Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 39 (28.9.1900)
- Article
- Aus Rumänien
- Date
- 1900-09-28
- Page
- 3 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39 »Die Welt" Seite 3 gesagt, dass nur untaugliches Material zurückgesandt wurde. Eine grosse Anzahl ist dermassen tauglich, dass Herr Astryk sie nächstens vorschlagen will für die Emigration, unterstützt durch die „Ica". Herr Blaustein hat so manche gesehen und war sehr verwundert über die Missgriffe. Warum senden uns die Ihrigen kein Geld? Wie soll den Armen, die nicht auswandern wollen und auch nicht können, aufgeholfen werden? Man könnte so mancher Familie durch einen Vorschuss oder sagen wir auch ein Geschenk von 300 Lei wieder einen Erwerb schaffen. Nebenbei gesagt, kosten die Reisespesen für jeden Handwerker 300 Lei. und ausserdem muss seine Familie noch einige Zeit versorgt werden, während mit einer Hilfe hier vieles, sehr vieles geschaffen oder verbessert werden könnte, denn alles lässt sich nicht auf einmal aus Rumänien fortschaffen. Es könnte viel bittere Noth und viel Elend gelindert, ja sogar aufgehoben werden. Bewusster ist, wie Sie selbst wissen, ein sehr harter Geselle. Und wie schauen unsere Schulen aus? Wir haben kein Geld, unsere Lehrer zu bezahlen, und was soll mit all diesen Knaben geschehen? — Ich sage Ihnen, dies ist das Allerbitterste. Bisher hat der Jude selbst in seinem Elemente, Bildung und Gelehrsamkeit, kaum sich gut befunden, wie wird es erst ausschauen im Elemente der Verrohung?! Herr W......, der Informator aus Amerika, ist schon fort; er hat ein schönes Bild unserer Verhältnisse mitgenommen. Es wurde ihm gesagt von hoch oben, nichts werde für die Juden geschehen, denn der Antisemitismus wuchert nicht im Volke, sondern obenauf, bei den dirigierenden Classen. Rühren Sie doch die Herren bei Ihnen auf, thun Sie etwas, Sie würden hiermit eine sehr grosse VVohlthat üben . . Die mitgetheilten Brieffragmente werfen ein grelles Schlaglicht auf die Lage der Juden in Rumänien. Der Gesammtjudenheit steht noch eine grosse Aufgabe bevor, wenn sie die rumänischen Stammesbrüder wirklich retten und vor dem Untergange bewahren will. Vor allen Dingen ist es nothwendig, dass die volle Wahrheit über die Lage unserer unglücklichen rumänischen Brüder ans Tageslicht komme, und dass die schweren Fehler, die anlässlich der Emigration begangen wurden, in keiner Weise beschönigt werden. Das ist die Grundvoraussetzung für eine zielbewusste und erfolgreiche Hilfstätigkeit. Eine solche erfordert allerdings sehr viel Arbeit, sehr viel Sachkenntnis, sehr viel Umsicht und Ausdauer, vor allem aber wahlhaft jüdisch fühlende Herzen. Es gibt gewiss eine grosse Zahl von Kräften in unserem Volke, die sich mit Freuden in den Dienst der grossen Sache stellen werden. Und es bedarf eben der Mitwirkung vieler, damit die grossen Fehler des vergangenen Sommers künftig vermieden und die traurigen, heute kaum in ihrer Gänze übersehbaren Folgen der unglückseligen, ohne Auswahl und ohne Rücksicht mit List und Zwang durchgeführten Repatriierungen — die, wie wir auf Grund genauer Kenntnis der Sachlage sagen können, in keiner Weise gerechtfertigt werden können — nach Thunkeit gemildert werden. Die Actienclubs der Jüdischen Colonialbank. Unter der Ueberschrift „Eine neue Subscriptions-Methode" berichteten wir in Nr. 19 unseres Blattes über die Gründung des „Jewish Colonial Trust Share Club", der seinen Hauptsitz in London hat. Der Club bezweckt, seinen Mitgliedern die Möglichkeit zu verschaffen, mittelst kleiner, wöchentlicher Beiträge Actien der Jüdischen Colonialbank zu erwerben, wodurch Sparsamkeit gefördert und ein persönliches Interesse an der Bank geweckt werden soll. Da der Zweck des Clubs somit von allgemeiner Bedeutung ist, so war er von Anbeginn als ein weithin verzweigte r Bund mit dem Stammsitze in London und Zweigniederlassungen in der ganzen Welt gedacht. Wie wir nunmehr unseren Lesern mittheilen können, steht die Londoner Centrale des Clnbverbandes bereits mit 168 zionistischen Vereinen und Privatpersonen in verschiedenen Städten in Verbindung wegen der Gründung von Filialen des „Jewish Colonial Share Club". In London allein sind dieser Tage vier neue Clubs gegründet worden. Im Nachfolgenden theilen wir unseren Lesern die Statuten der Centrale und das von dieser entworfene Statut für die Einzelclubs mit: 1^ Die Centrale. Eine Centrale wird in London eröffnet. Alle Clubs haben mit ihr in directer Verbindung zu stehen und sich ihren Statuten und Entscheidungen zu unterwerfen. Die Centrale wird von einem Präsidenten, zwei Vicepräsidenten. zwei Cassierera, zwei Secretären und zwei Bücherrevisoren verwaltet, die alle in London wohnhaft sein müssen. Diese Aemter sollen (nach dem ersten Jahre) von Personen besetzt werden, welche durch die Delegierten der Clubs jährlich zu wählen sind. Im Falle es den Delegierten unmöglich sein sollte, persönlich zu erscheinen, können sie ihre Stimmen per Post einsenden. Die Majorität der Stimmenzahl entscheidet. Statutenänderungen können nur bei speciell für diesen Zweck einzuberufenden Sitzungen der Centrale und der Delegierten vorgenommen werden. Die beschlussfähige Zahl bei den jährlichen Wahlversammlungen ist dreizehn Stimmen von anwesenden oder vertretenen Clubmitgliedern. Die beschlussfähige Zahl bei allen anderen Versammlungen ist sieben Stimmen von anwesenden Clubmitgliedern. Jedes Mitglied hat nur eine Stimme, gleichviel wie gross die Anzahl seiner Einzahlungsbücher ist. Im Falle der Stimmengleichheit hat der Vorsitzende das Recht, nebst seiner Stimme als Mitglied, auch als Vorsitzender eine zweite ausschlaggebende Stimme abzugeben. Die Centrale wird Marken in Bögen zu je 90, gehörig numeriert, drucken lassen und je nach Bedarf gegen Zahlung des darauf befindlichen Nominalwertes vertheilen, mit Ausnahme des ersten Bogens .von 90 Marken, der gegen genügende Garantie vorgestreckt werden darf. Sie wird genaue Rechnung führen über alle gedruckten Bögen, solche, die auf Lager und solche, die verausgabt sind, sowie über die empfangenen Gegenwerte. Die Centrale wird von der Bank in .London von Zeit zu Zeit mit den für Marken erlegten Beträgen die benöthigten Actien ankaufen in Ein- oder Mehrheiten von Pf. Sterl. 1.— oder Pf. Sterl. 1 i>s. (kl., je nach Bedarf. Die Centrale wird gegen vollgezahlte Einzahlungsbücher den Clubs Actien zukommen lassen ohne weitere Unkosten, ausgenommen selbstverauslagte Spesen wie Porto, Fracht, Versicherung etc. Die Centrale wird von Zeit zu Zeit in möglichst vielen zionistischen Blättern Bekanntmachungen über eventuelle Aenderungen der Statuten veröffentlichen, und wird überhaupt die zionistischen Zeitungen als Mittel zur Propaganda benützen. Statuten und Modelle der zu führenden Abrechnungen werden den Clubs zur Verfügung gestellt: auch erhalten die Clubs die Einzahlungsbücher zum Einkleben der von ihnen verausgabten Marken. Rimessen müssen in Pf. Sterl.-Cheques auf London gemacht werden, um Coursverluste zu vermeiden. Das Drucken der Marken und Einzahlungsbücher, sowie Drucksachen im allgemeinen, Porto- und Miethe etc., sollen durch freiwillige Beiträge, Sammlungen bei den Mitgliedern, Eintrittsgebüren oder sonst in geeigneter Weise bestritten werden. (Für das erste Jahr wurde von der Executive probeweise ein Shilling pro Mitglied als Einschreibegebür festgesetzt) Ein jährlicher Bericht mit einer revidierten Bilanz muss vor dem Pessachfeste eingereicht werden. Monatliche Ausweise müssen von jedem Club wie auch von der Centrale ausgefertigt werden, die u. a. genau ausweisen, wie viele Marken verausgabt wurden, wie viele in Händen sind, wie viele Actien geliefert wurden und wie viele Einzahlungsbücher (und deren Wert) in Circulation sind. Alle Abrechnungen müssen gehörig revidiert und, von den Bücherrevisoren, Secretären und Cassierern unterschrieben, präsentiert werden.