Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1900-09-21 · 38 (21.9.1900) · p. 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
38 (21.9.1900)
Article
Rossland (Canada) [Nachricht]
Date
1900-09-21
Page
10 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3315850-3315890-3372542--21917-3372656
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 10 „Die s£ Welt" Nr. 38 Zeitungen sich der rumänischen Immigration direct feindlich entgegenstellen und eine rohe Sprache fuhren, die eines jeden deutschen Antisemitenblattes würdig wäre. So erweist sich denn die Besorgnis einsichtsvoller Leute, dass die rumänischen Juden in ihren Reisebündeln den Antisemitismus, vor dem sie fliehen, mit sich schleppen möchten, als nur zu gerechtfertigt ... B. B*ttscbi9iftei)i3ui)dscbau. Der Zionismus in einem amerikanischen Blatte. In der in New - Port (Amerika) erscheinenden Zeitung „The News" veröffentlicht unser ausgezeichneter Gesinnungsgenosse Rev. Dr. Pereira de Mendes,Mitglied des Actions- Comites für Amerika, einen glänzenden Artikel über „Das Wesen und die Ziele des Zionismus", dem wir die folgenden Stellen entnehmen: „Die grössten Anfeindungen hat die Gründung der jüdischen Colonialbank erfahren. Dass die Stempelabgaben für das gezeichnete Capital die grösste Ausgabspost bilden, stellt der umsichtigen ökonomischen Verwaltung der Directoren das höchste Lob aus ... Man bedenke, dass 120.000 Actionäre in 2000 Städten auf dem ganzen Erdenrund an der Colonialbank interessiert sind." „Der Ansporn, den der Zionismus dem Studium der hebräischen Sprache gegeben hat. ist gewaltig. Man besuche die Buchhandlungen des Judenviertels und man wird staunen, wie viele hervorragende Werke aller Sprachen ins Hebräische übersetzt sind. Zu keiner Zeit eine todte Sprache — denn stets war es Handels- und Verkehrssprache — ist das Hebräische heute lebendiger als je." „Dieselben Ursachen, welche Egypten auf der einen Seite des Suezcanals mit einem Male in den europäischen Civilisationsbereich gezogen haben, werden bald auch auf das jenseits des Suezcanals gelegene Palästina zu wirken beginnen. Dieser Canal ist jetzt von vitaler Bedeutung für die Grossmächte, welche in Ostafrika oder noch weiter östlich Besitzungen haben. Durch ihn bewegt sich der Handel mit ihren Colonien, durch ihn müssen sie ihre Truppen senden. Palästina ist in gefährlicher Nähe des Suezcanals, und keine Macht möchte der andern seinen Besitz gönnen. Die zionistische Frage ist so gleichzeitig die orientalische Frage.-' „Die Türkei dürfte einem solchen Plane nicht abgeneigt sein, denn ein jüdisches Gemeinwesen in Palästina würde eine erhöhte Bürgschaft für ihre eigene Existenz bedeuten. Palästina, unberührt von allen colonialen Verwicklungen, wird es nicht nothwendig haben, um die Freundschaft der Nationen zu buhlen, noch ihre Feindschaft zu fürchten. Es könnte sich auf die moralische Kraft aller Nationen stützen, keine würde es versuchen, der Gerechtigkeit zuwider zu handeln, so dass die Türkei nicht länger ihre Feinde zu fürchten brauchte. Welcher Segen für die Menschheit,wenn diese unselige Frage endgiltig verschwände." „Alle Achtung vor den Männern, welche den Muth haben, an diesem Werke zu arbeiten. . . Alle Ehre den Märtyrern der Geschichte, welche durch so viele Jahrhunderte für diese Ideale gekämpft haben." „Wenn Zion der Sitz einer Religion sein wird, die grösseres Gewicht auf Menschlichkeit legt..., wenn die in allen Welttheilen verstreuten Juden auf dem Boden Palästinas und unter dem Einflüsse dieser religiösen Weltanschauung für die Erhaltung der socialen und politischen Gerechtigkeit eintreten werden, dann wird der Zionismus verwirklicht sein!" Jadische Volksstimme. Soeben ist die Nr. 16 unseres Brünner Bruderblattes erschienen. Sie weist einen reichen Inhalt auf. An erster Stelle finden wir einen -Artikel „Der vierte Congress und die wirtschaftliche Frage", in dem unter anderem die Einberufung von zionistischen Delegiertentagen in den einzelnen Ländern angeregt wird, deren Berathungen ausschliesslich der wirtschaftlichen Frage gewidmet sein sollen. Ferner plaidiert der Artikelschreiber für den Antrag des Congressdelegierten W einmann zur Schaffung einer Wirtschaftsstatistik derJuden aller Länder. Er empfiehlt dem zionistischen Actions-Comite die Durchführung dieser Aufgabe. Die Nummer enthält ausserdem einen Aufsatz von Ben Eliezer über „Die Juden und der Socialismus", einige hübsche Beiträge zum Capitel „Unsere Cultusgemeinden", einen sehr interessanten Artikel von Doctor Armin F i s c h 1 mit der Ueberschrift „Der Congress und die Socialdemokratie", zwei Novelletten von Rosa P o m eranz und reichhaltige Correspondenzen und Vereinsnachrichten. Jüdische Turnzeitung. Die Septembernummer dieser in Berlin erscheinenden stramm jüdisch-nationalen Zeitschrift enthält einen sehr originellen polemischen Aufsatz, der die Ueberschrift „Jüdische Turner und jüdische Philister' trägt, Wir führen hier aus demselben folgende Stellen an: „Der „American Israelite" macht den „nationalistischen Wahnsinn unter den Juden" für solche „äusserst ungebetene und unnütze Erscheinungen" verantwortlich, wie es die „Jüdische Turnzeitung" sei. Der jüdische Nationalismus lenke die Augen ab von dem wahren Ziele des Judenthums als einer religiösen Kraft in der Welt. Wo sind, fragen wir da, die jüdischen Missionäre, welche für die Ausbreitung dieser „religiösen Kraft" bei Andersgläubigen gewirkt haben? Und welche Erfolge, fragen wir weiter, hat das des Nationalismus entkleidete rein religiöse Judenthum in unseren eigenen Reihen gezeitigt? Hat es nicht massenhafte Taufen und Mischungen im Gefolge gehabt? ... Aber unsere jüdischen Philister, die in ihrer Engherzigkeit den befreienden und beseligenden Gedanken des Nationaljudenthums gar nicht fassen können, sehen es nicht oder wollen es doch nicht sehen, wie sie mit ihrem Kampfe gegen die jüdische Nation auch der jüdischen Religion ihre Wurzeln abgraben. „Auch im Alterthum gab es einmal eine Zeit, in der die Juden mit Philistern zu kämpfen hatten. Aber diese Philister waren wenigstens nicht Söhne unseres eigenen, sondern eines fremden Volkes, das uns nur körperlich und nicht auch . . . zugleich geistig zu knechten suchte. Aber auch gegen diese Knechtnng erhob sich das jüdische Volk, und an seine Spitze trat ein Held, der die Juden vom Joche siegreich befreite, dessen Thaten alsbald von der Sage umsponnen und dessen Kraft von der Phantasie bis in das Uebermenschliche gesteigert wurde." „Der Simson war ein starker Jude, Erregte den Philistern Graus, Er rückte ihnen auf die Bude Und rüttelte am Staatenhaus. Der neue Simson aber, die starke jüdische Turnerschaft, die den modernen jüdischen Philistern solchen Graus erregt, sie wird ihnen auch auf die Bude rücken und ihr längst morsch gewordenes Staatenhaus über den Haufen werfen .. . Damit aber wird er sich als die festeste Säule bewähren für die Zukunft unseres jüdischen Volkes." „Jerusalem", eine literarische Revue. Von dieser in hebräischer Sprache erschein den Zeitschrift (Herausgeber: Jonas Kreppel) liegt uns das dritte Heft vor. (Krakau 1900.) Es enthält eine Anzahl vortrefflicher Recensionen von Neuerscheinungen des hebräischen und jüdischen Büchermarktes. Erwähnenswert ist auch die an Vollständigkeit nichts zu wünschen übrig lassende Aufzählung der allern euesten literarischen Erscheinungen, deren Besprechung sich die Redaction für die nächsten Hefte vorbehält.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.