze Literatur aufzuweisen. Sowohl in politisch-historischer, cultureller, geographischer wie nicht minder in philologischer Beziehung, boten sie reichliches Material für die