Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 37 (14.9.1900)
- Article
- Loschitz [Nachricht]
- Date
- 1900-09-14
- Page
- 16 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 „Die x£ Welt" Nr. 37 Mittheilungen des Actions Comites. Alle Zuschriften sind an das Secretariat des Congress-Bureaus, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Oesterreich-Ungarn. Frankreich. Loschitz. Am 3. August 1. J. hielt der Ferialverband jüdischer Hochschüler „Severitas" seinen Generalconvent des VII. Semesters ab. Gewählt wurden: cand. ehem. Julius Hirsch, cand. med. Otto Ehrenfest, cand. jur. Berthold Ekstein. — Am :*0. August hatte der Verband seinen Commers, der sehr zahlreich besucht war. Die Festrede, gehalten von cand. jur. Berthold Ekstein, behandelte die Frage: „Hat der Zionismus als Idee, getragen von einer Minderheit, eine Zukunft?" Im Anschlüsse daran erörterte cand. jur. Emil Hirsch die Frage: „Sind wir Zionisten eine Minderheit im Judenthum?'* Die Erörterung dieser Frage, in welcher besonders die Stellung der hiesigen Juden in dem Kampfe der Deutschen und Slaven gegeisselt wurde, fand ihren vollen Abschluss in den Auseinandersetzungen des Kadimahners cand. med. Oscar Löwenstamm „Unsere Littauer Juden deutscher Nation". Unter den zahlreichen Toasten erntete der unseres Rabbiners Herrn Doctor G ü n z i g, sowie des Vertreters der israelitischen Cultüsgemeinde, Herrn David Hirsch, lebhaften Beifall. Mähr.-Schönberg. Am 2. d. M. veranstaltete der Ferialverband jüdischer Hochschüler „Severitas" aus Loschitz daselbst einen Agitationsabend, der zahlreichen Besuch aufwies. Den Abend eröffnete der Cultusvorsteher Herr J. Stern, der die erschienenen Vertreter der „Severitas" wärmstens begrüsste und der Versicherung Ausdruck gab, dass gerade hier, wo die Radicalnationalen im heissen Kampfe mit den Internationalen stehen, die grellsten confessionellen Unterschiede unter den Nichtjuden herrschen, die jüdische Bevölkerung daselbst eine Idee, wie es der Zionismus ist, zu würdigen und zu tragen verstehe. Indem er mit einem Toast auf die Führer des Zionismus schloss, übergab er den Vorsitz dem erschienen Präses der „Severitas", cand. ehem. Julius Hirsch. Die Agitatiousreden, gehalten von cand. jur. Berthold E k s t e i n und cand. jur. E. Hirsch, behandelten den Zionismus und die Assimilation als Lösungsfragen. Die Auseinandersetzungen, von lebhaftem Beifaiie begrusst, riefen eine Discussion hervor, an der sich der Rabbiner von Mähr.-Aussee, Herr Dr. M. E. P r o s s n i t z, betheiligte. — Für den inofficiellen Theil, eingeleitet durch Toaste, gehalten von cand. med. Otto Ehrenfest und jur. B. Fischer, sorgte der israelitische Frauen-Verein von Mähr. Schönberg, an der Spitze die Damen Stern und Schild, und dank der Damen L ö w y und B e r g e r, sowie Frl. F i s c h er und der beiden Fräuleins Schild, verlief der übrige Tneil des Festabends in überaus reizender und animierter Stimmung. Ung.-Brod. Die Vereinigung jüdisch-zionistischer Akademiker in Ung.-Hradisch „Achiwah" veranstaltete Sonntag den 2. September in Ung.-Brod einen Agitations-Commers, dessen Reinerträgnis deu rumänischen Auswanderern zufiel. Das Fest nahm einen äusserst würdigen Verlauf. Schon lange vor Beginn war der Saal dicht gelullt. Nach der Eröffnung und Begrüssung durch uen Präses M.-U.-C. M. Schmitz erhielt theül. Fr. Winter das Wort zur Festrede. Die Tendenzrede hielt cand. jur. Berthola Singer. Der Bürgermeister der politischen Judengemeinde, Herr L. S c h o e n, bekundete seine und seiner Gemeinde Sympathien für den Zionismus. Hernach ergriff der Ohmaun des Hradischer „Zion", Herr J. W e i s s m a n n, das Wort und forderte, der vergangenen Novembertage erinnernd, zu fester Organisation im Sinne des zionistisenen Programmes auf. Techn. Wilh. Winter beleuchtete mit markanten Worten die Zustände in den einzelnen jüdischen Gemeinde- Vertretungen Südost-Mährens und forderte die Broder Gemeinde zu thatkräftiger Unterstützung des zionistischen Gedankens auf. Es sprachen noch jur. M. Körner und jur. S. Klein. Deutschland. Bonn. Die hiesige zionistische Vereinigung „Moses Hess" hat mit Beginn des Sommer-Semesters ihre regelmässige Thätigkeit wieder aufgenommen. Es sprachen bisner die Herren S. Jonas, München-Gladbach, üoer „Die Agitationsnummer der Weit" und Rabbinats-Candidat Dr. Marcus Cohn über „Adolf Isaak Cremieux". Paris. Herr Benzion Judkewitsch und Genossen beriefen eine grosse Volksversammlung ein, welche die Gründung einer zionistischen Ortsgruppe bezweckte. Dieser Zweck wurde auch erreicht, indem sich der Verein „Bnei Zion Bar Kochba" constituierte. Dem Ausschusse gehören die Herren Judkewitsch, Weissmann, Seigin, Feldmann und Berkowicz an. Niederlande. Amsterdam. Herr S. Rubinstein aus Höchst a. M. sprach am ±L. August über den Londoner Congress. An den Vortrag schloss sich eine längere Discussion, die den zionistischen Rednern vollen Erfolg brachte. Der Zionistenbund gewann viele neue Anhänger. England. Manchester. Unsere Bewegung macht hier sichtbare Fortschritte. Durch die von Prof. G o 11 h e i 1 an die hiesigen Juden gerichtete Ansprache und die Berichterstattung der Congressdelegierten nat der Verein Dorsche-Zion, bei 100 Mitglieder gewonnen. Auch der Verein „Daughters of Zion-* ist um öo neue Mitglieder reicher geworden. Ein neuer Verein mit dem Namen „Manch. Workingmen Zionist Association", weicher bereits 150 Mitglieder zählt, ist ins Leben getreten. In der „Achai-Brith" hat sich im Rahmen des Vereines, ein zionistischer Flügel gebildet, welcher bereits 50 Mitglieder zählt. Besonders verdient die Thatsache hervorgehoben zu werden, dass eine höchst orthodoxe Synagoge, welche circa 200 Anhänger zählt — Central Synagogue — anter Führung des Rabbiners und Delegierten L J o f fe sich vollständig und vollzählig in eine zionistische Gemeinde umgewandelt hat, deren jedes Mitgliedsich verpachtete, den Schekel zu leisten und mindestens einen Share zu kaufen. Rumänien. Beriad. Dem Ausschusse des Vereines „Choweve-Zion" gehören die Herren L. S u s s, M. E l s e n b e r g, G. Br o der, B. W a s s e r ui a n ii, D. Kaufmann und L. Goldenthal an. Afrika. Capetown. Die „Dorschei Zion Association" schreibt uns: Frohen Herzens beehren wir uns, ihnen niitzutheilen, "dass hier ein zionistischer Frauenverein gegründet wurde: „Benoth Zion". Der Verein zählt bereits 80 Mitglieder. Dem Ausschusse gehören die Damen an: Fr. Scham bau, Fr. K o h e n, Frl. K o h e n, Frl. Hoft'mann, Frl. M e d w i n. Dieser Tage üudet eine V ersammlung sämmtlicher Mitglieder statt behufs Wahl des stabüen Gomites und Formulierung der Statuten. Die Schekeleingänge werden wir Ihnen sofort zusenden. Der Zionismus hatte diese Woche bei uns einen grossen Sieg zu verzeichnen. Gelegentlich der Congresseröffnung in London ward eine grosse Vers'ammlung einberufen, zu der sich^mehr als 1200 Männer und Frauen einfanden. Aus Raummangel mussten hunderte Personen zurückgewiesen werden. Der Enthusiasmus für die Bewegung, die Begeisterung für ihre Führer war eine geradezu stürmische. Redner waren : Herr Leop. Kessler (.Mitglied des Actions-Coinites), Herr Jakob Turbowitz, Herr M a j us und Herr lienessow. Alle wetteiferten in Lobeserheuungen der Leiter des zionistischen Gedankens und deren Leistungen in der Wiederaufiebung des jüdischnationalen Bewusstseins. Mehrere engnsene Blätter erwähnen diese Versammlung in schmeichelhafter Weise und nennen dieselbe „eine grossartige". Wir haben zwar bereits die Resolution mittelst Depesche dem Londoner Congresse bekanntgegeben, wollen aber den Wortlaut derselben hier anfuhren, der lautet : „Die Vereine „Dorshei Zion" und „Benoth Zion" gaben iure Zustimmung zu dem zionistischnationalen Programm, sprecnen inr unbeschränktes Vertrauen ihren grossen Funrern aus, erwarten vertrauensvoll die besten Resultate der Congress-Miiglieder und sind hocherfreut, coustatieren zu können, dass die Bewegung im steten Fortschreiten begriffen ist und zu deu besten Hoffnungen berechtigt. In Abwesenheit des Dr. Isidor Marmorek für die Redaction verantwortlich: M. Hermann. —Buchdruckerei „Industrie* (S. Bergmann), Wien, VLLL, öchlösselgasse 11.