Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 32 (10.8.1900)
- Article
- Die Schwestern
- Date
- 1900-08-10
- Page
- 16 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 16 „Die x£ Welt" Nr. n Die Schwestern. Erzählung von S. Gordon. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Wieviel macht das?" fragte der Käufer. „Zwanzig Kopeken, bitte." antwortete Zillah, während sie ein neues Blatt umwendete. Gemächlich zog der junge Mann seine Brieftasche hervor und holte einen Hundertrubelschein heraus. Zillah nahm ihn entgegen und warf einen Blick darauf. „Ich kann Ihnen nicht wechseln." sagte sie ruhig und gab ihm die Banknote zurück. „Dann kann ich wohl auch die Flundern nicht haben? Ich habe kein Kleingeld," sagte der Officier. „Es macht nichts, Sie können das Geld später schicken." Er betrachtete sich durchaus nicht als entlassen, sondern blieb stehen und klopfte leise mit seinen Fingerknöcheln auf den Tisch. „Ihr Buch muss sehr interessant sein,* sagte er endlich. „Ja," erwiderte Zillah kurz. „So interessant, dass Sie nicht zu bemerken scheinen, dass dies ein historisches Ereignis — um mich gelinde auszudrücken, ein noch nicht dagewesener Fall ist." Zillah erhob den Kopf, aber nicht ihre Augen. „Sie fragen wieso?" fuhr er fort. „Nun, das verhält sich folgendermassen. Ein Officier Seiner Majestät des Kaisers kommt in einen jüdischen Laden, um dort etwas zu kaufen. Die Besitzerin ist anwesend, lässt ihn aber von dem Laufburschen bedienen, dessen Hände durchaus nicht über jeden Tadel erhaben sind. Das nenne ich entschieden originell." Diesmal zwang er sie, ihn anzusehen. „Wenn ein Officier des Kaisers etwas in einem jüdischen Laden kauft," wiederholte sie, „so kauft er, was <>r bezahlt, er kauft doch nicht auch die Besitzerin." „Die ist in diesem Falle freilich unschätzbar," sagte er scherzend. „Aber es thut mir leid, dass Jeiteles" — „Jeiteleles." fuhr sie eifrig fort, „wasch' Dir die Hände und gib dem Herrn zwei andere Flunder." „Ich bitte Sie, den braven Jeiteles nicht zu incommodieren," lächelte der junge Mann, „ich habe nie daran gedacht, den Fisch selbst zu essen, das müssten Sie doch schon errathen haben. Ich bin hergekommen — können Sie mir sagen, warum ich hergekommen bin?" „Ja," erwiderte sie rasch, „um mein Volk zu beleidigen." „Ah, Sie fühlen sich beleidigt," sagte er mit einem kurzen Lachen, „aber ich versichere Ihnen, dass ich Sie nicht beleidigen wollte, es war nur ein Experiment." Sie fragte weder durch ein Wort, noch durch eine Bewegung, was dies zu bedeuten habe. „Sie sind wahrhaftig nicht neugierig," fuhr er fort, „aber ich bin davon überzeugt, dass Sie trotzdem gerne wissen möchten, was ich meine. Ich wollte sehen, ob die ruhige, stille Aussenseite, die Sie mir zeigten, nicht auch einer Erregung fähig ist. Sie haben mich anfangs irregeführt, aber ich bin froh, dass ich lange genug geblieben bin, um für meine diplomatische Geschicklichkeit belohnt zu werden. Ein Vulkan unter einem Gletscher ist eine seltene Naturerscheinung. Ich wünsche Ihnen einen guten Tag." An der Thür wendete er sich noch einmal um, das Lächeln von vorhin lag wieder auf seinem Gesichte. (Fortsetzung folgt.) THE JEWISH COLONIAL TRUST (JÜDISCHE COLONIALBANK) LIMITED. Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur öH'entlichen Kenntnis gebracht, dass die zweite ordentliche General-Versammlung der Actionäre des The Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Limited in London stattfinden wird, und zwar Freitag den 17. August 1900, präcise 12 Uhr mittags, im grossen Saale, Winchester House, Old Broad Street, City, behufs Entgegennahme des Berichtes des Directoriums und Rechnungs- Ablage, Wahl der Directoren und Rechnungs-Revisoren und Durchführung der gewöhnlichen Tagesordnung der Gesellschaft. Statutengemäß bleiben die Actien-Cessionsbücher und die Mitgliedsregister der Gesellschaft vom 4. August bis zum 17. August 1000 (beide Tage inclusive) geschlossen. L ondo n, am 17. Juli 1900. Im Auftrage des Directoriums: 49, Leadenhall Street JaiTieS H. LoeWe, London E. C. General-Secretär. In Abwesenheit des Dr. Isidor Marmorek für die Redaction verantwortlich: M. Hermann. —Buchdruckerei „Industrie" (S. Bergmann), Wien, VIIL, Schlösselgasse 11.