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Die Welt · 1900-10-05 · 40 (5.10.1900) · p. 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
40 (5.10.1900)
Article
Die Schwestern
Date
1900-10-05
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Seite 14 .Die 2$ Welt4 Ni. 40 Zillah blickte lange wie betäubt ins Leere, so dass Salka erschrak. „Was gedenkst Du zu thun?" fragte sie. Ich muss erst sehen," sagte Zillah mit klangloser Stimme, „wenn Du mir den erbetenen Dienst nicht erweisen kannst, Salka, so thue mir wenigstens einen Gefallen." „Schnell, sprich." „Das ist verhältnismässig eine blosse Kleinigkeit, nichts als eine kleine Lüge, die niemandem in der Welt schaden wird. Morgen Nachmittag muss der Vater naeh Nieshava, und — unser Gast wird auf unsere Gesellschaft angewiesen sein. Ich will für kurze Zeit — ungefähr für eine Stunde — vom Hause fort, und Du musst mich in meinem Vorhaben unterstützen und sagen, dass es dringend nothwendig ist." „Aber — wohin willst Du denn gehen?" fragte Salka besorgt. „Ich habe kein bestimmtes Ziel," sagte Zillah mit abgewendetem Blicke, „ich will nur allein sein, ganz allein, um mich mit mir selbst zu berathen. Die Einsamkeit wird mir gut thun — so wie gestern. Ich muss zu einem Entschlüsse kommen, hast Du es nicht selbst gesagt?" „Ist das alles? Ich wollte, Du stelltest meine Liebe auf eine härtere Probe." „Das habe ich ja vorhin gethan.tt „Das wäre eine vergebliche Hoffnung." „Warte nur, ich werde Dich vielleicht später beim Worte nehmen. Bis dahin vergiss nicht — morgen." Salka konnte lange nicht einschlafen: sie lag da und starrte mit weitgeöffneten Augen in die Dunkelheit, aus welcher wie ein Bild auf dunklem Grunde Enochs blasses Gesicht mit den glänzenden Augen aufstieg. Warum erschien es ihr in der Nacht? Das war eine Strafe, die sie sich selber zugezogen hatte: sie hätte es bei Tag nicht so oft betrachten sollen, dann würde es sie jetzt nicht beunruhigen und ihr nicht den Schlummer verscheuchen. VIII. „Sie sind pünktlich," sagte der Commissär zu Zillah, indem er auf die Uhr blickte, „mein Bursche richtete mir aus, um drei, und es ist genau drei ühr." „Ich sehnte mich darnach, Ihnen für Ihre Güte gegen meinen Vater zu danken," sagte Zillach; sie nahm sich gar keine Mühe, ihre Athemlosigkeit zu verbergen, die von ihrem raschen Gange Zeugnis ablegte. „Warum erscheint Ihnen das nicht selbstverständlich?" fragte er etwas enttäuscht; „es wäre mir viel lieber, wenn Sie mit — einer weniger bestimmten Absicht gekommen wären." „Wieso wissen Sie denn, dass ich ohne diese überhaupt gekommen wäre?" „Freilich, eine Garantie hatte ich dafür nicht," antwortete er. Wenn sie nur da war — was lag ihm daran, dass sie Ausflüchte gebrauchte? „Aber es war wirklich sehr freundlich von. Ihnen," wiederholte sie, „Sie haben ihm eine grosse Unannehmlichkeit erspart, weil — —" „Weil?" „Weil Sie zu liberal sind, um in jedem Manne, der sich den widersinnigen Vorschriften einer tyrannischen Regierung nicht unterwirft, einen Verbrecher zu sehen." „Das ist Verrath — reiner Hochverrath!" rief er aus, indem er scherzhaft die Stirne runzelte, „sprechen Sie so ' von den Gesetzen unserer allweisen Regierung?" „Sie sind also nicht liberal? „Ich habe meine Pflicht zu erfüllen, ohne zu fragen," sagte er ernst. „Warum vernachlässigten Sie sie also bei meinem Vater?" Er sah ihr gerade ins Gesicht, dann sagte er lächelnd :" „Weil er der Vater seiner Tochter ist" „Warum weisen Sie dann den Dank der Tochter zurück?" „Ich nehme ihn an, wenn er eine Neben- und nicht aber die Hauptursache Ihres Kommens ist." „Ich entbiete ihn Ihnen — machen Sie damit, was Sie wollen," sagte sie. „Das ist etwas anderes," erwiederte er in beifälligem Tone, „übrigens bevor wir das Thema fallen lassen, wer war denn der Reisegefährte Ihres Vaters? Schwerlich Ihr Bruder — es ist nicht die geringste Aehnlichkeit vorhanden. Sein Pass war tadellos, so dass ich leider keine Aussicht habe, mir nochmals Dank und Anerkennung für meine Nachsicht zu verdienen." Zillah presste die Lippen fest aufeinander, sie fürchtete, der Regung nicht widerstehen zu können, sein „bevor wir das Thema fallen lassen" zu wiederholen. Gerade dieses besondere Thema erforderte eine ganze Welt von Worten für sich allein. Sie riss einen kleinen Schössling aus dem nächsten Tannenstrauch und begann die Nadeln abzureissen. „Ich habe keine Brüder," antwortete sie endlich, „ich glaubte, Sie wüssten das. Er ist ein Freund meines Vaters." „Er kam aus Berditscheff," bemerkte der Commissär, den die klare Antwort nicht zu befriedigen schien, „wozu — in Geschäften?" „Jawohl, in Geschäften," wiederholte sie mechanisch, während ihre zusammengepressten Lippen sich zu einem verzerrten Lächeln lösten, das ihm nicht entgieng. „Bitte, setzen Sie wieder Ihr trauriges Gesicht auf," bat er ernst, „das Lächeln sieht aus wie ein gemordeter Gedanke." (Fortsetzung folgt.) Spenden. Für die rumänischen Juden: In der Administration der „Welt" eingelangt: Zion- Verein in Niesbudka Mtchalswa: M. Heilpern Ruh. 2.—, N. Kaplan, B. Urinovsky, A. Rabinovitz, A. L. Kaplan, M. Krinkin, G. Kaplan, S. Kaplan, B. Heilpern je Rub. 1.—, M. Friedmann Rub. —.75, L. B. Gorodenzik, L. Serlin, J. Salamon, M. Kaplan, S. Citron, A. L. Citron, J. Bliacher, L. Schneider, M. Juschinski, Jakob Heilpern, G. Sliapak, Aba, R. Lipschitz, M. N. Schottiänder, Ch. Worobmzik, Z. Rubin je Rub. — .50, M. Glückfeld Rub. —.40, Z. Kalischinsky, «Jh. L. Effrin, M. Ch. Schottländer, M. Cnainowitz, AL Markus, J. Friedmann, M. Epstein, M. Goldfein je Rub. —.30, J. Efrin, D. Novitzky, A. M. Läufer, M. Jalowke, M. Juschinsky, S. Krawetzky, J. Lewin, S. L,e\vin, A. S. Pusnitzky, J. Schabrinsky. J. Senderowitz je Rub. —.25, Z. Bachrach, M. Schochet, J. L.oznik. M. Surazky je Rubel —.20, J. Fisch, A. Bodanski, M. Mikliazky je Rub. —.18, A. Prusch Rub. —.10, J. Beloyorsky Rub. —.15, J. Schein Rub. —.0'.), Bojarsky Rub. —.-il, Seizew Rub. —.25. K 71.40, Friedmann S. in Wien K xi).—, Spitzer in Wien K 2.—, M. Reiner und Wolf. Leus in Warscnau K 28.05. Zusammen K 111.45. Für zionistische Zwecke: Heinrich Grünau, Paris K 4.83. Briefkasten. J. L, Boryslaw. 1. Brief dürfte ihn erreichen per Adr. des üdessaer „Comites zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Palästina". 2. Paris, Institut Pasteur. 3. Grünzweig-Grünau, Paris 14, Rue de Rocroy. 4. Brighton Road 4, S. Hornsey, N. London. 5. Krakau, Dietelsgasse. (i. Prof. Hemann, Basel. 7. Schloss Harmannsdorf, Niederösterreich. F. K., Jungbunzlau. Muss erst geprüft werden. B. H., Wien. Leider post i'esta. Dr. A. B., Pardubitz. Besten Dank. Dr. M. Sch., Charkow. Herzlichsten Dank und Zionsgruss. A. B., Braila. Ihr erster Bericht erscheint in der „Mittheilungen des Actions-Comites". Einen zweiten Bericht haben wir nicht erhalten. Ihre Anfragen sind uns nicht mehr erinnerlich; bitte, wiederholen Sie sie.

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