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Die Welt · 1900-09-28 · 39 (28.9.1900) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
39 (28.9.1900)
Article
Berlin
Date
1900-09-28
Page
7 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 39 »Die 25s Welt" Seite 7 auf den Mord nichts Neues erbracht, abgesehen von der Notwendigkeit, Meineide zu verfolgen, die auf der einen wie auf der anderen Seite geschworen zu sein scheinen. Der Staatsanwalt beantragte drei Monate Gefängnis gegen den angeklagten verantwortlichen Redacteur der „Germania", C o n t z e n. Der Gerichtshof stellte fest, dass der A ngeklagte nicht in der Lage gewesen sei, die erhobenen Vorwürfe zu beweisen, und verurtheilte denselben zu einem Monate Gefängnis. Berlin. (Die Haltung der Anklagebehörde in dem Konitzer Processe) gegen Israelski hat in weiten Kreisen Befremden erregt. Selbst die Antisemiten geben zu, dass die Freisprechung erfolgen musste, während der I. Staatsanwalt Settegast fünf Jahre Gefängnis beantragte. So schreibt jetzt die „Staatsbürger-Zeitung : „Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, dass die Anklage gegen Israelski ein Missgriff war, dass sie sich juristisch gar nicht rechtfertigen lasse und nothwendigerweise zum Freispruch führen müsse .. . Die Staatsanwaltschaft verkannte den juristisch und sachlich nothwendigen Zusammenhang, ihre Anklage schwebte deshalb in der Luft und konnte zu einer Verurtheilung niemals führen. Es erscheint deshalb unbegreiflich, weshalb das Gericht auf eine so haltlose Anklage hin die Eröffnung des Hauptverfahrens beschliessen konnte." — Uebrigens muss die „Staatsbürger-Zeitung" ihre Leser für sehr vergesslich halten, denn Monate hindurch hat sie gegen Israels ki gehetzt und sein Vergehen als zweifellos erwiesen hingestellt. Frankfurta.M.(Versammlung der zionistischen Ortsgruppe.) Am 5. d. M. fand im grossen Saale des Kaufmännischen Vereins eine öffentliche Versammlung der hiesigen zionistischen Ortsgruppe statt. Ausser den hiesigen zahlreichen Gästen waren erschienen die Herren Dr. Bodeuheimer aus Köln, Dr. Schauer aas Mainz, Dr. Friedemann und Dr. Goldberg aus Berlin. Nachdem der Vorsitzende der Oitsgruppe Herr J. L. Goitein die Gäste begrüsst und einige einleitende Worte gesprochen hatte, ertheilte er dem Herrn Prof. Dr. Richard G o 11 h e i 1 aus . New-York das Wort zu seinem Vortrage „Die Zukunft des Judenthums und der Zionismus". Der Redner verstand es, tvotz der schlichten Sprache, die Zuhörer in begeisterte Stimmung zu versetzen. Nachdem er die Bestrebungen und Ziele der Zionisten in zu Herzen gehenden Worten auseinandergesetzt hatte, berührte er einige Tagesereignisse und wies darauf hin, dass die antisemitische Bewegung auch in Deutschland immer grössere Ausdehnung gewinne, weshalb die Juden sich beizeiten auf sich selbst besinnen müssen. Zum Schlüsse widerlegte der Vortragende die verschiedenen Einwände der Gegner in überzeugender Weise. Stürmischer Beifall folgte dem glänzenden Vortrage. Der Vorsitzende eröffnete nun die Discussion, welche sich sehr lebhaft und für den Zionismus erfolgreich gestaltete. Zuerst meldete sich der Obercontrolor der k. k. Ferdinands-Nordbahn Herr L. Waldstein aus Wien zum Worte. Dieser Herr würde gegen den Zionismus nichts einzuwenden haben, wenn er nicht fürchtete, die Zionisten könnten binnen kurzem nach Palästina gehen, ihn mitnehmen und zum Obercontrolor der Derwische machen, was ihm sehr unangenehm wäre. Herr Dr. Fried emann aus Berlin wusste den Herrn durch einige beruhigende Worte von seiner Angst zu befreien. — , Herr Dr. Eduard S t r a u s s aus Frankfurt ergriff dann das Wort und suchte mit einigen Assimilations-Phrasen die Ansichten des Herrn Prof. Gottheil zu bekämpfen. Herr Dr. Friedemann führte auch ihn sehr geistvoll ab. Es betheiligten sich noch an der Discussion die Herren Doctor Schauer aus Mainz, Dr. G o 1 d b e r g aus Berlin und Dr. Bodenheimer aus Köln, der die Anwesenden ermahnte, sich unserer Bewegung anzuschliessen und mit vereinten Kräften für das Wohl des Judenthums zu arbeiten. Erst in später Nachtstande wurde die Versammlung geschlossen. Sie war für die locale Propaganda von gutem Erfolge. J. W. Magdeburg. (Die Spaltung in der antisemitischen Partei Deutschlands.) Bei dem Parteitage der „Deutsch-socialen Reformpartei", der zu Beginn dieses Monats hier stattfand, kam es zwischen einzelnen Führern der Antisemitenpartei zu sehr erregten Auftritten. Der Schluss war, dass sich die „Partei" in zwei Fractionen sonderte, deren eine unter der Führung Liebermann v. Sonnenbergs steht, während die andere sich Zimmermann zum Oberhaupte erkor. Paris. Bei dem anlässlich der Ausstellung hier veranstalteten „ W elt-Wettturnen" hat Herr Genser o w s k i, Mitglied des JüdischenTurnvereins„Bar K o c h b a" in Berlin, den ersten Preis erlangt. Constantinopel. (Eine Blutbeschuldigung.) In dem griechischen Städtchen Cavalla suchte eine christliche Frau auf der Strasse nach ihrem Kinde, das ihr seit morgens früh verloren gegangen war, und eine Nachbarin erzählte ihr, sie habe das Kind vor kurzem gesehen, wie es von einer Jüdin an der Hand geführt wurde. Die Frau dachte gleich an das Blutmärchen und erhob auf offener Strasse ein grosses Geschrei. Sofort waren die Griechen bei der Hand, drangen gegen die Wohnung der beschuldigten Jüdin vor und machten Anstalten, deren Haus zu demolieren. Da erschien der Gouverneur Emin Pascha und beruhigte die Menge durch die Versicherung, dass das Kind sich heil und gesund in seinem Palais befindet. In der That hatte dieser gleich bei Beginn des Lärms zwei seiner geschicktesten Polizisten auf die Suche nach dem Kinde ausgeschickt, das nach kaum einer halben Stunde friedlich an einem Hügel spielend gefunden und schleunigst nach dem Palais des Gouverneurs gebracht wurde. Bei \s cbHftei)!3« i) dseba a. W. T. Stead über den Zionismus. In der neuesten Nummer der „R eview of Reviews" widmet W. T. Stead, unbestritten der bedeutendste Journalist der Gegenwart, der Freund Leo Tolstois, der Führer der Friedensbewegung, der Berather des Milliardärs Carnegie, dem IV. Zionisten-Congresse einen Leitartikel, der die weiteste Verbreitung verdient. „Die Ereignisse der alten Welt, sagt Stead, dürfen uns nicht dazu verleiten, eine Bewegung zu übersehen, die darauf abzielt, einen Staat wieder herzustellen, der älter ist als die ältesten Staatswesen Europas. Der IV. Zionisten-Congress hat uns gezeigt, dass die Hoffnung auf die Wiederherstellung der jüdischen Selbständigkeit das Judenthum in tiefsterSeele ergriffen hat. Es gibt eine imposante Anzahl von zionistischen Vereinen in Russland, und 135 in Amerika. Die Einwendungen, die von feindlicher Seite gegen den Zionismus erhoben werden, erweisen sich bei näherem Zusehen als Miss Verständnisse. Kein Mensch denkt ernstlich daran, sämmtliche Juden der Welt gewaltsam nach Palästina zu schicken; aber niemand, der auch nur das geringste Verständnis für nationales Leben hat, wird sich darüber wundern, dass die zerstreuten, bedrückten und verachteten Juden für eines der grössten historischen Völker der Welt ein Heim schaffen wollen, wo sie in Ruhe und Frieden ihren Idealen leben könnten. Gelingt es dem Zionismus, einen Rothschild für seine Ziele zu gewinnen, so wird er die finanziellen Schwierigkeiten, die der Verwirklichung seines Ideals im Wege stehen, mit Leichtigkeit überwinden. Es gibt wenige gemein menschliche Bewegungen, die mich in so hohem Grade mit The il nähme und Erwartung erfüllen.fc Jüdisches Gefühl. Unter diesem Titel erscheint in Prag eine neue belletristische Zeitschrift für die jüdische Jugend. Als Herausgeber zeichnet unser verdienstvoller Gesinnungsgenosse Philipp Lebenhardt. Die erste Nummer, die uns vorliegt, präsentiert sich sehr nett in handlichem Zweiunddreissigstel-Format. Dem Programm der neuen kleinen Wochenschrift entnehmen wir folgenden Passus: „Ihr lieben guten kleinen Leser und Leserinnen, wie viel Schönes und Grosses bleibt Euch unbekannt, weil Haus und Schule es an jüdischer Erziehung mangeln lassen; in diesen Blättern soll Euch wenn möglich Ersatz geboten werden. Ihr sollet in der Zukunft nicht mehr gezwungen sein, wenn Eure Wissbegierde nach Befriedigung verlangt, fremde Schriften zu lesen, die Euerem Gemüth und Eueren Anlagen nicht entsprechen. In diesen Blättern werdet Ihr Aufschluss über die Vergangenheit Eueres Volkes bekommen, dessen Geschichte

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