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Die Welt · 1900-10-05 · 40 (5.10.1900) · p. 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
40 (5.10.1900)
Article
Berlin [Nachricht]
Date
1900-10-05
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 ,Die & Welt" Nr. 40 Sportkreisen wird es daher sehr unliebsam empfunden, dass der Sport vielfach als „Nebenzweck" betrieben wird, denn selten sieht man jüdische „Sportsmenohne „Damen* auf dem Wasser. Nach alledem erscheint die von uns von vornherein gehegte Vermuthung durchaus begründet, und es würde sich nach unserer Ansicht für die Polizei zunächst darum handeln, festzustellen, welche Segelbote am Sonntag die Müggel gekreuzt haben. Das dürfte nicht schwer fallen, da sie ja doch alle bei Grünau verankert sind- Wird hier in diesem Falle nicht mit fester Hand eingegriffen, so dürften sich die „räthselhaften Mädchenleichen-Funde" im Wasser in Zukunft erschreckend mehren." Ein Meineidsprocess in Könitz. Vor der Strafkammer in Könitz beginnt heute Freitag ein Aufsehen erregender Meineidsprocess. Angeklagt ist der Präparand Speisiger, ein Freund des ermordeten Ernst Winter. In der Untersuchung wegen dieses Mordes hatte er eidlich bekundet, dass Winter mit dem Sohn des Konitzer Fleischermeisters Lewy befreundet war. Moriz Lewy und andere haben eidlich ausgesagt, dass Winter mit dem Sohn des Fleischermeisters Lewy nicht einmal bekannt gewesen ist. Speisiger, der auch noch eines anderen Meineides verdächtig ist, wurde daraufhin in Haft genommen. Er betheuert nach wie vor, dass er die Wahrheit gesagt habe. Dem Vernehmen nach hat sein Verth eidig e r eine grosse Anzahl Zeugen geladen, die bekunden sollen, dass Moriz Lewy mit Ernst Winter näher bekannt war. Unter den Zeugen befindet sich auch ein Ober- Secundaner des Gymnasiums, Namens Mikulski. Dieser soll eingehende Bekundungen über den Verkehr des Moriz Lewy mit Ernst Winter machen können. Die Konitzer Bevölkerung sieht der Verhandlung, für die der Vorsitzende der Strafkammer zwei Tage angesetzt hat, mit grösster Spannung entgegen. New-York. (Antisemitisches aus Amerika.) [Orig.-Corr.] Auch in den „Vereinigten Staaten", deren jüdische Bürger stolz darauf hinweisen, dass sie wirkliche und nicht bloss papierene Bürger- und Staatsrechte genössen, breitet sich der Antisemitismus immer mehr aus. So bringt, z. B. das hebräische Wochenblatt „Hatechija" folgende Begebenheit aus Florenz (Süd-Carolina): Ein jüdisches Mädchen namens Gertrud J a k o b i ist dort zur Lehrerin einer Volksschule erwählt worden, nachdem sie die Prüfungbesser bestanden hatte als alle, die sich um dieselbe Stelle bewarben. Das hinderte jedochDr.Kavingto n, ein Mitglied der dortigen Schulbehörde, nicht, die Wahl der „jüdischen" Lehi-erin ungesetzlicherweise zu annullieren. Fräulein J a k o b i hat nun gegen das Vorgehen des Schulrathes Beschwerde erhoben, und die Florenzer Juden erwarten mit Ungeduld den Ausgang des Pröcesses. Man setzt voraus, dass das Gericht der Lehrerin die geforderte Entschädigungssumme von 4500 Dollars zuerkennen wird. — Auch in den Spalten der hiesigen Zeitungen machen sich judenfeindliche Hetzereien breit. Es wäre schon hoch an der Zeit, dass die wahnverblendeten amerikanischen Juden, die in Amerika ihr Zion, in Washington ihr Jerusalem erblicken, endlich zur Besinnung und zur Erkenntnis ihrer Lage kämen. M. Silber- Antisemitische Brandstifter. „Szabad Szö" meldet: In Derecske waren eine jüdische Familie und fünf Talmudjünger in Gefahr, bei lebendigem Leibe verbrannt zu werden. Die fünf Knaben — der jüngste ist 12 Jahre alt — schliefen in ihrem Zimmer nach mehrstündiger geistiger Arbeit sehr lest. Erst das Prasseln von Flammen und das Krachen berstender Balken weckte sie aus dem Schlafe. Das Zimmer war von Rauch erfüllt und die Thüre war von aussen verrammelt, so dass an ein Flüchten gar nicht zu denken war. Lange Zeit dauerte es, bis ihr Geschrei um Hilfe gehört wurde. Ein Schuhmacher namens O. Bökenyi warf sich todesmuthig in die Flammen und rettete die in Todesgefahr schwebenden Knaben. Auch die Thüre des Hausherrn war verrammelt. Nur der Geistesgegenwart eines der geretteten Talmudjünger ist es zu verdanken, dass die Familie mit heiler Haut davongekommen ist Die eingeleitete Untersuchung ergab, dass der Brand von antisemitischer Seite gelegt wurde, nachdem alle Thüren verbarrikadiert worden waren. Egan redivivus. Bekanntlich bewahrt das „liberale" ungarische Cabinet S z e 11 seinem Commissär Herrn von Egan, den es zur „Sanierung" der wirtschaftlichen Uebelstände in den Comitaten Ung.-Bereg und Märamaros ausgesandt hat, unerschütterliches Vertrauen. Unsere Leser dürften sich noch an die in Nr. 8 der "„Welt" besprochene antisemitische Brandrede des Herrn Regierun gs- Commissärs erinnern. Damals wurde Herrn v. Egan eine öffentliche Rüge seines Chefs, des Ackerbauministers D a r a n y i, zutheü. Trotzdem berief dieser den antisemitischen Bankett-Redner nicht zurück, sondern liess ihn ruhig weiter „sanieren". Und Herr Egan saniert lustig d'rauf los. Er gründet unter der Hand christliche Consum- und Credit-Genossenschaften und hetet die unwissende ruthenische Landbevölkerung gegen die Juden auf. Damit ist aber seine Thätigkeit nicht erschöpft. In seinen Mussestunden lässt Herr v. Egan den Budapester Blättern Schauernachrichten über die „Eingewanderten" zukommen. Er hat sich für seine Communiquös und Correspondenzen die Terminologie der rumänischen Gesetzgebung zurechtgelegt, mit der kleinen Abweichung, dass er die Juden anstatt „Fremde" — Eingewanderte nennt. Jüngst veröffentlichte eine Budapester Tageszeitung folgende, offenbar von Herrn Egan inspirierte gruselige Correspondenz aus dem Bereger Comitate: „Die seit einem Jahre in Zedenyova bestehende Creditgenossenschaft war schon längst ein Dorn im Auge der dortigen Wucherer, weil sie sich mit ihrer billigen und guten Ware beim Volke sehr beliebt gemacht hat. Die Wuth der Volksaussauger wurde gar gross, als die erwähnte Genossenschaft vergangene Woche auch Branntwein in geschlossenen Gefässen zu verkaufen begann, so dass das Volk es nicht mehr nöthig hat, die verderblichen Wirtshäuser zu besuchen. — Dienstag nachts hat die Zedenyovaer Genossenschaft wieder eine neue Warensendung erhalten, darunter auch zwei Fass Branntwein. Der Kutscher wurde von einem mit ihm fahrenden „Eingewanderten" zum Mord gedungen. In Zedenyova angelangt, weckte er den Geschäftsführer und feuerte aus einem unterwegs entlehnten Revolver zwei Schüsse auf ihn ab. Die zweite Kugel drang neben die Lunge des unglüklichen Geschäftsführers, der jetzt im Munkäcser Spital liegt und wahrscheinlich auch schon gestorben ist. Das Volk ist so sehr erschrocken, dass es täglich neue Mordattentate befürchtet. Kennt es ja die wildeNatur der Eingewanderten. Als Regierungs-Commissär E ga n auf dem Schauplatze der That erschien, liess er den dortigen Pfarrer und den Notar telegraphisch auf j e 10.000 Kronen für dieDauervon zweiJahren auf Staatskosten assecurieren, da der eine Präsident, der andere aber Vicepräsident der Genossenschaft und das Leben beider bedroht ist. Ferner beruhigte er die Mutter des Geschäftsführers, dass sie für den Fall des Ablebens ihres Sohnes vom Staate versorgt werden würde. Da aber das dortige Bezirksgericht aus Furcht vor den Eingewanderten geneigt war, das Verbrechen des gedungenenMordes zu vertuschen, hat Herr v. Egan angeordnet, dass die Untersuchung der »1 ortigen Behörde aus der Hand genommen und von der Centrale geführt werde." Klingt das nicht wie ein sensationeller „Staatsbürgerzeitungs"-Bericht aus Könitz? Wenn Herr v. Egan so weiter „saniert", so können die Juden in Ungarn sich noch auf nette Geschichten gefasst machen. Diesmal ist's glücklicherweise nur ein Märchen von einem unrituellen jüdischen Mord; aber die ruthenische Bevölkerung des Bereger Comitates macht ja unter der väterlichen Leitung des Herrn v. Egan merkliche Fortschritte ... Die jüdischen Parlamentscandidaten in Grossbritannien. Aus Anlass der Neuwahlen in das englische Unterhaus dürfte folgende Liste der jüdischen Canditaten für unsere Leser von Interesse sein: 1. Mitglieder des gewesenen Unterhauses: Mr. B. L. Cohen (conservativ), candidiert in E a s t Islington; Captain H. M. J e s s e 1 (Unionist), candidiert in South St. Pancras; Mr. F. S. Mendl (liberal),

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