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Die Welt · 1900-10-12 · 41 (12.10.1900) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
41 (12.10.1900)
Article
Die Wiedereröffnung des "Beth Hasepher" in Jaffa
Date
1900-10-12
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 „Die 2» Weit- Nr. 41 Odessaer Centralcomite ermächtigt worden sei. sich mit den Leitern der Pariser „Alliance" in Betreff der Reorganisation des „Beth Hasepher" ins Einvernehmen zu setzen. Die Ergebnisse dieser Unterhandlungen, die in Paris gepflogen wurden, bestehen nun in folgenden Vereinbarungen: Für die Ausgaben der beiden Schulen (Knaben- und Mädchenschule) wurde eine jährliche Summe von 21 .(XX) Frcs. präliminiert. Zur Deckung dieser Ausgaben sind vorhanden: 1. Der Unterstützungsbeitrag der „Alliance" in der Höhe von 5000 Francs jährlich: 2. 1000 Francs jährlich von dem Odessaer Comite : 3. 4000 Francs jährlich von R. Wissotzky und Familie; k an Schulgeldern jährlich circa 3000Francs; 5. 2000 Francs jährlich vom zionistischen Actions-Comite; (i. an lautenden Privatspenden circa 3000 Francs. Summe 21.000 Francs. Sollten die laufenden Spenden die präliniinierte Höhe nicht erreichen, so wird die „Alliance'* in Gemeinschaft mit dem Odessaer Comite das Fehlende ersetzen. Die oberste Leitung der Schulen ruht in den Händen des Central-Comites der „Alliance" in Paris, welches das Recht hat, Lehrer anzustellen und zu entlassen. Der Lehrplan, der in den anderen Alliance-Schulen eingeführt ist, wird auch im „Beth Hasepher" Geltung haben, mit dem einzigen Unterschiede, dass die hebräische Sprache und die jüdische Geschichte und Literatur die erste Stelle im Lehrplan einm^imen werden. In den unteren Classen sollen alle Unterrichtsgegenstände hebräisch vorgetragen, das Französische allenfalls als fremde Sprache gelehrt werden. In den oberen Classen soll die hebräische Sprache mindestens drei Stunden täglich gelehrt werden, während die allgemeinen Unterrichtsfächer theils in hebräischer und theils in französischer Sprache vorgetragen werden sollen, — falls nämlich das Hebräische als ausschliessliche Unterrichtssprache sich nicht bewähren sollte. Die Einzelheiten des Unterrichtsplans sollen an Ort und Stelle von den beiderseitigen Vertretern geregelt werden. Die Bevollmächtigten der „Chowewei Zion" haben das Recht, die Schulen zu inspicieren und über ihre Wahrnehmungen Bericht zu erstatten. Da aber die „Alliance" die Pflicht übernommen hat, die Durchführung des Lehrplanes, wie er von beiden Seiten festgesetzt wurde, zu überwachen, so wird sie die Vorschläge der „Chowewei Zion" jederzeit berücksichtigen; hingegen haben die Vertreter der letzteren nicht das Recht, sich selbständig, ohne Ermächtigung von Seiten der .Alliance", in die Leitung der Schulen zu mengen. Sollten die „Chowewei Zion" die Mittel zur Erhaltung der Schule zum grössten Theile aus Eigenem bestreiten, so wird der Secretär der „Alliance", Herr Bigart, nach seiner Versicherung, sich bei deren Pariser Central-Comite dafür einsetzen, dass die „Alliance" den Schulen auch weiterhin eine ansehnliche Subvention zuwende, ohne sich auf deren Leitung und auf die Festsetzung des Lehrplans irgendwelchen Einüuss auszubedingen. (Vergl. unsere Jaffaer Correspondenz. — A n m. der R e d a c t i o n.) Eine Ritualmord-Beschuldigung gegen christliche Mönche. Gegen die Beduinen am Sinai mussten kürzlich, ebenso wie gegen die Aufrührer in Könitz, Truppen geschickt werden, weil sie gegen die Mönche des Klosters am Berge Sinai eine Blutbeschuldigung erhoben und versucht hatten, dieses katholische Heiligthum anzugreifen. Man berichtet darüber der französischen Zeitschrift „Le Catholique" Folgendes : „Zuleika, die 10jährige Tochter des frommen und reichen Achmed, war so schön, dass Reisende aus Alexandrien dem glücklichen Vater gerathen haben, sie dem Khedive vorzuführen, welcher sie gewiss unter die Zahl seiner Frauen aufnehmen werde. Alle Vorbereitungen wurden getroffen, und am folgenden Tage sollte die Abreise nach Aegypten erfolgen, als Zuleika des Abends auf Nimmerwiedersehen verschwand. Der fromme Achmed, der ebenso schlau wie gottesfürchtig war, schlug jedoch keinen Lärm. In dem Glauben, seine Tochter wäre von Räubern entführt worden, um in den Harem eines reichen Paschas verkauft zu werden, schulterte er sein Gewehr und schlich am Fusse des Sinai, wo Zuleika zum letztenmale gesehen wurde, allnächtlich wie ein Luchs umher. Da passierte Ende April ein zweites unerklärliches Ereignis: Achmed wurde in der Nähe des christlichen Friedhofes des Sinai-Klosters init mehreren Stichwunden im Rücken todt aufgefunden. Das neue Ereignis lenkte den Verdacht der Beduinen sofort auf eine neue Spui. Die Mörder waren niemand anders, als — die Mönche des Sinai-Klosters. Fielen doch die beiden aufregenden Mordthaten gerade um Ostern herum, wo doch bekanntlich die Giaurs zu religiösen Zwecken Menschenblut dringend brauchen. Die Aufregung unter den Beduinen steigerte sich, und eines Tages — es war inzwischen Mitte Juni geworden — drangen sie gewaltsam in den Friedhof, erbrachen ein frisches Grab und förderten aus demselben den frisch erhaltenen Körper der — schönen Zuleika zutage. Wie und von wem die Leiche des Mädchens auf dem Kirchhofe des Sinai-Klosters beerdigt wurde, und wieso es kam, dass dieselbe noch frisch erhalten war, wird wohl niemals aufgeklärt werden, aber die Beduinen behaupten und schworen mehrere Eide, dass der Körper deutliche Spuren einer vorgenommenen Blutabzapfung aufwies. Die Blutrache wurde proclamiert und die unschuldigen und unglücklichen Mönche am Sinai mussten zwei Wochen laug die festen Mauern ihres Klosters Tag und Nacht mit den Waffen in der Hand gegen die wüthend stürmenden Beduinen vertheidigen. Erst Mitte Juli befreiten sie Truppen aus Aegypten aus ihrer gefährlichen Lage." Lassalle über die Judenfrage. Ferdinand Lassalle, der Begründer der modernen socialdemokratischen Partei, bekanntlich ein Breslauer Jude, äussert sich in seinen Tagebüchern über die Judenfrage wie folgt: „ . .. Ich glaube, ich bin einer der besten Juden, die es gibt, ohne auf das Ceremonialgesetz zu achten. Ich könnte, wie jener Jude in Bulwers „Leila", mein Leben wagen, die Juden aus ihrer jetzigen drückenden Lage zu reissen. Ich würde selbst das Scbaffot nicht scheuen, könnte ich sie wieder zu einem geachteten Volke machen. O, wenn ich meinen kindlichen Träumen nachhänge, so ist es immer meine Lieblingsidee, an der Spitze der Juden mit den Waffen in der Hand sie selbständig zu machen." Die Misshandlungen der Juden in Damaskus im Mai 1S40, von denen ein Berichterstatter sagte: „Die Juden dieser Stadt erdulden Grausamkeiten, wie sie nur von diesen Parias der Erde ohne furchtbare Reaction ertragen werden können" — entlocken ihm den Ausruf: „Also sogar die Christen wundern sich über unser träges Blut, dass wir uns nicht erheben, nicht lieber auf dem Schlachtfelde, als unter der Tortur sterben wollen . . . Feiges Volk, Du verdienst kein besseres Los!" (Aus Ed. Bernsteins biographischer Einleitung zu Lassalles Reden und Schriften, herausgegeben von der Expedition des „Vorwärts".) Die Weinlese in den palästinensischen Colonien ist vor kurzem beendet worden. Die Colonisten sind von den Ergebnissen der heurigen Lese recht befriedigt, da die Weintrauben vorzüglich gediehen sind. Jedoch wird in Colonistenkreisen eine weitere Herabsetzung der ohnehin niedrigen Preise befürchtet. Die Kellereien in „Rischon Lezion" haben sich als räumlich zu beschränkt für die Aufnahme aller Weintrauben erwiesen. Dadurch haben viele Colonisten beträchtliche Verluste erlitten, da ein grosser Theil der Trauben an den Reben verdorrte. Bei der Lese haben 150 jüdische Arbeiter Beschäftigung gefunden, und zwar sowohl in den Kellereien, wie in den Weingärten. Die Colonisten von „Gederah" haben bloss einen geringen Theil ihres Ertrages nach „Rischon" gebracht, da sie aus ihren Weintrauben zumeist Cognae erzeugen. Der Ethrogim-Export der palästinensischen Colonien. Von den jüdischen Colonien in Palästina sind heuer ungefähr 50.000 Ethrogim ausgeführt worden. Von „Rischon Lezion" ungefähr 20.000, von „Pethach Tikwah" 20.000, von „Gan Samuel", dem von Rabbiner Mohrlewer s. A. begründeten

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