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Die Welt · 1900-10-05 · 40 (5.10.1900) · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
40 (5.10.1900)
Article
Wien [Nachricht]
Date
1900-10-05
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Nr. 40 „Die & Welt" Seite 7 stehen. Die Anzahl der Mitglieder beträgt derzeit 240. Dem- Jahresberichte sind beigegeben: Der Nachruf an Dr. David Kaufmann, welchen Professor Dr. D. H. M ü 11 e r im Jüdischen Museum am 21. December ISiVJ hielt, sowie der Vortrag des Rabbiners Dr. Schmied 1, ebenfalls in der Gesellschaft am 10. December 1S0S gehalten über „das älteste Buchdrama der Weltliteratur", das Buch Hiob. Pisek. (Der zweite Process gegen Hülsner.) Die neu eingeleitete Untersuchung gegen den hier in Haft befindlichen Leopold Hülsner ist nunmehr beendet und es wurden gegen ihn zwei neuerliche Anklagen erhoben. Diese lauten auf Mord an Marie Klima, welche ein Jahr vor der That an Agnes H r u z a bei Polna ermordet aufgefunden worden ist, sowie auf Verleumdung des Josua Erb mann und des Salomon Wassermann. (Bekanntlich hatte Hülsner bald nach seiner Verurtheilung, erschreckt durch die Vorspiegelung mehrerer Zellengenossen, es werde schon der Galgen für ihn aufgerichtet, ein Geständnis über seine angebliche Theilnahme an der Ermordung der Hruza abgelegt, indem er zugleich Erbmann und Wassermann als die Mörder bezeichnete. Es ergab sich jedoch die Unschuld der beiden und Hülsner zog seine Angaben vollinhaltlich zurück.) Die neu erhobenen Anklagen werden im Vereine mit dem Falle Hruza, welcher von dem Obersten Gerichtshofe unter Aufhebung des Kutten berger Schuldbekenntnisses vor das Schwurgericht in Pisek gewiesen wurde, zur Verhandlung gelangen. — Wie gemeldet wird, hat Leopold H ü 1 s n e r gegen die wider ihn erhobenen neuen Anklagen auf Mord und Verleumdung den Einspruch an das Ober-Landesgericht erhoben. Dieser wird von Dr. A u r e d n i c z e k ausgeführt werden. Infolge dessen wird der Process zunächst noch nicht angeordnet werden können. Bei der Verhandlung werden den Angeklagten Dr. Auredniczek und Doctor P o d i c k a aus Pisek vertheidigen. Krakau. (Die Mutter der geraubten A raten) richtete an die Redaction des „Slowo Polskie" folgendes Schreiben: „Meinem Manne widerfuhr die Auszeichnung, von dem allerdurchlauchtigsten Herrn dem Kaiser in Audienz empfangen zu werden. Seine Majestät geruhte damals die Zusage zu machen, den Behörden die angemessenen Weisungen zu geben. Noch an demselben Tage waren die Allerhöchsten Weisungen beim Ministerpräsidenten. Als ich dies von meinem Manne hörte, weinte ich vor Freude. Ich lag bisher krank darnieder, und nun verliess ich zum erstenmale das Krankenlager. Ich rechnete, dass ich jetzt zuversichtlich meine Tochter erblicken, sie wiederfinden werde. Ich weiss wohl, dass die Weisungen Seiner Majestät stricte ausgeführt werden müssen, nichtsdestoweniger ist es unbekannt, wo meine Tochter sich aufhält. Ich höre erzählen, dass mein armes Kind nicht mehr lebe — mir als Mutter krampft sich ob solcher Gerüchte das Herz zusammen. Nun, ebenso wie jede andere Mutter hatte ich nicht wenig gelitten, ehe ich das Kind grossgezogen, und am Ende soll mir mein Kind entrissen sein! Jawohl, nicht einmal wissen soll ich, ob jene Unglückliche noch lebt! O, möge meine Stimme die Herzen aller Väter und Mütter rühren. Vielleicht weiss jemand, oder könnte jemand erfahren, welchem Schicksale meine unglückliche Tochter anheimgefallen, dann möge er mich erfreuen und mir Kunde thun, ob sie lebt. Die Hoffnung, sie wiederzusehen, sie ans Herz drücken zu können, verleiht mir Kraft, dass ich weiter lebe. Und -wenn — ich schreibe es mit zitternder Hand — wenn jemand also hörte, dass sie nicht mehr unter den Lebenden sei, so möge er mir wenigstens zeigen, wo die Unglückliche bestattet sei. Mit Thränen in den Augen bitte ich um die Veröffentlichung dieser Zeilen und empfehle mich mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Civia Araten." Tamopol, V-). September. (Zwei Verdicte.) Die Leser der „Welt" werden sich noch lebhaft an den Straffall des Leib K w a s m a n n erinnern, welcher vor dem "hiesigen Schwurgerichte des Betruges durch ränkevolle Credit Verlängerung angeklagt war. Dieser Process erregte grosses Aufsehen, weil der Staatsanwalt in seinem Plaidoyer die Behauptung aufgestellt hatte, die jüdische Religion gebiete den Juden, Betrügereien zu verüben, eine Aeusserung, welche nicht nur in der jüdischen Bevölkerung, sondern auch in sonstigen weiten Kreisen die grösste Entrüstung hervorrief. Die Haranguierung des Staatsanwaltes führte wirklich dazu, dass der Angeklagte trotz des mangelnden Thatbestandes von den Geschwornen schuldig erklärt und zu drei Jahren schweren Kerkers, sowie zur Landesverweisung verurtheilt wurde. Infolge der gegen dieses Urtheil erhobenen Nichtigkeits- Beschwerde hob derCassationshof das E r k e nntnis auf und wies die Angelegenheit zur neuerlichen Verhandlung vor das Tarnopoler Schwurgericht. Der zweite Process wurde am 13. und 14. September durchgeführt, wobei die auf Betrug lautende Hauptfrage einstimmig, die Eventualfrage auf leichtsinnige Crida mit Stimmenmehrheit verneint wurde, so dass die Freisprechung des Angeklagten erfolgte. Als Vertheidiger fungierte neben dem Anwalte des frühen Processes der hiesige Advocat Dr. Schwarz. Nach der Verkündigung des Freispruches fiel K w a smann in Ohmnacht und konnte nur mit Mühe zum Bewusstsein gebracht werden. Dieser Wahrspruch der Jury hat nicht nur im Publicum, sondern auch bei den Richtern, die der Verhandlung beiwohnten, grosse Bef'riedi gung hervorgerufen. Budapest. (Aufgesessen!) Seinerzeit war der Universitätsprofessor Dr. Julius Schwarz in Budapest zum Staatssecretär im Ministerium des Innern designiert. Die Stelle wurde aber an die Bedingung geknüpft, dass er seinen Glauben verlasse. Der Herr Professor warf nun in der That seinen Glauben über den Haufen. Das Resultat war — dass man einen Juden zutn Staatssecretär nicht haben wollte! Berlin. Das Comite zur Unterstützung der rumänischen Juden) hat aus Anlass der in der letzten Woche mehrfach vorgekommenen Hilfs gesuche von rumänischen Jud en, welche die Unterstützung der Berliner Juden zur Rückwanderung nach Rumänien erbeten hatten, den einstimmigen Beschluss gefasst, die Unterstützung von rumänischen Juden, welche bereits ausgewandert sind, nur zu dem Zwecke zu gewähren, um ihnen die Möglichkeit zu geben, in den Ländern, in denen sie sich zur Zeit aufhalten, eine selbständige Existenz zu gründen. Eventuell wird das Comite solchen Personen auch zur weiteren Auswanderung nach anderen Ländern behilflich sein, dagegen wird jede Hilfeleistung zur Rückwanderung nach Rumänien principiell und unter allen Umständen abgelehnt. Das Comite geht dabei von dem Gesichtspunkte aus, dass seine Aufgabe ist, die Lage der Juden in Rumänien zu erleichtern, nicht aber durch Unterstützung der Rückwanderung noch die Zahl der Hilfsbedürftigen dort im Lande zu mehren. Berlin. (Der neueste Ritualmord.) Im M üggels e e ist die Leiche der 22jährigen Martha M o h s unbekleidet aufgefunden worden. Die Todesursache ist noch nicht festgestellt; am Körper der Leiche zeigen sich Verletzungen, doch herrscht noch völliges Dunkel darüber, ob das unglückliche Mädchen einen Selbstmord begangen hat, oder ob ein Verbrechen vorliegt. Das „Berliner Blatt" jedoch, ein agrarisch-antisemitisches Organ, hat rasch ein Verbrechen, und zwar einen „Ritualmord", construiert. Das Blatt lässt sich vernehmen: „Wie wir schon mittheilten, macht sich bei dem Ruder- und Segelsport das Eindringen des Judenthums je länger je unangenehmer lästig. Der Rudersport ist eine Leibesübung vorzugsweise für jüngere Männer, und in

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