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Die Welt · 1900-09-07 · 36 (7.9.1900) · p. 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
36 (7.9.1900)
Article
Verehrte Stammesgenossen!
Date
1900-09-07
Page
11 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 36 „Die # Welt" Seite 11 Die Hauptschuld an den Schwierigkeiten tragen übrigens unsere Actionäre und Agenten selbst, die manchesmal in ihrem Eifer zu viel und manchesmal zu wenig gethan haben. Viele Listen der Subscribenten kamen doppelt, andere so mangelhaft, dass sie nicht eingetragen werden konnten. Ausserdem hatten wir Schwierigkeiten mit manchen Ländern, wo die Shares an der Grenze aufgehalten wurden und zu vielen langwierigen Verhandlungen führten. Alle diese Schwierigkeiten sind aber jetzt zum grössten Theile überstanden. Ich kann Ihnen die freudige Mittheilung machen, dass für alle Actionäre, die bis zum 1. Juli ihren Verpflichtungen vollkommen nachgekommen sind, also deren Registrierung durch keinen der obenerwähnten Zwischenfälle verzögert wurde, die provisorischen, respective definitiven Actien ausgefertigt und verschickt sind, und dass von jetzt ab die Ausfertigung der Shares keine weitere Verzögerung erleiden wird. Wenn Sie bedenken, dass unsere Bank fast tzO.000 Actionäre hat, die über die ganze Welt, von Irkutsk bis Bombay, von Hongkong bis London, von Montreal bis Buenos-Ayres, zerstreut sind, eine Zahl, die noch nie eine Bank erreicht hat — die meisten englischen Banken haben nur 500 bis 20.000 Actionäre und die grösste englische Actiengesellschaft nur deren 60.000 — die dazu fast durchwegs in nur einer Sprache correspondieren, während wir uns mit sämmtiichen Sprachen und Usancen aller Völker, unter denen Juden leben, zu beschäftigen haben: wenn Sie dies alles berücksichtigen, müssen Sie finden, dass unsere Arbeit keine geringe war, und dass unsere Leistungen wohl anzuerkennen sind. ISTun komme ich zu unserer Thätigkeit im verflossenen Jahre. Nach unseren Statuten dürfen wir erst mit wirklichen Geschäften beginnen, wenn wir 250.000 Pfund Sterling voll eingezahltes Capital besitzen. Vorläufig sind wir auf die nothwendigen Routinearbeiten beschränkt, die erforderlich sind, um unsere Shares hinauszugeben und unterzubringen. Sofort nach der vorjährigen General-Versammlung haben wir die Ausfertigung und Absendung der restlichen Allotmetit-Briefe in Angriff genommen und zu Ende geführt. Die Certificate wurden entworfen, gedruckt und verschickt. Die Rechnungsrevisoren vollendeten ihre Arbeit und lieferten die Bilanz per 31. December 1S99. Zur rechten Zeit fand die zweite und dritte Actienzutheilung statt, und alle hiermit verbundeneu Arbeiten wurden ordnungsgemäss erledigt. Die Bedingungen für die Ausgabe von Inhaber-Actien wurden festgesetzt. Die Verhandlungen wegen der Allotment - Letters wurden mit grossem Erfolge zu Ende geführt, nämlich mit dem Resultate, dass ein rechtsgiltiger Modus gefunden wurde, wonach die Ausfertigung und Stempelung weiterer Allotment-Letters überflüssig geworden ist, wodurch uns und den Actionären viel Arbeit und viele Kosten erspart wurden. Die Sitzungen des Aufsichtsrath.es, des Verwaltungsrath.es und des Speeial-Cotnites wurden ununterbrochen, sowohl zu den festgesetzten Zeiten, wie auch sehr häufig zu aussei gewöhnlichen Zeiten, sowohl in unseren Bureaux in London, als auch an anderen Orten abgehalten, um über alle wichtigen geschäftlichen Fragen zu berathen. Abgesehen von der Jahresbilanz sind den Directoren ausführliche monatliche Berichte und Bilanzen vorgelelegt worden. Es wurden ausgestellt, eingetragen und ausgeschickt: über 100.000 Allotmentbriefe und „ 30.000 provisorische und definitive Certificate, auf 29-£.918 Actien lautend. (Schluss folgt.) Tribüne. Jerusalem, im Ab 5660 (August 1900). Verehrte Stammesgenossen: Die jüdische Centrai-Bibliothek in Jerusalem bittet um Obdach. Fünfzehntausend Bände, unter diesen viele recht wertvolle und seltene Druckausgaben und Manuscripte — ein Grundstock für ein Centrai-Institut, welches die Sammlung sämmtlicher geistigen Schätze unseres Volkes repräsentiereu. soll — verlangen Unterkunft. Ermuthigt durch die bewunderungswürdige Hingebung eines Mannes wie Dr. C h a z a n o w i t z, des Schöpfers der Bibliothek, durch die Opferfreudigkeit von Männern wie Dr. Tschlenow in Moskau und isak Feinberg in Irkutsk, wagten wir es, an den Bau eines Hauses zu schreiten, welches ein bleibendes Denkmal werden soll für die Geschichte und Literatur der jüdischen Nation, eine Culturstätte im Centrum der Religion und Geschichte unseres Stammes. Wir gaben uns der Hoffnung hin, dass das edle Beispiel Nachahmung und das unternommene Werk Begeisterung und kräftige Unterstützung finden werde. Allein die geringen Baufonds waren bald erschöpft und selbst der erste Flügel des geplanten Hauses konnte kaum zur Hälfte gebaut werden. Wir appellieren daher an die Opferwilligkeit unserer Stammesbrüder, die niemals vergebens angerufen wird, wenn es einer erhabenen, nationalen Sache gilt. Möge doch ein jeder sein Scherflein dazu beitragen, den begonnenen Bau der Vollendung entgegenzuführen, und so ein Werk schaffen helfen, welchem nach so vielen Richtungen hin ein bedeutungsvolles, segensreiche-; Wirken beschieden und welches dazu berufen ist, der'Mittelpunkt der ideellen Bestrebungen unseres Volkes zu werden. DasComite derjüdischenCentra l-B ibliothek in Jerusalem: Ephraim Kohn,J. M.Pine s, D. Y e 11 i n, M. Adelmann. A. M. L u n c z, E. Honig, J. M e j o h a s. Beiträge nehmen entgegen : Dr. Joseph C h a z a n o w i t z, Bialj-stok (Russland) und Director Ephraim Cohn, Jerusalem (Palästina). Weltchronik. Ein missglückter Plan der rumänischen Antisemitenliga. Am 7. August brachte das in Budapest erscheinende „Magyar Szö" haarsträubende Details über angebliche Judenverfolgungen, die in Rumänien ausgebrochen sein sollten. Von dem magyarischen Blatte gieng die Nachricht in verschiedene Wiener und reichsdeutsche Tageszeitungen über. Darnach seien in Podul-Tloie Juden von bewaffneten Bauernbanden Überfällen und an Leib und Eigenthum geschädigt worden. Zehn Juden wäreu sogar getödtet worden. Militär sei requiriert worden, langte jedoch verspätet an u. s. w. — Hierzu wird nun einem Wiener Blatte aus Bukarest, geschrieben : „Die Quelle, aus welcher die ungarischen Blätter über die neuerlichen Judenhetzen in Rumänien schöpften, ist eine recht trübe gewesen: die antisemitische ..Apararea Nationala". Diese hatte einen langen Bericht über Judenexcesse und Plünderungen in Podul-Iloie bei Jassv gebracht, der zum grossen Leidwesen der„Antisemitenligä" — ganz unwahr ist. Die Agenten der „Antisemitenliga", die bekanntlich im ganzen Lande gegen die Juden hetzen, hatten geglaubt, dass in Podul-Iloie bereits alles zum Losbrechen bereit sei. Die „Apararea Nation a 1 a" hatte ganz genau das Actionsprogramm der antisemitischen Agenten gekannt und wusste, dass es zu der bestimmten Zeit losgehen müsse. Des Erfolges sicher, brachte sie deshalb an dern Tage, an welchem die Excesse in Podul-Iloie program m massig hätten stattfinden sollen, einen langen Bericht über dieselben. Aus verschiedenen Gründen jedoch klappte es dort trotz sorgfältiger lnscenierung nicht und die geplanten Schandthaten blieben vorderhand ungeschehen. Das genierte aber die „Apararea National nicht im geringsten; sie liess den Artikel über die Judenhetze in Podul- Iloie ganz ruhig unberichtigt, weshalb er wahrscheinlich auch von den ungarischen Blättern übernommen wurde. Die „Apararea Nationale-1 gedachte aber durch diesen Bericht zwei Fliegen mit einem Schlage zu treffen. Einerseits wollte sie die Antisemiten in den übrigen Orten des Landes durch das Beispiel des gelungenen Excesses von Podul- Iloie zu ähnlichen Thaten anspornen; andererseits aber — und das ist die Hauptursache, weswegen die „Aparnrea Nation a 1 a* mit einer Berichtigung ihrer falschen Nachricht zögert — glaubt sie, dass die Zeitungen, welche für die bedrängten rumänischen Juden sich einsetzen und deshalb diese Schreckensnachrichten bringen, in den Augen jener Leser, welche wissen, dass diese Nachrichten unwahr sind, discreditiert werden. Sie selbst wird dann eines schönen Tages, wenn es ihr gerade passt, die Nachricht von den P o d u 1 - 11 o i e r Excessen in einer kleinen Notiz irgendwie dementieren, bei jeder Gelegenheit jedoch auf die „Verlogenheit" jener Presse hinweisen, die, ebenso wie sie falsche Nachricnten über P odul-Iloie gebracht, auch in dem und dem Falle gelogen haben müsse." „Wenn aber auch" — so schliesst der Bukaraster Gewährsmann des betreffenden Wiener Blattes — „die von der „Apararea

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