Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 38 (21.9.1900)
- Article
- Rumänisches Wohlthun im grossen New-York
- Date
- 1900-09-21
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 38 „Die & WeW Seite 7 das dann besondere Anstalten zur Aufnahme trifft. In der Barge Office helfen Vertreter der Vereinigung den Einwanderern beim Examen, und stellen häufig namens derselben Bürgschaft, sofern die Landung dieses oder jenes derselben beanstandet wird. Von den etwa 2000 hier seit dem Beginn der Verfolgungen gelandeten Rumänen sind noch kaum ein Dutzend, die unter keinen Umständen hätten landen können, zurückgeschickt worden. Sofort nach der Landung erfahren die Einwanderer eine üeberraschung. Sie werden nämlich vom Kopfe bis zu den Füssen neu eingekleidet. Nicht ein einziges Stückchen der alten Kleidung, die auch infolge der Reisestrapazen stets ziemlich reduciert aussieht, bleibt an ihnen. Sie werden nunmehr nach dem Hauptquartier der rumänischen Gesellschaft gebracht, wo sie nach Namen und Beruf eingetragen werden. Haben sie nun Verwandte in Amerika, wird bei denselben angefragt, ob sie den Ankömmling zu sich nehmen wollen, bis er Arbeit gefunden habe. Dies geschieht fast durchweg, indessen sind die Fälle, dass die Einwanderer Verwandte hier haben, ziemlich vereinzelt. Alle anderen werden in Hotels auf der Ostseite untergebracht. Nicht nur ihr Logis und ihre Mahlzeiten erhalten sie, sondern auch Tabak, Cigaretten und andere Luxusbedürfnisse. Die rumänische Gesellschaft strebt danach, dem Einwanderer einen sicheren Halt in der neuen Heimat zu geben, und lässt ihn nicht allein in die fremde Welt hinaus, bis sie dies zustande gebracht hat. In allen Fällen ist dieser Halt regelmässige Beschäftigung. Jemand, der in Arbeit und Lohn steht, ist soweit, wie ihn seine Landsleute überhaupt bringen können. Braucht der Mann Werkzeuge dazu, werden sie beschafft. Ganze Seiten nehmen die Eintragungen ein, welche der rührige Schatzmeister der Gesellschaft, Herr Morris W. Lazarus, von 10S Eldridge Str., in seinen Abrechnungen der Beschaffung von Werkzeugen gewidmet hat Da findet man z. B. „Items* wie folgt: Werkzeuge für Karl Keufs, Küfer, Doli. 6-20; solche für Joseph Josephsohn, Zimmerer,Doll. 9*00; für M. L. Raphael, Uhrmacher, Doli. 16-00;für W.Silbermann, Holzschneider,Doli. 16-50.u.s.w. Für Farmarbeiter und viele andere Leute, welche keinen bestimmten Beruf haben, brauchen natürlich keine solchen Ausgaben gemacht zu werden. Die Werkzeuge allein thun es freilich nicht. Der Mann, der mit solchen ausgestattet ist, muss einen „Job" haben. Auch dafür sorgt die Gesellschaft, und sie kann dafür sorgen, denn sie hat alles in der besten Weise organisiert. Ueberau im Lande hat sie Agenten, namentlich in den grösseren Städten, und bald läuft im Hauptquartier eine Depesche aus Pittsburg ein, dass zehn Zimmerleute gewünscht werden, bald telegraphiert der Mann in Chicago, er habe einen Platz für einen Uhrmacher oder einen Schneider und sehr häufig kommt ein Verlangen aus dieser oder jener Stadt, wo einige Dutzend Maurer, Handlanger oder Farmarbeiter gewünscht werden. Unter den Einwanderern sind alle Stände und Berufsarten vertreten: kürzlich befand sich unter denselben ein vier Sprachen sprechender Journalist, der den Staub Rumäniens schleunigst hatte von seinen Füssen schütteln müssen, weil er in einem, für ein Wiener Blatt geschriebenen Artikel die Regierung seines Heimatlandes gar zu scharf kritisiert hatte. Ist nun ein Platz für einen Einwanderer gefunden, kauft die Gesellschaft das Bahnbillet und gibt ihm einen Zehrpfennig. Sie sieht darauf, dass er in den richtigen Zug, womöglich einen bis zum Bestimmungsorte durchgehenden, kommt. Bei seiner Ankunft wird er dann von einem Vertreter derselben in Empfang genommen und in ein Kosthaus gebracht, wo die Gesellschaft für die erste Woche das Kostgeld garantiert. Nunmehr steht der Mann auf eigenen Füssen. Bei Familien wird natürlich für alle Mitglieder in gleicher Weise gesorgt. Die rumänische Gesellschaft, an deren Spitze Herr Dr. P. A. Siegelstein steht, hat das Hilfswerk,wie im Vorstehenden dargethan, ausgezeichnet organisiert. Was noch mehr ist, sie hat bisher alle Kosten aus der eigenen Casse gedeckt Letztere ist natürlich sehr zusammengeschmolzen, und Hilfe von anderer Seite als aus der rumänischen Colonie, die sich als so aufopferungsfreudig erwiesen hat, thut dringend noth. Sie wird auch kommen, wenn erst mehr über das wohlthätige Werk der Vereinigung in die Oeffentlichkeit dringt. Ein Bericht über den gegenwartigen Stand der jüdischen Colonien in Palästina wird binnen kurzem in Druck gelegt werden- Es ist dies der Rechenschaftsbericht der Herren A. Günzberg (Achad-Haam) und Agronom S u s s m a n, welche von dem Odessaer „Central-Comite zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Palästina und Syrien" ausgesandt worden waren, um die Colonien zu inspicieren. Man darf auf dieses Referat gespannt sein, da insbesondere Herr A. Günzberg sich bereits als unvoreingenommener, scharfsichtiger Beobachter der colonialen Zustände in Palästina bewährt hat, und von ihm auch diesmal treffliche Anregungen zur Sanierung mancher Uebelstände erwartet werden dürfen. Zur Hungersnoth in Bessarabien. Auf die erste Partie von 125 Personen, die auf dem im Kreise Balta gelegenen Baron Günzburg'schen GuteMogiinaj als Landarbeiter Beschäftigung fanden, ist jetzt eine zweite 100 Personen starke Partie gefolgt. Die Juden haben sich als tüchtige Arbeiter so bewährt, dass gegenwärtig der Inspector des Gutes in Orgjejew weilt, um eine aus Männern, Frauen und Knaben bestehende dritte Partie zu organisieren. Die Leute erhalten 25 Kopeken nebst freier Station und werden bei der Rübenernte beschäftigt Neues aus Borkum. Die Borkumer Badecommiss i o n hatte ein Rundschreiben an die Aerzte gerichtet, in dem sie von den neuen Einrichtungen des Bades Mittheilung machte. 52 Hamburger Aerzte haben daraufhin einschreiben an die Badecommission gerichtet, in dem es heisst: „Wir sehen uns zu der Erklärung veranlasst, dass wir Borkum als Curort nicht nur nicht empfehlen, sondern vielmehr unseren Clienten, sowie allen anderen unserem Einflüsse zugänglichen Personen dringend abrathen werden, einen Curort wie Borkum zu besuchen, wo antisemitische Roheiten, die auch jeden anständigen Christen anwidern müssen, nach Inhalt vielfacher, bisher unwidersprochen gebliebener Blättermeldungen, an der Tagesordnung sind." Der Wochenbericht des Matrikelamtes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde für die Zeit vom 2. bis zum 8. September 1900 weist 6 Trauungen, 43 Geburten und 35 Sterbefälle auf. Personalnachricht. Am 28. August fand im Locale der zionistischen Lesehalle in Braila die Vermählungsfeier unseres verdienstvollen Gesinnungsgenossen Alfred Sigally mit Fräulein Betty Soletoroff statt. Correspondenzen. Wien. (Einzelverein „Wien" des „Zion"-Verb a n d e s.) Wir beehren uns, die Verbandsmitglieder zu benachrichtigen, dass an den hohen Feiertagen unter der Leitung unseres Vereines ein Gottesdienst im grossenSaale desCongressbureau,IX., Türkenstrasse 9, abgehalten wird. — Am 1. Rosch-Haschono-Abend, sowie am 1. Tage vor dem Mussaph-Gebete, ferner zu Kolnidrei und zur Seelenfeier am Jom-Kippur wird unser Gesinnungsgenosse Dr. Benjamin G r ü 11 predigen. Sitze können im Congresslocale belegt werden. Die Muss ap h i m werden von dem als tüchtigen Vorbeter bekannten Gesinnungsgenossen Herrn David Schub aus Rosch-Pinah vorgetragen. Der Gottesdienst beginnt Sonntag Abend 746 Uhr. Montag und Dienstag Früh 7 Uhr (vor Mussaph Pause). Montag Abend 6'/< Uhr. — Kol-nidrei 6 Uhr, Jom-Kippur Früh 7 Uhr, Mussaph (nach der 1. Pause) 12 Uhr,Mincha (nach der 2. Pause) 3/44 Uhr. Wien. (Jüdischer Turnverein.) Wegen Renovierung unseres bisherigen Locales muss die Eröffnung der Türnabende bis zum 1. October verschoben werden. Oderberg. (T e m p e 1 w e i h e.) Sonntag den 9. d. M. fand hier die feierliche Einweihung des neuerbauten Tempels statt Zahlreiche Cultusgemeinden aus Mähren, Schlesien und Deutschland waren durch ihre Rabbinen vertreten. Cultusvorsteher Herr M. Strassmann eröffnete den Tempel. Die Festrede hielt Seine Ehrw. Herr Dr. J. S p i r a aus Ostrau. — Abends fand ein Festdiner und Tanzkränzchen statt. N. Czernowitz. Die jüd.-nat akad. Verbindung „Zephirah" ersucht uns um Aufnahme folgender Zeilen: Wir erfahren,