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Die Welt · 1900-09-28 · 39 (28.9.1900) · p. 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
39 (28.9.1900)
Article
Die Buren und die Juden
Date
1900-09-28
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 ,Die & Welt?u Nr. 39 war, weiss der Erzähler nichts woher er war, weiss er auch nicht; er hiess einfach „Hermann de Jood". Hermann wohnte vor Ausbruch des Krieges im Districte Wolmarans. Als die Commandos aufgerufen wurden, um ins Feld zu ziehen, meldete auch er sich. Der Feldcornet wollte anfänglich nichts von ihm wissen, Hermann erklärte jedoch, er würde unter allen Umständen mitgehen und setzte seinen Willen auch durch. So kam er denn zum Commando von General Cronje vor Mafeking, wo er sich durch seine Tapferkeit — er schlich sich manchmal ganz aliein an die feindlichen Vorposten heran — Aller Achtung erwarb. Als die Engländer bei Modder-River sein Pferd todtgeschossen hatten, birschte er sich am helllichten Tage an den Pferdekraal der Engländer heran, schwang sich auf eines der besten Pferde, nahm ein anderes beim Zügel und galoppierte, von den Wachtposten der Engländer heftig beschossen, ins Burenlager zurück. „Kwae" Piet" („böser Peter", der Beiname des Generals Cronje) belobte ihn für diese That vor der ganzen Truppe. Er war einer der wenigen Tapferen, die es wagten, die von den Engländern beinahe völlig aufgeriebenen Skandinavier aus der feindlichen Uebermacht herauszuhauen. Auch dafür wurde er öffentlich belobt. In den schwierigsten Lagen bewahrte er eine aussergewöhnliche Ruhe. Diese kam ihm auch bei Maggerfontein sehr zu Statten, als er ganz allein einen von zwei englischen Soldaten und zwei bewaffneten Kaffern geführten Wasserkarren wegnahm. Für diese kühne That empfieng er aus Cronjes Hand eine Belobung der Regierung, welcher Cronje seine Unterschrift hinzufügte. Als General Liebenberg mit seinem Commando aus Cronjes Lager aufbrach, um nach Prieska in der Capcolonie zu ziehen, wo man die Capcolonisten zum Aufstand bringen wollte, desertierte Hermann, der zurückbleiben musste, ein paar Tage nach dem Abmarsch des Commandos aus Cronjes Lager und schloss sich dem Commando an. Zum Flaggenträger ernannt, wusste er bei dem bekannten nächtlichen Ueberfall sich durch die Bastards bei Prieska durchzuschlagen. Am folgenden Morgen sah man unweit des Gefephtsterrains von einem Kopje, weithin sichtbar, die „Viercleur" wehen. Die vierzehn Mann starke Patrouille, welche sich wieder versammelt hatte, trabte zu dem Kopje hin und fand dort Hermann, der mit der grössten Seelenruhe erklärte, so lange er lebe, würde kein Feind den Flaggenstock berühren. Kurz darnach wurde er mit einer Abtheilung Bürger als „padwijzer- (Wegweiser) über Prieska hinausgesandt, um Colonisten zu bewaffnen. Noch unterwegs ernannten ihn die Bürger zu ihrem Commandanten, eine Ehrung, der er sich vollkommen würdig erwies. Bis Mitte Juni setzte er unermüdlich den Guerillakampf im Rücken der englischen Hauptmacht fort, dann drang die Nachricht von seinem Tode durch die englischen Linien ins Boerenlager, wo sie mit tiefster Betrübnis empfangen wurde. Wenn einstens ein Transvaaler die Geschichte dieses grossen Krieges schreibt, wird er sicherlich nicht vergessen, in diesem Werke „Hermann de Jood* eine bleibende ehrende Erinnerung zu sichern. Die General-Versammlung der Jüdischen Colonialbank. (Nachtrag.) Zu unserem Berichte über die Thätigkeit des 21-gliedrigen Ausschusses, der die Wünsche bezüglich der Colonialbank vorzubringen hatte, ist noch nachzutragen, dass auch Mr. David Wolffe aus Birmingham der Nachmittagssitzung beiwohnte und an den Verhandlungen theilnahm. Correspondenzen. Wien. (IsraelitischeCultusgemeinde.) In der am 19. d. M. unter dem Vorsitze des Präsidenten, kaiserlichen Raths K 1 i n g e r stattgefundenen Vorstandssitzung berichtete der Präsident über die am 10. d. M. im Stadttempel in Anwesenheit des Vorstandes und zahlreicher Andächtiger abgehaltene Trauerandacht nach weil. Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth. Der Präsident brachte me&rgEß in der letzten Woche durch das Vertreter-Collegium erfoJigtefijSrjedigungen zur Kenntnis. Wir behalten uns vor, übe^jjbdifdftiverschiedenec Berathungsgegenstände dieser SitSjwigrHPtniänserer nächsten Nummer noch ausführlichen Beiy-ölptristio i>rirtgen. o'ftstfßeMjy AW&y Religionslehrer-Curs.) Die isra%ti*fecftöfi8lflSö&gemeinde in Wien bringt zur Kenntnis, £>rni$mj£ isbo -*io dass der II. Jahrgang des Curses zur Heranbildung israel. Religionslehrer am 22. October 1900 eröffnet wird. Aufnahme finden jene Hörer, welche durch die Sonntag, den 21 October d. J. stattfindende Aufnahmsprüfung ihre Reife für den II. Jahrgang nachweisen. Der Unterricht wird wie im Vorjahre in den Abendstunden und unentgeltlich ertheilt. Die Anmeldungen haben bis zum 15. October in den Stunden von 8—12 Uhr beim Rectorate der israelitischtheologischen Lehranstalt, II. Bez., Tempelgasse Nr. 3 zu erfolgen. Bezüglich der Verleihung von Stipendien an fähige, strebsame Theilnehmer, sowie betreffs der Unterichtszeit und des Lehrprogrammes werden später Verlautbarungen stattfinden. Prag. Der für October in Aussicht genommene Process H ü 1 s n e r ist neuerlich vertagt worden. Die Untersuchungsacten befinden sich gegenwärtig bei der Oberstaatsanwaltschafc in Prag, welche sich, wie bekannt, das gesammte Material erbeten hat, um festzustellen, ob die Erhebung der Anklage auch auf die Ermordung der Marie Klima auszudehnen sei. Pardubitz. („D as neue Ghett o") von Theodor Herzl wurde hier am 21. d. M. von der Truppe Zöllner zum erstenmale in czechischer Sprache aufgeführt. Das Stück erzielte lebhafte Wirkung. Die czechische Uebersetzung hat Dr. Bohumil Wiedermanu' besorgt. Stanis'au. (Todesfall.) Am 20. d. M. verschied hier nach kurzem, aber schwerem Leiden unser Gesinnungsgenosse und A. H. der „Kadimah* in Wien, Ingenieur Max Schloss. Bolechow. (Ein zionistischer Discussionsa b e n d.j Der hier bei seinen Angehörigen zu Besuch weilende Director der jüdischen Colonialbank, Herr Heinrich Rosenbaum, hat unseren Verein „Chowewe Zion" am 19. d. M. mit seinem Besuche ausgezeichnet. Nachdem unser Präsident, Herr N. Lothringer, ihn begrösst hatte, wurde eine Discussion über zionistische Fragen eingeleitet, wobei Herr Director Rosenbaum viele an ihn gerichtete Fragen über die Colonialbank und den Zionismus in überzeugender Weise zu unserer grössten Genugthuung beantwortete. Unser verehrter Gast erntete mit seinen Ausführungen allseitigen Beifall. Budapest. (Ein neues Blutmärchen.) Die Ermordung eines 15jährigen Mädchens, der Rosa Pentek, hat in Abädszalök bei Debreczin ernste Ruhestörungen hervorgerufen. In der Annahme, dass es sich um einen Ritualmord handle, rottete sich das Volk vor dem Hause des jüdischen Händlers Moses Brüll zusammen und zertrümmerte unter Schimpfworten auf die Juden Thüren und Fenster. Unglaublich, aber wahr ist es — wenigstens wurde die Nachricht bisher noch nicht dementiert — dass das Gensdarmerie-Commando Debreczin folgendes Telegramm von dem Gensdarmerieposten-Commando in Abädszalök erhielt: „Heute wurde hier Rosalia P6ntek ermordet. Es liegt offenbar Ritualmord vor. Die Einwohnerschaft des Dorfes ist furchtbar erregt." — Die Gensdarmerie hat sofort verfügt, dass ein verstärkter Posten nach dem genannten Orte abgehe, um die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten und die jüdischen Einwohner zu schützen. Eine Untersuchung zur Eruierung sowohl des Mordes, als auch des Verbreiters des Gerüchtes, dass ein Ritualmord vorliege, wurde eingeleitet. Berlin. (Zur Konitzer Mordaffaire.) Vor dem Berliner Landgerichte wurde kürzlich der Process gegen die „Germania", das clericale Hauptorgan, verhandelt, welche der Behörde- und Beamten-Beleidigung angeklagt war, weil sie behauptet hatte, die Untersuchung in der Konitzer Mordaffaire werde zugunsten der Juden geführt und es komme dabei nichts heraus, weil nichts herauskommen solle oder dürfe. Der Staatsanwalt führte aus, die „Germania" habe nicht bloss den ungerechten Vorwurf der Ungeschicklichkeit und Ungerechtigkeit gegen die betreffenden Beamten erhoben, sondern sie werfe diesen einfach absichtliche Beugung des Rechtes zugunsten angeblich schuldiger Juden und zu Ungunsten unschuldig angeklagter Christen vor. Das seien sehr grobeEhrenkränkungen auf Grund unwahrer Thatsachen. Er bestreite energisch, dass von vornherein in der Untersuchung etwas verfehlt sei, und behaupte, dass die ersten Untersuchungsmassregeln nach Kenntnis der Thatsachen durchaus sachgemäss eingeleitet worden seien. Der Gedanke eines Ritualmordes sei doch so entsetzlich und fürchterlich, dass er von. Anfang an gar nicht aufgekommen war; man dachte vielmehr zuerst an einen Mord aus Eifersucht. Die Ermittlungen seien ohne Erfolg geblieben: sie haben in Bezug

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