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Die Welt · 1900-08-31 · 35 (31.8.1900) · p. 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
35 (31.8.1900)
Article
Ermuthigung
Date
1900-08-31
Page
13 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 35 ,Die s£ Welt" Seite 13 m&z F e u i 11 Ermuthigung.*) Von Arthur Hugh Clough. Sprich Dicht: „Umsonst ist unser Mühen. „Umsonst der Kampf, der Wunden Pein. „Den Gegner bringst Du nicht zum Fliehen, „Und wie es war, so wird es sein." Wenn Hoffnung täuscht, kann Furcht auch lügen. Vielleicht verhüllt im Pulverdampf Sind dort die Freunde, nah dem Siegen. Und siegten, nähmst Du Theil am Kampf! Denn brechen auch die müden Wogen Sich machtlos hier an Dammes Wehr, Durch ferne Buchten kommt gezogen Still, mächtig wallend schon das Meer. Und steigt auch langsam aus der Welle Die Sonne, wenn der Tag erwacht, Nicht nur im Osten ward es helle, Schau : Westwärts auch schon schwand die Nacht. Auf der Themse. Englischer Sonntag! Wer kennt nicht dieses Schreckenswort, das Stillstand alles Lebens zu bedeuten scheint. Mit Schrecken sieht der Fremde, dass nicht nur die Geschäfte sich schliessen. jedes öffentliche Vergnügen verboten ist. sondern selbst der Eisenbahnverkehr auf das Nothwendisste beschränkt und die Postausgabe eingestellt wird. Englischer Sonntag in der Stadt ist thatsächlich gleichbedeutend mit einem für den Fremden verlorenen Tage. Umso freudiger kam man einer Aufforderung nach, den letzten Sonntag in England auf der Themse zu verbringen, die Mr. C o w e n, Chairman des Vorstandes der Zionist Federation, an eine Anzahl von Herren hatte ergehen lassen. Wer denkt nicht bei einer solchen Aufforderung an den breiten, die Seeschiffe aller Nationen tragenden Strom, wie er bei Tower- Bridge erscheint, wer erinnert sich nicht des unvergess-' liehen Anblickes, den der Abend auf dem Wasser gewährt, wenn man die unendlichen, lichterbesäeten Häusermeere durchfährt, wenn die Eisenbahnzüge über die Wölbungen der zahllosen Brücken donnern und aus dem Nebel in gespenstischer Majestät das riesige Parlaments-Gebäude emporwächst. Das sind ernst»-; Eindrücke, die einen Begriff geben von der Bedeutung der Weltstadt London. Welch liebliches Bild, wie aus Daniel Deronda entnommen, bietet dagegen die Themse westlich von London, wo sie nicht mehr dem Weltverkehre dient, sondern friedlich, ihrer grossen Aufgaben noch unbewusst, die blumigen Ufer von Surrey und Sussex durchfliesst. Ein elektrisches Schiff erwartete hier die Theilnehmer der Fahrt und entführte sie mitsammt ihren Damen westwärts. Dr. H e r z 1. Sir Francis Montefiore, Professor Mandelstamm sitzen in ernstem Gespräche, während die anderen die Schönheit und den Naturreichthum ringsumher bewundern. In eigensinnigen Krümmungen durchzieht der Fluss das Land. Weitschattige Platanen und grüne Weiden ragen auf das Wasser hinaus, und unter ihren halbdunklen Hallen bergen sich hellangestrichene Fahrzeuge, Wohnschiffe mit grossen Fenstern und rankenden, bunten Blumen, deren Bewohner in ihnen den Strom befahren, wie wir es in dem unvergesslichen „Lederstrumpf" Coopers von den englischen Ansiedlern beschrieben finden. In den zahlreichen Buchten, halbverborgen im Grünen, liegen kleine Villen, nicht schwerfällige, massige SteinbauteD, sondern leichte, freundliche Häuschen aus Holz und verschwenderisch mit rankenden *) Aus dem Englischen übersetzt und bei dem zu Ehren der Congressdelegierten von der „English Zionist Federation" veranstalteten Abschiedsbankette in London vorgetragen von unserem Hamburger Gesinnungsgenossen Gustav G. Cohen. e t o n. im* Gewächsen bezogen, ein Bild freundlichen Friedens und stiller Einfachheit. Auf der Wasserfläche drausson ist es umso belebter. Wir durchfahren ganze Flotten von „Punts" — kleinen, flachen Booten — die von sporteifrigen, jungen Leuten mit langen Stangen vorwärts gestossen weiden, langrudrige Rennboote schiessen blitzschnell an uns vorüber und der ganze Fluss erscheint bald in buntem Gewimmel. Wir sind am „Lock" einer Sehleussenanlage angekommen, die dazu dient, die Schiffe über einen der vielen Wasserfälle zu befördern, welche die Landschaft beleben. Weissschäumend strömt dis Wasser durch die geöffnete Wehre und hebt uns "20 Fuss empor. Erfrischungen werden aus einem kleinen Wirtshause herangebracht, und dann beginnt die Fahrt durch eine Gegend, die dem Historiker nicht weniger Interesse erweckt, als dem Naturfreunde. Auf jenen Feldern auf der rechten Stromseite verlor König Johann ohne Land die Entscheidungsschlacht, und auf der Insel, die beute eine epheubewachsene Kapelle krönt, zwangen ihm die aufständischen Barone jene magna Charta libertatum ab, die nach Schiller „seine Bürger zu Königen, seine Könige zu Bürgern macht". Magna Charta libertatum! Auch wir warten auf die grosse Charte, die uns endlich zu freien Männern machen soll, und das Gespräch im Boote ist unwillkürlich verstummt. Als es wieder beginnt, handelt es sich um den nächsten Congress dessen Ort und Zeit. Historia mentrix vitae. Die ragenden Mauern eines alten, gewaltigen Normannenschlosses tauchen vor uns auf, von Windsor Castle grüssen die Fahneu und laden zur Besichtigung des Schlosses, in dem die Königin so oft weilt, ein. Uralte Bastionen und Wälle lassen nicht vermulhen, dass im Innern weite grüne Rasenflächen sich ausdehnen, freundliche Beete ihren Duft entsenden und moderner Prunk entfaltet wird. Seit Eduard III. haben hier Englands Könige gewohnt, und der Jude Disraeli, Lord Beaconsfield, hat hier seiner Fürstin die indische Kaiserkrone angetragen. — Aber zu langen historischen Betrachtungen bleibt keine Zeit. Noch mehrere Stunden zieht das Schiff unhörbar durch Krümmungen des Stromes. In den lauschigen Buchten haben Ruderboote Unterkunft vor den Sonnenstrahlen gesucht, weissgekleidete Gestalten mit goldblonden Haaren scherzen in diesen grünen Häusern von Laub und das Lachen heller Stimmen klingt oft zur Mitte des Wassers herüber. Bray mit seinen Palästen des englischen Hochadels ist erreicht, und wir kehren zu einer kleinen Themseinsel zurück, auf der man das späte Mittagmahl reieht. Reden werden nach englischer Sitte nicht gehalten. Zangwills Humor aber sorgt dafür, es zu würzen. Als endlich das Schiff in nächtlicher Fahrt Staines wieder entgegenfährt, die Platanen bei goldenem Mondlichte sich im klaren Wasser spiegeln und Mr. C o w e n, unser liebenswürdiger Wirt, das Ende der Fahrt verkündet, tönen die Laute des Nationalliedes, mit dem man auch den Congress beschlossen, weithin über die lauschende Wasserfläche. F. Die Schwestern. Erzählung von S. Gordon. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Die Wimpern ruhten auf ihren Wangen; so konnte sie die Unwahrheit besser erzählen. Konnte sie ihm denn verrathen, warum sie nicht früher gekommen war? Konnte sie ihm den verzweifelten Seelenkampf gestehen, den sie in diesen Tagen durchgemacht? Im Sonnenschein und in der Dunkelheit, in ihren wachen Stunden und im Schlummer hatte sie mit sich selbst wie mit einem Todfeinde gerungen. Und nun war der Kampf zu Ende. Sollte sie das als einen Sieg oder als eine Niederlage betrachten? Es war fast

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