Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 35 (31.8.1900)
- Article
- Die Schwestern
- Date
- 1900-08-31
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 ,Die 3$ Welt" Ni. 35 undankbar, zu fragen, denn was es auch immer sein mochte, es war unaussprechlich beseligend. Was lag daran, ob es die Freude des Triumphes oder die Wonne der Ergebung war? Sie hatte also zu fragen aufgehört und war fortgegangen, von prophetischem Geiste erfüllt: sie wusste, dass sie ihn hier finden würde. Er schien all das in ihrem Gesichte zu lesen, denn er sagte: „Sie haben an mich geglaubt, ich fühle mich geehrt — ich danke Ihnen. Aber es war gut, dass Sie Ihrem Glauben an mich nicht zuviel zugemuthet haben. Ich wäre morgen und übermorgen und vielleicht noch einmal wiedergekommen, aber nachher — — „Nachher hätten Sij Ihr Ross bestiegen und einen Galopp über Land gemacht. Das ist alles." „Es könnte alles sein. Gerade bevor Sie kamen, stellte ich mir die Frage und wagte nicht, sie zu beantworten. Und nun", seine Augen glänzten, „nun bedarf es keiner Antwort mehr — wenigstens nicht für den Augenblick, Der ist ein Thor, der mit der goldenen Gegenwart um die Zukunft feilscht.44 ,.Ein Thor," wiederholte sie, nicht so sehr zur Bekräftigung als in banger Ahnung. „Entfliehen wir der Glut," sagte er fröhlich, „ich spüre es, die Sommersprossen-Bacillen schwirren so dicht wie Hagelkörner herum; sie machen kurzen Process mit Pfirsichblüten — kommen Sie." Sie folgte ihm ohne Widerstreben, mit einem halben Lächeln über seine Artigkeit, und als die Bäume sich immer dichter um sie schlössen, da ärgerte sie sich im Herzen, dass sie so thöricht gewesen war, dieses Glück für drei lange Tage von sich zu stossen — welch ein ungeheures, überflüssiges Opfer! Ein- oder zweimal stolperte sie mitten in dem Gewirr der Schlingpflanzen, aber sie nahm den angebotenen Arm nicht an. Nein, sie wollte ihn nicht berühren, das wäre unklug gewesen. Es würde sie nur zu deutlich daran erinnern, woher ihre Freude kam, und dass sie sündhaft war. Später vielleicht — wenn sie gar nicht mehr denken, nur fühlen konnte..... „Sie haben mir noch nichts von sich, von den Ihrigen erzählt," sagte er, als sie zu einer kleinen Lichtung gelangten. „ Weil es nichts zu erzählen gibt. Meine Mutter ist seit Jahren bettlägerig, der Vater ist sehr oft verreist, und meine Schwester kennen Sie." „Eine merkwürdige Familiengeschichte," lachte er, „hoffentlich wird die Erzählerin mich für die Kürze dadurch entschädigen, dass sie mehr von sich selbst spricht." „Ich spreche nie von mir." „So," neckte er, „wohl aus übergrosser Bescheidenheit, weil Sie nichts von sich sagen könnten, was Ihnen nicht zur Ehre gereicht. Dann wird mir nichts übrig bleiben, als diese ausgezeichneten Eigenschaften selbst zu entdecken; ich werde sehr gründlich sein, das sage ich Ihnen im vorhinein." „Es wird lange dauern, bis sie etwas herausfinden." „Je länger, desto besser." Da fiel ihm etwas ein und sein Gesicht umwölkte sich. „Und doch," setzte er langsam fort, „ist es möglich, dass ich plötzlich fort muss. Es ist unbestimmt, wie lange ich hier bleibe, ich kann jeden Augenblick — welch ein Thor ich bin! Während ich davon spreche, dass ich Sie werde verlassen müssen, vergeude ich die kostbare Zeit in müssiger Besorgnis. Schnell, wovon sollen wir sprechen?" „Erzählen Sie mir von den schönen Frauen, die Sie gesehen haben," antwortete sie rasch. „Hab' ich gesagt, dass ich schöne Frauen gesehen habe? Dann muss es eine optische Täuschung oder zum mindesten ein grosser Irrthum gewesen sein. Ich bitte Sie um Entschuldigung." „Scherzen Sie nicht, ich spreche im Emst." „Dann beeile auch ich mich, im Ernste zu sprechen," sagte er mit einem langen Blicke; sie fühlte ihn, obgleich sie ihn nicht sah. „Ich werde Ihnen von einer schönen Frau erzählen; ich weiss nicht mehr, wo ich sie gesehen habe — in irgendeiner grossen Stadt, in die sie aus Gott weiss welcher weltvergessenen Einsamkeit gekommen war. Acht Tage nach ihrer Ankunft war sie eine Berühmtheit. Ein Gefolge von Sclaven begleitete sie aus einem Palast in den anderen; sie verliessen ihre Studierzimmer, ihre Staffeleien, ihre Kasernen, ihre Comptoirs und folgten ihr, wohin sie gieng, denn sie war anzusehen wie der Morgenstern. Aber mehr als alle liebte sie ihr Gatte, dessen ganzes Leben sie war, und sie besass den Himmel auf Erden." „Und was wurde aus ihr?" flüsterte Zillah. „Sie glauben, dass es noch eine Steigerung geben müsste? Es ist aber nicht der Fall. Ich erinnerte mich der Frau nur bei Ihrer Frage." „Gehörte sie auch zu den Traurigen?" (Fortsetzung folgt.) Spenden. Für die rumänischen Juden: Jüdische Unterhaltung im Restaurant Frankl, Curort LuhatschowitzK 51.—, Friedländer Heinrich, Innsbruck KG.—, Reinertrag eines Vortrages des Schauspielers E. Preis in Kalusz K 40.—. Zusammen K. 97.—. Beim Hilfscomite eingelaufen: V. S. K 2.—, F. H. K 1.—, H. H. sch. t. K 1.-, B. R. K 2.—, Low K 3.—, Dr. Heinr. Mittler K 2.—, Schwefe/ K 2. -, Dr. Sadger K 10.—, Salomon Spielberg K 1.—, Selm a Seifert K 1.—, Max Kornfeld K 1.—, Johann Damask K. —.40, Neuhauser K —.40, Dr. Hugo Fabianicz K —.4-0, Dr. Guilano Jurco K —.40, Käfor K 1.—, Hermine Mühlrad K —.40, Dr. Alex. Landau K 10.—, D. Goldenberg K 8.91, Philipp Schlesinger K 4.—, Eduard Wiesen K 2.—, Julius Wälder K l.—. Heinr. Viehhaut K 1.—, Frau Felix K 1.40. Laura Bettelheim K 1.—, Schönfeld & Wolf K 1.—, I. Pappenscheller K —.20, Angestellte der Firma Robitscher & Reis K 11.—, Dr. L. Kellner K 2.—, Z. Mörser K 1.—, E. K. K 1.—, S. Schacherl K 1.—. Dr. Bernstein K 1.—, Dora Kellner K 1.—, Stowasser K 2.—, Gabriel Stern K 1.—, W". Zuckermann Kl.-, Anton Königsberger K 1.—, Frl. Welt K 10.-. Schwadron K 2.—, Henriette und Arthur Krakauer K 3.—, Eduard Fischer K 1.—, Max Brada K —.60, Moriz Engel K 1.—, Philipp Klein K 1.—, Adolf Seifert K 2.—. Emma und Otto Brückner K 4.—, Dr. Benedict (Sternberg) K 20.—, Unleserlich K 6.—, Jakob Beer K 2.—, Amalie Schwarzbait K 1.—, Adele Adler K 1.—, Sammlung im Cafe Jägerhof K 7.—, Sammlung v. H. Malamed K 4.—. Sammlung v. Dr. O. Kokesch K 21.30, Moriz Schwarz K —.20, H. S. K 1.—. E. Slonitz K —.20, Rosa Schönfeld K -.20. Ein Jude K i.—, H. M. K —.20, Zwei Juden K 1.92, Sch. & Z. u. B. je K 1.— K 3.—, Hermine K 1.—. N. N. K 1.40, Fehlstein K —.50, V. Heim K 1.—, Lunzer K 1.—, N. N. K 2.— . H. L. K —.50, Ergebnis einer Tarokpartie K —.50, Wolkenfeld K 1.—, I. L. K 1.—, W. W. K 1.—, Dr. Julius Brings K 2.—. Zusammen K 190.03. Briefkasten. C. 6., Wien. Leider nicht verwendbar. M. G., Uzsek. Wenden Sie sich gefl. an das Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung, Wien, I., Schwarzenbergplatz 6. „Ben Uri", Filehne. Ad 1. Im stenographischen Protokoll in deutscher Uebersetzung. Ad 2. „Hatechijah", Chicago, 216 Maxwell Street. Ph. St., Dorna-Watra. Die beste deutsche Mischnah-Ueberselzung ist die von Hoffmann, Samter, Baneth und Petuchowsky besorgte, welche im Verlage S. Calvary & Co. in Berlin erscheint. In demselben Verlage erscheint die Uebersetzung des babylonischen Talmud von Lazarus Goldschmidt. B., Monasterzyska. Leider unmöglich. B. Banne«, Rossland, Canada. Besten Dank. A. H., Komotau. Die Erzählung ist noch nicht erschienen. J. L. L., Dohna. Wien, L, Burgring.