Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 40 (5.10.1900)
- Article
- Simon Beermann
- Date
- 1900-10-05
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4ö „Die & Welt4 Seite 13 andere Leute, die Ackerbau betreiben oder betreiben wollen, zur Auswanderung nach Palästina zu bewegen. Das Land kann wieder ein Land von Milch und Honig werden. Es wartet nur auf die fleissige Hand des Juden. Ich habe dort viele Ländereien besichtigt und habe instinctiv gefühlt, wie der verwahrloste Boden unter meinen Füssen auflebte, wie er sich auf seine nahe Neubelebung freute. Ich sage Euch deshalb, dass dieser Mensch da keinen blauen Dunst von der Beschaffenheit des palästinensischen Bodens hat; und wenn er auch etwas von Büchern über Palästina vorschwefelt, die er gelesen haben will, so lügt er! .. . Was wiederum andere Leute hier von unseren Rechten in Europa faseln, so habe ich es schon gesagt und werde es noch hundertmal wiederholen, dass diese Gleichberechtigung keinen Heller wert ist, Ich bin aber imstande, mich zuweilen auf den Standpunkt meiner Gegner zu stellen und mit ihnen von dort aus zu kämpfen. Ich will also zugeben, dass die Juden in Oesterreich, Deutschland, England, Frankreich, Italien und vielleicht noch anderswo in Europa Gleichberechtigung haben. Die Juden dieser Staaten bilden aber nur einen kleinen Theil des jüdischen Volkes und das Gros desselben ist rechtlos. Das muss auch ein Blinder sehen. Meiner Meinung nach werden wir hier im Golus nie als Vollbürger gelten, weil wir uns hier einseitig bürgerlich entwickeln. Der Jude ist Kaufmann, Schankwirt oder Geldverleiher. Der Staat muss uns schützen, weil er unsere Steuern einsackt und weil wir in der zweiten Hälfte des sogenannten neunzehnten Jahrhunderts leben. Unsere nichtjüdischen Mitbürger werden uns aber nie als ihnen gleichwertig betrachten. Die Regierung, die uns sonst sehr gut gesinnt ist, muss der Bevölkerung des Landes zuliebe solche Gesetze schaffen, deren Spitze gegen die Juden gerichtet ist. Das „Wuchergesetz" und das „Trunkenheitsgesetz" sind an und für sich sehr berechtigt. Sie dienen wirklich zur Wohlfahrt des Landes, wie die Gesetzgeber wollten. Die Juden in Galizien haben sie aber total zugrunde gerichtet. Wenn sich die Ahnen und Urahnen Jahrhunderte hindurch nur mit Schnapshandel und Geldverleihen beschäftigten, wie können sich ihre Nachkommen plötzlich über Nacht anderen Erwerbszweigen zuwenden? . . . Könnte wir hier Ackerbau betreiben, so wäre uns dadurch einigermassen geholfen. Ich glaubte auch früher, dass es möglich sei, jüdische Ackerbaucolonien in Galizien zu gründen. Jetzt bin ich anderer Meinung. Meine Ansicht hat sich bezüglich dieser Frage geklärt. Wir müssen uns bestreben, einen jüdischen Bauernstand zu schaffen. Ein solcher Stand kann aber nur in Palästina gedeihen. Ich bin überzeugt, dass der ackerbautreibende Jude in Palästina dasselbe Gefühl haben wird, wie der hiesige Landmann, der die von seinen Eltern ererbte Scholle bearbeitet. Dieses Gefühl kann ich Euch nicht erklären, weil es eine Sache des Herzens und nicht des Verstandes ist . . . Nun kommt die Frage, wie sich die Sache zu unserem heiligen Glauben verhält. Ich glaube, wenn der R a m b a n (Nachmanides) die Ansässigkeit in Palästina unter die 613 Gebote aufgenommen hat, so hat er keineswegs das schnorrerische Schmarotzerleben einiger Chalukajuden vor Augen haben können. Er konnte nur einen mit Arbeit, Handwerk und Ackerbau verbundenen „Jischub" meinen, denn nur eine solche „Sesshaftigkeit" kann als gottgefälliges Werk angesehen werden I Die „Geulah" (Erlösung) wird erst dann kommen, hat mir Rabbi Elias Gutmacher einmal gesagt, wenn eine beträchtliche Anzahl von Juden in Palästina ansässig sein wird. In unserer Heiligen Schrift heisst es auch: Ihr selbst müsset dem Lande zurErlösung verhelfen!*) Das hat mir Rabbi Hirsch Kalischer gesagt. .. Still blieben noch die Zuhörer auf ihren Plätzen- In ihren Mienen war zu erkennen, dass sie noch eine Fort- *) psS Ulm rh$2 Leviticus -25, 24. Setzung der Rede wünschten. Doch wagte niemand, ein Wort zu sprechen. Ich habe Euch schon erzählt, setzte Beerman seine Ausführungen fort, dass ich längere Zeit in Palästina gelebt habe. Ich wollte mich dort als Colonist ansiedeln, was mir aber vorläufig "nicht gelingen wollte. Der ganze Sachverhalt wird ausführlich in meinem nächste Woche erscheinenden Werke beleuchtet. Mein ganzes Leben habe ich für die Idee der Colonisation Palästinas geopfert, für dieselbe werde ich nach dem Erscheinen meines Werkes weiter arbeiten, bis ich sie in That umsetze. Die Idee der Colonisation Palästinas muss eine That werden . .. Einunzwanzig Jahre sind seit jener Hoschana-Rabba- Nacht verstrichen, und sie lebt noch in meinem Gedächtnisse. Simon Beerman habe ich nicht mehr gesehen. Ich habe nur sein Werk gelesen. Massot Simon („Simons Reisen") war der Name dieses in leicht verständlichem Jüdisch (Jargon) geschriebenen Werkes, das in Krakau gedruckt war. Es hatte aber keine Käufer und keine Leser. Die Zeit war für die in dem Buche ausgesprochenen Ideen noch nicht reif. Kurze Zeit nach dem Erscheinen des circa 20 Bogen starken Werkes, habe ich ein Exemplar desselben bei einem Maculaturpapierhändler um sechs Kreuzer gekauft. Ein Jahr später ist Simon Beerman bei seiner Tochter in einem kleinen ungarischen Städtchen gestorben. Er hat nicht einmal die Gründung der ersten Colonie in Palästina erlebt! Die Schwestern. Erzählung von S. Gordon. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Das hättest Du mir ersparen können, Zillah," sagte sie gelassen, „es klingt fast wie Hohn. Du weisst. dass kein Mann, der Dich und mich sieht, in seiner Wahl unschlüssig ist, und dass Enoch eine Wahl getroffen hat. dessen kann ich Dich versichern." Zillah schloss sie in die Arme und zwang sie sanft, ihr Gesicht zu erheben. „Glaubst Du, dass ich so etwas sagen könnte, wenn ich es nicht aufrichtig meinte?" flüsterte sie. „Ach, Salka, wenn ich mir es je gewünscht habe, so hässlich zu sein, wie eine Kröte, dann wünsche ich mir's jetzt." „Siehst Du, Salka," fuhr sie fort, „man könnte es vielleicht so machen, dass der Vater Dir als Mitgift ein- oder zweitausend Rubel mehr zusagt — —* Mit einem erstickten Schrei riss Salka sich aus ihrer Umarmung los, dann lachte sie bitter. „Glaubst Du wirklich, dass zweitausend Rubel mich Dir gleichwertig machen „Du bist tausend, tausendmal besser, als ich, ich bin nicht wert, Dir die Füsse zu küssen," brach Zillah stürmisch aus, „Du liebst die Eltern, und ich komme mir wie ihre Mörderin vor. Und weil Du so unendlich gut bist, bitte ich Dich, mir einen Dienst zu erweisen : wende alle Frauenlist auf, ich will Tag und Nacht darüber nachdenken und Dich sie lehren, und trachte seine Liebe zu gewinnen. Ich bin überzeugt, dass es Dir gelingen wird, nur versprich mir's, Salka, ach, versprich mir's!" Salka schüttelte den Kopf. „Das liegt nicht in unserer Macht," sagte sie gebrochen, „der Vater sagt, dass er von dem Moment an, da er Dein Bild sah, umhergieng wie ein Nachtwandler Und dann würde der Vater auch nie, nie zugeben, dass seine jüngere Tochter vor der älteren heirate, eher würde er uns beide unter seinem Dache behalten, bis wir graue Haare bekämen. An Dir ist es, Zillah, Dich anzustrengen."